Auf der Wasserwelt Deluvenn bekommen es die menschlichen Siedler mit Riesenkraken zu tun.
Das Szenario
Idris ist Mechaniker auf der Leviathan, einem Kolonieschiff am Rande des Zerfalls. Er und sein Kollege Toro werden nach einer Doppelschicht aufgefordert, noch eine dritte Schicht draufzulegen. Da dreht Idris durch und greift einen Offizier an, den er ins Koma prügelt. Der impulsive Muskelprotz landet bis zur Ankunft auf dem Planeten Deluvenn in einer Zelle. Da über die Hälfte der Siedler den Cryoschlaf nicht überlebt hat und daher Arbeitskräftemangel herrscht, wird er am Ziel angekommen vorläufig freigelassen, um beim Aufbau der Kolonien zu helfen. Zumindest so lange sein Opfer noch lebt. Sollte der Offizier sterben, droht ihm die Todesstrafe.
Im offenen Vollzug muss Idris auf einer abgelegenen Insel seinen Dienst tun, aber immerhin dürfen seine beiden Kinder Cham und Haykel ihn besuchen. Dafür sorgt Idris‘ Schwester Tsillah, die eine hohe Position im Militär hat. Seine Exfrau Emzara dient derweil als wissenschaftliche Beraterin der Kolonieverwaltung. Um die Überlebenschancen der letzten rund 50.000 Überlebenden zu erhöhen, wurden drei Siedlungen auf verschiedenen Atollen des Wasserplaneten gegründet.
Die Ureinwohner scheinen ausgestorben zu sein und haben nur verlassene Ruinen hinterlassen. Es muss sich um eine amphibische Spezies gehandelt haben, denn die antiken Stätten befinden sich sowohl an Land als auch unter Wasser. Bei der Erkundung einer Unterwasserstadt muss Tsillahs Einsatzteam jedoch feststellen, dass nur die Landbewohner ausgestorben sind. Die Wasserbewohner haben sich hingegen zu einer primitiven Urform zurückentwickelt, die jedoch keine allzu große Gefahr darstellt.
Zwei Teammitglieder verschwinden zwischenzeitlich, tauchen aber später wieder auf und berichten, dass es eine weitere intelligente Spezies auf dem Planeten gibt. Zu den Riesenkraken hat Idris‘ Sohn Cham bereits Kontakt aufgenommen und ihnen das Spiel Go beigebracht. Da die Kraken und Menschen unterschiedliche Lebensräume bewohnen, scheint eine friedliche Koexistenz möglich. Doch dann bricht der Kontakt zu den zwei Satellitenkolonien ab.
Tsillah wird losgeschickt, um nachzusehen. Dabei muss sie feststellen, dass die Siedler übereinander hergefallen sind und nun auch ihr Team attackieren. Die Angreifer wirken wie ferngesteuert und kurz darauf wenden sich auch einige ihrer Leute gegeneinander. In der Hauptkolonie bricht unterdessen ebenfalls das Chaos aus und Emzara muss ihre Kinder vor ihrem neuen Lebensgefährten in Sicherheit bringen, der vom Wahnsinn befallen ist und ihr mitteilt, dass die Menschen nicht länger auf dem Planeten willkommen sind.
Während die Krakenwesen mit Hilfe ihrer ferngesteuerten Opfer die Flotte im Orbit zerstören, gelingt Idris infolge des Schlachtgetümmels die Flucht. Für ihn ist das fast schon ein Glücksfall, denn nachdem der von ihm verprügelte Offizier an seinen Verletzungen gestorben ist, drohte ihm die Exekution. Nun zählt für ihn nur noch, seine Familie zu retten, doch diese rettet schließlich ihn von dem Schlauchboot, mit dem er geflohen ist.
Seine Exfrau Emzara hat inzwischen herausgefunden, dass die Krakenwesen die zwei verschollenen Soldaten mit einem Virus infiziert hatten, das sich unter den Menschen verbreitet hat. Cham war ebenfalls nicht untätig und hat entdeckt, dass die Riesenkraken die Infizierten über einen Resonanzton fernsteuern. Über drei Satelliten, die den Angriff im Orbit überstanden haben, kann er herausfinden, dass sich die Kraken an einem Punkt versammelt haben. Die Familie fasst den Entschluss, die Wesen mit einer Bombe auszulöschen. Nach der gelungen Mission können die weniger als 2.000 verbliebenen Menschen ein neues Leben auf Deluvenn beginnen.
Rezension von Deluvenn
Im zweiten Band erfährt man endlich mehr darüber, warum die Menschheit die Erde verlassen musste. Es hat einen verheerenden Krieg gegeben, der das irdische Ökosystem fast komplett ausgelöscht hat. Das Leben war schon zuvor hart, vor allem im Süden Europas, woher die Flüchtlinge der Leviathan-Flotte stammen. Idris kommt aus einer kaputten Familie, musste miterleben, wie sein Vater seine Mutter und dann sich selbst erschossen hat, wonach er sich mit Schwarzarbeit durchgeschlagen hat.
Sein Talent, Maschinen reparieren zu können, kommt ihm in seinem neuen Leben zugute, denn die Flotte der Südeuropäer besteht größtenteils aus unzuverlässiger chinesischer Technologie und ist im Prinzip fliegender Schrott. Durch die mangelhaften Cryoschlafkapseln sterben die meisten Siedler auf dem Flug nach Deluvenn. Das ist nicht unbedingt glaubwürdig, denn die Zeiten, in denen aus China nur billiger Schrott kam, sind längst vorbei. Klar gibt es immer noch Billigprodukte aus Fernost, aber die Volksrepublik ist inzwischen auf vielen technologischen Gebieten Weltmarktführer. Da muss man sich schon fragen, ob die Weltraumflüchtlinge ihre Flotte auf Temu bestellt haben?
Es ist dennoch interessant zu sehen, dass nicht jeder Flüchtlingstrek von der Erde so gut ausgestattet ist, wie die Islandia-Kolonieflotte. Im Gegensatz zu dieser könnten die Siedler von Deluvenn keinen längerfristigen Krieg gegen Eingeborene führen. Die scheinen zunächst aber ohnehin ausgestorben zu sein. Zumindest die humanoide Spezies, die aus zwei Stämmen bestand. Der an Land ist ausgestorben, der unter Wasser hat sich evolutionär zurückentwickelt. Wie aus Wandreliefs hervorgeht, haben die wasserlebenden Amphibien die ebenfalls auf Deluvenn lebenden Riesenkraken als Götter verehrt, während ihre landlebenden Gegenparts in den Kraken eine Gefahr gesehen haben.
Wie später herauskommt, haben die Kraken den humanoiden Amphibien bei ihrer Entwicklung geholfen, doch den Landgängern ging irgendwann der Lebensraum aus, da Deluvenn zu 95% von Wasser bedeckt ist. Sie haben daraufhin das Klima verändert, um den Meeresspiegel zu senken, woraufhin die Kraken sich gewehrt und sie ausgelöscht haben. Mit derselben Methode wollen sie nun auch die Menschen loswerden. Statt diese telepathisch zu beeinflussen, wie es zunächst den Anschein hat, infizieren die Kraken die Siedler mit einem Virus und steuern die Befallenen über Vibrationen aus der Ferne.
Das ist ein wenig zu fantastisch und obendrein stellt sich die Frage, wie die Kreaturen es geschafft haben, ohne Technologie Gene zu verändern? Die Wesen sind zudem 200 Meter groß und haben fette Tentakel, die wenig geeignet sind, um Manipulationen im mikroskopischen Bereich vorzunehmen. Hinzu kommt, dass ihre Resonanzfrequenzen über hunderte Kilometer funktionieren.
Als wären diese Logikfehler nicht schon schlimm genug, stellt sich die Frage nach dem Warum. Zunächst stellen die Riesenkraken einen friedlichen Kontakt zu Idris‘ Sohn Cham her, der ihnen sogar ein irdisches Brettspiel beibringt. Sie offenbaren ihm dabei, dass sie hochintelligent sind. Den zwei vorübergehend verschollenen Soldaten haben sie gar die gesamte Geschichte ihres Planeten mitgeteilt, welche nach deren Rückkehr live via Fernsehen an alle Siedler übertragen wird. Alles sieht nach einem friedvollen Erstkontakt aus und da die Kraken mit den Menschen kommunizieren können, wäre es ohne Weiteres möglich, eine Koexistenz auszuhandeln.
Es ist nicht zu begreifen, warum die Riesenkraken die Menschen plötzlich angreifen. Die Erkenntnis, dass diese ihren Heimatplaneten zerstört haben, ist kaum ein ausreichender Grund. Immerhin haben sie es mit verzweifelten Überlebenden zu tun, die sie einen besseren Weg lehren könnten. Richtig unlogisch wird es, als die Kraken die Menschen auffordern, den Planeten zu verlassen, dann aber ferngesteuerte Infizierte mit den Landefähren losschicken, um die Kolonistenflotte im Orbit zu zerstören. Wie sollen die Menschen den Planeten da noch evakuieren können? Und wozu überhaupt all die sinnlose Gewalt?
Für Wesen von überlegener Intelligenz sind die Riesenkraken ziemlich kurzsichtig. Sie haben den Krieg begonnen und zwingen die Menschen zur Gegenwehr. Am Ende besiegeln sie damit ihren eigenen Untergang. Im Vergleich zum ersten Band, der ein versöhnliches Happy End hatte, ist das eine mehr als enttäuschende Auflösung. Zumal die Tür zum Frieden weit offen stand und die Siedler von Deluvenn im Gegensatz zu den Islandiern weit weniger aggressiv aufgetreten sind.
Immerhin das Familiendrama ist gut erzählt. Idris ist ein Haudrauf, der mit seiner ungestümen Art seine Beziehung zu seiner Frau ruiniert hat. Seine Kinder liebt er dennoch innig, doch enttäuscht er auch sie, als er im Affekt einen Offizier lebensgefährlich verletzt. Wenn der Angriff der Krakenwesen etwas Gutes hat, dann, dass Idris deswegen von der Exekution verschont wird. Obendrein gerät seine Exfrau in die Situation, dass sie ihren neuen Partner aus Notwehr erschießen muss, da dieser infiziert ist und ihre Kinder bedroht. So hat Idris wieder eine Chance bei ihr. Und die Planung des Gegenangriffs führt ihn wieder mit seinem Sohn zusammen, der bis dahin keine gute Meinung von ihm hatte. So wächst die Familie am Ende wieder zusammen.
Lovecraft lässt grüßen
Der Zeichenstil ist trotz neuem Team wieder sehr detailreich. Manche Gesichter wirken etwas kantiger und zuweilen sind Linien nicht ganz durchgezogen, sodass mitten in einem Arm oder Mast der Hintergrund durchscheint. Abgesehen davon kann der Stil jedoch überzeugen. Die Gefühle der Charaktere lassen sich gut an ihren Gesichtsausdrücken ablesen und der Faltenwurf ihrer Kleidung ist realistisch. Die Riesenkraken erinnern stark an H. P. Lovecrafts Beschreibungen von Cthulhu, was ihrem Charakter entspricht. Schade, dass diese faszinierenden Wesen so mies drauf sind und am Ende alle sterben müssen.
Die Raumschiffe können ebenfalls überzeugen und haben alle ein individuelles Design, was unterstreicht, dass sie aus Schrotteilen zusammengezimmert sind. Zu sehen gibt es davon allerdings nicht allzu viel, da sich im Gegensatz zum ersten Band nur wenige Szenen im Weltraum abspielen. Die Landungsfähren, Kampfjets und Bodenfahrzeuge können sich allerdings ebenso sehen lassen. Vor allem mit der Minenbohrmaschine mit der zum Design passenden Bezeichnung Tarantel hat man sich sehr viel Mühe gegeben.
Der Planet hat gleichermaßen atemberaubende Schauwerte. Vor allem die antiken Ruinen sind gelungen, wobei jedoch eine Mayapyramide in einer holografischen Darstellung etwas deplatziert wirkt und nicht zur sonst eher runden Designsprache passt. Die Darstellung des Planeten aus dem Orbit hätte der Zeichner ebenfalls noch einmal überdenken sollen, denn dafür, dass 95% der Oberfläche von Wasser bedeckt sein sollen, sieht man beim Anflug der Flotte etwas zu viel Landmasse. Außerdem wirkt einer der Monde viel zu groß, wobei noch ein kleinerer zwischen ihn und Deluvenn passt. Da der Planet nur ein Drittel so groß wie die Erde ist, scheint eher Deluvenn der Mond des anderen Himmelskörpers zu sein.
An der Kolorierung gibt es derweil nichts zu kritisieren. Die Farben sind naturgetreu, die Verläufe gehen mit den Oberflächen. Lichteinfall, Leucht- und Glanzeffekte sind realistisch. Hinzu kommt die gelungene Umsetzung von Unterwasserszenen. Einmal mehr hält der Inhalt, was das Cover verspricht.
Fazit: Verpasstes Happy End
Die Handlung beginnt spannend, doch fällt die Auflösung leider deutlich unbefriedigender aus als im ersten Band. Zumindest wird die Story von glaubwürdigen Charakteren mit einem komplexen Beziehungsgeflecht getragen. Grafisch steht der zweite Band dem ersten in nichts nach und allein für die faszinierenden Bilder lohnt sich der Kauf.
Info
Autor: Nicolas Jarry
Zeichner: Bertrand Benoit
Farben: Oliver Héban
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite
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Warpskala
Warpskala-
Story6/10
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Zeichenstil9/10
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Kolorierung10/10
- Conquest – 2 – Deluvenn - 15. September 2026
- Conquest – 1 – Islandia - 8. September 2026
- Die Odyssee (2026) - 5. September 2026

