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Endlich ist es soweit – mit Wakanda Forever kommt die vierte Phase des MCU zu einem soliden Abschluss. Doch vor allem gelang dem Regisseur Ryan Coogler ein herausragender Tribut an den verstorbenen Chadwick Boseman.

Hintergrund

Bereits 2018 stand der Plot für die Fortsetzung von Black Panther fest. Die Pläne lösten sich allerdings in Rauch auf, als der Hauptdarsteller Chadwick Boseman im August 2020 viel zu früh einem Krebsleiden erlag. Nun stand Ryan Coogler vor einer fast unlösbaren Aufgabe. Er wollte seinem langjährigen Freund Boseman gerecht werden und ihm mit dem Film ein Vermächtnis schaffen. Zugleich hat Wakanda Forever aber auch den Anspruch, als letzter Kinofilm der Phase IV nicht nur für deren Abschluss zu sorgen, sondern auch neue Figuren und Handlungsstränge einzuführen.

Die Dreharbeiten, die im Juni 2021 begannen, mussten zwischenzeitlich für zwei Monate pausiert werden, da sich Letitia Wright am Set verletzt hatte. So war schon früh abzusehen, dass sich der Haupthandlungsstrang um T’Challas Schwester Shuri drehen würde.

T’Challa

Der Film beginnt mit einer verzweifelten Shuri im Labor. Sie hetzt zwischen den Apparaturen hin und her und versucht, die von Killmonger ausgerottete Pflanze synthetisch herzustellen. Denn König T’Challa leidet an einer rätselhaften Krankheit und steht an der Schwelle zum Tod. Wenn ihn etwas retten kann, dann die Pflanze. Shuri ignoriert eine Nachricht, dass sie dringend zu ihrem Bruder kommen soll; sie möchte ihn unbedingt mit Hilfe der Wissenschaft retten. Plötzlich steht ihre Mutter vor ihr und sie muss akzeptieren, dass ihre Bemühungen umsonst waren und sie nicht bei T’Challas war, als er starb.

Das Volk von Wakanda feiert das Leben seines Königs und tanzt ausgelassen. Nach einem privatem Ritual im kleinsten Kreis wird der Sarkophag durch die Straßen Wakandas transportiert. Nachdem der Sarkophag in das royale Flugzeug teleportiert wurde, setzt das gewohnte Marvel-Intro ein, allerdings ohne musikalische Untermalung und zu sehen sind nur Bilder von Chadwick Boseman als T’Challa.

Vibranium

Nachdem König T’Challa das wahre Gesicht Wakandas einst den Vereinten Nationen präsentiert hatte und das Wissen um Vibranium mit der internationalen Gemeinschaft teilen wollte, gibt es nun eine Kehrtwende. Durch T’Challas Tod halten verschiedene Staaten Wakanda nun für angreifbar und möchten nicht abwarten. Vibranium kann ja nicht nur für medizinische oder technologische Zwecke wie auch als Energieressource eingesetzt werden, sondern auch als nahezu unbesiegbare Waffe. Als ein Forschungs-Außenposten Wakandas überfallen wird, überwältigen die Dora Millaje die Angreifer und setzen diese fest. Queen Ramonda, T’Challas Mutter, präsentiert diese Gefangenen vor der UN-Hauptversammlung und zieht die Zusage ihres Sohnes zurück. Ihr ist bewusst, dass die Menschheit nicht bereit für den Umgang mit Vibranium ist, und isoliert Wakanda daher wieder vom Rest der Welt. Denn nirgendwo sonst gibt es auf der Erde Vibranium.

Doch diese Annahme ist falsch. Auf dem Meeresboden im Atlantik stößt ein US-amerikanisches Forschungsschiff mit Hilfe eines Suchsenders auf Vibranium-Spuren. Doch als sie dies genauer untersuchen wollen, werden zuerst die Taucher getötet und schließlich das ganze Schiff versenkt. Der Angriff erfolgt durch Humanoide mit blauer Haut, die unter Wasser ohne Hilfe atmen und sich bewegen können. Als die letzten Überlebenden versuchen, mit einem Helikopter zu entkommen, werden sie von einem Angreifer zerstört, der fliegen kann und über übermenschliche Kräfte verfügt.

Namor und Talocan

Queen Ramonda möchte Shuri über ihre Trauer hinweghelfen und begibt sich mit ihr in die einsame Steppe. Dort soll Shuri, wie es Brauch ist, ihr weißes Trauergewand verbrennen. Shuri glaubt jedoch nicht an das Spirituelle und möchte am liebsten in ihr Labor zurück. Sie fühlt sich alleingelassen von ihrem Bruder und der Wissenschaft, der sie vertraut hat. Doch sie möchte ihre Mutter nicht enttäuschen und begleitet sie.

An einer einsamen Wasserstelle beginnt sich plötzlich die Oberfläche zu kräuseln und es taucht ein Mann mit spitzen Ohren und Flügeln an den Knöcheln vor ihnen auf. Er stellt sich als Namor, König von Talocan vor. Durch T’Challas Bekanntgabe an die Welt, dass es Vibranium gibt, ist nun auch sein Unterwasserreich bedroht, da die Menschen mit Maschinen nach der Ressource suchen. Zunächst glaubt ihm Ramonda nicht, schließlich gibt es ihres Wissens nur in Wakanda Vibranium, doch Shuri sieht, dass er genügend davon an seinem Körper trägt. Er verlangt von ihnen, den Wissenschaftler zu finden und zu töten, der den Suchsender entwickelt hat. Ansonsten wird er mit seiner Armee Wakanda angreifen. Dass es leicht ist, die Grenzen zu überschreiten, hat er ja schon bewiesen.

Okoye, die Generälin der Dora Millaje überzeugt Queen Ramonda, dass Shuri sie in die USA begleiten sollte, um nach dem Wissenschaftler zu suchen. Sie suchen zunächst den Agenten Everett Ross auf. Da dieser Shuri sein Leben verdankt, verrät er ihnen, wo Riri Williams zu finden ist. Zu ihrem Erstaunen handelt es sich dabei um eine 19-jährige Studentin des MIT.

Shuri kann die junge Riri überzeugen, mit ihnen zu kommen. Entgegen der Forderung Namors werden sie sie aber nicht töten, sondern nur nach Wakanda bringen. Doch leider gelingt ihnen das nicht. Sie können zwar dem FBI entkommen – Shuri auf einem Motorrad, Okoye in einem Sportwagen und Riri William in einem von ihr konstruierten fliegenden Anzug à la Ironman – werden aber auf einer Brücke von Kriegern aus Talocan überwältigt. Shuri und Riri werden gefangengenommen und Okoye bleibt entsetzt zurück. Zum ersten Mal wird sie im Nahkampf besiegt. Queen Ramonda enthebt sie ihres Posten und bittet stattdessen Nakia, die in der Zwischenzeit eine Schule auf Haiti leitet, Shuri zu suchen.

Als Ross am Ort des Geschehens auftaucht, trifft er dort auf seine Exfrau, die Direktorin Valentina Allegra de Fontaine. Viele Agents wurden von den Talocanern getötet. Doch das wissen die Anwesenden nicht, sie halten Wakanda für verantwortlich. Einzig Ross glaubt nicht daran. Er findet Shuris Kommunikationsarmband und bleibt so in Kontakt mit Queen Ramonda.

Freund oder Feind

Riri und Shuri kommen in einer Unterwasserhöhle zu sich. Ihnen wird Nahrung und Kleidung gegeben. Shuri wird zu Namor gebracht, der ihr die Pracht seines Reiches offenbart. Es gibt sogar eine aus Vibranium geschaffene Sonne. Er erzählt ihr die Geschichte seines Volkes.

Vor vielen Jahren gehörten sie einem Stamm der Maya an, die an einem von spanischen Konquistadoren eingeschleppten Virus starben. Der Heiler hatte eine Vision von einer Pflanze, mit der das Volk gerettet werden könnte. Er tauchte danach und fertigte ein Getränk daraus an. Namors Mutter war zu dieser Zeit mit ihm schwanger und wollte zunächst nicht davon trinken. Doch der Heiler überzeugte sie. Ihr Kind würde keinen Schaden nehmen, sondern der Anführer des neuen Volkes sein. So geschah es, dass alle Mitglieder des Stammes gerettet wurden. Ihre Haut wurde blau und sie konnten nun unter  Wasser atmen.

Als Namor geboren wurde, war das aber nicht sein richtiger Name. Er ist der Einzige, der sowohl an Land wie auch unter Wasser atmen und sich bewegen kann. Zudem hat er spitze Ohren und Flügeln an den Knöcheln. Sein Volk verehrt ihn als den Gott Kukalkan.

Als seine Mutter starb, war ihr letzter Wunsch, in ihrer Heimaterde begraben zu werden. So brachten sie ihren Körper zurück in ihr altes Dorf. Dort wird die kleine Gruppe Zeuge von Gräueltaten, die die Eroberer an den Einheimischen verüben. Sie konnten alle besiegen und dort bekam der kleine Junge von einem spanischen Priester den Namen Namor verliehen, was ohne Liebe bedeutet. Seit diesem Tag hasst er alle Menschen der Außenwelt und isoliert Talocan komplett.

Namor unterbreitet Shuri ein Angebot. Gemeinsam mit Wakanda plant er die Länder der Außenwelt nach und nach anzugreifen und zu überwältigen. Mit dem Vibranium und den übermenschlichen Kräften liegt dies durchaus im Bereich des Möglichen. Shuri lehnt dies aber ab, sie möchte keine Gewalt und bietet an, Riri mit nach Wakanda zu nehmen, allerdings wird sie am Leben bleiben.

Nun zeigt der zuerst charmante Namor, der ihr sogar ein Armband seiner Mutter zum Geschenk gemacht hat, ein ganz anderes Gesicht. Sollte Wakanda nicht für ihn sein, so wird es zum Feind und wird als erstes niedergeworfen. Shuri wird zurück zur Höhle gebracht.

In der Zwischenzeit hat Nakia Shuris Ohrringe orten können und taucht tief hinab. Es gelingt ihr, Shuri und Riri zu befreien und zurück nach Wakanda zu bringen. Dort berät sich Queen Ramonda mit dem Rat, was mit Riri geschehen soll bzw. wie mit Talocan umzugehen ist. Plötzlich greifen die Talocaner an. Die Wakandaner haben dem Angriff wenig entgegenzusetzen. Queen Ramonda beschützt Riri mit ihrem Leben. Namor ertränkt sie in einer Flutwelle. Shuri ist nun die einzige Überlebende der Königsfamilie. Das Volk Wakandas bringt sich in den Bergen bei M’Baku und seinem Stamm in Sicherheit, dort können Namors Wassermassen sie nicht erreichen.

Black Panther

Shuri verbringt erneut viel Zeit im Labor, diesmal mit Riris Unterstützung. Erneut versucht sie, die herzförmige Blume synthetisch herzustellen. Sie nutzt das Armband, das ihr Namor geschenkt hat. Es enthält vielleicht noch Spuren der Pflanze, die die Talocaner damals gerettet hat. Genauso ist es und Shuri hat Erfolg. Sie glaubt zwar eigentlich nicht an die Wandlung, möchte aber nichts unversucht lassen. Sie nimmt den Trank zu sich und begibt sich auf die spirituelle Reise zu ihren Vorfahren. Doch sie findet sich nicht auf der Ahnenebene wieder. Sie begegnet weder ihrem Bruder noch ihrer Mutter wie sie gehofft hatte. Vor ihr steht Killmonger, der ihr die große Frage stellt, wie sie sein will, so nobel wie T’Challa oder so rachsüchtig wie er selbst. Shuri ist nach dem Tod ihrer Mutter von Hass erfüllt und gibt zu, nicht wie ihr Bruder zu sein.

So bekommt Wakanda erneut einen Black Panther. Shuri verfügt nun über übermenschliche Kräfte und kann M’Baku und den Rest des Rates zu einem gefährlichen Manöver überreden. Sie werden Talocan angreifen, jedoch nicht hier, sondern auf hoher See. Ihr ist aufgefallen, dass Namor zwar fliegen kann, seine Kräfte jedoch aus dem Wasser zieht, denn er taucht immer wieder zwischen seinen Aktionen unter. So rüsten sie einen Kampfjet um, um Namor dort praktisch austrocknen zu lassen. M’Baku ist zuerst skeptisch, stimmt schließlich aber doch zu.

Der Plan läuft zunächst glatt und es gelingt Shuri, Namor im Jet einzusperren. Dieser wehrt sich aber mit allen Kräften und bringt das Flugzeug zum Absturz auf einem Landstrich. Die beiden kämpfen mit allen Mitteln gegeneinander. Namor erhält die Oberhand, aber Shuri kann ihn letztendlich überwältigen. Im richtigen Moment zögert sie jedoch und tötet Namor nicht kaltblütig. Dieser ergibt sich. Die beiden schließen einen Friedensvertrag und kehren gerade rechtzeitig zum riesigen Kriegsschiff Wakandas zurück. Dort stehen die Talocaner mittlerweile kurz vor einem Sieg. Auf das Zurufen Shuris und Namors werden die Kampfhandlungen eingestellt.

Das Bündnis

Wakanda sagt Namor zu, dafür zu sorgen, dass Talocan weiterhin vom Rest der Welt unbemerkt bleibt, dafür stellen diese die aggressiven Bemühungen gegenüber jedem anderen Land ein. Namor versichert später allerdings seiner Partnerin, dass das nur eine Finte war. Der Rest der Welt wird sich wegen des Vibraniums an Wakanda wenden, wahrscheinlich auch kriegerisch, und letztlich wird Talocan siegreich hervorgehen.

In den USA wird Everett Ross in der Zwischenzeit festgenommen, die Direktorin de Fontaine hatte das Armband, das er am Tatort gefunden hat, verwanzt und so seine geheimen Gespräche mit Queen Ramonda aufgezeichnet. Auf seinem Transport wird der Gefängnisbus jedoch von den Dora Milaje aufgehalten und Okoye bringt Ross erneut nach Wakanda. Okoye trägt in der Zwischenzeit den von Shuri neu entwickelten Kampfanzug, dieser ist blau und bekam von Shuri den Namen Midnight Angel.

Anstatt dass Shuri, wie es die Tradition verlangt, um den Thron kämpft – der Black Panther kann von allen Stammesführern Wakandas herausgefordert werden –, reist Shuri zu Nakia nach Haiti. Dort führt sie das Ritual des Verbrennens des Trauergewandes durch. Nakia kommt schließlich zu ihr und erzählt ihr, warum sie nicht auf T’Challas Begräbnis war. Sie stellt Shuri einen kleinen Jungen vor. Sein haitianischer Name ist Touissant, der Kleine verrät ihr aber schließlich sein Geheimnis: iIn Wirklichkeit ist er Prinz T’Challa, König T’Challas Sohn.

Fazit

Im Prinzip ist Wakanda Forever ein guter Abschluss für die Phase IV. Der Film wäre allerdings grandios, wenn Ryan Coogler den ganzen Marvel-Teil hätte weglassen können. Wäre es einzig um die Trauerbewältigung und das Abschiednehmen gegangen, wären den Machern wohl einige Awards sicher.

So musste krampfhaft mit Riri Williams die Figur Ironheart eingeführt werden, ohne jedoch näher auf ihre Motivation oder Beweggründe einzugehen. Warum hat sie in Shuris Labor plötzlich ein eisernes Herz aus der Brustplatte ihres Anzugs herausgefrässt? Der ganze Handlungsstrang um Valentina Allegra de Fontaine ist komplett überflüssig. Klar, hier hat Marvel dafür gesorgt, dass für die Phase V die Weichen entsprechend gestellt werden, doch leider wirken diese Elemente extrem störend.

Zudem stellt sich die Frage, ob die Wahl Shuris als Black Panther wirklich die einzige Möglichkeit war. Es ist eine Schande, Queen Ramonda einfach so sterben zu lassen. Die Leistung Angela Bassets war herausragend, besonders in der Szene, als sie Okoye aus den Dora Millaje entlässt. Letitia Wright macht ihre Sache gut, keine Frage, aber leider kann sie den Film nicht als Hauptperson tragen. Man merkt, dass das wohl eine Notlösung war, da sie ganz klar als lustiger Sidekick aufgebaut wurde. Die Story von der rachsüchtigen Heldin, die sich dann doch anders entscheidet, ist ja auch nicht ganz neu.

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Warpskala

Warpskala
7 10 0 1
7/10
Total Score

Positiv

  • Herausragende Schauspielleistung von Angela Bassett.
  • Gelungenes Tribut für Chadwick Boseman.
  • Grandioser Soundtrack

Negativ

  • Die Kampfszenen haben sich schlecht ins Gesamtbild eingefügt.
  • Letitia Wright konnte leider nicht als Lead brillieren.
  • Die Handlung um Ross und de Fontaine war komplett überflüssig.
Melanie Frankl
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