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Die Menschheit soll in die galaktische Gemeinschaft aufgenommen werden, doch ein Clan von Rassisten will dies verhindern.

Der Clan der RassistenDie Handlung

Die Erde soll in die Constelnations aufgenommen werden, was ein Ende der Benachteiligung für alle Menschen bedeuten würde. Der Beitritt geht mit einem Ritual einher, bei dem die irdische Botschafterin Sarah Terson eine Symbiose mit der Primordialen Entität im Herzen Primors eingehen muss. Für eine Gruppe von Rassisten ist dieser Gedanke unerträglich, weshalb sie einen Attentäter auf die Botschafterin ansetzen. Zum Glück ist Sergeant Frank Willis für ihre Sicherheit zuständig. Dank seiner Cyborgimplantate kann er den Attentäter aufhalten, indem er ihm kurzerhand den Kopf abreißt.

Franks Tochter Shelly beginnt derweil ein Robotikstudium an der Universität von Primor, wo sie von ihren Kommilitonen gemobbt wird. Nur Mygo hält scheinbar zu ihr und flirtet sogar mit ihr. Als Shellys künstliches Herz Aussetzer bekommt, bittet sie ihn, ihr einen Nuklearkondensator zu beschaffen. Kaum hat sie diesen aktiviert, taucht ein Sabotagedroid auf und bringt das Gerät zur Explosion. Die Cyborgfrau überlebt den Anschlag zwar und kann Mygo stellen, doch bevor dieser zur Rechenschaft gezogen werden kann, begeht er Suizid.

Wie sich herausstellt, war der von Mygo verübte Anschlag nur ein Ablenkungsmanöver, um Sergeant Willis von der Botschafterin weg zu bekommen. Als ein weiterer Attentäter vom Clan der Rassisten erkennen muss, dass Frank den Plan durchschaut hat, zündet er seine Selbstmordbombe verfrüht und verletzt Sarah Terson schwer. Die Botschafterin bittet Willis daher, ihren Platz einzunehmen und den Beitritt der Menschheit in die Constelnations zu besiegeln.

Das Bündnis steht allerdings auf wackeligen Beinen, denn Shelly hat sich zwischenzeitlich daran erinnert, das Logo des Clans der Rassisten kurz vor der Zerstörung der Blue-Star-Kolonie gesehen zu haben. Die über 2 Millionen Opfer starben also nicht bei einem Unfall, sondern wurden gezielt ausgelöscht. Offensichtlich schrecken die Rassisten nicht einmal vor Völkermord zurück, was noch einiges an Konfliktpotential in sich birgt.

Rezension von White Crows 2: Der Clan der Rassisten

Ging es im ersten Teil noch um organisiertes Verbrechen und Korruption, eröffnet sich im zweiten Band eine politische Verschwörung gigantischen Ausmaßes. Irgendwie hat man ja schon geahnt, dass die Blue-Star-Kolonie nicht einfach so grundlos explodiert ist. Der Hass der Rassisten auf die Menschen ist derart groß, dass sie bei ihrer neusten Anschlagsserie sogar über die Leichen anderer Außerirdischer gehen.

In sich logisch ist das Agieren der Rassisten freilich nicht. Sie verkörpern genau das, was sie der Menschheit vorwerfen zu sein: eine Gefahr für die galaktische Gemeinschaft. Sie sind die unzivilisierten Barbaren, die Unschuldige ermorden. Man möchte sich bei diesen offenkundigen Widersprüchen an den Kopf greifen und laut „Ahhh!“ schreien. Allerdings ist diese Unlogik mitnichten ein Denkfehler des Autors, sondern spiegelt die traurige Realität rassistischer Gewalt wieder. Rassismus ist nun einmal dumm und eine Gefahr für die Allgemeinheit, das macht dieser Comic ganz bewusst deutlich.

Dabei wird auch auf die diversen Formen des Alltagsrassismus eingegangen. So müssen die Menschen in den öffentlichen Verkehrsmitteln von Primor ganz hinten sitzen und leben überwiegend in den Favelas auf den unteren Ebenen. Dort erzählt ein alter Mann Shelly von seiner Hoffnung, dass auf der Oberfläche vielleicht eines Tages eine „weiße Krähe“ erscheinen wird, die ihre Stimme für die Menschen erhebt. Aus diesem Zitat leitet sich der Titel der Comicreihe ab. Es geht um eine Hoffnung, die sich scheinbar niemals erfüllen kann, weil der Rassismus einfach übermächtig ist.

Ein wenig befremdlich dabei ist nur, dass die Rassisten selbst aus unterschiedlichen Völkern stammen, sich dabei gegenseitig tolerieren und ihren Hass ausschließlich auf die Menschheit konzentrieren. Dafür gibt es zwar durchaus historische Beispiele wie die Kooperation von Nazideutschland mit dem japanischen Kaiserreich, die beide trotz unterschiedlicher ethnischer Zugehörigkeit ihren Rassismus gegeneinander zurückgestellt haben. Dennoch fällt es schwer, anzunehmen, dass Angehörige verschiedener Alienvölker nur gegenüber einer Fremdspezies Hassgefühle hegen. Der Kern des Rassismus ist nun einmal der Hass auf alles, was nicht so ist, wie man selbst.

Über diese Schwäche kann jedoch hinweggesehen werden, da die Handlung in sich gut funktioniert. Was dagegen völlig überzogen wirkt, ist Shellys Überleben einer Atomexplosion. Die Zerstörung von Blue Star konnte sie überleben, da ihr künstlicher Körper das Vakuum des Weltraums eine Zeit lang aushält. Aber aus was für einem Material muss er bestehen, um eine Nuklearexplosion aus unmittelbarer Nähe zu überstehen? Und selbst wenn er aus Neutronium oder Unobtanium bestehen würde, hätte zumindest Shellys menschliches Gehirn gegrillt werden müssen. Es ist schlichtweg unglaubwürdig, dass sie Mygos Anschlag überlebt und obendrein ihre biomechanische Haut samt Haaren in Sekundenschnelle regeneriert. Das ist erinnert zu stark an die Terminatrix aus Terminator 3.

Von diesem Mangel an Realismus einmal abgesehen, ist der vorliegende Band immer noch sehr spannend erzählt und das abermals in prächtigen Bildern und einer stimmungsvollen Koloration. Der Detailgrad ist hervorragend und lediglich im Hintergrund ist hier und da mal anzumerken, dass frei Hand gezeichnet wurde. Das einzig nennenswerte Problem sind die Stellungen der Hände. Die Hände selbst sind zwar gut gezeichnet, aber oft kleben Mittel- und Ringfinger aneinander, während Zeige- und kleiner Finger unnatürlich weit abstehen, was unnötig verkrampft wirkt. Außerdem sind Handbewegungen zuweilen etwas ungünstig dargestellt, sodass es auf einem Bild wirkt als hätte Shelly zwei Hände an einem Arm.

Fazit

Die Handlung ist deutlich größer angelegt als beim ersten Band, übertreibt es dabei zuweilen aber mit der Action. Rein optisch liegt Band 2 mit seinem Vorgänger dagegen gleichauf und entführt die Leser einmal mehr in einzigartige fremde Welten. Da der zweite Teil bereits 2013 erschienen ist, stellt sich die Frage, wann denn nun der Abschlussband der als Trilogie angelegten Reihe erscheint. Man möchte doch wissen, wie es nun weiter geht, da die Menschheit jetzt zu den Constelnations gehört und die Täterschaft des Clans der Rassisten hinter der Zerstörung der Blue-Star-Kolonie bekannt ist.

Info

Autor: Djief
Zeichner: Djief
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite

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Warpskala

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9 10 0 1
  • Story
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  • Zeichenstil
    9/10
  • Koloration
    10/10
9/10
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