Star Trek The Next Generation
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Review: Star Trek TNG 136, 137 – Geheime Mission auf Celtris III

Lesezeit circa: 4 Minuten

Picard ist auf Geheimmission.

Geheime Mission auf Celtris III – Chain of Command
Staffel 6  – Episoden 10 & 11

Inhalt

Captain Picard wird völlig überraschend von Admiral Nechayev des Kommandos über die Enterprise enthoben und durch Captain Edward Jellico ersetzt. Hintergrund ist, dass er zusammen mit Worf und Dr. Crusher eine Geheimmission im cardassianischen Raum durchführen soll. Man vermutet, dass die Cardassianer eine gefährliche, metagenetische Waffe auf dem Planeten Celtris III zu entwickeln versuchen. Derweil macht sich Captain Jellico durch seinen autoritären Führungsstil auf der Enterprise schnell recht unbeliebt, vor allem gerät er des Öfteren mit Commander Riker aneinander. Doch die Crew muss sich mit dem neuen Captain zusammenraufen, da er wichtige diplomatische Verhandlungen mit den Cardassianern führen muss.

Auf Celtris III angekommen stellen Picard und seine Gefährten fest, dass sie in eine Falle getappt sind: Picard wird von den Cardassianern gefangengenommen und einem brutalen Verhör durch den Offizier Gul Madred unterzogen. Dieser erhofft sich dadurch wichtige Informationen über die Verteidigungsstrategie der Föderation zu bekommen und schreckt dabei auch vor psychischer und physischer Folter nicht zurück …

Rezension

Geheime Mission auf Celtris III kann man zurecht als eine der düstersten und verstörendsten Episoden in der Geschichte von TNG bezeichnen. Sie behandelt ein Thema, welches in dieser Drastik in bis dahin noch keiner anderen Star Trek-Folge oder einem der Kinofilme dargestellt wurde, nämlich das der Folter.

Doch eins nach dem anderen: Der erste Teil beginnt mit einer großen Überraschung als Picard gleich zu Beginn sein Kommando verliert, ohne dass zunächst erklärt wird, warum. So wird der Zuschauer schon einmal geschickt auf den Fortgang der Geschichte neugierig gemacht. Als der neue Captain vorgestellt wird, wird sofort klar, dass er sich in praktisch jeder Hinsicht von Picard unterscheidet. Er stellt extrem hohe Anforderungen an die Crew und kümmert sich nicht wirklich um deren Befindlichkeiten angesichts des plötzlichen Führungswechsels. Dies überlässt er lieber Counselor Troi, da ihm selbst offensichtlich die soziale Kompetenz dafür fehlt.

Unterdessen sehen wir, wie Picard, Worf und Dr. Crusher ohne Wissen der Crew auf dem Holodeck für die geheimnisvolle Mission trainieren, auf die die Sternenflotte sie schickt. Erst spät wird enthüllt, worum es dabei wirklich geht. Wir erfahren in diesen Zusammenhang etwas mehr über die Cardassianer und vor allem über deren Hinterhältigkeit. Worf und Crusher können nur mit knapper Not entkommen, während Picard in die Fänge des gnadenlosen Gul Madred gerät, der grandios von David Warner verkörpert wird. Diesen kennt man bereits aus den fünften und sechsten Star Trek-Kinofilmen und gibt mit dieser Folge sein Star Trek-TV-Serien Debüt.

Die Folterszenen, in denen er Picard über die Grenzen seiner Leidensfähigkeit bringt, werden von ihm und Patrick Stewart unglaublich intensiv und glaubwürdig gespielt, man meint beinahe die Schmerzen des Captains am eigenen Leib zu spüren. Für jeden Fan ist es hart, Picard so leiden zu sehen, vor allem wenn man bedenkt, dass die dargestellten Foltermethoden durchaus ihre Entsprechung in der Realität haben. Patrick Stewart hat sich zur Vorbereitung auf diese Folge mit Mitarbeitern der Menschenrechtsorganisation Amnisty International getroffen, um diese Szenen realistisch gestalten zu können, was ihm zweifellos auch gelungen ist. Als Zuschauer wird man diese Szenen so schnell nicht wieder vergessen.

Die Nebenhandlung auf der Enterprise ist nicht weniger interessant. Captain Jellico ist alles anderer als ein Sympathieträger, und die Abneigung der Crew gegen ihn überträgt sich schnell auch auf den Zuschauer. Und die Schwierigkeiten zwischen ihm und der Crew beruhen durchaus auf Gegenseitigkeit. Vor allem Commander Riker kommt mit seiner eher lockeren Art so gar nicht mit dem strengen Jellico zurecht. Unter anderen dadurch erzeugt die Folge eine innere Spannung unter den so unterschiedlichen Charakteren, wodurch sie zu den schauspielerischen Highlights der sechsten Staffel gehört.

Mit ihrer inhaltlichen und visuellen Düsternis gehört Geheime Mission auf Celtris III zu den bedrückendsten Folgen der Serie, was noch dadurch verstärkt wird, dass sie sich einem Happyend verweigert. Am Ende wird nur zu deutlich, dass Picard an den Folgen seiner Erfahrung mindestens ebenso hart zu knabbern haben wird wie an seiner frühere Assimilation durch die Borg. Leider wird in späteren Episoden nicht mehr darauf eingegangen. Aber dies ist nur ein kleiner Wehrmutstropfen für eine Folge, die das Potential hat, den Zuschauern die Augen für die Grausamkeit von Folter aller Art zu öffnen.

Sven Wedekin

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