[Star Trek – Destiny 03] Verlorene Seelen

Lesezeit circa: 5 Minuten

Mit »Star Trek – Destiny 3: Verlorene Seelen« endet die Romantrilogie, die das »Star Trek«-Universum nachträglich verändert.

Star Trek - Destiny 03: Verlorene Seelen
© Cross Cult

Eine hoffnungslose Lage

Und genau wie die letzten Bücher ist auch dieser Band von David Mack geschrieben worden.

Die Borg sind schier unaufhaltsam. Immer mehr und mehr Welten werden von ihnen vernichtet. Ihr Endziel scheint die Erde zu sein.

Auf dieser versucht Nan Bacco irgendwie eine letzte Flotte aufzustellen, mit der sich die Angreifer vielleicht stoppen lassen. Für diesen Zweck fordert sie unzählige Gefallen ein, gibt neue Versprechen und schreckt auch nicht vor schmutzigen Deals zurück, um anderen Feinden der Föderation die militärische Kräfte vorzuenthalten. Denn mit diesen könnten sie ein abgelenktes oder schutzloses Sternenbündnis attackieren. Doch ob all das ausreichen wird, um die kommende Katastrophe aufzuhalten, ist ungewiss. Letzten Endes ruht die Hoffnung der Präsidentin auf den Schiffen Titan, Aventine und Enterprise sowie ihrer jeweiligen Crew.

Leben und Sterben liegen nahe beieinander

Die Raumschiffe haben mittlerweile zusammengefunden. Doch einige ihrer Führungsoffiziere haben persönliche Probleme, die sie abhalten könnten, mit voller Konzentration gegen die Borg vorzugehen. William Riker musste einen Teil seiner Besatzung, darunter auch seine Ehefrau Deanna Troi, bei den Caeliar zurücklassen. Dass im Gegenzug dazu Erika Hernandez mit ihnen die Flucht ergriff und ihnen helfen will, die Borg zu bekämpfen, ist nur ein schwacher Trost. Und Jean-Luc Picard droht in der Stunde der Not als moralischer Kompass abhanden zu kommen, da er kurz davor steht, einen unverzeihlichen Fehler zu begehen.

Auf einer fremden Welt, in der fernen Vergangenheit, baut eines der verschollenen Stadtschiffe der Caeliar eine Bruchlandung. Viele von ihnen sterben, nur wenige überleben. Abgeschnitten von ihrer Lebensquelle, drohen sie zu vergehen. Ihre einzige Möglichkeit, weiterhin zu bestehen, ist eine Zusammenarbeit mit den Menschen, die mit ihnen die Bruchlandung überstanden haben.

Doch auch diese haben um das tägliche Überleben zu kämpfen. Die Umgebung, in der sie gelandet sind, besitzt zwar eine atembare Atmosphäre. Die arktische Gegend, mit kaum essbaren Pflanzen und Tieren, zehrt jedoch an ihrer Substanz. Am Ende kommt es zu einer Tragödie mit weitreichenden Konsequenzen.

Das Unmögliche wird möglich

Mit »Verlorene Seelen« gelingt David Mack in vielfacher Hinsicht das Kunststück, etwas zu schaffen, was vorher im Prinzip unmöglich erschien. Er schafft es, den Borg einen definitiven Ursprung zu geben und sie dabei am Ende wie tragische Figuren wirken zu lassen. Er jongliert ein Mal mehr mit unzähligen Plots, ohne dass jemand hierbei zu kurz kommt. Und er beendet die Geschichte mit einem hoffnungsvollen Tonfall.

Dabei stehen erneut die Charaktere im Vordergrund. Figuren wie William Riker, Erika Hernandez, aber auch der Caeliar Lerxst, erhalten starke Momente, in denen sie glänzen können. Fast jede Szene mit diesen Protagonisten kann überzeugen.

Zu den eindrucksvollsten Momenten, die David Mack niederschreibt, zählt die Schilderung, wie die Regierung auf der Erde alles versucht, um eine letzte Armada gegen die Borg aufzubauen. Es ist beeindruckend, wie sehr Nan Bacco und ihr Stab alles probieren, um eine schlagkräftige Flotte beisammen zu kriegen. Noch nie hat man die Präsidentin der Föderation so getrieben und doch so zielstrebig agieren sehen. Ein Mal mehr zeigt sich, was für eine grandiose Figur sie ist.

Selbst Helden können fallen

Doch auch die Nebenfiguren werden berücksichtigt. So gefällt beispielsweise die Darstellung der Szene, in der Erica Hernandez und T‘Ryssa Chen miteinander agieren. Die Halbvulkanierin wirkt wissbegierig, schon fast aufdringlich, derweil der ehemalige Captain zurückhaltend beschrieben wird. Diese Textabschnitte sind gleichzeitig einer der wenigen Momente, in denen man auch schmunzeln kann.

Ansonsten ist die Atmosphäre bedrückend und je nach Handlungsort sogar richtig melancholisch. Das wird vor allem deutlich als David Mack in »Destiny 3: Verlorene Seelen« zeigt, wie selbst ein erfahrener Captain wie Jean-Luc Picard unter den hoffnungslosen Umständen die Fassung verliert und kurz davor steht, eine Entscheidung zu fällen, die er später bereuen könnte.

Und doch, bei aller Begeisterung, ist dies auch der schwächste Roman der gesamten Trilogie. Er ist kein Reinfall, aber es gibt einige von David Mack geschriebenen Passagen in »Verlorene Seelen«, die merkwürdig wirken.

Starkes Finale mit ein paar Schwächen

Da ist zunächst einmal Erika Hernandez, die, als sie von den Caeliar an Bord der Titan flieht, auf einmal menschliche Bedürfnisse verspürt. Sie entwickelt Hunger und Durst sowie das Verlangen, zu schlafen. Etwas, was sie in all den Jahren als Teil der Gestalt ihrer »Gastgeber« nicht verspürte. Das ist auch soweit in Ordnung. Dann allerdings kommt es später zu Szenen, wo sie auf Grund einer bestimmten Situation übermenschliche Kräfte besitzt. An dieser Stelle wirkt die Story etwas langweilig. Zum Glück für den Roman taucht diese Passage nur am Ende kurz auf und hat danach auch keine größeren Auswirkungen.

Und dann ist da das Finale, welches beim Leser zwiegespaltene Gefühle hervorruft. Die Auflösung der Borgbedrohung ist zwar einerseits gelungen, da hier die verschiedenen Handlungsebenen zusammenlaufen. Doch gleichzeitig hat es einen Geschmack von Deus Ex Machina, was vermutlich daran liegen mag, dass es für David Mack nicht anders möglich war, die Geschichte zu beenden, ohne dass es noch unglaubwürdiger wirken könnte.

Aber am Ende sind dies zwei Kritikpunkte, die insgesamt nicht allzu sehr ins Gewicht fallen. Denn trotzdem ist »Star Trek – Destiny 3: Verlorene Seelen« ein spannender Roman, der alles verändern wird. Die Zukunft des „Litverse“ wird interessant werden!

Das hiesige Cover stammt übrigens von Martin Frei.

Bewertung 14/15

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Autor: David Mack
Titel: Star Trek – Destiny 03: Verlorene Seelen
Originaltitel: Star Trek – Destiny: Lost Souls
Übersetzer: Stephanie Pannen
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 09/2010
Einband: Taschenbuch
Seiten: 430
ISBN: 978-3-941248-85-4
Sonstige Informationen:
Produktseite

Götz Piesbergen

Götz ist Jahrgang 78 und unser Mann fürs literarische Star-Trek-Universum.
Götz Piesbergen

Götz Piesbergen

Götz ist Jahrgang 78 und unser Mann fürs literarische Star-Trek-Universum.

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