Doom Patrol
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Review: Doom Patrol 07 – Therapy Patrol

Lesezeit circa: 4 Minuten

In Therapy Patrol werden dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit zur Sprache gebracht.

Ziemlich Verkorkst

In ihrer Jagd nach Mr. Nobody ist die Doom Patrol nicht viel weitergekommen. Stattdessen ist die Gruppe immer nur einen Streit davon entfernt, komplett auseinanderzufallen. Weshalb Cliff Steele einen ungewöhnlichen Vorschlag hat. Sie sollen eine Therapiesitzung machen, um sich gegenseitig zu helfen.

Dabei erinnert sich jeder an ein Ereignis aus seiner Kindheit, das ihn prägte. Bei Larry Traynor (Matt Bomer (Stimme), Matthew Zuk (Körper)) ist es ein Gespräch seiner Eltern, das er als Kind belauscht hat und bei dem sie über seine damals entstehende Homosexualität redeten. Bei Cliff Steele (Brendan Fraser (Stimme), Riley Shanahan (Körper)) ist es eine Erinnerung an seinen Vater, der ihn geschlagen hat, derweil Rita (April Bowlby) sich daran erinnert, wie sie von Kindheitsbeinen an von ihrer Mutter gezwungen worden war, eine Rolle zu spielen.

„Verkorkst“: Das ist eines der Wörter, das in dieser Folge am meisten gebraucht wird. Es beschreibt die Situation in der die Doom Patrol sich in Therapy Patrol befindet, sowie den Zustand der jeweiligen Figuren perfekt. Kein Wunder also, dass sie wirklich eine Therapie benötigen.

Wenn die Rolle das eigentliche Leben verdrängt

Dass die Charaktere alle einen Schaden weg haben, konnte man in den letzten Folgen gut erkennen. Teilweise waren sie eher damit beschäftigt, sich gegenseitig wehzutun, statt Mr. Nobody zu jagen. Insofern kann man nur hoffen, dass diese Episode einen Wendepunkt innerhalb der Figurenkonstellation darstellt, dass sie an diesem Moment anfangen, mehr wie ein Team zu arbeiten, anstatt wie eine zufällige Zusammenstellung an kaputten Individuen.

Wobei diese Kaputtheit, dieses extreme Beschädigt-Sein, überwiegend auf Kindheitstraumata zurückzuführen ist. Das ist natürlich klassisch und vielleicht irgendwie auch klischeehaft. Doch was in Therapy Patrol daraus gemacht wird, ist etwas vollkommen Eigenes. Weil man hierdurch umso besser versteht, wieso die Figuren stellenweise so agieren, wie sie es eben tun.

Besonders bei Rita Farr macht sich dies bemerkbar. Von allen Mitgliedern der Doom Patrol war sie schon immer diejenige, die von den ganzen Heldentaten nichts hielt, die sich am liebsten im Doom Manor zurückgezogen hätte, ohne irgendwas mit der Außenwelt zu tun zu haben. Was eventuell daran liegt, dass, wenn sie sich draußen aufhält, sie Gefahr laufen würde, aus der Rolle zu fallen. Und zwar aus einer, die – was vielleicht die größte Überraschung ist – sie von Kindheitsbeinen gespielt hat: nämlich die der Schauspielerin Rita Farr. Und wenn sie diese Figur bereits seit den 1930ern dargestellt hat, dann steht zu befürchten, dass ihre eigentliche Identität schon längst dahinter der Schauspielerei verschwunden ist.

Wenn das normale Leben für einen nichts mehr übrig lässt

Doch auch Cyborg erhält in dieser Folge mehr Profil. Und man erlebt in Therapy Patrol einen jungen Mann, der sich insgeheim ein normales Leben wünscht. Was ihm allerdings sein Leben und seine Vergangenheit unmöglich machen. Er hat eine enorme Technik in seinem Körper, die einerseits dafür sorgt, dass er als Held verehrt wird, aber andererseits ebenso dafür sorgt, dass sobald es um Daten und Flirten geht, die Frauen sich angesichts seines Anblicks eher abwenden. Kein Wunder also, dass er sich aufs Superheldendasein fokussiert. Denn schließlich ist es das Einzige, worin er gut ist.

Der zentrale Antrieb, dass diese Therapiesitzung überhaupt stattfindet, ist übrigens niemand Geringeres als Cliff Steele, der natürlich ebenso sein Päckchen mit sich herumträgt. Das Besondere ist, dass er zwar einerseits dafür sorgt, dass diese dunklen Geheimnisse ans Tageslicht kommen, er selbst aber immer manischer wird. Den Grund hierfür erfährt man erst am Ende der Episode, wo sich einmal mehr zeigt, dass Mr. Nobody auch indirekt für Probleme sorgen kann.

Das geniale an Therapy Patrol ist, wie sie aufgesetzt ist, wie sie geschnitten ist. Die erste Hälfte gleicht einem Puzzle, wo sich erst nach und nach herausstellt, was wie und in welcher Reihenfolge geschehen ist. Erst, als das gelöst ist, kann die eigentliche Therapiesitzung stattfinden, in der es dann teilweise ziemlich persönlich zur Sache geht.

Die Frage ist, wie es jetzt weitergehen soll. Wird dieses Bekenntnis zu den Traumata ausreichen, um aus diesen Individuen endlich ein Team zu machen? Oder bedarf es da noch weiterer Ereignisse? So oder so, fürs Teambuilding war das eine wichtige Episode.

Doom Patrol gibt es unter anderem bei Prime Video.

Warpskala

Warpskala
10 10 0 1
10/10
Total Score

Positiv

  • Charakterintensive Folge
  • Wer steckt hinter der Rolle Rita Farr
  • Der Wendepunkt in der Teamdynamik?
Götz Piesbergen

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