Die Pforten von Gotham
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Review: Batman – Die Pforten von Gotham

Lesezeit circa: 7 Minuten

Der Architekt droht, Gotham in die Luft zu sprengen. Doch was ist seine Motivation?

Die Pforten von GothamHandlung

Im ausgehenden 19. Jahrhundert hatte Gotham noch keine Skyline aus Wolkenkratzern. Diese verdankt sie erst den drei kapitalistischen Dynastien Wayne, Cobblepot und Elliot. Die drei Unternehmer beauftragen die Architektenbrüder Nicholas und Bradley Gates mit dem Bau ihrer Hochhäuser und Brücken. Eine weitere Brücke plant der Industrielle Kane vom anderen Ufer der Bucht, um sein Land mit Gotham zu verbinden. Als jedoch Alan Wayne den Auftrag erteilt, kommt es zu einem folgenschweren Unfall, bei dem Bradley Gates stirbt.

Nicholas gibt Kane die Schuld daran und unterstellt ihm den Mord an seinem Bruder. Aus Rache bringt er dessen Sohn um, wobei er einen Unterwasseranzug trägt. Den selben Anzug trägt rund ein Jahrhundert später ein Terrorist, der sich Architekt nennt und Gothams Wahrzeichen eins nach dem anderen abreißt. Um Gothams Zukunft zu retten, muss sich Batman mit der Vergangenheit der Stadt auseinandersetzen.

Nach dieser fünf Kapitel umfassenden Story erzählen zwei weitere Kapitel die Geburt eines neuen Superhelden in Paris. Der Nightrunner ist ein 22-jähriger Moslem mit Migrationshintergrund, der in einem heruntergekommenen Pariser Banlieue lebt. Nachdem Bilal Asselah Zeuge mehrerer rassistischer Übergriffe durch die Polizei wird, und diese dann auch noch seinen besten Freund erschießt und zum Terroristen erklärt, frisst er seinen Zorn zunächst in sich hinein.

Dank seiner Parkour-Performance wird Bruce Wayne auf ihn aufmerksam und engagiert ihn für sein globales Selbstjustizprogramm. Allerdings herrschen in Paris andere Umstände als in Gotham und so wird der Gesetzeshüter vom aufgebrachten Mob schnell als Teil der verhassten Polizei wahrgenommen. Ein schwieriger Start für den Nightrunner.

Rezension zu Batman – Die Pforten von Gotham

Zunächst einmal sollte erwähnt werden, dass in diesem Band der ehemalige Robin Dick Grayson zum neuen Batman aufgestiegen ist, während Bruce Wayne sich um die globale Expansion seines Selbstjustizsystems kümmert. Dafür gibt es einen neuen Robin, der kein geringerer als Bruces Sohn Damian ist. Außerdem wären da noch ein etwas älterer Red Robin und Cassandra alias Black Bat, die aus Hong Kong zu Hilfe eilt.

Das neue Team muss sich erst noch zusammenfinden. Grayson ist noch längst nicht so selbstsicher wie der alte Batman, und Tim Drake ist jetzt schon ein besserer Red Robin, als er es einst war. Damian kann derweil Cassandra nicht ausstehen, weil er glaubt, sein Vater ziehe sie seinem eigenen Sohn vor. Die Bedrohung durch den Architekten schweißt jedoch alle vier zusammen, und der neue Batman kann schlussendlich seinen ersten Fall erfolgreich abschließen.

Der Architekt bekommt in dieser Geschichte ebenfalls etwas mehr Hintergrund. Es handelt sich um den letzten Nachfahren der Gates-Familie, welcher das Tagebuch seines Ahnen Nicholas Gates studiert hat und dessen Rache vollenden will. Damit bekommt er eine nachvollziehbare Motivation, die ihm in anderen Batman-Comics fehlt.

Obendrein birgt seine Familiengeschichte ein gesellschaftskritisches Element, denn seine Ahnen wurden von den drei großen Familienclans erst ausgenutzt und später fallengelassen. Er spricht in diesem Zusammenhang von Geldadel und hat damit nicht ganz unrecht. Leider wird dieses kapitalismuskritische Element im Finale aufgeweicht, als sich herausstellt, dass Kane das Brückenbauprojekt von Wayne nicht sabotiert hat und damit auch nicht die Schuld an Bradley Gates՚ Tod trägt. Vielmehr ist Nicholas durch die Dekompression seines eigenen Taucheranzugs irre geworden und schlussendlich in Arkham Asylum gelandet.

Die Handlung ist dennoch spannend erzählt, da sich die Puzzleteile in kleinen Schritten zusammenfügen. Batman muss erst einmal darauf kommen, dass mit den „Gates of Gotham“ die Gates-Brüder und keine architektonischen Pforten gemeint sind. Außerdem sind die Sprünge von der Gegenwart ins 19. Jahrhundert gut gesetzt, sodass sich diese beiden Zeitebenen perfekt ergänzen.

Der Zeichenstil ist etwas schlicht und kantig, was vor allem bei Gesichtern auffällt. Zumeist ist die Detailtiefe aber dennoch ausreichend. Die Koloration ist ebenfalls recht einfach und weist nur wenig Farbverläufe statt moderner Glanzeffekte auf. Trotzdem gelingt es vor allem bei den Szenen im 19. Jahrhundert, durch eine Sepia-Farbgebung die passende Atmosphäre zu erzeugen. Alles in allem also nicht perfekt, aber ausreichend, um die gelungene Handlung zu unterstützen.

Ein kleiner Fehler hat sich dennoch im Hintergrund eingeschlichen. In Gothams Skyline ist der Waynetower ein paar Seiten nach seiner Sprengung wieder zu sehen. Im Übrigen wirkt seine Form ein klein wenig phallisch, aber das nur so am Rande.

Die beiden Bonuskapitel erzählen eine weitere Geschichte, die nicht minder interessant ist. Eigentlich ist sie sogar noch besser, denn sie verspielt nicht ihr gesellschaftskritisches Potential, indem der Protagonist zum Irren erklärt wird. Einen Charakter mit Migrationshintergrund, noch dazu einen Moslem, zum Helden zu machen, ist wirklich mutig. Ein klares Statement gegen Rassismus und Ausgrenzung.

Die vielschichtige Handlung sorgt zudem dafür, dass dieses Statement nicht zum schnöden Blackwashing verkommt, mit dem Ziel, die Auflage durch das Ansprechen von Minoritäten zu erhöhen. Hier werden echte gesellschaftliche Probleme angesprochen und aus der Perspektive der Betroffenen erzählt. Es geht außerdem um Ursache und Wirkung. So ist Bilals bester Freund eben kein Terrorist, auch wenn er einen Molotowcocktail in eine Polizeiwache geworfen hat. Er war zuvor ein Opfer von Polizeigewalt, und die Polizei ist es schlussendlich auch, die sein Leben beendet und dies anschließend als Sieg über den vermeintlichen Terror feiert.

Die Geschichte, die hier nacherzählt wird, hat einen wahren Kern. Derartige Ausschreitungen sind in Paris keine Seltenheit und treten immer dann auf, wenn wieder mal ein paar Jugendliche mit Migrationshintergrund wegen geringfügiger Delikte regelrecht hingerichtet worden sind. Es geht um institutionalisierten Rassismus und unverhältnismäßige Polizeigewalt. Auf der anderen Seite sind die daraus resultierenden Proteste ebenfalls oft gewaltsam und zerstörerisch.

Während es in Gotham nur die zwei Seiten -die des Gesetzes und die des Verbrechens- gibt und es Batman daher nicht schwer fällt, sich für eine zu entscheiden, gerät der Nightrunner schnell in eine moralische Zwickmühle. Er möchte den Ausgegrenzten eigentlich helfen, doch Gewalt gegen die Polizei kommt für ihn nicht infrage. Das wäre auch nicht in Bruce Waynes Interesse. Für die Polizei Partei zu ergreifen wäre jedoch genauso verkehrt und allein der Verdacht darauf bringt ihm zahlreiche Feinde unter den Jugendlichen von Paris ein.

Einen solchen Tiefgang findet man nicht häufig in Superheldencomics. Allzu oft sind die Bösen klar als solche erkennbar und derart unverbesserliche Psychopathen, dass man sie nur wegsperren kann. Es ist erfreulich, das übliche Gut-Böse-Schema hier aufbrechen zu sehen. Es bleibt zu hoffen, dass der Nightrunner in weiteren Ausgaben wiederkehren wird, denn mit ihm liefert DC den abgehängten Randgruppen in den Banlieues eine positive Identifikationsfigur.

Zeichnerisch ist dieser Part des Comicbandes ebenso kantig wie der Rest, fängt aber die Stimmung gut ein. Vor allem die beiden Cover, die Batman in Paris zeigen, sind optisch sehr eindrucksvoll und ausgezeichnet koloriert.

Fazit

Beide Geschichten des vorliegenden Bandes sind vielschichtig und gut strukturiert. Der Erzählstil ist spannend und spart vor allem in der Nightrunner-Story nicht mit Gesellschaftskritik. Der Zeichenstil ist solide und die Farben sind stimmungsvoll. Alles in allem also absolut empfehlenswert. Erschienen ist Die Pforten von Gotham als hochwertige Hardcover-Ausgabe mit der Nr. 27 in der Batman Graphic Novel Sammlung bei Eaglemoss. Abgesehen von den ledigen Papierschnitzeln an einigen Seitenrändern ist die Qualität sehr gut.

Info

Autoren: Scott Snyder, Kyle Higgin & Ryan Parrott
Zeichner: Trevor McCarthy, Graham Nolan, Dustin Nguyen & Derec Donovan
Farben: Guy Major & Andre Szymanowicz
Verlag: DC / Eaglemoss
Sonstige Informationen: Produktseite

  • Story
    10/10
  • Zeichenstil
    6/10
  • Koloration
    7/10
  • Bonusgeschichte
    9/10
8/10
Total Score
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