Krieg
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Review: Star Wars – Knights of the Old Republic IX: Krieg

Lesezeit circa: 11 Minuten

Zayne Carrick wird unfreiwillig in den mandalorianischen Krieg gezogen und muss diesmal allein damit fertig werden.

KriegHandlung

Eigentlich wollte Zayne Carrick nur seine Familie auf Phaeda besuchen. Da sich seine ursprüngliche Heimat jedoch nahe der Front des mandalorianischen Krieges befindet, wird er direkt am Raumhafen zwangsrekrutiert und in den Einsatz nach Essien geschickt. Dort geht Captain Dallan Morvis mit harter Hand gegen die Mandalorianer vor und lässt auch auf entwaffnete Gegner schießen, die sich zurückziehen.

Zayne, der noch nie jemanden absichtlich getötet hat, verweigert seine Teilnahme an derartigen Kriegsverbrechen. Im Gegenteil: Erst verhilft er einer Devaronianerin und deren Kind zur Flucht, anschließend begeht er selbst Fahnenflucht, um die Mandalorianer vor einem Flächenbombardement zu warnen. Folgerichtig glaubt Captain Morvis, dass Carrick ein Überläufer sei.

Die wahren Überläufer sind jedoch die Jedi Dorjander Kace und seine drei Anhänger. Noch eben kämpfen sie an der Seite der Republik und plötzlich stellen sie Morvis eine Falle. Die abtrünnigen Jedi stehlen sein Raumschiff Reciprocity und transportieren die Kriegsgefangenen damit nach Halthor. Carrick und Morvis werden dort gezwungen, für die Mandalorianer zu kämpfen und einen weiteren Außenposten der Republik einzunehmen. Wer sich weigert, zu kämpfen, wird in die Sklavengruben geschickt.

Zayne versucht, das Beste aus der Situation zu machen und unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Nach der Schlacht landen er und Morvis in der Obhut von Ko Sornell und deren Familie. Es handelt sich um genau die Devaronianerin, der er das Leben gerettet hat und die sich nun dafür erkenntlich zeigt. Sie vermittelt ihm Einblicke in die mandalorianische Kultur. Diese ist durch einen strengen Ehrenkodex geprägt und stellt die Familie über alles. Aus ihrer Sicht wollen die Mandalorianer die Galaxis gar nicht unterdrücken, sondern ihr ihre vermeintlich bessere Lebensweise beibringen.

Einige Vertreter anderer Spezies haben diese bereits angenommen, so auch Ko und ihre Familie. Kriegsgefangene werden ebenfalls stets vor die Wahl gestellt, die Lebensweise der Mandalorianer anzunehmen oder versklavt zu werden. Nicht wenige schließen sich ihnen aber auch freiwillig an, wie der Jedi Kace. Dieser hält die Republik für korrupt, da sie die Vermögen der Superreichen schützt, während sie alle anderen im Stich lässt. In Kace‘ Augen ist es daher ein Fehler, dass die Jedi die Republik beschützen.

Er geht allerdings noch einen Schritt weiter und will das Kräfteverhältnis ausgleichen, indem er die Padawane von Dantooine entführen und zu Mandalorianern heranziehen will. Die lehnen die Jedi und deren vermeintliche Magie eigentlich ab, doch der Mandalore hat Kace‘ Plan zugestimmt, da der Kriegseintritt der Jedi einen strategischen Vorteil für die Republik bedeutet.

Zayne wird von dem Abtrünnigen dazu genötigt, bei der Einnahme der Kommunikationsstation Phaedakom zu helfen, wobei eine getarnte Geheimoperation eine Invasion seiner Heimatwelt überflüssig machen würde. Um seine Familie zu schützen und abermals unnötiges Blutvergießen zu vermeiden, geht Carrick darauf ein. Leider erweisen sich einige Mandalorianer als ungeduldig, sodass auf der Station das Bith-Personal getötet wird.

Immerhin gelingt es, nichts nach außen dringen zu lassen und die Kommunikation zwischen der Republik und Dantooine zu trennen. Phaeda ist vorerst in Sicherheit, doch selbiges kann nicht von Kace‘ eigentlichem Ziel behauptet werden. Zayne braucht daher einen Plan, um die Jedi-Akademie auf Dantooine zu retten.

Zunächst einmal hilft Ko Sornell ihm dabei, Kontakt zu Marn Hierogryph auf Coruscant aufzunehmen, um Kace‘ Hintergrundgeschichte zu recherchieren. Da ihre Entscheidung weder als Verrat angesehen werden kann, noch die Kriegspläne der Mandalorianer gefährdet, stellt dies kein Problem für sie dar. Anschließend hilft sie ihm sogar dabei, die Gefangennahme der Jünglinge zu verhindern, denn die Mandalorianer adoptieren zwar Kriegswaisen, aber sie entführen keine Kinder aus der Obhut ihrer Erziehungsberechtigten.

Obwohl Kace möchte, dass beide auf der Komstation bleiben, besteht Ko Sornell darauf, ihn zu begleiten. Zayne schleicht sich unterdessen auf eine Fähre und kehrt nach Halthor zurück, wo er die republikanischen Kriegsgefangenen befreit. Er beschafft ihnen mittels des Jedi-Tricks mandalorianische Uniformen und überredet sie, in dieser Tarnung einen der drei Dreadnought-Kreuzer zu übernehmen, die Kace als Unterstützung bei seiner Entführungsaktion dienen sollen.

Dallan Morvis ist als Einziger gegen Carricks Plan und will mit einer Fähre fliehen. Letztendlich muss er jedoch erkennen, dass seine Tarnung damit auffliegen und er nicht weit kommen würde. An Bord der Dreadnought erwecken die Flüchtigen den Eindruck, ein hochansteckendes Jedi-Fieber sei ausgebrochen, woraufhin der Kreuzer evakuiert wird. Nun können Carrick und Morvis ungestört Kurs auf Dantooine setzen.

Dort gelingt es mittels eines weiteren Tricks, die Entführung der Padawane zu verhindern. Zwar fliegen Zayne und die anderen auf, doch er hat die mandalorianische Fähre, mit der Kace die Jünglinge zur Dreadnought bringen wollte, mit Sprengsätzen ausgestattet. Als die Bombe hochgeht, nutzen Morvis und seine Leute die Ablenkung, um die Reciprocity unter ihre Kontrolle zu bringen.

Carrick zwingt den abtrünnigen Jedi zu einem finalen Kampf, bei dem Ko Sornell ihrem Vorgesetzten in den Rücken fällt. Sie eröffnet Kace, dass der Mandalore seine Pläne geändert hat und die beiden anderen Dreadnoughts nicht zur Unterstützung kommen werden. Dorjander Kace wird verhaftet und später auf Coruscant zu einem Schauprozess gebracht, den er als Bühne für seine Tiraden gegen die korrupte Republik nutzt.

Dallan Morvis erhält derweil eine Auszeichnung und nachdem Zayne Carrick seine Familie auf Phaeda besucht hat, verabschiedet er sich abermals von Jarael, um sich auf eine diplomatische Mission zu begeben. Ironischerweise an Bord der Reciprocity unter dem Kommando von Captain Morvis, der inzwischen anerkennen musste, dass Zaynes Strategie seine Karriere gerettet hat.

Rezension von Knights of the Old Republic IX: Krieg

Es ist einerseits schön, dass die Knights of the Old Republic-Reihe nach ihrem vorläufigen Ende um ein weiteres Abenteuer ergänzt worden ist. Etwas schade ist jedoch, dass einzig Zayne Carrick eine Hauptrolle darin spielt. Marn Hierogryph hat nur einen kurzen Cameo-Auftritt als Informationsbeschaffer und Jarael ist nur am Ende zu sehen, als Zayne den Besuch seiner Familie nachholt.

Dafür gibt es eine Handvoll neuer Charaktere, die einen durchaus interessanten Hintergrund haben und im Laufe der Handlung eine Entwicklung durchmachen. Captain Dallan Morvis kommt aus gutem Hause, seine Mutter ist Senatorin und auch alle anderen haben Großes für die Republik geleistet. Um dem gerecht zu werden, schlug er eine Militärlaufbahn ein, verlor jedoch eine bedeutende Schlacht. Dass Morvis danach überhaupt noch ein Kommando erhalten hat, verdankte er einzig seinem Mentor Admiral Karath.

Diese Vorgeschichte erklärt, warum er auf Essien so verbissen kämpft und keinen Mandalorianer davonkommen lassen will. Dennoch ist sein rücksichtsloses Vorgehen gegen entwaffnete Feinde ein Kriegsverbrechen. Ebenso ist er bereit, einen ganzen Wald niederzumähen, in dem er die flüchtenden Mandalorianer vermutet. Das erinnert nicht von ungefähr an den Einsatz von Agent Orange und Napalm im Vietnamkrieg durch die USA. Die Kritik, dass auch Demokratien zu Kriegsverbrechen fähig sind, ist ziemlich offensichtlich.

Auf der anderen Seite werden die dehumanisierten Mandalorianer ein Stück weit rehabilitiert. Die Familie von Ko Sornell zeigt, dass sie keine herzlosen Monster sind. Etwas überraschend ist dabei, dass nicht alle Mandalorianer von Mandalore stammen. Unter den Helmen verbergen sich sehr häufig Vertreter anderer Spezies, womit sie gar eine Gemeinsamkeit mit der Republik haben. Sie sind ebenfalls multiethnisch, allerdings nicht multikulturell, denn alle, die sich ihnen anschließen, nehmen auch die mandalorianische Kultur an.

Diese ist im Kern ihres Wesens kriegerisch und brutal. In diesem Sinne werden auch die Kinder erzogen, mit den Erwachsenen in die Schlacht ziehen, sobald sie eine Waffen halten können. Ebenso bleiben schwangere Frauen nicht zu Hause, sondern nehmen aktiv am Krieg teil. Das ist eine durchaus  kritikwürdige Lebensweise und es darf zudem nicht vergessen werden, dass die Mandalorianer den Krieg angefangen haben. Ehrenkodex hin oder her, sie zwingen anderen Völkern ihre Kultur auf und wer sich dieser verweigert, wird versklavt. Die Mandalorianer sind quasi die Klingonen des Star Wars-Universums.

Dorjander Kace sieht sich bei alledem vor die Wahl gestellt, einer korrupten Republik oder einem brutalen Eroberungsregime zu dienen. Warum er sich für Letzteres entscheidet, hat damit zu tun, dass er schon einmal während des letzten Sith-Krieges in mandalorianische Gefangenschaft geraten ist und dort anständig behandelt wurde. Zwar kehrte er nach der Niederlage der Mandalorianer in die Republik zurück und wurde sogar in den Jedi-Rat aufgenommen. Doch als Lucien seinen Platz im Rat erhalten hat und die Jedi dann noch in den Krieg eingetreten sind, um eine korrupte Republik zu schützen, wechselte er ganz bewusst die Seiten.

Obwohl seine Motive nachvollziehbar sind, bleiben seine Taten dennoch abscheulich. Das Entführen von Jünglingen, um sie als Kindersoldaten einzusetzen, wird eigentlich nur noch vom Massaker an den Padawanen durch Darth Vader getoppt. Kace landet am Ende völlig zu recht vor Gericht, wo er keinerlei Reue für seine Verbrechen zeigt. Die Republik hat dabei noch den Fehler begangen, ihm durch einen großen Schauprozess eine Plattform für seine demokratiefeindlichen Ansichten zu bieten.

Die Gesellschaftskritik, die bei alledem stets erkennbar herauszulesen ist, könnte nicht aktueller sein. Wenn die Demokratie innerlich durch Korruption zerfressen ist und unter ihr das organisierte Verbrechen blüht, bildet dies einen exzellenten Nährboden für extremistisches Gedankengut. Genau das ist gerade weltweit zu erleben und wie die Mandalorianer zeigen, ist die Alternative zur Demokratie keineswegs besser. Der Mandalore ist ein grausamer Diktator, für den alle freudig über die Klinge springen, wenn er es befiehlt.

Den einzig richtigen Weg weist Zayne Carrick. Er weigert sich strikt, für die eine oder andere Seite zu töten und sich an Kriegsverbrechen zu beteiligen. Auch das ist angesichts des Ukrainekrieges eine hochaktuelle Aussage. In so ziemlich allen Kriegen begehen beide Seiten Verbrechen. Die jeweiligen Gegner werden dehumanisiert und ihre Ermordung damit legitimiert. Der Frieden sollte daher besser durch Verhandlungen als durch einen Sieg errungen werden. Aus diesem Grund tritt Carrick schlussendlich als Sonderagent in den diplomatischen Dienst der Republik ein.

Dieser Ausgang ist durchaus zufriedenstellend, obgleich das Ende des mandalorianischen Krieges noch gar nicht erreicht ist. So endet der Comic mit dem Verweis: „Und der Kampf geht weiter…“, was die Möglichkeit einer Fortsetzung impliziert. Diese kam jedoch nicht zustande und daher endet Zayne Carricks Reise mit einem Cliffhanger. Es ist wirklich bedauerlich, dass die Comicserie nicht bis zu ihrem logischen Ende fortgeführt  wurde. Bis zum Handlungseintritt der Computerspielreihe klafft noch eine große Lücke, innerhalb der Malak und Revan sich zu Sith-Lords entwickeln.

Die Lücke wird auch nicht durch die Comicreihe The Old Republic gefüllt, welche auf dem gleichnamigen Spin-off-Spiel basiert. Im Gegensatz zu Knights of the Old Republic ist diese übrigens nicht in der Comic-Kollektion erschienen, was mindestens ebenso bedauerlich ist. Viele der Softcoverbände sind nämlich bei Panini längst ausverkauft und nicht mehr nachbestellbar.

Grafisch hebt sich der Band Krieg ebenfalls von seinen Vorgängern ab, da ein neuer Zeichner verpflichtet wurde. Dessen Leistung kann sich sehen lassen und vor allem ist der Comic diesmal einheitlich in einem Stil gehalten. Eine der größten Stärken sind die Gebäude und Raumschiffe. Die mandalorianischen Dreadnoughts sehen wirklich eindrucksvoll aus. Die Phadakom-Raumstation kommt einem allerdings irgendwie bekannt vor. Deren pilzförmiger Aufbau erinnert dermaßen stark an das Raumdock aus Star Trek, dass man es schon nicht mehr als Zufall abtun kann.

Die größte Schwäche des Comics sind derweil die Charakterdarstellungen. Das Aussehen der neuen Charaktere funktioniert zwar durchaus gut, aber die bereits bekannten Gesichter sind kaum wiederzuerkennen. Insbesondere Zayne Carrick wirkt viel zu alt, als wäre er mindestens Mitte 40, dabei ist er gerade einmal um die 20. Die Bith sehen noch fürchterlicher aus. Mit ihren viel zu großen schwarzen Augen erinnern sie eher an die klassischen Grey-Aliens als an die berühmte Cantina-Band.

Abgesehen von den etwas zu grob ausgefallenen Köpfen ist der Zeichenstil aber durchaus gelungen und wird durch eine hervorragende Koloration ergänzt. Die Farben sind gut getroffen und das Spiel von Licht und Schatten wirkt stimmig. Die Leuchteffekte sind okay, nur mit Glanzeffekten war man etwas sparsam. Das absolute Highlight sind die Sternenhintergründe, die sehr viel zu einer realistischen Weltraumatmosphäre beitragen.

Fazit

Einerseits ist es erfreulich, dass die Knights of the Old Republic-Reihe wiederaufgenommen wurde, aber leider endet sie nach diesem Band sehr abrupt, während das Ende von Dämon eigentlich schon ein guter Abschluss war. Hier hätte es schon mindestens eine weitere Fortsetzung gebraucht, um die Serie erneut abzurunden. Hinzu kommt, dass Gryph und Jarael nur Cameo-Auftritte haben, was Fans der bisherigen acht Bände zwangsläufig enttäuschen muss.

Nichtsdestotrotz erzählt der vorliegende Comic eine spannende Geschichte mit gesellschaftskritischen Aussagen. Dank Zaynes pazifistischen Lösungsansätzen kann dies als Antikriegserzählung gelesen werden. Diese wurde in ansprechende Bilder verpackt, was die Gesamtwertung noch einmal kräftig anhebt. Erschienen ist Krieg  u. a. als hochwertiger Hardcover-Band mit der Nr. 119 in der Star Wars Comic-Kollektion.

Info

Autoren: John Jackson Miller
Zeichner: Andrea Mutti
Farben: Michael Atiyeh
Verlag: Panini
Sonstige Informationen: Produktseite

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Warpskala

Warpskala
9 10 0 1
  • Story
    10/10
  • Zeichenstil
    8/10
  • Koloration
    10/10
9/10
Total Score
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