Die neue Zeit
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Review: Star Trek – Die neue Zeit 5

Lesezeit circa: 8 Minuten

Nachdem sich Band 4 der neuen Zeit zwei Randcharakteren gewidmet hat, stehen diesmal die Hauptfiguren McCoy, Uhura, Scotty, Sulu und Chekov im Mittelpunkt.

Star Trek Die neue ZeitDie Handlungen

In allen vier Geschichten wird ein Blick auf die Vergangenheit der fünf Hauptcharaktere geworfen. Den Anfang macht Dr. McCoy, der ursprünglich Basketballer werden wollte. Dann entschied er sich jedoch für eine Laufbahn als Kinderarzt und heiratete. Beides verlief nicht immer glücklich, weshalb es ihn schlussendlich zur Sternenflotte verschlagen hat, was ihm völlig neue Möglichkeiten der Medizin eröffnete.

Die zweite Geschichte beleuchtet, wie sich Uhura und Spock näher gekommen sind. Bei einer Gedankenverschmelzung erfährt der Vulkanier von einem traumatischen Erlebnis aus Uhuras Kindheit. Bei einem Shuttleunfall musste sie ihre Eltern retten, verlor dabei jedoch ihren Onkel, der infolge einer Explosion starb, als er mit der Außenreparatur der Schiffshülle beschäftigt war.

Scottys Geschichte ist von allen die turbulenteste. Schon als Kind war er zwar hochbegabt, hatte aber ein Problem mit Autoritäten. Nachts schlich er mit seinem Bruder auf Raumschiffwerften, was ihm schon früh Ärger eingebracht hat. Seine erste Bewerbung bei der Sternenflottenakademie wurde aufgrund seiner stürmischen Schulzeit abgelehnt. Er diente zunächst auf einem Frachter, erhielt dann aber eine zweite Chance, als er ein in Not geratenes Sternenflottenschiff rettete. Die zweite Chance vergeigte er abermals, als er Admiral Archers Beagle ins Nirvana beamte. Dies führte ihn ins Exil auf Delta Vega, wo er schließlich Keenser mit seiner Vorgeschichte vollquatscht. Dann schafft der kleine Alien etwas, woran Scotty seit 25 Jahren gescheitert ist – die Reparatur des alten Dudelsacks seines Großvaters.

Die letzte Geschichte führt zurück in die Akademiezeit von Sulu und Chekov. Sulu erhielt damals das Angebot, in die Elite-Einheit Red Squad aufgenommen zu werden. Dafür sollte er lediglich ein riskantes Flugmanöver ausführen. Während er ablehnte, musste er am Ende einen Kameraden retten, der sich darauf eingelassen hat. Als die arrogante Kadettin McKenna ihm daraufhin die Mitgliedschaft in der Red Squad angeboten hat, lehnte er dankend ab.

Chekov hatte ebenfalls Probleme mit McKenna, welche ihn gemobbt hat. Dafür wollte er sich an ihr rächen. Kein geringerer als Kirk riet ihm davon ab, sich auf dasselbe Niveau herab zu lassen. Obwohl Chekov und Sulu zur selben Zeit an der Akademie waren, lernten sie sich erst später an Bord der Enterprise kennen.

Rezension von Pille

Dr. McCoys Charakter ist in dieser Geschichte ziemlich gut getroffen. Er scheut zunächst den Flug ins All und lebt ein beschauliches Leben als Kinderarzt und Ehemann auf der Erde. Zumindest bis seine Ehe in die Brüche geht und er schließlich doch auf einem Raumschiff landet. Soweit stimmt das sogar mit dem Kanon des Prime-Universums überein. Es fehlt allerdings seine Tochter Joanna. Dafür taucht ein Mädchen namens Jenny auf, welches er nicht heilen kann. Dies bringt den Doktor schließlich dazu, die Erde zu verlassen und im Weltraum nach neuen Heilmitteln zu suchen. Diese findet er auch und kann damit ein Crewmitglied retten.

Während man den Charakter von McCoy wiedererkennt, trifft dies auf sein optisches Erscheinungsbild weniger zu. Der Zeichenstil ist etwas grob und es stören vor allem die extremen Ringe unter den Augen. Die Enterprise ist ebenfalls kaum wiederzukennen. Es fehlen sämtliche Fenster, ebenso der Strahlenkranz des Hauptdeflektors, und die Bussardkollektoren an den Warpgondeln sind komplett misslungen. Die Umgebungen sind meist eher schlicht und vor allem die Gebäude wenig detailliert dargestellt.

Zumindest die Koloration kann die Bilder noch aufwerten. Vor allem der Lichteinfall und die daraus resultierenden Schatteneffekte sind hervorragend, außerdem mangelt es nicht an Leuchteffekten. Die Weltraumhintergründe sind okay, wenn auch etwas unscharf. Der eine Planet mit den weit auseinander liegenden Ringen wirkt arg unrealistisch.

Rezension von Die Stimme eines sinkenden Sterns

Im JJ-Versum sind Spock und Uhura ein Paar. Doch wie konnte es dazu kommen? Der vorliegende Comic gibt Aufschluss darüber, wobei die anfängliche Lehrer-Schüler-Beziehung an der Akademie etwas unglücklich gewählt ist. So weit liegen die beiden vom Alter her gar nicht auseinander. Zum Glück ist Uhura wenigstens mit ihrem Lehrgang fertig, bevor sie sich auf ihren Dozenten einlässt.

Der Shuttle-Unfall ihrer Familie ist derweil derart drastisch, dass man sich fragen muss, wie sie und ihre Eltern die heftige Explosion überhaupt überleben konnten. Eigentlich hätte diese die Hülle des kleinen Gefährts zerreißen müssen. Eine besondere Tragik erhält dieser Teil ihrer Geschichte allerdings durch den Tod von Uhuras Onkel. Dieser gibt ihr über Funk Anweisungen, wie sie die Rettungskapsel startklar machen und ihre Eltern retten soll. Dabei verschweigt er ihr, dass die Explosion ihn vom Shuttle weggeschleudert hat. Erst als seine Nichte in Sicherheit ist, offenbart er ihr, dass er in der Atmosphäre des Planeten verglühen wird.

Das Teilen dieser Erinnerung via Gedankenverschmelzung bindet Uhura enger an Spock, welcher hier deutlich emotionaler reagiert als sein Alter Ego aus dem Prime-Universum. An den Maßstäben des JJ-Versums gemessen funktioniert die Beziehung der beiden aber, womit diese Geschichte eine Wissenslücke füllt.

Grafisch gibt es an dieser ebenfalls nichts auszusetzen. Die Charaktere sind gut getroffen, der Detailgrad ist okay. Auf einem Bild scheint Uhura aber wortwörtlich etwas neben sich zu stehen. Während sie mit Spock an einem Tisch sitzt, steht sie gleichzeitig in der linken Bildecke, wobei ihre Schädeldecke über dem Bildrand schwebt. Offenbar wurde diese Szene nachträglich geändert und dabei vergessen, die ursprüngliche Position von Uhura wegzuradieren. Planeten mit drei Ringen sind zudem stark übertrieben. Abgesehen davon ist aber alles super und auch die Koloration hält ein hohes Niveau, einschließlich leuchtender Sterne.

Rezension von Scotty

Der Scotty aus dem Reboot hat absolut gar nichts mit dem Wunderknaben der Classic-Serie gemein. Statt die Reparaturen in kürzerer Zeit zu erledigen als veranschlagt, braucht er für den Dudelsack seines Opas 25 Jahre und Keensers Unterstützung. Seine Experimente laufen ebenfalls nicht immer glatt, was vor allem Archers Beagle zu spüren bekommt. Was genau aus ihm geworden ist, verrät der Comic übrigens nicht.

Scotty ist jedenfalls antiautoritär, besserwisserisch und unverschämt. Damit hält sich der Comic natürlich nur an die Vorgaben der Kinofilme, weshalb man das dem Autor gar nicht anlasten kann. Immerhin trifft er den Charakter in seiner Neuinterpretation ganz gut und zeigt ausführlich auf, warum er so geworden ist. In sich funktioniert die Geschichte damit prima.

Die Zeichnungen befinden sich auf einem mittleren Niveau. Zuweilen sind die Charaktere etwas grob geraten, dann aber wieder sehr gut getroffen. Vor allem Admiral Archers Beagle ist gelungen und hat den Hundeblick perfekt drauf. Die Koloration schwankt ebenfalls von entsättigten Farben bis zu einer ausreichenden Farbpalette. Allerdings spielen sich viele Szenen nachts ab, was die entsättigten Töne weitgehend erklärt. Die Leuchteffekte sind dafür super.

Rezension von Roter Alarm

Während die Geschichte der ersten drei Hauptfiguren bis zu deren Kindheit aufgerollt wird, konzentriert sich die Geschichte über Sulu und Chekov auf eine einzelne Episode aus ihrer Akademiezeit. Dafür bietet diese Story gleich zwei moralische Dilemmas, welche beide mit Bravour meistern. Obendrein hat Kirk einen kurzen Gastauftritt und gibt Chekov einen freundschaftlichen Rat. Im Gegenzug hilft dieser ihm, den Kobayashi-Maru-Test zu manipulieren.

Die Tatsache, dass Sulu und Chekov sich erst auf der Enterprise kennenlernen, hat wohl damit zu tun, dass sie nicht im gleichen Jahrgang sind. Das wäre sogar noch mit dem alten Kanon vereinbar. Etwas deplatziert wirkt dagegen die Red Squad, da diese doch eigentlich erst von Admiral Layton in der zweiten Hälfte des 24. Jahrhundert ins Leben gerufen wird. Zumindest fand sie bisher im 23. Jahrhundert nie Erwähnung. Immerhin wissen Sulu und Chekov aber korrekt mit deren arroganter Anführerin umzugehen.

Der Zeichenstil schwankt bei dieser Geschichte abermals deutlich. Während vor allem Raumschiffe und Shuttles hochdetailliert und sauber gezeichnet sind, scheint es mit der Darstellung von Händen massive Probleme zu geben. Alles in allem kann sich der Stil aber sehen lassen. Während der Lichteinfall im Wald sehr natürlich wirkt, gibt es auf den Gesichtern wieder Schlagschatten statt weicher Verläufe.

Fazit zu Die neue Zeit 5

Die Vorgeschichten der fünf Hauptcharaktere werden in diesem Band sehr ausführlich nacherzählt, wobei die Erzählstile sehr abwechslungsreich sind. McCoy und Scotty blicken als Ich-Erzähler auf ihre bisherigen Leben zurück, während Uhuras Kennenlernen mit Spock in der Jetztzeit gezeigt wird und lediglich ihre Kindheit eine Rückblende darstellt, die mittels Gedankenverschmelzung eingeleitet wird. Die Story von Chekov und Sulu ist etwas kompakter, kann aber durch die moralischen Dilemmas ausreichend Tiefgang erzeugen.

Alles in allem ist dies ein lohnenswerter Band, der auch optisch weitestgehend überzeugen kann. Sofern man sich mit der Neuinterpretation der Charaktere anfreunden kann, macht man mit dem Kauf dieses Comics nichts falsch.

Info

Autoren: Ryan Parrott, Mike & F. Leonard Johnson
Zeichner: Claudia Balboni & Luca Lamberti
Farben: Claudia SGC & Arianna Florean
Verlag: Cross Cult
Sonstige Informationen: Produktseite

Warpskala

Warpskala
8 10 0 1
  • Story 1
    9/10
  • Zeichenstil 1
    6/10
  • Koloration 1
    9/10
  • Story 2
    10/10
  • Zeichenstil 2
    8/10
  • Koloration 2
    9/10
  • Story 3
    9/10
  • Zeichenstil 3
    8/10
  • Koloration 3
    7/10
  • Story 4
    10/10
  • Zeichenstil 4
    8/10
  • Koloration 4
    7/10
8/10
Total Score

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