Review: Short Treks 02 – Calypso

Lesezeit circa: 5 Minuten

In Calypso begibt sich der Zuschauer in eine weit entfernte Zukunft.

Eine unmögliche Begegnung

Ein Mann mit dem Namen Craft ( Aldis Hodge) liegt in einer Fluchtkapsel und verliert das Bewusstsein, als die Lebenserhaltungssysteme zu versagen beginnen. Und so kriegt er nicht mit, wie seine Kapsel von der U.S.S. Discovery aufgelesen wird.

Als er wieder zu sich kommt, wird er von einer weiblichen Stimme angesprochen, die sich Zora (Annabelle Wallis) nennt. Es stellt sich heraus, dass es sich dabei um die KI der Discovery handelt, die im Laufe der Millennien ein Bewusstsein entwickelt hat. Das Schiff wurde vor ungefähr tausend Jahren von seiner Crew aufgegeben und hält sich an den letzten Befehl des Captains, seine Position zu halten.

Zora und Craft kommen sich im Laufe der Zeit einander näher. Sie lehrt ihn, wieder ein Mensch und nicht ein Soldat zu sein. Und erfährt wiederum von ihm, dass er Frau und Kind hat, die er auf seinem Heimatplaneten zurückließ, ehe er in den Krieg zog. Die einzige Möglichkeit für ihn, wieder dorthin zurückzukommen, wäre ein Shuttle, doch ist unsicher, ob es nach tausend Jahren Nichtnutzung überhaupt noch funktioniert.

Wenn man ihn gehen lassen muss

Schließlich erstellt Zora eine Holosimulation, basierend auf dem Film Ein süßer Fratz. Sie und Craft fangen an zu tanzen, doch dann zieht er sich auf ein Mal zurück, weil er an seine Familie denkt und befürchtet, sie mit der KI zu betrügen.

Am Ende ermöglicht Zora ihm den Zugriff aufs Shuttle. Sie gibt ihm einen Raumanzug und bleibt zurück, während er sich auf den Weg zu seiner Familie macht, obwohl er sich unsicher ist, ob er mit dem Shuttle sie wirklich erreichen kann.

Der Name Calypso basiert auf der Legende des Odysseus. In der Sage von Homer handelt es sich bei ihr um eine Nymphe, die den Heroen sieben Jahre lang bei sich behielt. Sie war in den Helden verliebt, ließ ihn aber auf Geheiß des Göttervaters Zeus ziehen, weil ihr Gast sich nach seiner Frau sehnte.

Melancholie ist etwas schönes

Wer diese Zusammenfassung dieser Erzählung mit dem Plot der Episode vergleicht, der erkennt, das Drehbuchautor Michael Chabon die Grundzüge übernommen hat. Das Ergebnis ist eine der melancholichsten und schönsten Folgen von Star Trek, nachdem das Franchise mit der ersten Season von Discovery neu gestartet ist.

Calypso ist eine Folge, die von der exzellenten Leistung der zwei Schauspieler getragen wird. Da ist zum einen die darstellerische Präsenz von Aldis Hodge, der als Craft überwiegend alleine ist und nur auf die Stimme von Zora und die Ereignisse um sich herum reagieren kann. Sowie Annabelle Wallis, die als Sprecherin von der Bord-KI der Discovery bis zum Höhepunkt der Episode ohne Körper agieren muss. Nur der Klang ihrer Worte sorgt dafür, dass man versteht, wie ihr Charakter denkt und weshalb sie so agiert, wie sie es eben tut.

Es ist dabei nachzuvollziehen, wieso Zora, die nach 1000 Jahren wieder auf ein anderes Leben stößt, Craft so sehr umhegt und aufpäppelt. Man spürt richtig, wie sie Gefühle für ihn entwickelt, der allerdings gleichzeitig an seine Familie denkt. Umso trauriger, aber auch nachvollziehbarer ist es, wieso sie ihn dann am Ende ziehen lässt. Weil sie weiß, dass wenn sie versuchen würde, ihn gegen seinen Willen zurückzuhalten, es nicht gut enden würde.

Viel Material zum Spekulieren

Für die Lore von Star Trek ist Calypso eine sehr interessante Folge. Zum einen ist es eine Episode, in der niemand von der Sternenflotte oder Schiffsbesatzung auftaucht. Und zum anderen, weil sie auch so einiges an Material zum Nachdenken bietet, insbesondere hinsichtlich der dritten Season von Star Trek -Discovery.

Man erfährt als Zuschauer nicht, zu welcher Zeit diese Folge stattfindet. Man weiß nur, sie findet in der Zukunft von Star Trek statt. Und, dass die Schiffs-KI ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat, nämlich Zora. Zuschauer der zweiten Season von Discovery wissen, dass sich hier die sogenannten Sphärendaten an Bord des Schiffes angesiedelt haben und dass der Bordcomputer in einigen darauffolgenden Folgen ebenfalls von Annabelle Wallis gesprochen wird. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Calypso wohl auf den Ereignissen von Discovery aufbaut. Auch der Begriff V’draysh wurde ja in der dritten Season der Serie verwendet, als Weiterentwicklung des Wortes „Föderation“. Daraus kann man jetzt entnehmen, dass Calypso vermutlich in der Zukunft von Discovery stattfindet. Doch alles weitere, was genau geschehen ist und wieso der Captain den Befehl gab, dass das Schiff sich nicht fortbewegen darf, das bleibt im Unklaren. Wodurch man so einiges an Material zum Nachdenken und spekulieren erhält.

Calypso ist eine erstklassige Episode! Eine, die von Anfang bis Ende unterhält. Und eine, die einfach nur großartig ist.


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Götz Piesbergen
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