Review: Marvel Comic Sammlung 12 – Marvels

Lesezeit circa: 5 Minuten

Wie werden Superhelden eigentlich von der normalen Bevölkerung wahrgenommen? Die Graphic Novel Marvels gibt mit dieser ungewöhnlichen Perspektive eine Antwort.

MarvelsDie Handlung

Obwohl die meisten Marvel-Superhelden und auch Schurken einen Auftritt in dieser Graphic Novel haben, stehen sie nicht im Zentrum der Handlung. Erzählt wird ihre Geschichte aus der Sicht des Zeitungsfotografen Phil Sheldon, der erstmals 1939 mit der menschlichen Fackel konfrontiert wird. Die Zunahme von Superheldenauftritten ist für ihn eine Gelegenheit, die Karriereleiter aufzusteigen. Seine Besessenheit für das Thema hat jedoch einen hohen Preis. So leidet die Beziehung zu seiner Frau und später auch zu seiner Tochter unter dem hohen Arbeitsaufwand. Obendrein verliert er bei einer Auseinandersetzung zwischen der Fackel und Namor sein linkes Auge.

Sowohl Phils persönliches Verhältnis zu den Superhelden als auch deren Wahrnehmung in der Bevölkerung sind über die Jahrzehnte starken Schwankungen unterworfen. Während des Zweiten Weltkriegs sind Captain America und Co. noch Helden im Kampf gegen die Nazis. Die Kollateralschäden, die sie später in ihrer Heimat anrichten, lassen die öffentliche Meinung jedoch kippen. Vor allem geborene Mutanten leiden unter Ausgrenzung und Diskriminierung, während die Traumhochzeit von Mr. Phantastic und der Unsichtbaren für Begeisterung in der Klatschpresse sorgt.

Phil versucht als Reporter, ein differenziertes Bild zu zeichnen, bedient mit seinen Fotografien aber am Ende nur die Sensationslüsternheit der breiten Masse. Vom Verkauf seiner Bilder und seines Buches kann er zwar gut leben, doch seiner Verantwortung kann er sich nicht entziehen. Außerdem machen es ihm seine persönlichen Verwicklungen in die Ereignisse schwer, objektiv zu bleiben. So hilft seine Familie einem Mutantenmädchen, sich vor dem wütenden Mob zu verstecken, und auch Gwen Stacys tragischer Tod lässt Phil nicht kalt, nachdem er sie persönlich über Spider-Man interviewt hat.

Zum Ende hin wird Sheldon zunehmend nachdenklich. Einerseits retten die Superhelden ein ums andere Mal die Menschheit, aber immer wieder kommt es dabei zu katastrophalen Kollateralschäden. Schicksale wie das von Gwen Stacy gehen dabei völlig unter. Schlussendlich gibt Phil den Staffelstab an eine Kollegin weiter und das letzte Bild, das er schießt, ist eins ganz ohne Superhelden, mit einem normalen Zeitungsjungen. Die Aufnahme ist jedoch nicht völlig frei von Ironie, da der Junge eine Zeitung austrägt, die selbstverständlich eine Titelstory über Superhelden hat.

Rezension von Marvels

Ein Superhelden-Comic, der die Geschichte eines ganz normalen Zeitungsfotografen erzählt, das ist wirklich etwas erfrischend Neues. Zwar wird dabei Bezug auf alte Marvel-Klassiker genommen, diese werden jedoch nicht einfach neu aufgewärmt. Denn es geht hier nicht darum, wie die Avengers oder Fantastic Four es ein ums andere Mal schaffen, die Welt zu retten, sondern wie die Welt ihre Taten wahrnimmt. Wie kann man einem Helden dankbar sein, der den Tod eines geliebten Menschen zu verantworten hat? Es geht um die Schicksale der einfachen Leute, die beim Kampf der Titanen ins Kreuzfeuer geraten.

Passend zu der ungewöhnlichen Perspektive entspricht auch der Zeichenstil nicht dem klassischen Comic. Es gibt keine schwarzen Linien und die Farben entstanden nicht am PC. Jede Seite ist ein Gemälde aus Wasserfarben, teils mit etwas Airbrush verfeinert. Der Stil ist sehr natürlich und detailreich, sodass das Auge viel zu entdecken hat. Im redaktionellen Teil gibt es zudem einen ausführlichen Artikel über die Arbeit von Alex Ross mit zahlreichen Fotos seiner Modelle. Dies verschafft dem Leser einen tiefen Einblick in die Entstehung der Graphic Novel.

Fazit

Marvels ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Eine tiefgründige Handlung trifft hier auf exzellente Bilder. Marvel ist damit etwas Einmaliges gelungen, das aus der breiten Masse von Superheldencomics hervorsticht. Erschienen ist Marvels u. a. als hochwertige Hardcover-Ausgabe mit der Nr. 12 in der Marvel-Comic-Sammlung. Absolut empfehlenswert!

Bewertung: 15/15

Text: Kurt Busiek
Zeichnungen: Alex Ross
Verlag: Marvel / Panini
Sonstige Informationen:

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