Mit diesem Film konnte Regisseur Zack Synder seine Fetische ausleben und wurde dafür auch noch bezahlt.
Ein Regisseur und ein Film, an dem sich die Geister scheiden werden
Zack Snyder ist ein Filmemacher, an dem sich die Geister scheiden. Es gibt Leute, die seine Filme und seine Ästethik feiern. Und dann solche, die seine Werke nicht gut finden. Dabei besteht der Großteil seines Ouevres aus Comicadaptionen. Mit 300 feierte er seinen Durchbruch und seine DC-Comics-Verfilmungen zementierten seinen Ruhm.
Allerdings hat er eben nicht nur die Werke von anderen verfilmt. Ebenso hat er eigene Geschichten auf die Leinwand gebracht. Zu diesen gehört dabei auch Sucker Punch. Der Film kam heute vor 15 Jahren in die deutschen Kinos. Was ein passender Anlass dazu ist, ihn sich mal näher anzusehen.
Und ohne schon viel vorwegzunehmen. Auch dies wird wieder ein Film sein, an dem sich die Geister scheiden werden.
Fetische ausleben können
Dabei kam dem Regisseur die Idee dazu schon im Jahr 2007. Er stellte die Arbeit an diesem Projekt erst mal beiseite, um sich um Watchmen zu kümmern. Erst, als dieser in die Kinos kam, fing er an, sich der Produktion zu beschäftigen. So schrieb er das Drehbuch zusammen mit Steve Shibuya, der das ursprüngliche Skript verfasst hatte, auf dem letzten Endes die Geschichte basieren sollte. Auch die Produktion übernahm er, in diesem Fall gemeinsam mit seiner Ehefrau Deborah Snyder. 2009 verkündete Warner Bros, dass sie den Filmvertrieb machen würden. Grund für ihre Entscheidung war der Erfolg der Watchmen-Adaption.
Bevor die Dreharbeiten anfingen, musste noch der Cast zusammengestellt werden. Zack Snyder schwebte dabei ein rein weiblicher Cast vor, nachdem er bei 300 mit einem rein männlichen zusammengearbeitet hatte. Und so wurde Emily Browning (High Flyers) die Hauptdarstellerin, Babydoll. Die Figur der Sweet Pea wurde von Abbie Cornish (Sommersault) übernommen, derweil Jena Malone (Contact) zu Rocket wurde. Der Charakter Blondie wurde Vanessa Hudgens (High School Musical) zum Leben erweckt und Jamie Chung (Dragon Ball Evolution) als Amber sollte den Abschluss der Hauptdarsteller bilden.
Der Film sollte ein Budget von 75 bis 82 Millionen US Dollar haben. Die Hauptdarstellerinnen mussten außerdem für ihre Rollen im Umgang mit Waffen und teilweise ebenso im Tanz unterwiesen werden. Zack Snyder meinte des weiteren, dass er eine coole Story wollte und dass der Film auch stark von asiatischer Ikonografie, wie Samuria, Mecha und Anime beeinflusst sei. Allgemein wollte seine Interessen umsetzen und meinte, dass er es cool findet, wenn Mädchen in den Gräben des Ersten Weltkriegs herumlaufen und Chaos anrichten. Für ihn war dies wohl auch eine Art Auslebung seiner Fetische, um die er, laut eigener Aussage, keine Geheimnisse machte.
Man fühlt sich missverstanden
Die Mutter einer jungen Frau ist so eben gestorben, woraufhin ihr Schwiegervater das Testament öffnet und herausfindet, dass die junge Frau und ihre Schwester alles geerbt haben. Im Zorn will er die Schwester vergewaltigen, doch die junge Frau will dies verhindern. Sie schießt auf ihn, tötet allerdings aus Versehen ihre Schwester. Woraufhin der Schwiegervater sie in eine Irrenanstalt verfrachtet und versucht, den Pfleger Blue Jones dahin gehend zu bestechen, dass er die Unterschrift der Psychiaterin Vera Gorski fälscht, damit die junge Frau lobotimisiert wird. Diese erhält den Namen Babydoll.
In ihrer Verzweiflung flüchtet sie sich in eine Fantasiewelt. Dort lebt es mit anderen Frauen in einem Bordell und ihre Jungfräulichkeit soll an einen Höchstbietenden verkauft werden. Dabei fängt Babydoll an, mit vier anderen Frauen einen Plan zu schmieden, wie sie entkommen kann. Hierfür braucht sie fünf Objekte, die sie jeweils in anderen Welten findet. Und um an diese zu gelangen, müssen alle Frauen zusammenarbeiten.
Als „Sucker Punch“ in die Kinos kam, war die Kritik mitunter verheerend. Vor allem was die Darstellung der Frauen anging, wurde dem Filmemacher vorgeworfen, dass er sie als Objekte darstellte und nicht als selbstständige Figuren. Der Regisseur selber gab sich wegen dem Feedback überrascht und meinte, dass er sich missverstanden fühlte. Er meinte, dass er immer wieder gesagt hätte, dass der Film ein Kommentar auf Sexismus und die Geek Kultur sei.
Fingerspitzengefühl? Subtilität? Wo denn?
Mit gutem Willen kann man diese Darstellung in Sucker Punch durchaus erkennen. Aber gleichzeitig hat man auch das Gefühl, dass die Kritik mit ihren Argumenten nicht ganz unrecht hat. Denn am Ende ist dieser Film eben eine Aneinanderreihung von Fetischen und teilweise problematischen Darstellungen.
Das Problem ist, dass man die Intention von Zack Snyder nachvollziehen kann. Aber eine solche Herangehensweise verlangt ein gewisses Fingerspitzengefühl und Gespür für Subtilität. Und das sind beides nicht die Stärken des Regisseurs.
Zack Snyder denkt bei seinen Filmen nicht in Dialogen oder Story, sondern in Bildern. Ihm geht es darum, möglichst cool aussehende Szenen zu präsentieren. Und um noch mal zu verdeutlichen, wie cool oder bedeutsam es gerade ist, lässt er die Ereignisse in SlowMo abspielen. Mit der Konsequenz, dass man sich an diesem Stilelement irgendwann sattgesehen hat.
Kein Christopher Nolan
Dabei ist es jetzt nicht so, dass die Geschichte des Films komplett daneben liegt. Im Gegenteil: Sie hat durchaus interessante Ansätze. Die Story einer Unschuldigen in einem Irrenhaus hat etwas. Auch die Tatsache, dass sie sich in eine Fantasiewelt flüchtet und von dort aus in eine weitere, um auf diese Art und Weise sich den Weg in die Freiheit zu erarbeiten, bietet Potenzial. Man hat ja bei Inception gesehen, was für Storypotenzial in dem Konzept einer in sich verschachtelten Welt innewohnt.
Aber Zack Snyder ist kein Christopher Nolan. Er spielt nicht mit der Frage, was real ist und was nicht. Im Gegenteil: Es ist von Anfang an klar, was Realität ist und was nicht. Sobald man im Bordell oder in einem Weltkriegsgraben mit Roboternazis ist, dann weiß man, es ist Fantasie. So kann man Potenzial vergeuden.
Problematisch ist auch die Darstellung der Männer. Im Grunde genommen sind alle Vertreter dieses Geschlechts Schweine und Arschlöcher. Für sie sind Frauen nur bessere Diener oder Lustobjekte. Und wenn eine Vertreterin des weiblichen Geschlechts aufmüpft, gibt es schnell eine Strafe. Wie gesagt: Subtil ist etwas anderes.
Es ist wirklich frustrierend, Sucker Punch zu schauen. Die Actionszenen können gerade noch begeistern und die Schauspielerinnen versuchen das Beste zu machen. Aber am Ende scheitert der Film an sich selbst und der Unfähigkeit des Regisseurs, über seinen eigenen Schatten zu springen und seine Angewohnheiten, was das Filmen angeht, mal beiseitezulassen. Schade.
Info
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Zack Snyder, Steve Shibuya
Produktion: Deborah Snyder, Zack Snyder
Musik: Tyler Bates, Marius de Vries
Kamera: Larry Fong
Schnitt: William Hoy
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