Auf der Suche nach guter Rockmusik landen Aliens auf der Erde.
Spacige Lovestory
Eine ausschließlich männliche Raumschiffbesatzung wird von ihrem Roboter 1359 (Peter Cullen) aus dem Kälteschlaf geholt, nachdem dieser einen Planeten mit guter Musik entdeckt hat. Mit einem als Telefonzelle getarnten Transporter teleportieren sie auf die Erde. In der Kleinstadt Speelburgh besuchen sie ein Restaurant, in dem ihr Anführer ABCD (Tom Nolan) die hübsche Dee Dee (Pia Zadora) trifft und sich prompt in sie verliebt. Dee Dee ist jedoch schon mit dem Bandleader Frankie (Craig Sheffer) zusammen.
Frankie hat nur ein Problem: Er behandelt alle Menschen in seiner Umgebung wie Abfall. Das gilt natürlich auch für Dee Dee, die er nie in seiner Band mitsingen lässt. Kein Wunder also, dass sie sich von ABCD den Kopf verdrehen lässt. Der Außerirdische behandelt sie wie eine Königin und lässt sie sogar in seiner Band singen. Allerdings muss er aufpassen, dass seine starken Gefühle für sie ihn nicht ständig platzen lassen wie bei seiner ersten Begegnung.
Zwischenzeitlich brechen zwei psychisch gestörte Straftäter aus einer Anstalt aus und machen die Stadt unsicher. Doch die Polizeichefin (Ruth Gordon) kümmert sich nur um die Neuankömmlinge aus dem All. Obendrein bedroht ein Tentakelmonster aus einem Giftmüllsee die Stadt. Als beim finalen Band Battle das Monster die High School verwüstet, entwickelt sich einer der Psychopathen (Michael Berryman) zum Helden und weist das Monster mit seiner Kettensäge in die Schranken. Als die außerirdischen Musiker die Erde wieder verlassen, entscheidet sich Dee Dee, bei Frankie zu bleiben.
Trashig, aber kreativ
Voyage of the Rock Aliens ist eine wahrhaftige Trash-Granate. Die Story ergibt von vorne bis hinten keinen Sinn und reiht einfach nur skurrile Gags aneinander. Das beginnt schon damit, dass die Besatzung des Gitarrenraumschiffs ihren Cryoschlaf zusammengeschrumpft in einem Kühlschrank verbringt und vom Roboter 1359 nicht nur aufgetaut, sondern ebenso auf normale Größe gebracht werden muss. Die Jungs heißen ABDC, EFGH usw. Das ist fast schon wieder kultverdächtig. Wer auf der Suche nach einem ausgefallenen Cosplay ist, sollte es vielleicht mal mit deren pinkschwarzen Outfits und schmalen Sonnenbrillen versuchen.
Auf der Erde bringt der Anblick von Dee Dee den Anführer der Aliens sofort zum Explodieren. Ist der jetzt ein Android oder was? Jedenfalls muss er erst einmal wieder zusammengebaut werden, bevor es weiter geht. Warum sich Dee Dee, deren Name wohl auf die Körbchengröße DD anspielt, sich zunächst für ihn entscheidet, ist durchaus nachvollziehbar. Ihr Macker Frankie ist nämlich ein Totalausfall, der ihr Gesangstalent missachtet, seine Freunde schlägt oder diese sich selbst im Sand vergraben lässt. Weniger nachvollziehbar ist, warum Dee Dee am Ende doch lieber bei Frankie bleibt, dessen Läuterung durch die Filmereignisse wenig glaubwürdig erscheint.
In dem kleinen Städtchen Speelburgh eröffnen sich neben dieser verkorksten Liebesgeschichte noch weitere Nebenhandlungen. Übrigens dürfte der Name des Ortes eine Anspielung auf Steven Spielberg sein, der zwei Jahre zuvor mit E.T. – Der Außerirdische (1982) einen großen Kassenschlager landete. Jedenfalls verketten sich dort noch einige andere Ereignisse mit der Haupthandlung, sofern man überhaupt von einer Handlung sprechen möchte. Nach dem Sinn der Ereignisse fragt man besser nicht, denn der Film liefert für nichts eine Erklärung.
Wie kommt zum Beispiel ein Insasse einer Anstalt für geisteskranke Straftäter an eine Kettensäge, mit der er sich und einen Kollegen befreien kann? Egal! Der weibliche Sheriff hat sowieso Besseres zu tun und als die Irren sich mit Schusswaffen eindecken, winkt sie ihnen bloß zu und quittiert die Szene mit den Worten: „Ihr seid vorbildliche Bürger, Jungs. Die sind ein feines und wunderbares Beispiel für unser Recht, Waffen zu tragen.“ Na, da fühlt man sich ja gleich viel sicherer!
Die beiden Straftäter sabotieren anschließend den Bandwettbewerb in der Halle der High School, wobei der Kettensägenkiller versucht, den Hausmeister mit einer elektrischen Zahnbürste zu erledigen. Anschließend macht er Jagd auf Diane (Alison LaPlaca), doch als seine Kettensäge klemmt, hilft die junge Dame ihm bei der Reparatur und die beiden verlieben sich ineinander. Welches Mädchen würde sich auch nicht in einen gefährlichen Kettensägenmörder verlieben, der vom Alter her fast ihr Großvater sein könnte?
Am Ende wird der sogar noch zum Helden, als er dem Tentakelmonster, welches über das Schulgebäude herfällt, die Spitze eines Arms abschneidet. Dabei spritzt nicht etwa Blut – nein, es kommen Seifenblasen aus der Wunde. Zumindest diese Absurdität erklärt sich aber mit der angestrebten Altersfreigabe. Um eine höhere Einstufung zu vermeiden, wurde auf grünes Blut verzichtet. Das Ergebnis ist jedoch noch weitaus verstörender. Als gegen Ende des Films noch zwei Typen völlig random von einer Walze geplättet werden, spritzt ebenfalls kein Blut. Die beiden kleben einfach nur als Papierausdruck am Walzenrad. Was das sollte? Wer weiß das schon…
Der Film lebt von skurrilen Gags, von denen einige sogar zünden. Zum Beispiel verwandelt sich der Roboter 1359 zur Tarnung in einen Hydranten, was einem in der Nähe parkenden Auto zu Unrecht ein Knöllchen einbringt. 1359 muss seinerseits vor einem Hund flüchten, um nicht als Urinal zu enden. Das Raumschiff der Rock Aliens, welches die Form einer Gitarre hat, ist derweil schon kultverdächtig. Warum sich beim Warpsprung der Hals wie eine Schlange verzerrt, gehört wiederum zu den zahlreichen Kuriositäten des Films.

Musical oder Musikvideo?
Voyage of the Rock Aliens wirkt weniger wie ein Spielfilm als viel mehr wie eine Aneinanderreihung von Musikclips. Tatsächlich sind sogar Musikclips eingearbeitet worden, darunter When the Rain Begins to Fall von Pia Zadora und Jermaine Jackson (ein Bruder von Michael Jackson). Musikalisch wird der Film durch diesen Hit, der seinerzeit in vielen europäischen Charts auf Platz Nummer 1 war, deutlich aufgewertet. Allerdings wirft dieser Einspieler die Frage auf, was Pia Zadora auf dem Planeten Acirena macht, während ihre Rolle Dee Dee zeitgleich auf der Erde weilt und noch nichts von der Existenz Außerirdischer ahnt?
Für ihre Schauspielkarriere war dieser Film jedenfalls nicht sehr förderlich. Die am 4. Mai 1954 als Pia Alfreda Schipani geborene Musikerin erhielt für ihre erste Hauptrolle in Butterfly – Der blonde Schmetterling (1982) noch einen Golden Globe als beste Nachwuchsdarstellerin. Übrigens ließ sie nicht nur für diesen Streifen alle Hüllen fallen, sondern ebenso für den Playboy und das Penthouse. Danach ging es jedoch steil bergab und Zadora sammelte eine Goldene Himbeere nach der anderen.
Für die realen Bands, die als Musiker in Voyage of the Rock Aliens gecastet worden sind, war der Film ebenfalls kein Karrieretreiber. Jimmy and the Mustangs, die unter anderem mit Chuck Berry und Bruce Springsteen getourt sind, traten als Band von Frankie auf, für den allerdings mit Craig Sheffer ein richtiger Schauspieler engagiert wurde. Der eigentliche Bandleader Jimmy Haddox bekam die Rolle des Duke. Zwar ist der Film nicht verantwortlich für den Niedergang der Band, die erst 2011 und 2025 in neuer Zusammenstellung zwei neue Alben herausbrachte, doch konnte er ihn auch nicht aufhalten.
Zumindest Frankie-Darsteller Sheffer konnte nach Voyage of the Rock Aliens noch einige Hauptrollen in fragwürdigen Horrorstreifen wie Cabal – Die Brut der Nacht (1990) sowie Hellraiser V – Inferno (2000) vorweisen und war zuletzt in drei Episoden der Serie American Horror Story (2021) zu sehen.
Ein weiteres Karriere-Aus ereilte derweil die Band Rhema, welche für die Rock Aliens gecastet wurde und deren Name auf dem Monitor des Raumschiffs als „Rhemascan“ zu sehen ist. Ursprünglich Ende der 1970er in Arizona als christliche Band gegründet, die religiöse Lieder mit lateinischen Texten sang, wollte Musik-Produzent Dennis Alexander sie in eine kommerziellere Richtung drängen. Mit einem neuen New-Wave-Stil sollte die Band durch ihren Auftritt in Voyage of the Rock Aliens richtig durchstarten.
Ausgerechnet der Zadora-Song When the Rain Begins to Fall verhagelte Rhema jedoch alles. Da der Titel erst 1985 an den Start gehen sollte und der Film nicht vorher veröffentlicht werden durfte, verschob sich der Kinostart. In den europäischen Ländern kam er zwischen 1985 und 87 in die Lichtspielhäuser, in den USA erschien er gar erst 1988 direkt auf Videokassette. Für die Band war es da schon zu spät, sie geriet in finanzielle Schwierigkeiten und die Mitglieder mussten sich andere Jobs suchen.
Immerhin der ABCD-Darsteller Tom Nolan blieb noch einige Zeit im Geschäft und war unter anderem in 18 Episoden der Sitcom Mein Vater ist ein Außerirdischer (1989-1991) zu sehen. Nach einigen weiteren Serien- und Filmauftritten zog er sich 2000 aus dem Filmgeschäft zurück. Musikalisch ist er noch als Frontmann der Tom Nolan Band unterwegs.
Die Karriere der Sheriff-Darstellerin Ruth Gordon (1896-1985) erreichte ein Jahr nach den Dreharbeiten ihren toten Punkt. Allerdings nicht aufgrund des Films, sondern weil sie altersbedingt an einem Schlaganfall verstarb. Sie konnte auf eine eindrucksvolle Laufbahn als Schauspielerin und Drehbuchautorin zurückblicken und erhielt nach mehreren Nominierungen 1969 den Oscar als beste Nebendarstellerin in Rosemaries Baby (1968) sowie zwei Golden Globes als beste Nebendarstellerin und 1972 als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle in Harold und Maude (1971). Dass sie mit 87 Jahren noch einen Sheriff spielte, wirft kein gutes Licht auf den amerikanischen Sozialstaat. Kennen die dort kein Altersruhegeld, dass sie bis zum Tod arbeiten müssen?
Der einzige Schauspieler, der durch Voyage of the Rock Aliens nicht den Karrieretod fand und auch physisch noch sehr lebendig ist, heißt Michael Berryman. Aufgrund einer Erbkrankheit, die wohl auf die Tätigkeit seines Vaters als Navy-Arzt in der Fallout-Zone von Hiroshima zurückgeht, hat Berryman keinerlei Körperbehaarung und Schweißdrüsen. Ebenso sticht seine ungewöhnliche Kopfform hervor. Nach seiner Entdeckung durch den Filmproduzenten und Regisseur George Pal (1908-1980) wirkte er vor allem als Gruselfigur in zahlreichen Horrorfilmen und Serien wie Akte X mit. Trekkies kennen ihn vielleicht als Alien aus Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart (1986) sowie als einen von Syboks Kriegern aus dem fünften Kinofilm Am Rande des Universums (1989). Außerdem spielte er den ersten Bolianer Captain Rixx in der TNG-Episode Die Verschwörung.
Fazit zu Voyage of the Rock Aliens: Musikalisch guter Trash
Als Spielfilm funktioniert die Reise der Rock Aliens überhaupt nicht und schaffte es aufgrund des hohen Trashgehalts schon in die Auswahl von Schlefaz. Abgesehen von einigen halbwegs guten Gags kann man über diesen Streifen nur den Kopf schütteln und fühlt sich wie in einem drogeninduzierten Fiebertraum. Als Aneinanderreihung von Musikclips funktioniert Voyage of the Rock Aliens dagegen schon eher. Von MTV ist man da durchaus Skurrileres gewohnt, wenn man sich z. B. das Video zu True Faith von New Order ansieht. Und mit When the Rain Begins to Fall findet sich sogar ein richtiges Musikvideo im Film. Und das ist auch schon der größte Pluspunkt, denn der Film ist zumindest hörbar und bietet ein paar kultige Outfits sowie ein einprägsames Raumschiffdesign. Das war’s dann aber auch schon. Am besten, man lässt den Streifen als Musikprogramm im Hintergrund laufen.
Info
Regie: James Fargo
Drehbuch: Edward Gold, S. James Guidotti & Charles Hariston
Kamera: Gil Taylor
Musik: Jack White
Schnitt: Malcolm Campbell
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