Kolonisten des Vatikans werden auf dem Mond Neïta mit einer Entität konfrontiert, die sich als Gott ausgibt.
Das Szenario
Bei der Ankunft im Orbit von Neïta müssen die Neo-Christen feststellen, dass es aus ihrer unterirdischen Kolonie Nazareth Prime kein Lebenszeichen mehr gibt. Inquisitor Evangelisti wird mit seiner Adoptivtochter Sarah Teroni, Dr. Sasha und einigen Wachen auf den Mond des Gasriesen Tellem 4 geschickt, um nach dem Rechten zu sehen. Der Papst gewährt dem Inquisitor dabei vier Tage, um Ergebnisse zu liefern.
Von den rund 3.000 Kolonisten fehlt zunächst jede Spur. Nur ein grauhaariges Mädchen treibt sich in den Gängen der Stadt herum und flüchtet in die giftigen Minen. Evangelisti, Teroni und ihre Begleiter verfolgen die Kleine und entdecken eine offenkundig künstliche Anlage, die nicht von Menschen erbaut wurde. Vor einer leuchtenden Kugel bleibt das Mädchen stehen, stellt sich als Sonya vor und behauptet, die Kugel sei Yaweh. Wie bereits aus den Logbüchern der Kolonieverwaltung hervorgegangen ist, glaubten die Siedler, Gott gefunden zu haben. Dieser beweist sich nun durch ein scheinbares Wunder, indem er die 3.000 Kolonisten wieder auferstehen lässt.
Alle bis auf den letzten tauchen plötzlich im Hangar auf, befinden sich jedoch in einem komatösen Zustand. Eine ärztliche Untersuchung ergibt, dass sie alle das gleiche Alter aufweisen, obwohl sie unterschiedlich alt zu sein scheinen. Als die ersten endlich aufwachen, können sie sich an fast nichts mehr aus ihrem Leben erinnern. Obwohl Evangelisti noch keine Antworten hat, drängen der Papst sowie Exzellenz Koveneri darauf, weitere Siedler zu schicken. Für den Anfang 1.000 Arbeiter, welche die Stadt erweitern sollen.
So leicht lässt sich der Inquisitor aber nicht in die Suppe spucken und setzt Koveneri erst einmal fest. während er weitere Nachforschungen anstellt. Diese fördern zutage, dass sämtliche Kolonisten an einem Virus gestorben sind. Bei den Wiederaufgetauchten muss es sich also um lebende Kopien handeln. In dieser unsicheren Lage taucht plötzlich der Papst persönlich auf, um eine Messe abzuhalten. Diese gerät außer Kontrolle, als die 3.000 Kolonisten das Verspeisen des Leibes Christi sowie das Trinken seines Blutes etwas zu wörtlich nehmen. Gleich der Erste beißt den Papst in die Halsschlagader, woraufhin die Wachen das Feuer in die Menge eröffnen.
Evangelisti versucht unterdessen, Kontakt mit der Entität Yaweh aufzunehmen, die sich als Künstliche Intelligenz herausstellt. Diese hat den christlichen Glauben missinterpretiert, ist jedoch nicht offen für eine Richtigstellung. Als sich der Inquisitor ihr widersetzt, will sie ihn durch einen Klon ersetzen. Er und seine Begleiter müssen fliehen und schaffen es gerade noch an Bord des letzten Evakuierungsschiffes, während die Soldaten von Klonen und einer physischen Manifestation Yawehs überrannt werden.
Im Orbit stellt sich heraus, dass die Flotte keineswegs sicher ist, da sich bereits Klone an Bord einiger Kreuzer befinden. Ausgerechnet Sonya kann dabei helfen, die Infiltratoren zu identifizieren. Sie ist zwar eine Schöpfung Yawehs, doch im Gegensatz zu dessen Klonarmeen hat sie einen unabhängigen Willen, sodass sie sich von ihrem Schöpfer emanzipiert. Den lässt Evangelisti als Kommandant der Flotte mit Atomwaffen bombardieren, woraufhin alle seine Klone in Flammen aufgehen, abgesehen von Sonya.
Da Neïta nunmehr unbewohnbar und der Planet Neu Jerusalem zu weit entfernt ist, lässt Evangelisti Kurs auf Islandia nehmen. Dort koexistieren die Siedler friedlich mit den Einheimischen und heißen die Gäste willkommen, solange diese sich anpassen und den Glauben der Ureinwohner respektieren. Der Inquisitor zweifelt nach den Ereignissen auf Neïta aber ohnehin längst an seiner eigenen Religion.
Rezension von Neïta
Bereits zum dritten Mal treffen Kolonisten von der Erde auf eine Künstliche Intelligenz und diese stellt sich als ähnlich aggressiv heraus, wie Akarus auf Urania und Rexitt auf Tanami. Während Akarus überschrieben werden konnte und es auf Tanami auch freundliche Maschinenwesen wie Sorian gab, hilft bei der KI, die sich als Yaweh ausgibt, jedoch nur noch die totale Zerstörung.
Anfangs scheint die Entität noch wohlwollend zu sein, hat sie doch die Kolonisten ins Leben zurückgeholt, die sie nicht vor einer Seuche retten konnte. Dabei hat sie ihnen jedoch nur so viel Persönlichkeit eingeben können, wie die Unterlagen der Kolonie hergegeben haben. Also mehr oder weniger nur die Namen und Funktionen sowie ein paar Erinnerungen aus Logbucheinträgen. Ansonsten sind die Klone nur leere Hüllen, die auf die Anbetung Yawehs programmiert sind. Und der hat nicht nur einen gewaltigen Gottkomplex, sondern obendrein die Christenlehre falsch verstanden. Das Verzehren des Leibes Christi hat die KI als Kannibalismus interpretiert, was der Papst mit dem Leben bezahlt.
Während der Heilige Vater bis zu seinem plötzlichen Tod auf einen schnellen Ausbau von Nazareth Prime drängt, weil er an das Wohl der rund eine Million Neo-Christen denkt und so schnell wie möglich die Ressourcen für den Weiterflug nach Neu Jerusalem abbauen möchte, hat Exzellenz Koveneri gänzlich andere Motive. Er ist ein Karrierist, der in Evangelisti einen Konkurrenten sieht. Dass der Inquisitor aus gutem Grund vorsichtig ist und abwarten will, ist ihm egal. So riskiert er das Leben von tausend Handwerkern und Soldaten, die sogleich wieder evakuiert werden müssen. Hätte man mal lieber gleich auf den Inquisitor gehört.
Die Bezeichnung „Inquisitor“ ist übrigens recht unpassend. Zum einen, weil die Inquisition zu den eher düsteren Kapiteln der katholischen Geschichte zählt, zum anderen, weil Evangelisti eigentlich ein sehr besonnener Mensch ist, der auf die Wissenschaft vertraut. So glaubt er keine Sekunde, dass die Kugel in den Minen Gott ist, denn der wartet schließlich im Himmel und nicht in einer finsteren Höhle auf einem fremden Mond. Natürlich behält er damit Recht, denn die Entität ist wie erwähnt eine KI, die offenbar nicht nur ihre Schöpfer, sondern noch mehr Zivilisationen ausgelöscht hat.
Yaweh ist zudem nicht nur die Kugel, die später zu einem Spinnenroboter mutiert, sondern umfasst den halben Mond. Alle unterirdischen Anlagen sowie seine Kreationen sind direkt mit ihm verbunden. Das gilt auch für Sonya, der er allerdings größere Autonomie gewährt hat. Diese erlaubt es ihr, sich von ihm loszusagen und die Seiten zu wechseln. Koveneri und Kardinal Decartes zweifeln an der Kleinen, doch Evangelisti setzt sich für sie ein und behält abermals Recht. Sie hilft ihm und seiner Adoptivtochter, die Infiltratoren ausfindig zu machen, die bereits zwei Kreuzer zerstört haben.
Nachdem die KI auf Neïta besiegt ist, bleibt nur der Flug nach Islandia. Erstmals in der Conquest-Reihe wird hier eine der anderen Kolonien nicht nur erwähnt, sondern erneut besucht. Kirsten König, die inzwischen als Admiral die Leitung übernommen hat, taucht ebenfalls wieder auf. Gegenüber Evangelisti macht sie klar, dass sie keine Verstöße gegen die friedliche Koexistenz mit den Islandiern dulden wird. Das gilt auch für jeden Versuch der Missionierung, denn für einen menschlichen Gott ist auf Islandia kein Platz. Die Neo-Christen können den Naturglauben der Islandier respektieren oder gehen. Doch Evangelisti zweifelt ohnehin längst an seiner Religion. In diesem Sinne ist der Comic mitnichten religiös zu verstehen, sondern im Gegenteil eher religionskritisch.
Wo H. R. Giger Pate stand
Der Zeichenstil ist überwiegend positiv zu bewerten, doch ist er nicht ganz einheitlich. Während die Umgebungen sehr akkurat und wie mit dem Lineal gezeichnet sind, erscheinen die Charaktere eher skizzenhaft und kantig. Das fällt vor allem bei den Haaren unangenehm auf und auf der Kleidung werden Schatten mit dicken Strichen erzeugt, die wie mit einem Edding aufgemalt wirken. Immerhin die Gesichter sind wiedererkennbar. Die goldenen Kostüme der Würdenträger sind reichlich verziert, wohingegen die Rüstungen einiger Soldaten recht klobig sind. Die Leibwache des Papstes hat zudem recht merkwürdige Helme, die mit ihren Bügeln an die Cybermen aus Doctor Who erinnern.
Die außerirdischen Anlagen kommen einem ebenfalls vertraut vor. Die biomechanischen Wände könnten glatt von den Konstrukteuren aus den Alien-Filmen stammen. Das Gleiche gilt für die Verzierungen auf der Kugel, die die KI Yaweh enthält. Diese erscheint erst strahlend weiß, wie das Licht Gottes, wird bei der zweiten Begegnung jedoch fast schwarz, was schon eher dem Charakter der KI entspricht. Die zeigt Evangelisti, wie Neïta einst aussah, als es noch ein Ökosystem auf dem Mond gab. Wobei die Bäume ebenfalls etwas Biomechanisches haben. Dann kippt jedoch die Stimmung und die Kugel transformiert sich in einen Spinnenroboter mit einer hässlichen Fratze.
Die größten Schauwerte bieten die unterirdische Stadt Nazareth Prime sowie die Raumschiffe, welche diesmal alle identisch aussehen und mit roten Templerkreuzen markiert sind. Der Zeichner hat insbesondere ein Händchen für Innenarchitektur und Möbeldesign. Der Detailgrad ist hier recht hoch. Abgerundet wird das Ganze durch eine realistische Kolorierung mit weichen Farbverläufen sowie einem natürlichen Lichteinfall und ausreichend Glanz- sowie Leuchteffekten. Unangenehm fällt lediglich auf, dass an einige Stellen die Farben die Linien überschreiten. So läuft die Farbe von Personen oder Gegenständen teils in die Umgebung, was die sonst perfekte Illusion zerstört.
Fazit: Schon wieder eine KI
Das Thema Künstliche Intelligenz ist so langsam ausgereizt, wobei es in diesem Band der Conquest-Reihe aber noch am besten umgesetzt wird. Der Protagonist Evangelisti, der durch die Handlung führt, ist trotz seines martialischen Titels ein sympathischer Charakter, der eine spürbare Entwicklung durchmacht. Das Finale schlägt dann noch eine Brücke zum ersten Band, welcher der bisher beste der Serie war. Grafisch ist Neïta sehr gut umgesetzt, wenn auch nicht ganz so perfekt wie Islandia.
Die Splitter-Ausgabe enthält ein paar kleinere Tippfehler wie „Konlonie“, die das Lektorat übersehen hat. Auf den letzten Seiten gibt es einen kurzen Einblick in die Comic-Reihe ISS Sniper, welche ebenfalls aus der Feder des Autors Jean-Luc Istin stammt.
Info
Autor: Jean-Luc Istin
Zeichner: Erion Campanella Avdisha
Farben: Oliver Héban
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite
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Warpskala
Warpskala-
Story8/10
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Zeichenstil8/10
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Kolorierung9/10
- Conquest – 8 – Neïta - 27. Oktober 2026
- Predator versus Spider-Man – Jagd auf die Spinne - 23. Oktober 2026
- Conquest – 7 – Tanami - 20. Oktober 2026

