Eine düstere und ungewöhnliche Welt erwartet den Leser in diesem Auftakt-Band.

Ab in eine andere Welt
Jonathan und Henri sind beste Freunde, die eines Tages zu einem besonderen Pen & Paper-Rollenspiel eingeladen werden. Doch das Spiel wird schon bald zu Realität, als sie sich auf ein Mal auf der fernen Welt Asterion wiederfinden. Als Janus und Zervan werden sie auf eine Mission geschickt, die nicht so verläuft, wie sie es gedacht hätten. Denn im Hintergrund gibt es einen Kult, der sich anschickt, vor Urzeiten verbannte Dämonen wieder zu befreien. Und am Ende kommt es auf die beiden an, den Untergang der Menschheit aufzuhalten.
Derweil auch Qyü sich aufmacht. Sie ist eine Irséy, die sich bewusst von ihrem Volk entfernt hat. Denn sie folgt eine Art Ruf, der nur für sie bestimmt ist.
Disclaimer: Thomas Piesbergen und ich sind entfernt miteinander verwandt.
Es ist alles fremd und fremdartig
Eine oder mehrere Personen, die eben noch in der realen Welt, nur um dann auf einmal in einer komplett anderen zu sein? Das erinnert stark an das sogenannte Isekai-Genre, dass ja vor allem durch Werke wie Sword Art Online oder The Rise of the Shield Hero. Wobei sich auch in westlichen Ländern diese literarische Kategorie als beliebt erweist, wie beispielsweise bei Ilona Andrews This Kingdom will not kill me, bei dem die deutsche Übersetzung demnächst erscheint.
Der Weiße und der rote Mond ist der Auftakt zum Asterion-Zyklus von Thomas Piesbergen. Der Autor ist studierter Archäologe, der sich 2006 ganz für die Schriftstellerei entschied. Er gründete 2010 in Hamburg eine Schreibwerkstatt und unterrichtet seit 2017 Grundlagen des literarischen Schreibens an diversen privaten Hochschulen. Ebenso ist er als Textdichter und Komponist zweier Musikprojekte aktiv.
Mit dem Auftakt wirft er den Leser inmitten einer umfangreichen und mysteriösen Welt. Vor allem zu Beginn wirft er förmlich mit fremden Begriffen um sich, mit denen er Objekte, Berufe oder Völker bezeichnet. Da kann man schnell den Überblick verlieren, weshalb es auch gut ist, dass er am Ende des Romans extensive Übersichten abgedruckt hat, in denen er alle fremden Wörter noch mal kurz erklärt.
Lovecraft lässt grüßen
Damit ist es dann einfacher, sich auf dieses Buch einzulassen. Und man ist bereits nach kurzer Zeit an dem Fortlauf der Dinge interessiert. Denn der Autor versteht sich darauf, im Hintergrund heimlich eine Bedrohung aufzubauen, die, je mehr man über sie erfährt, umso unheimlicher wird. Der Kult der Xooru erinnert stark an die Werke von Lovecraft. Da wie dort hat man es mit Wesen zu tun, die teilweise uralt sind und von außerhalb kommen. Doch wo der berühmte Pulpschriftsteller seine Wesen und deren Helfer als Wesen beschreibt, deren Inspirationsgrundlage niemals das feuchte Nass verlassen, scheint Thomas Piesbergen sich bei der Beschreibung einiger von ihnen eher an Insekten zu orientieren.
Allerdings braucht es etwas, bis man ganz im Roman drinnen ist. Das liegt vor allem an der Tatsache, dass er zwei verschiedene Protagonisten in die Handlung einbaut, die jeweils ihre eigenen Abenteuer erleben, die erst ganz am Ende zusammenfließen. Und ausgerechnet der Plot, der nicht so viel Platz erhält, ist der bessere der beiden.
Qyü bleibt einem lange Zeit ein Rätsel. Thomas Piesbergen macht klar, dass sie nicht menschlich ist. Sie muss ihr wahres Aussehen oft verstecken und wird dann für einen jungen Mann erhalten. In jedem Fall durchmacht sie im Laufe des Romans so einiges, wird sogar zwischendurch versklavt und kann sich nur mühsam wieder befreien. Es ist ihre Fremdartigkeit, ihre andere Art und Weise, mit der sie Dinge beobachtet und beschreibt, mit der sie einen fasziniert und am meisten anspricht. Man mag sie sofort und ist fasziniert davon, was sie durchlebt und sich verändert.
Wenn die Protagonisten nerven
Bei Janus und Zervan ist das anders. Hier muss man bis zur zweiten Hälfte des Romans durchhalten, bis man endlich bei denen so weit ist, dass man von ihrer Handlung wie gefesselt ist. Entsprechend viel Geduld benötigt man.
Zwar dreht Thomas Piesbergen sie genau wie Qyü ordentlich durch die Mangel, lässt sie ebenfalls vieles heftiges erleben. Aber gleichzeitig hat man bei den beiden das Gefühl, dass sie zu Übersprunghandlungen neigen und oft genug Dummes tun, damit die Handlung weitergeht. Mehr als ein Mal schlagen sie Warnungen in den Wind, geraten sie in heftige Situationen, die sie nur mit Glück und Verstand überleben.
Hinzu kommt auch noch ihre Darstellung. Janus ist schon fast jähzornig und neigt dazu, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Zervan hingegen ist passiv, lässt sich eher treiben oder muss dazu gebracht werden, wichtige Aktionen vorzunehmen.
Ein Prolog, der das Ende ändert
Es mag zwar in Ordnung sein, dass Thomas Piesbergen hier versucht zwei nicht perfekte Figuren dazustellen. Aber er schießt damit vollkommen übers Ziel hinaus. Man ist von den beiden sehr schnell sehr genervt. Zum Glück kriegt er irgendwann die Kurve, so das man dann sie am Ende doch noch ins Herz schließt.
Es ist kein Auftakt nach Maß. Aber immerhin einer, an dessen Ende man darauf gespannt ist, wie es weitergehen wird. Vor allem, weil dann die Handlungsfiguren alle vereint scheinen. Oder etwa nicht? Denn da ist noch der Prolog, der Ereignisse aus dem Finale in einem anderen Licht erscheinen lässt…
Info
Autoren: Thomas Piesbergen
Originaltitel: Der weiße und der rote Mond: Asterion Zyklus 1
Verlag: Thesensches Offizin
Erschienen: 02/2026
Einband: eBook
Seiten: 402
ISBN: 978-3-9828267-2-1
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