James Sunderland versinkt in Trauer über den Tod seiner Frau Mary. Doch dann bekommt er unerwartet einen Brief von ihr.
Videospielverfilmungen sind derzeit wirklich schwer in Mode und die Vorlage gilt als eines der besten Horror-Spiele aller Zeiten. Als Silent Hill Fan war ich allerdings skeptisch – während der erste Teil der Reihe wirklich grandios umgesetzt wurde, schwächelte der zweite doch sehr, weswegen es erstmal keine neuen Filme gab. Damals wurde der zweite Teil der Spielreihe ausgelassen, man entschied sich den dritten Teil, der eine direkte Fortsetzung des ersten ist, filmisch umzusetzen, was ich durchaus nachvollziehen kann. Umso gespannter ist man natürlich, was man hier nun vorgesetzt bekommt. Achtung: Dies wird nicht ohne Spoiler funktionieren.
Handlung
Der Maler James Sunderland (Jeremy Irvine) fährt mit seinem Auto durch die Gegend und trifft dabei zufällig auf Mary (Hannah Emily Anderson) – diese wollte gerade mit dem Bus ihre Heimatstadt Silent Hill verlassen, entscheidet sich dann aber doch dagegen. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach Silent Hill und verlieben sich. Plötzlich wacht James sturzbesoffen in einer Kneipe auf, er bekommt Ärger. Als er daheim ist, findet er einen Brief von Mary, die ihn in Silent Hill treffen will. Er macht sich auf den Weg, bemerkt aber schnell, dass in Silent Hill nicht alles so ist, wie es scheint. Als er zum ersten Mal eine Art Monster sieht, wird er in seinem Vorhaben, Mary zu finden, nur noch bestärkt…
Rezension
Wenn eine Vorlage adaptiert wird, müssen Kompromisse eingegangen werden. Das kann manchmal nur die Optik der Schauspieler sein und in anderen Fällen wird eine Vorlage der Zeit angepasst. Die Gründe dafür sind verschieden, oft muss aber zum Beispiel die Handlung an manchen Stellen gestrafft und an anderen erweitert werden, weil die Vorlage „Spiel“ eben anders unterhält als ein Film.
Zu den notwendigen Änderungen gehört eine deutliche Straffung der Handlung, so besuchen wir manche Orte gar nicht und an anderen verweilen wir nur kurz. Das Lakeview Hotel wurde von der Insel im See ans Ufer gesetzt, was uns die lange Ruderbootfahrt dorthin erspart – in einem Videospiel durchaus vertretbar, in einem Film eher überflüssig. Auch ist im Jahr 2026 ein Smartphone natürlich nicht mehr wegzudenken, die Vorlage stammt aus dem Jahr 2001, da waren Mobiltelefone noch nicht so weit verbreitet, wie sie es heute sind und an Smartphones war noch gar nicht zu denken. Da hören die notwendigen Handlungen aber leider auch auf. Der Film wird als Reboot der Reihe bezeichnet, zeigt aber ein Silent Hill, das deutlich auf der bekannten Stadt aus den bisherigen Verfilmungen basiert. So hören wir auch hier die Sirene, die im ersten Teil den Übergang zwischen den verschiedenen Welten signalisiert und Silent Hill ist nicht nebelig, sondern voller Asche. Und auch Pyramid Head (oder Red Pyramid) ist wieder mit von der Partie – dieser ikonische Charakter gehört aber eigentlich in diesen Film und war im ersten Teil fehl am Platz. Und zu guter Letzt ist auch der Kult, der Silent Hill aufgebaut hat, mit von der Partie. Dieser ist zwar tatsächlich ein wichtiger Bestandteil der Geschichte rund um die fiktive Stadt, spielt in der Vorlage aber keine Rolle.
Und das bringt uns dann zu den unnötigen Änderungen. In der Vorlage haben James und Mary nicht in Silent Hill gewohnt, sie waren dort zu Besuch im Hotel. Mary ist nicht durch den Kult und ihren Vater vergiftet worden, sondern wurde einfach so krank. Wir wissen nicht was James beruflich macht, dass er hier ein Maler ist, stört nicht wirklich, trägt aber auch nichts zur Handlung bei. Viel mehr stört, dass Eddie Dombrowski – der ebenso wie James in Silent Hill gefangen ist – hier nur eine Randnotiz ist und nicht mal im Ansatz die Bedeutung hat, die er in der Vorlage hat. Stattdessen bekommen wir etliche Rückblicke in die tolle Zeit, die Mary und James hatten und was der Kult so getrieben hat. Auch die Psychiaterin von James stört eher, da die „reale Welt“ Szenen das Pacing negativ beeinflussen.

Über die Stadt
Damit auch die Leser, die die Vorlage nicht kennen, im Bilde sind, hole ich an dieser Stelle ein wenig aus und erzähle über den Ort in der Videospielreihe. In der Stadt Silent Hill treibt ein Kult mit dem Namen „The Order“ sein Unwesen. Was genau sie machen, würde jetzt zu weit führen – in jedem Spiel, außer der Vorlage zu diesem Film, hat der Kult aber irgendwas mit der Handlung zu tun. Die Mitglieder haben sich den Ort nicht ohne Grund ausgesucht, denn er hat magische Verbindungen zur sogenannten Otherworld – im Laufe der Zeit wird die Stadt ein Magnet für Böses – Menschen, die Schuld auf sich geladen haben, landen nicht in der normalen Stadt, sondern in der Nebel-Version, die gelegentlich in die Otherworld übergeht.
Die Vorlage erklärt
In der Vorlage wissen wir zu Beginn natürlich nichts über James und was er dort sucht. Zum Ende des Spiels erfahren wir, dass James seine Frau getötet hat, da sie krank wurde und er ihr Leiden nicht mehr ertragen konnte. Er wollte sein Leben zurück. Seine Schuldgefühle und seine Verbindung zu Silent Hill, sorgen für den Brief von Mary und für so ziemlich alles, was ihm in der Stadt passiert. Auch im Spiel trifft er auf Angela, Eddie, Laura und Maria – hier sind die Damen aber nicht allesamt Verkörperungen von Mary und Eddie ein Statist, der zufällig da ist. Angela und Eddie sind in ihrer eigenen Hölle, ähnlich wie James. Sie nehmen die Stadt ganz anders wahr als er.
Angela wurde von ihrem Vater und ihrem Bruder missbraucht, was bei ihr logischerweise seelische Narben hinterlassen hat. So sehr, dass sie sich den Tod wünscht und diesen auch des Öfteren erfolglos selbst herbeiführen wollte. Sie ist der Meinung, dass sie die Taten ihres Vaters verdient hat, weil ihre Mutter ihr dies auch so sagte. Irgendwann hat sie ihren Vater und ihren Bruder getötet. Sie sucht ihre Mutter in Silent Hill, der Grund wird aber nicht erwähnt.
Eddie wurde sein Leben lang gemobbt und drehte irgendwann durch. Er tötete den Hund eines Mobbers und schoss ihm in die Knie, was den Mobber zum Krüppel machte. Eddie flieht nach Silent Hill, weil die Stadt nach ihm rief. Hier dreht er noch mehr durch und greift irgendwann sogar James an, weil er seine Worte als Verspottung interpretiert.
Laura ist eine Freundin von Mary, die sie in einer Klinik kennengelernt hat. Sie ist das einzige menschliche Wesen ohne Dunkelheit im Herzen und sieht deswegen keine Monster in Silent Hill. Wie James sucht auch sie nach Mary, sie missinterpretiert die Worte „Ich bin jetzt an einem weit entfernten Platz“ nicht als Tod, sondern als Reise.
Maria ist, wie viele andere Gestalten in Silent Hill auch, eine Manifestation von Mary, die sehr aufreizend gekleidet ist. Sie gilt als Symbol für James sexuelle Frustration, da sein Eheleben zuletzt nicht sehr romantisch war. Im Spiel stirbt Maria öfters, kommt dann aber wieder zurück, als Selbstbestrafung von James. Andere können sie nicht sehen, da sie nur für James existiert.
Was davon übrig blieb
Kurzform: Nichts – oder wenigstens nicht viel. Maria ist nach wie vor eine Manifestation von Mary. Sie stirbt aber erst, als James sich seiner Schuld bewusst wird und sie nicht mehr braucht. Eddie wurde komplett auf „Unnötiger Nebencharakter, nur im Film wegen Fanservice“ reduziert. Ich habe nicht gestoppt, aber ich würde auf ungefähr 3 Minuten Screentime tippen. Er taucht auf, redet mit James, haut ihm eine und wird nie wieder gesehen. Angela und Laura sind nun ebenfalls Manifestationen von Mary, die hier sogar einen anderen Familiennamen bekam. Der Missbrauch von Angela blieb, hier wurde das aber auf den Vater von Mary umgeschrieben. Der als Doorman bekannte Bossgegner aus dem Spiel, Angelas Vater, wurde auch in den Film übernommen. Und er sieht ziemlich gut aus und auch der Raum sieht genauso aus wie der Raum aus dem Spiel – aber gekämpft wird nicht. James fasst ihn an und sagt, dass es ihm leid tut. Und besiegt ist das Monster. Viele der Gegner im Spiel sind bewusst „erotisch“ gestaltet und nach Frauen modelliert, um die sexuelle Frustration deutlich zu machen. Das wird hier immerhin einigermaßen übernommen, aber hier ist es irgendwie immer Mary, die mit allem zu tun hat.
Die größte Enttäuschung ist aber Pyramid Head. Im Spiel ein Gegner, den man immer wieder trifft, der aber nur zu einem bestimmten Zeitpunkt wirklich besiegbar ist. Er ist eine Verkörperung der Schuld von James und gleichzeitig auch sein Bestrafer. Nachdem James im Spiel Eddie getötet hatte (hier hatte er keine Wahl), hat er bewusste Schuldgefühle, denn er hat einen Menschen getötet. Bei der nächsten Begegnung mit Pyramid Head hat er es mit zwei der Sorte zu tun – was nachträglich erst Sinn ergibt, denn zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass James der Mörder ist. Im Film wurden daraus drei Szenen – eine wenigstens ansatzweise wie im Spiel, eine andere so halbwegs und die letzte kam so gar nicht vor. Eine der ikonischsten Figuren der Videospielgeschichte. eines der Aushängeschilder dieser Reihe, obwohl er zuerst nur in diesem Teil vorkam, wurde so runtergeschraubt und entfremdet, dass er einfach nur ein Random Monster ist.
Und als reiner Horrorfilm?
Ich würde gerne behaupten, dass der Film wenigstens als reiner Horrorfilm funktioniert. Aber auch das ist nicht der Fall. Der Plot ist stellenweise derbe unlogisch – das James und Mary trotz des Fast-Über-den-Haufen-Fahrens sich verlieben, schlucke ich noch. Aber dass sie wegen dem kaputten Koffer den Busfahrer fahren lässt, wenn sie doch eigentlich vor dem Kult aus der Stadt fliehen will? Bitte. Das ist schwer zu verdauen. Überhaupt muss man nicht wissen, wie die beiden sich kennengelernt und was die so als Paar erlebt haben. Wir reden hier über Horror, da reicht es schon, dass man weiß, dass er seine totgeglaubte Frau sucht und dabei in seinen eigenen Wahnsinn hinabsteigt. Während die ersten Minuten noch einen zwar enttäuschten, aber doch erwartungsvollen Eindruck hinterlassen, driftet der Film immer mehr in Romanze mit Grusel ab. Die Flashbacks in die Vergangenheit, und auch die „Gegenwart in der Realität“ Szenen, nehmen dann obendrein eine Menge Tempo raus, so dass Spannung, wenn denn mal welche da ist, gleich wieder erlischt. Zu keiner Zeit hat man das Gefühl, dass James irgendwie in Gefahr ist. Im Spiel merkt man, wie James mit der Situation überfordert ist – hier steckt er so ziemlich alles weg. Er muss nur einmal wirklich kämpfen, ansonsten rettet ihn der Zufall oder ein simples „Es tut mir leid“.
Gibt es denn auch Positives?
Tatsächlich gibt es das. Die Musik ist von Akira Yamaoka ist sehr an die Spielvorlage angelehnt. Die Szenerie ist voll mit Referenzen auf die Spiele, auch wenn dies manchmal nur im Hintergrund passiert. Als Beispiel nenne ich hier das Radio, welches Störgeräusche von sich gibt, wenn Monster in der Nähe sind. Die Monster sehen auch soweit ganz okay aus. Nicht so klasse wie 2006, aber absolut passabel.
Das Ende ist auch einigermaßen zufriedenstellend. James tötet Mary und ist voller Schuldgefühle. Das Spiel hat mehrere Enden, je nachdem was im Spiel passiert. Von den Fans wird das „In Water“ Ende als das korrekte angesehen. Hier fährt James mit seinem Auto und dem Leichnam von Mary in den See, da er seine Schuld nicht mehr ertragen kann. Das passiert auch hier und hätte mich einigermaßen versöhnt – und dann wacht James wieder am Beginn des Filmes auf, trifft erneut Mary, fährt dieses Mal aber nicht nach Silent Hill sondern in die andere Richtung. Happy End? Mary wird trotzdem sterben, denn sie wurde ihr Leben lang vergiftet. Warum genau erfahren wir übrigens nicht, Sinn macht es nicht, denn sie ist die Tochter des Gründers. Dieses Ende hat aber angeblich Konami so gefordert.
Fazit
Als Horrorfilm gerade noch akzeptabel, wenn auch eher im unteren Bereich anzusehen, als Verfilmung eines preisgekrönten Meisterwerkes aber unterirdisch. Die Elemente sind alle da, sie wurden nur falsch zusammengesetzt und damit komplett am Ziel vorbeigeschossen. Der Film wirkt, als hätte ein Klemmbausteinfan von seinem 1000 Teile Set die Anleitung verloren und musste mit seiner Erinnerung an das fertige Modell bauen. Schade, das große Potential der Vorlage wurde nicht genutzt. Eher was für Nicht-Kenner der Vorlage und auch für diese nur bedingt.
Wer noch etwas über die Spielvorlage erfahren will, der findet meine Rezension vom aktuellen Remake ebenfalls bei uns.
Info
Regie: Christophe Gans
Drehbuch: Christophe Gans, Sandra Vo-Anh, Will Schneider
Kamera: Pablo Rosso
Schnitt: Sébastian Prangère
Musik: Akira Yamaoka
Lust, in unserem Team mitzumischen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.
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