[Orion 2] Planet außer Kurs

Lesezeit circa: 6 Minuten

In „Planet außer Kurs“ ist die Erde in Gefahr: eine gelenkte Supernova bedroht die Menschheit!

Orion, Folge 2
„Planet außer Kurs“

Planet außer KursHandlung

An Bord der Hydra entdeckt die Kommandantin General Lydia Van Dyke eine Supernova. Diese wird von den Frogs  künstlich gelenkt und steuert direkt auf die Erde zu. Anschließend bricht der Funkkontakt zur Hydra ab, da sie sich mitten in einem Energiesturm befindet.

Auf der Erde beschließt das Militär gemeinsam mit dem Galaktischen Sicherheitsdienst, die Leitstelle der Frogs ausfindig zu machen und zu zerstören. So soll die künstliche Nova abgelenkt werden. Unter anderem entsenden die Befehlshaber die Orion. Mit logischen Überlegungen und Auswertungen fremder Signale versucht die Besatzung der Orion ihr Ziel zu entdecken. Hilfe erhalten sie von General van Dyke. Sie übermittelt mit letzter Kraft die ihr bekannten Koordinaten der Frogs. Allerdings bringt die Zerstörung der Anlage die Nova nicht vom Kurs ab.

McLane entscheidet, die Orion zu opfern. Die Mannschaft rettet sich mit den Lancets, während ihr Schiff auf Kollisionskurs mit der Supernova geschickt wird. Der Plan funktioniert. Da McLane die Hydra in der Nähe vermutet, versucht er sie mit den Lancets zu erreichen. Er hofft, mit dem harvarierten Raumschiff den Rücksturz zur Erde zu schaffen.

Kritik

„Planet außer Kurs“ beschreibt einen Angriff durch eine außerirdische Macht, wie er theoretisch denkbar sein kann. Dabei driftet die Geschichte nie allzu weit von der möglichen Realität ab. Es erscheint bis auf Kleinigkeiten durchaus plausibel. Obwohl der Inhalt an einigen Stellen etwas zu nüchtern rüberkommt, ist er dennoch recht gut umgesetzt.

Werfen wir ein Auge auf die Spezialeffekte. Die Supernova macht einen guten Eindruck, auch wenn die Bezeichnung etwas unglücklich geraten ist.  Das Wort „Komet“ träfe es bei dem Aussehen besser. Mittels einfachster Technik – brennbare Paste auf Holzkugel und Blechstreifen – wurde ein erstaunlich überzeugender Effekt hervorgerufen. Die brennende Kugel geht durchaus als Nova, bzw. Komet, durch.

Planet außer KursBei den Frogs, welche kurzzeitig zu sehen sind, wurde die bereits angewendete Art und Weise beibehalten. Hierbei hatte man die Schauspieler mit einer Speziallinse gefilmt, um die Gestalten künstlich zu verzerren. Das Glitzern erschuf man durch Filmaufnahmen eines Holzes, welches mit Glitter versehen war. die Kombination der Aufnahmen  ergaben die unheimlichen Frogs. Man verwendete die Sequenzen mehrfach. Es fällt zwar auf, dass die Frogs immer wieder die gleichen Bewegungen machen, aber der Geschichte an sich tut das keinen Abbruch.

Auch die Sequenz der startenden Orion – wir erinnern uns an den im Orion Special erwähnten Trick mit der Brausetablette – ist immer dieselbe Aufnahme. Nachvollziehbar, denn Starts laufen meist immer gleich ab, sofern nichts dazwischen kommt.

In dieser Folge ist Hasso Sigbjörnson gezwungen einen Weltraumspaziergang zu unternehmen. Mit schwimmenden Bewegungen versucht er, die Hydra zu erreichen. Ich frage mich, wie er das geschafft hat. Er hat weder Raketen am Raumanzug, noch irgendein anderes Hilfsmittel. Eine kleine Abweichung und er wäre an der Hydra rettungslos vorbei getrieben. Warum sein Anzug keine Manövriereinheit besitzt, ist eine gute Frage. Leider findet sich darauf nirgendwo eine Antwort. Denkbar, dass es sich um einen Fehler im Drehbuch handelt.

Da wir gerade bei Fragen sind. Wie ist es möglich, Antimateriebomben in diesem Umfang zu nutzen? Antimaterie ist ein ganz schön gefährliches Zeug. Allein, um es zu lagern, muss der umgebende Raum völlig luftleer und frei von Materie sein. Jeder Kontakt zu Materie würde eine Reaktion auslösen. Dazu kommt, zumindest nach unserem Wissensstand, dass die Herstellung sehr kostspielig und kompliziert ist. Gut, in einer solch weit entfernten Zukunft mag das Problem der Herstellung gelöst sein. Die Lagerung dürfte jedoch weiterhin ein gefährliches Unterfangen sein, erst recht an Bord von Raumschiffen.

Weiter geht es mit Fragen, allerdings betreten wir jetzt den Bereich der Moral. Sowohl die Regierung der Erde, als auch die versammelten Herren im Hauptquartier der Schnellen Raumverbände, diskutieren über eine Evakuierung der Bevölkerung. Allerdings steht fest, dass es nicht alle in der kurzen Zeit schaffen können. Es stehen nicht genug Raumschiffe zur Verfügung. Nun stellt Oberst Villa eine der wichtigsten Fragen überhaupt: Wer soll gerettet werden und wer legt das überhaupt fest? Wenn wir die Überlegungen weiterführen, entstehen immer neue Fragen. Der Wert des einzelnen Menschen steht im Raum. Wer ist geeignet, überleben zu dürfen und wer nicht? Und warum? Natürlich gibt es an dieser Stelle keine Antwort. Aber es regt an, darüber nachzudenken.

Erstaunlich ist die Gelassenheit der Orion-Besatzung, die ihrem möglichen Tod entgegen sehen muss. Zwar kommt es zu dem einen oder anderen emotionalen Ausbruch, doch im Großen und Ganzen bleibt die Moral überraschend stabil. Auch über diese Hintergründe erfahren die Zuschauer nichts. Das bleibt der eigenen Interpretation überlassen. Dabei wäre es passend gewesen, einen nachdenklichen Moment einzubauen. Stattdessen gibt die Crew diverse Frotzeleien zum Besten. Natürlich ist auch dies eine denkbare Reaktion auf das vielleicht Unvermeidliche, aber es wirkt sehr gekünstelt und driftet teilweise in sexistische Klischees ab.

Am Ende der zweiten Folge der Serie sieht es so aus, als hingen die Episoden aneinander. Das Drehbuch nimmt Bezug auf die vorangegangene Folge und es ist auch deutlich, dass die Charaktere sich entwickeln. Leutnant Jagellovsk und die Crew scheinen sich ein wenig mehr aneinander gewöhnt zu haben. Dieser Umstand gefällt mir sehr. Dadurch sind es keine in sich abgeschlossenen Kurzgeschichten, sondern die Serie baut sich zu einem größeren Ganzen auf.

Fazit

Am Schluss ein kleines Statement. Die angesprochenen Ungereimtheiten und kleineren Ecken und Kanten nehmen dennoch nicht die Freude an der Episode. Man darf nicht vergessen, wann die Serie gedreht wurde und wieviel Zeit seitdem vergangen ist. Der Spannungsbogen ist hier gut gelungen. Mehrere Pläne schlagen fehl, die Zeit wird knapp. Die Geschehnisse können auf der Erde nicht länger geheim gehalten werden. Zwar ist es schon ersichtlich, dass ausgerechnet die Orion-Besatzung die Erde retten würde, aber genau das ist ja die Essenz der Serie.

Und – etwas amüsiert – muss ich bemerken, dass Politiker sich wohl niemals ändern werden. Statt schnell zu handeln, wird erst einmal diskutiert. Die Mühlen der Bürokratie mahlen genauso langsam wie heutzutage, frei nach dem Motto: „Wenn man mal nicht weiter weiß, braucht man einen Arbeitskreis.“

Kirsten Pevestorf

Kirsten ist Jahrgang 80 und ein totaler TOS-Fan, kein Wunder, dass sie sich bei und auch hauptsächlich darum kümmert. Wenn das nicht reicht, vertritt sie Marco in der Chefredaktion.
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