Soylent Green
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Review: Soylent Green – Jahr 2022 … die überleben wollen (1973)

Lesezeit circa: 9 Minuten

Der Film Soylent Green ist eine Dystopie aus dem Jahr 1973, inszeniert von Richard Fleischer und mit Charlton Heston und Edward G. Robinson hochkarätig besetzt.

Das Thema Überbevölkerung gepaart mit dem zeitlosen Vorwurf, dass die Reichen alles bekommen, während die Armen hungern müssen, ist der Grundtenor des Films.

Handlung

Im Jahr 2022 hat New York 40 Millionen Einwohner, die meisten arbeits- und obdachlos. Es gibt kaum noch Ressourcen, Flora und Fauna sind zerstört. Die Verwaltung versorgt die Bevölkerung mit Nahrung und Wasser. Nahrung bedeutet eine Auswahl bunter Plättchen namens Soylent Red, Soylent Yellow und Soylent Green. Die Soylent Company ist verantwortlich für die Herstellung der Nahrungsplatten. Der Name setzt sich zusammen aus den englischen Worten Soy (Soja) und Lent (Linsen), die wohl Grundbestandteil der Platten sein sollen. Im Fall von Soylent Green kommt laut den Aussagen im TV noch Plankton hinzu. Die Produktion von Soylent Green kommt der Nachfrage kaum hinterher, daher erfolgt die Ausgabe nur dienstags. Die Straßen sind an Ausgabetagen voll und es bilden sich lange Schlangen. Hier würde ein Funken reichen, um den Zorn der Menge zu entfachen. Die Polizei beobachtet dies in Randale-Ausrüstung und schürt so unbeabsichtigt oder beabsichtigt die Spaltung der Gesellschaft. Da es regelmäßig zu Ausschreitungen kommt, wenn der Vorrat der Plättchen zur Neige geht, hält die Polizei auch Schaufelbagger und Container bereit. Die Menschen werden einfach aufgeschaufelt und in Container verfrachtet. Die Elite jedoch kauft weiterhin richtige Lebensmittel in richtigen Geschäften ein und wohnt in luxuriösen Apartments.

Der Detective der New Yorker Polizei, Thorn, hingegen lebt in einer Zweck-WG mit dem betagten Recherche-Experten Sol Roth zusammen. Der Strom muss mithilfe eines Heimtrainers erstrampelt werden und das Essen besteht aus den bunten Platten, die unterschiedliche Nahrungskomponenten enthalten bzw. simulieren. Sie bestreichen sie mit ranziger Margarine und schlingen sie mit Todesverachtung herunter. Im Gegensatz zu Thorn kann sich Roth noch an eine Welt mit Tieren und Pflanzen erinnern. Roth recherchiert für Thorn nach dem Verbleib unterschiedlicher Verdächtiger. Mit diesen Erkenntnissen macht Thorn sich auf zum Revier. Im Flur des Wohnhauses liegen bzw. leben Menschen, über die er hinwegsteigen muss. Da er einen Beruf ausübt, der systemrelevant ist und bislang nicht wegrationalisiert werden konnte, steht er weit über den Menschen, die ohne Arbeit und Wohnung auf den Straßen und den Fluren dahinvegetieren.

Der Unternehmer William Simonson schickt seine Konkubine Shirl gemeinsam mit seinem Leibwächter Fielding zum Einkaufen. Sie kann nicht alleine gehen, da die Gefahr, überfallen und bestohlen zu werden, stetiger Begleiter im Alltag ist. Er bleibt alleine. Derweil bekommt ein Mann eine Brechstange gemeinsam mit dem Auftrag überreicht, sich um Simonson zu kümmern. Der Angreifer gelangt problemlos in das Gebäude und sogar in die Wohnung. Simonson scheint auf ihn gewartet zu haben. Er akzeptiert die Situation und lässt sich ohne Gegenwehr den Schädel einschlagen.

Thorn wird zum Tatort gerufen. Der Portier führt ihn in die Wohnung und erläutert, dass die Überwachungs- bzw. Alarmanlage vor ein paar Tagen ausgefallen ist und bislang keine Ersatzteile eingetroffen sind. Die Wohnung wurde durchwühlt und erweckt so ganz den dazugehörigen Anschein. Thorn verhört Shirl und den Leibwächter. Er begegnet beiden ohne jeden Respekt, erkundigt sich jedoch zuerst, ob Shirl zum Inventar gehört. Es ist nicht nur eine dystopische, sondern auch eine patriarchale Gesellschaft. Junge Frauen gehören in den Wohnhäusern zum Inventar und werden von Mieter zu Mieter weitergegeben. Bei seiner Inspektion des Apartments lässt Thorn einige Dinge mitgehen bzw. beschlagnahm diese, darunter Seife und zwei Bände eines Nachschlagewerkes und natürlich die Lebensmitteleinkäufe wie auch eine Flasche richtigen Alkohols. Thorn wird schnell klar, dass der Leibwächter Fielding in die Geschichte verwickelt sein muss.

Wie nebenher erfahren wir hier, wie die Leiche ohne Obduktion oder nähere Untersuchung weggeschafft wird. Verstorbene werden in dieser Zukunft nicht betrauert und begraben, sondern in einer Abfallentsorgungsanlage vernichtet. Von Shirl erfährt Thorn bei einer weiteren Gelegenheit, dass Simonson mit sich gerungen und sogar mehrfach eine Kirche aufgesucht hat. Diese Informationen hat sie ihm im Bett gegeben, denn es ist das Natürlichste in ihrer Position, dass sie auch ihm, der Autoritätsperson, sofort zur Verfügung stehen muss. Allerdings scheint er wirklich so etwas wie Gefühle für sie zu entwickeln, lehnt die Möglichkeit, sie in seiner Wohnung unterzubringen jedoch ab. Er genießt die Annehmlichkeiten der Wohnung wie das heiße Wasser, lässt sie jedoch am Schluss dort zurück. Am kommenden Abend wird sich ein neuer Mieter die Wohnung ansehen und Shirl hofft, dass er sie übernimmt.

Zuhause in seinem eigenen schäbigen Apartment hat Sol aus den frischen Nahrungsmitteln Simonson ein leckeres Essen gekocht. Zum ersten Mal gibt es Eintopf mit Fleisch, Salat und sogar einen frischen Apfel. Heruntergespült wird das luxuriöse Mal mit einem Glas des beschlagnahmten Bourbons. Sol hat herausgefunden, dass Simonson zum Vorstand der Soylent Company gehört hat und sogar persönliche Verbindungen zum Gouverneur hatte. Thorn bittet Sol, ins Informationszentrum zu gehen, um an weitere Informationen zu gelangen. Dort arbeiten noch andere Recherche-Experten, sogenannte „Polizeibücher“. Thorn selbst versucht, mit dem Priester zu sprechen, den er in der total überfüllten Kirche aufsucht. Dort werden schon lange keine Gottesdienste mehr gefeiert, da auch hier der Platz zur Unterbringung der Obdachlosen genutzt wird. Der Priester ist verzweifelt über die Situation der Menschen in New York. Er behauptet, sich nicht an Simonson erinnern zu können, und schickt Thorn weg. Diesem ist aber sofort klar, dass der Priester ihm etwas verschweigt. Simonson scheint gebeichtet zu haben, die Frage ist nur, was.

Thorns Vorgesetzter, Hatcher, untersagt ihm, weiter in dem Fall zu ermitteln. Die Behörde des Gouverneurs hat angeordnet, dass die Akte als ungelöster Raubüberfall geschlossen werden soll. Thorn reagiert wütend und möchte der Verschwörung auf den Grund gehen. Der Zugang zum Gebäude wurde organisiert. Das war kein Raubüberfall mit Todesfolge, sondern eine Hinrichtung. Allerdings wird Thorn zunächst für den Randaledienst bei der Ausgabe von Soylent Green eingeteilt. Jetzt überschlagen sich die Ereignisse. Vor der Ausgabestation gerät die Situation schnell außer Kontrolle. Als die Ausschreitungen beginnen, wird plötzlich auf Thorn geschossen. Der Täter ist niemand anders als Simonsons Mörder. Bevor Thorn ihn jedoch stellen kann, wird er von der Schaufel eines Bagger ergeschlagen. Zeitgleich wird der Priester von Fielding, Simonsons Leibwächter, während einer Beichte erschossen.

Sol ist derweil im Informationszentrum und tauscht sich dort mit anderen „Polizeibüchern“ aus. Was er dort erfährt, schockiert ihn zutiefst und macht ihn sprachlos. Allerdings gibt es keine Beweise für die Theorie. Auf dem Weg nach Hause beschließt er, selbst dafür zu sorgen, dass Thorn an die Beweise gelangt. Er hinterlässt ihm eine Nachricht in der Wohnung, dass er nicht mehr kann und sich daher in die Tötungsanstalt begibt, um sich einschläfern zu lassen. Thorn eilt so schnell wie möglich dorthin und kommt gerade rechtzeitig zur Zeremonie. Sol hat bereits das Gift getrunken und schaut sich zum Klang klassischer Musik Naturvideos an. Sogar Thorn wird davon zu Tränen gerührt, er sieht dort eine Welt, die er nie kennenlernen konnte. Kurz vor seinem Tod flüstert Sol Thorn ins Ohr, dass die Ozeane und somit das Plankton tot sind. Thorn versteckt sich auf einem Mülltransporter, in dem die Leichen der Verstorbenen weggeschafft werden. So gelingt er in die Entsorgungsanlage und muss entsetzt beobachten, wie die Körper in Wasser gelagert werden und auf der anderen Seite der Anlage die grünen Soylent-Plättchen auf dem Fließband heraus transportiert werden. Allerdings wird er entdeckt, verfolgt und beschossen. Thorn gelingt zwar die Flucht und er kann sich verletzt über den Friedhof bis zur Kirche schleppen. Dort wird Thorn aber wieder von Fielding eingeholt und schwer verletzt. Als die Polizeikräfte die Kirche stürmen, glaubt er zunächst an seine Rettung. Er vertraut Hatcher an, was er gesehen hat. In dem Moment, wo er weggebracht wird, ist ihm klar, dass es keine Hoffnung für ihn gibt. Er schreit solange wie möglich die Erkenntnis heraus: „Soylent Grün ist Menschenfleisch!“

Hintergrund

Im Jahr 1973 gilt Soylent Green als erster Öko-Thriller. Basierend auf den brisanten Thesen des Club of Rome (Die Grenzen des Wachstums – 1972) wurde mit dem Hintergrund des Treibhauseffekts ein spannender Kriminalfall ins Zentrum gesetzt. Der Club of Rome ist ein 1968 gegründeter Zusammenschluss von Experten, der sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit einsetzt. Die damalige Veröffentlichung hat einen internationalen Diskurs in Gang gesetzt.

Eine Dystopie ist immer ein imaginatives Planspiel. Dystopien sind die Kehrseite von Utopien. In einer Dystopie paaren sich Zukunftsängste und Gegenwartskritik während in einer Utopie die Zukunft positiv gesehen wird. Die Menschheit hat die Lösungen für alle aktuellen Probleme gefunden und neue Bedrohungen kommen alleine von außen.

Das Drehbuch von Stanley R. Greenberg nimmt Harry Harrisons Science-Fiction-Novelle Make Room! Make Room! aus dem Jahr 1966 als Grundlage. Angeblich kam Harrison durch die Aussage eines Inders, der ihn auf das Problem der drohenden Überbevölkerung in seiner Heimat aufmerksam machte, auf die Idee zum Buch.

Fazit

Da wir nun im Jahr 2022 angekommen sind, wissen wir natürlich, dass diese Vision so noch nicht eingetroffen ist. Der Film ist aber trotzdem nicht schlecht gealtert. Die Überbevölkerung und der Klimawandel sind weiterhin aktuelle Themen. Auch die Spaltung der Gesellschaft ist uns bereits in der Gegenwart nicht fremd. Wir werden in Zukunft mit mehr Migration aufgrund von Klimawandel zu rechnen haben. Auch die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auf.

Soylent Green war bereits für seine Zeit ein schonungsloses Filmdokument. Die Brutalität des Todes wird an den Beispielen Simonson, der sich wehrlos den Schädel einschlagen lässt, wie auch später seines Mörders, der von der niedersausenden Schaufel eines riesigen Baggers zerquetscht wird, dargestellt. Frauen sind lediglich Bestandteil der Wohnungseinrichtung. Wie und ob sich die Menschheit überhaupt noch fortpflanzt bzw. die übergreifenden Regeln des Zusammenlebens werden offengelassen und der Fantasie der Zuschauenden überlassen. Ein für die frühen Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts durchaus fortschrittliche Vorgehensweise. Das Fehlen einer weiblichen Protagonistin stößt heutzutage etwas auf, aber im Kontext der Zeit gesehen, ist das verständlich.

 

Warpskala

Warpskala
9 10 0 1
9/10
Total Score

Positiv

  • Schonungslose Darstellung der Gesamtsituation
  • Theatisierung von Überbevölkerung, Klimawandel und Patriarchat
  • Kein Happy-End

Negativ

  • Kleine Logikfehler
  • Keine weibliche Protagonistin (der Zeit geschuldet)
Melanie Frankl

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