Mit diesem Film werden diverse Hollywood-Klischees genommen und ins gefühlte Gegenteil verkehrt.
Wenn die Liebe einen zusammenbringt
Heute vor 40 Jahren kam Big Trouble in Little China in die Kinos. Ein Film, der mit John Carpenter als Regisseur und Kurt Russell als Hauptdarsteller aufwarten konnte. Und der dann am Ende unerklärlicherweise an den Kinokassen scheiterte.
Die Geschichte des Films begann Jahre vorher. Damals, Anfang der 1980er Jahre, taten sich die Drehbuchautoren Gary Goldman und David Z. Weinstein zusammen, um über ihre gemeinsame Liebe zum Western ein Skript zu schreiben. Das sollte allerdings unterschiedliche Einflüsse haben: Goldman liebte die damaligen neu aufkommenden Martial Arts-Filme mit ihren übertriebenen Kampfszenen. Weinstein hingegen war von den historischen Tongkriegen im San Francisco Chinatown des 19. Jahrhunderts fasziniert. Sie reichten ihr Drehbuch, das den Namen Lotus trug, ein und schon bald interessierte sich 20th Century Fox daran.
Allerdings störten sich die Produzenten an der Weird West-Atmosphäre. Sie wünschten sich eine Überarbeitung, doch Goldman und Weinstein weigerten sich, weshalb sie dann kurzerhand von dem Projekt entfernt wurden. Statt ihrer kümmerte sich Drehbuchautor und Skriptdoktor W. D. Richter um die Überarbeitung. Um genauer zu sein schrieb er es von Grund auf neu. Zwar behielt er einige Elemente der Originalstory bei. Doch ansonsten entfernte er das Western-Setting, verfrachtete die Story in die Gegenwart und vor allem machte er daraus eine Komödie. Ungefähr zu dieser Zeit wurde aus Lotus Big Trouble in Little China.
Es soll schnell gehen
Am Ende gab es noch ein paar Unklarheiten, wer jetzt wie in den Credits genannt werden würde. Am Ende sollten Goldman und Weinstein als Drehbuchautoren geführt werden, derweil Richter „nur“ ein „adaptiert von“ erhielt. Übrigens wurde Letzterer auch gefragt, ob er Regie führen würde. Etwas, was er bereits schon bei Buckaroo Banzai gemacht hatte. Doch die Erfahrungen dabei hatten ihm gereicht und er wollte von da an lieber kleinere Filme drehen.
Womit die Wahl auf John Carpenter fiel. Der bekannte Filmemacher las die Drehbücher und fand das von Goldman und Weinstein zwar kreativ, aber zu unfokussiert. Die Überarbeitung von Richter, mit dem er gut befreundet war, war in seinen Augen besser und lieferte den Ausschlag dafür, dass er als Regisseur den Vertrag unterschrieb. Er selbst sollte noch ein paar Kleinheiten am Skript ändern. Er strich einige Sequenzen, weil sie sonst das Budget gesprengt hätten, ebenso, wie er auch Material entfernte, dass sonst Chinesischamerikaner verärgert hätte. Vor allem aber sah er in dem Film eine Möglichkeit, einen Kinofilm mit demselben Vibe wie Hong Kong Actionfilme zu drehen.
Übrigens war die Produktion davon geprägt, dass die Dreharbeiten schnell geschehen sollten. Denn der Kinofilm sollte zeitlich noch vor dem Eddie Murphy Film Auf der Suche nach dem goldenen Kind in die Kinos kommen, da es einige oberflächliche Ähnlichkeiten zwischen den beiden Leinwandabenteuern gab und man seitens des Studios verhindern wollte, dass sich die Filme gegenseitig das Wasser abgraben würden. Und eben diese Eile war mit ein Grund dafür, wieso John Carpenter angeheuert wurde. Er hatte nämlich den Ruf eines Regisseurs, der schnell und effektiv arbeitete.
Klischees sollen vermieden werden
Der Cast setzte sich auch schnell zusammen. Kurt Russells Karriere befand sich damals gerade im Aufschwung und er hatte schon früher mit dem Regisseur zusammengearbeitet. Für den Film trainierte er fleißig. Er sollte den Trucker Jack Burton darstellen. Als sein Love Interest, die Anwältin Gracie Law, wurde Kim Cattrall angeheuert. Bei dem Casting der chinesischen Charakteren wurde viel wert darauf gelegt, Klischees zu vermeiden, schon allein angesichts der vehementen Kritik, die Im Jahr des Drachen“ diesbezüglich ausgelöst hatte. Das war übrigens auch ein Film, in dem Dennis Dun mitwirkte, der dieses Mal Wang Chi, einen Freund von Jack darstellte, dessen Freundin von Lo Pan entführt wurde. Dieser wiederum wurde durch James Hong (Chinatown) zum Leben erweckt. Der Journalist, Künstler und Schauspieler Victor Wong (Der letzte Kaiser) wurde zu dem Gegenspieler Lo Pans, Egg Shen. Kate Burton (Ellis Island) übernahm den Part der Journalistin Margo Litzenberger, derweil Eddi Li (The Equalizer) die Rolle von Wang Chis Freund Eddie Lee erhielt. Die drei Handlanger von Lo Pan, Donner, Regen und Blitz wurden in der Reihenfolge von dem Kampfsportler Carter Wong, Peter Kwong (Auf der Suche nach dem goldenen Kind) und James Pax (Invasion U.S.A.) Dargestellt. Suzee Pai (Rambo) sollte den Hauptcast als Wang Chis Freundin Miao Yin darstellen.
Gedreht wurde unter enormen Zeitdruck und mit einem limitierten Budget. Trotz der geringen Summe wurde vor allem in Sachen Special Effects und Actionszenen Erstaunliches geleistet. Am Ende kam der Film schließlich in die Kinos… und sollte komplett durchfallen.
Jack Burton ist Truckerfahrer, der eines Tages nach Chinatown kommt. Er feiert und spielt die Nacht durch, bis er am frühen Morgen seinen Kumpel Wang Chi in einem Spiel besiegt. Womit dieser Geldschulden bei ihm hat. Damit der diese auch wirklich bezahlen kann begleitet er ihn zum Flughafen, damit er dort seine Freundin Miao Yin abholen kann. Dabei lernt er die Anwältin Gracie Law kennen und verliebt sich in sie.
Wie guter Wein gealtert
Doch dann wird Miao Yin entführt und bei der Verfolgungsjagd mitten ins Herz von Chinatown rein geraten Jack und Wang zunächst in einen Bandkrieg. Der durch die Ankunft dreier unsterblicher Krieger unterbrochen wird, ehe anschließend ihr Herr und Meister der unsterbliche Magier Lo Pan auftaucht. Schnell wird klar, dass dieser nicht einfach so besiegt werden kann. Es braucht Unterstützung! Und die finden sie zum Glück in Chinatown.
In Zahlen: Der Film hatte ein Budget von bis zu 25 Millionen US Dollar und spielte am Ende nur 11,1 Millionen ein. Die Kritiken rangierten damals von mittelmäßig bis gut. Und John Carpenter war so enttäuscht, dass er ein unabhängiger Filmemacher wurde. Die Gründe für diesen Flop waren je nachdem, wen man fragte, dass er im Vorfeld von James Camerons Aliens herauskam, der 16 Tage später in die Kinos kommen sollte. Oder aber, weil das Filmstudio kaum Reklame für Big Trouble in Little China machte.
Seit damals ist viel Zeit vergangen. Und die öffentliche Meinung über diesen Film hat sich geändert. Heutzutage findet man ihn in immer mehr und mehr Bestenlisten. Auch sonst wird er in der aktuellen Zeit sehr positiv bewertet.
Das Spiel mit den Klischees
Und um ehrlich zu sein, ich kann nicht verstehen, wieso der Film damals unterging. Vielleicht liegt es daran, dass er nicht den gängigen Actionklischees entspricht. Dass er im Gegenteil sogar ein wenig damit spielt.
Jack Russels Jack Burtons ist da das Paradebeispiel für. Er, der ja eigentlich laut Filmplakat die Hauptfigur ist, ist vor allem in den Kampfszenen eher Nebenfigur. Oft genug stellt er sich selber ein Bein. Mal, in dem er zu lange braucht, um das an seinem Bein befestigte Messer rauszuholen. Oder aber in dem er in die Decke schießt und dann durch herabfallende Trümmer für kurze Zeit bewusstlos geschlagen wird.
Er ist ein Großmaul, wenn auch eins mit dem Herz am rechten Fleck. Er ist jemand, der mit Erstaunen auf das reagiert, was um ihn herum geschieht. Und sich dann doch nicht ins Bockshorn jagen lässt.
Keine Klischeechinesen
Der eigentliche Held ist Wang Chi. Im realen Leben vielleicht nicht so erfolgreich. Aber dafür, wenn es drauf ankommt, immer zur Stelle. Und im Kampf deutlich besser als sein bester Kumpel.
Und er ist auch ein Paradebeispiel dafür, wie gut der Film es schafft, die Chinoamerikaner darzustellen. Ja, Wang Chi beherrscht Martial Arts. Aber es wird jetzt kein großes Gewese drum gemacht. Es dominiert nicht seinen Charakter und als es in den finalen Kampf geht, stößt er mit Jack auf Amerika und seine Möglichkeiten an.
Auch eine Figur wie Eddie Lee ist so wichtig. Weil er eben ein erfolgreicher amerikanischer Geschäftsmann ist, der zufälligerweise asiatisch aussieht. Und gleichzeitig unterstützt er Wang Chi wo er nur kann. Was natürlich nicht viel ist, aber immer noch ausreichend.
Keine Damsel in Distress
Und er ist damit nicht alleine. Auch Margo Litzenberger hat nur limitierten Einfluss auf die Story. Sie ist eben eine klassische Nebenfigur. Was sie aber dennoch nicht davon abhält, einige extrem coole Momente zu haben, etwa wenn sie gefangen an einem Buch schreibt.
Doch am wichtigsten ist natürlich Kim Catralls Gracie Law. Und auch hier zeigt sich, dass der Film bereit ist, Wege zu gehen, die nicht sonderlich breit ausgetreten ist. So ist Gracie zwar das Love Interest von Jack Burton, die er retten muss. Aber sie ist keine Damsel in Distress. Im Gegenteil: Es wird viel Wert darauf gelegt, sie kompetent und eigenständig darzustellen. Dass sie dann trotzdem gefangen wird und auf Grund ihrer grünen Augen für Lo Pan wichtig ist, ist nicht ihre Schuld.
Lo Pan ist auch das einzige Mal, wo der Film bewusst auf Klischees setzt. Zumindest was die Optik angeht. Denn visuell wirkt er wie Mandarin, wie ein uralter Zauberer, der noch dazu mit unfairen Mitteln kämpft. Aber da er eben über mehrere Tausend Jahre alt ist und ursprünglich aus China stammt, ist es nachvollziehbar, dass er so dargestellt wird. Er ist besessen von den grünen Augen, die dafür sorgen sollen, dass er wieder sterblich werden kann.
Großartige Antagonisten
Allgemein muss man dem Kinofilm Lob bei der Darstellung der Antagonisten aussprechen. Weil sowohl Lo Pan, wie ebenfalls seine Handlanger Donner, Wind und Blitz visuell distinktiv aussehen und auch über weite Teile des Films gefährlich sind. Sie sind den Helden lange Zeit überlegen, ehe sie dann am Ende doch noch niedergerungen werden können. Sie sind fiese Leute, die aber so fantastisch dargestellt werden, dass man ihnen das Böse-Sein nicht übel nimmt.
Egg Shen ist dann von den Hauptdarstellern derjenige, der auch noch gut charakteirisert wird. Von ihm geht eine gewisse Fröhlichkeit aus, mit der er alles erlebt und ebenso mitmacht. Gleichzeitig ist er äußerst kompetent, was er ja ebenfalls sein muss, um für den Film so wichtig zu sein.
Die einzige in der Runde, die nicht gut davon kommt, ist Miao Yin. Was aber auch daran liegt, dass sie die meiste Zeit über bewusstlos oder überhaupt nicht auftritt. Abgesehen von der Tatsache, dass sie eben Wang Chis Freundin ist, gibt es nichts, was sie darüber hinaus definiert.
Es macht Spaß!
Big Trouble in Little China macht jede Menge Spaß. Es ist ein fantastischer Film, nicht nur von der Unterhaltung her. Sondern auch von den Martial Arts und Special Effects her. Bei Letzteren merkt man nicht, dass der Kinofilm kein großes Budget hatte. Im Gegenteil: Sie sind großartig und brauchen sich vor Filmen wie Ghostbusters nicht zu verstecken.
Am Ende kann ich jedem den Film nur ans Herz legen. Die Art und Weise, wie er mit Klischees spielt und diesen nicht immer entspricht, ist phänomenal.
Info
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Gary Goldman, David Z. Weinstein
Adaption: W. D. Richter
Produktion: Larry J. Franco
Musik: John Carpenter, Alan Howarth
Kamera: Dean Cundey
Schnitt: Steve Mirkovich, Mark Warner, Edward A. Warschilka
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