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Die Baumkatzen von Sphinx erhalten ihre eigene Anthologie.

Honor Harrington 10 Die Baumkatzen von Sphinx
Cover © Bastei Lübbe

Interessante Wesen stehen im Mittelpunkt

Das Besondere an David Webers Honor Harrington-Reihe ist, dass er sein Universum nahezu ausschließlich mit Menschen bevölkert. Außerirdisches, intelligentes Leben kommt bei ihm kaum vor. Eine der wenigen Ausnahmen sind Die Baumkatzen von Sphinx.

Es handelt sich um interessante Wesen, über die man im Laufe der Zeit immer wieder kleinere Details erfahren hat. So weiß man, dass sie Telepathen und Empathen sind, die ihre wahre Intelligenz allerdings vor dem Großteil der Menschheit verbergen. Man hat auch erfahren, was sie dazu motiviert, sich mit bestimmten Menschen zu verbünden. Umso schöner ist es, dass sie jetzt eine Anthologie erhalten, die sich überwiegend um sie dreht.

Fünf Geschichten enthält Die Baumkatzen von Sphinx. Zwei davon, Jeder Traum hat seinen Preis und Der schwerste Weg nach Hause stammen von David Weber persönlich. Linda Evans steuert Der Streuner bei, von Jane Lindskold stammt Das Gambit der Königin und Roland J. Green hat mit Ein Stellvertreterkrieg die letzte Story dieses Bandes verfasst.

Vier Stories funktionieren, eine nicht

Es ist dabei interessant, wie das Thema Baumkatzen von den jeweiligen Autoren aufgegriffen und verwendet wird. In Der Streuner findet das Geschehen in der Anfangszeit der Besiedlung von den Manticore-System statt, als die Baumkatzen noch ein gewisses Mysterium sind. In Jeder Traum hat seinen Preis und Das Gambit der Königin steht dabei die besondere Beziehung zwischen dem manticorischen Königshaus und den Baumkatzen im Mittelpunkt des Geschehens. Und Der schwerste Weg nach Hause ist wieder eine Honor Harrington-Story, in der man erlebt, wie Nimitz seine Fähigkeiten einsetzt, um in Not Geratene zu finden.

Was in dieser Aufzählung fehlt, ist die letzte Erzählung von Die Baumkatzen von Sphinx. Das liegt daran, dass Ein Stellvertreterkrieg das Thema dieser Anthologie nicht aufgreift, sondern sogar geflissentlich ignoriert. Was mit Grund dafür ist, dass ausgerechnet diese Story einem nicht so gut gefallen wird, doch dazu später mehr.

Die ersten vier Geschichten dieser Geschichtssammlung sind alle gut geworden. Allerdings gibt es eine Story, die von allen die Beste ist. Und zwar handelt es sich dabei um Das Gambit der Königin von Jane Lindskold.

Eine wunderbar geschilderte Intrige

Es handelt davon, wie König Roger III, Vater von Elizabeth, bei einem Gravo Ski-Unfall stirbt. Doch im Laufe der Story stellt sich heraus, dass es sich dabei um einen Anschlag handelt, eingefädelt von einigen Manticorianern, die mit seiner Politik nicht einverstanden sind. Und die hoffen, dass seine Tochter etwas formbarer ist, vor allem, wenn sie einen Mann an ihrer Seite hat, der insgeheim zu den Verschwörern gehört. Wobei sie die Rechnung ohne einige Baumkatzen gemacht haben.

Zugegeben, dass die königliche Familie von Manticore Gegenstand einer Verschwörung wird und am Ende Baumkatzen das Geschehen retten, das hat David Weber in seiner ersten Story von Die Baumkatzen von Sphinx, Jeder Traum hat seinen Preis, bereits erzählt. Doch kann die Erzählung der Autorin im Vergleich mehr überzeugen, einfach schon allein deshalb, weil ihr etwas gelingt, was dem Erfinder und Hauptautor der Honor Harrington-Reihe sonst nie gelungen ist: Sie schafft es, eine interessante Intrige zu schreiben, ohne, dass die Beteiligten wie blasse Abziehbilder erscheinen.

Tatsächlich kann man im Laufe der Geschichte die Motive der Beteiligten gut nachvollziehen. Es wird zwar klar gemacht, dass das, was die Verschwörer machen, nicht in Ordnung ist. Doch gleichzeitig werden sie glaubwürdig charakterisiert, etwas, was David Weber bislang nie gelungen ist.

Langeweile

Auch sonst entwickelt sich diese Geschichte in Die Baumkatzen von Sphinx sehr spannend, ebenso wie die titelgebenden Baumkatzen gut in die Erzählung eingebaut werden. Man erlebt hier mit, wie bereits damals der eiserne Wille der manticorischen Königin aufkommt und erhält gleichzeitig einen Einblick in den Aufbau der königlichen Familie. Genauso, wie man es von einer bestimmten britischen Familie her kennt, gibt es auch hier Pflichten, denen die Vertreter nachkommen müssen, was interessant zu lesen ist.

Allerdings ist, wie gesagt, Der Stellvertreterkrieg am langweiligsten. Die Geschichte findet zum Zeitpunkt statt, wo der Krieg zwischen Haven und Manticore offiziell ausbricht. Dabei wird ebenfalls versucht, auf Planeten Einfluss zu nehmen, die nicht direkt Teil der Front sind. Also wie es auch während des Kalten Krieges war, wo die USA versuchten, die Sowjetunion aus anderen Ländern um jeden Preis rauzuhalten.

Doch die Story von Roland J. Green liest sich langweilig und behäbig. Sie kommt nie so recht in die Gänge, sondern ist eher zum Einschlafen geeignet. Man vergisst, nach dem man die Geschichte zu Ende gelesen hat, schnell, was genau geschehen ist und welche Figuren vertreten waren, bzw. aus welchen Motiven sie gehandelt haben. Was vermutlich ein großes Drama werden sollte, verpufft hier.

Dennoch ist Die Baumkatzen von Sphinx am Ende ein gelungener Honor Harrington-Roman.

Autor: David Weber, Linda Evans, Roland Green, Jane Lindskold
Titel: Honor Harrington 10: Die Baumkatzen von Sphinx
Originaltitel: Worlds of Honor
Übersetzer:  Dietmar Schmidt
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 04/2002
Einband: Taschenbuch
Seiten: 622
ISBN: 3-404-23247-x
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