Auf dem Urlaubsplanetoiden Paradiso treiben nicht nur Schmuggler und Menschenhändler ihr Unwesen.
Handlung
Der Milliardär Carlito Magni betreibt auf einem Planetoiden das Ferienresort Paradiso – ein schönes und exklusives Inselparadies für die gehobene Klasse. Allerdings verdient er sein Geld nicht nur mit Tourismus. Da Waffen in Paradiso nicht gestattet sind, ist es zudem der ideale Ort für Verhandlungen zwischen kriminellen Banden, darunter Schmuggler und Menschenhändler. Der Verbrecherboss Ricky Valentine will einen Deal mit dem Goldpfeil-Kartell abschließen, um so die gesamten äußeren Regionen der Koloniewelten unter seine Kontrolle zu bringen.
Ihm sind bereits die Colonial Marshalls Dash Nanda und Lydia Reeves auf der Spur, die sich im Hotel eingemietet haben. In einer Bar sind sie nah am Geschehen, als Su-Jin vom Goldpfeil-Kartell eintrifft. Der ist nicht nur völlig verspätet, sondern kommt obendrein allein und in einem kränklichen Zustand. Valentine ist zutiefst unbegeistert, doch kurz darauf weicht seine Ungeduld blankem Entsetzen, als ein Parasit aus Su-Jins Brust platzt und in einem Lüftungsschacht verschwindet.
Als klar ist, dass das Kartell Biowaffen schmuggelt, lässt Hotelbetreiber Carlito die Anlage sofort abriegeln, den Funk stören und von seinen Sicherheitskräften das Goldpfeil-Raumschiff untersuchen. Dort werden die Leichen drei weiterer Schmuggler gefunden und als der Frachtraum geöffnet wird, entkommen drei ausgewachsene Xenomorphe. Das Sicherheitspersonal fällt diesen sofort zum Opfer und alsbald folgen die Gäste sowie das Personal der gesamten Ferienanlage.
Die in der Bar eingeschlossenen Gäste bekommen wenig später erneuten Besuch von dem nunmehr ebenfalls ausgewachsenen Xenomorph, der aus Su-Jin geschlüpft ist. Da Valentines Söldner bei der Ankunft ihre Schusswaffen abgeben mussten, müssen sie sich mit Messern und anderen Stichwaffen aus der Küche begnügen. Doch als einer der Söldner das Alien attackiert, spritzt ihm dessen Säureblut ins Gesicht. Dash Nanda ruft Valentine zu, den Xenomorph mit Alkohol zu überschütten, um diesen anzuzünden. Der bricht daraufhin brennend durch die verschlossene Tür, womit die Überlebenden erst einmal Zeit gewinnen.
Dummerweise hat Dash den Gangsterboss beim Namen genannt, wodurch seine und Reeves‘ Tarnung auffliegen. Nach anfänglichem Geplänkel erkennen beide Seiten jedoch, dass sie nun größere Probleme haben und gemeinsam fliehen müssen. Carlito versucht derweil, seine eigene Haut zu retten und mit einem Boot von der Insel zu entkommen. Dort warten jedoch schon drei Xenomorphe auf den skrupellosen Geschäftsmann.
Wenig später widmen sich die Kreaturen den anderen Flüchtigen, wobei Valentine alle anderen abhängt. Er sperrt Lydia gar absichtlich aus. Die überlebt den Alienangriff jedoch, weil sie nicht das ist, was sie vorgibt zu sein. Sie kann ihrem Kollegen, der mit der Söldnerin Tsula Kane unterwegs ist, sämtliche Türen entriegeln. Die beiden treffen auf den letzten überlebenden Hotelpagen Vidal, der sie zu einer Abkürzung zum Landeplatz durch die Personalgänge führt.
Valentine trifft dennoch zuerst am Raumschiff ein und ist nicht gewillt, weitere Passagiere mitzunehmen. Erst recht keinen Cop. Bevor er den anderen etwas antun kann, wird er von einem Xenomorph attackiert, der ihm seinen rechten Cyborgarm abreißt. Mit der linken Hand kann er ihn allerdings erschießen und sich ins Cockpit absetzen. Das Alienblut hat sich derweil durch die Schiffshülle gefressen, sodass der Tank ausläuft. Während die anderen drei Aliens versuchen, das Raumschiff zu entern, sorgt Tsula dafür, dass die Viecher samt Valentine einen feurigen Abgang hinlegen.
Kane, Nanda und Vidal entschließen sich, mit dem offen stehenden Raumschiff des Goldpfeil-Kartells abzufliegen. Als sie in dessen Frachtraum eine ganze Ladung Alien-Eier finden und ein Facehugger in Dashs Gesicht springt, verabschiedet sich Vidal heimlich. Tsula kann Dash von dem Parasiten befreien und nachdem sie alle Ovomorphe vernichtet haben, entlässt er sie zum Dank in die Freiheit. Vidal wendet sich unterdessen an den Weyland-Yutani-Konzern, um diesem ein Angebot zu machen.
Rezension von Alien – Paradiso
Der Einstieg ist etwas unglücklich gewählt, denn er geht sofort in die Vollen und zeigt, wie zwei Hotelmitarbeiter von einem Xenomorph abgeschlachtet werden. Dann springt die Handlung 18 Stunden zurück in die Gegenwart. Diese Erzählweise wird häufig auch bei Filmen verwendet und ist nur selten von Vorteil. Es kann funktionieren, wie in Ghosts of Mars (2001), oder die Auflösung vorweg nehmen, wie in Transcendence (2014). In diesem Comic geht der Kniff nach hinten los, da der weitere Handlungsverlauf gespoilert wird. Okay, es war klar, dass die Xenomorphe Paradiso zerlegen werden, aber muss man das ohnehin Vorhersehbare dann noch zusätzlich vorweg nehmen?
Wesentlich besser funktionieren die Rückblenden, die den Charakteren mehr Tiefgang geben. Dabei ist es sogar gut, dass Nanda und Reeves nicht sofort als Colonial Marshalls vorgestellt werden, sondern man sich erst einmal fragt, was es mit den beiden auf sich hat. Nachdem die beiden als Cops enttarnt werden, stellt sich Reeves zudem noch als Androidin heraus, die von Weyland-Yutani bei den Marshalls eingeschleust wurde, um dem Konzern Xenomorphe zu sichern. Die Aufgabe kann sie nach ihrer Beschädigung nicht mehr erfüllen, weshalb sie am Ende ihrem Partner bei der Flucht hilft.
Die zwei Kriminellen Ricky Valentine und Carlito Magni sind geradezu stereotype Bösewichte – skrupellos und einzig auf den eigenen Vorteil bedacht. Sie haben kein Problem damit, ihre Mitmenschen zu opfern, um ihre eigenen Leben zu retten, welche natürlich auf gerechte Art und Weise beendet werden. Das tut der Story jedoch keinen Abbruch – ganz im Gegenteil. Sie verkörpern das kapitalistische Ideal, welches sich leider viel zu häufig exakt so in der Realität wiederfinden lässt.
An der für das Alien-Franchise typischen Kapitalismuskritik mangelt es diesem Comic also nicht, was die anderen Charaktere umso tiefgründiger und vielschichtiger macht. Das gilt vor allem für Tsula Kane und Vidal, die jeweils durch Rückblenden eine Hintergrundgeschichte erhalten. Von Tsula erfahren wir, dass sie die Tochter von Thomas Kane ist, der als erster Mensch an Bord der Nostromo einem Xenomorphen zum Opfer gefallen ist. Weyland-Yutani hat damals seine Todesursache verschwiegen und seine Witwe ohne weitere Entschädigung mit Kanes dürftiger Lebensversicherung abgespeist.
Vidal kommt ebenfalls aus ärmlichen Verhältnissen und ist auf der Landwirtschaftskolonie Demeter’s Faith aufgewachsen. Als Carlito Magni dort Kolonisten für sein Personal ausgelost hat, ergriff er die Chance auf ein besseres Leben. Das gleiche wiederholt er, als Carlito demjenigen, der den Parasiten fängt und tötet, die sofortige Auszahlung der gesamten Vertragssumme verspricht. Nur hat er da noch nicht damit gerechnet, wie schnell die Kreatur an Größe zulegt. Wie verlockend ist es da schlussendlich, ein harmloses Ei in einem abgeschlossenen Container zu entwenden und es Weyland-Yutani anzubieten? Das mag korrupt und brandgefährlich sein, dennoch ist Vidals Entscheidung nachvollziehbar, denn er möchte einfach nur der Armut entkommen.
Die anderen Angestellten sowie die Hotelgäste sind derweil nur Statisten, die als Alien-Futter dienen. Nach Su-Jin erwischt es als erstes einen kleinen Jungen, der zuvor vergeblich Tiere auf der Insel gesucht hat. Es war irgendwie vorhersehbar, dass er letztendlich ein Tier finden und diese Begegnung nicht überleben wird. Welch grausame Ironie. Zumindest wird der Tod des Kindes nicht explizit gezeigt. Bei den erwachsenen Opfern sieht das anders aus. Der Gewaltpegel ist dabei selbst für einen Alien-Comic äußerst brutal.
Blutiges Paradies
Der Zeichenstil ist durchaus detailliert und gelungen. Einzig der Faltenwurf ist etwas knittrig und die Verteilung der Blutspritzer auf Vidals Kleidung wirkt unnatürlich. Die Charaktere selbst sind dagegen gut getroffen und auch die Xenomorphe sehen hervorragend aus, wobei man sich an das Design aus dem ersten Film gehalten hat. Das Inselparadies kann sich ebenfalls sehen lassen und erinnert aus der Vogelperspektive an die Palmblattinseln vor der Küste Dubais.
Eine interessante Abwechslung bieten die Szenen, die aus der Sicht der Xenomorphe gezeigt werden und für die ein anderer Zeichner beauftragt worden ist. Der Stilbruch erfolgt hier ganz bewusst und funktioniert daher. Statt schwarzer Linien ist die Linienführung weiß, was die Sinneseindrücke der Aliens gut rüberbringt, die in einem anderen Farbspektrum sehen bzw. Energiefelder wahrnehmen. Diese Perspektive gab es bisher nur in Computerspielen.
Die Farbgebung ist weitestgehend in Ordnung, die Palette in sich stimmig. Allerdings ist nicht durchgehend mit fließenden Verläufen gearbeitet worden und obendrein sind diese oft sehr geradlinig. Immerhin die Glanzeffekte sind gelungen, vor allem bei Gold. Alles in allem eine solide Arbeit – nicht perfekt, aber auf hohem Niveau.
Fazit: Endlich wieder ein klassisches Alien-Thema
Abgesehen vom unglücklichen Einstieg und einigen vorhersehbaren Entwicklungen kann die Handlung insgesamt doch überzeugen und trifft den Kern des Alien-Franchise, inklusive Kapitalismuskritik. Auf Verlinkungen zum Prometheus-Reboot sowie den bisherigen Marvel-Comics wurde dankbarerweise verzichtet. Überzeugen können auch die Hauptcharaktere, die tiefgründig genug sind, um jederzeit mit ihnen mitzufiebern. An der grafischen Umsetzung gibt es ebenfalls nicht viel zu meckern. Nach den eher durchwachsenen Alien-Comics, die seit dem Wechsel zu Marvel erschienen sind, ist Paradiso ein echtes Highlight.
Info
Autor: Steve Foxe
Zeichner: Edgar Salazar, Jason Muhr & Peter Nguyen
Tusche: Victor Nava & Jason Muhr
Farben: Carlos Lopez
Verlag: Panini
Sonstige Informationen: Produktseite
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Warpskala
Warpskala-
Story8/10
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Zeichenstil9/10
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Kolorierung7/10
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