Diesen Film zu sehen, war wie ein Verkehrsunfall. Man konnte die Augen davon nicht abwenden, obwohl man es eigentlich sollte.
Wenn der neue Tarzan-Film am Ende nur ein Remake sein soll
Bo Derek war in den 1980er Jahren ein Sex-Symbol. Nicht zuletzt dank ihres Auftritts in Zehn – Die Traumfrau war sie vor allem zu Beginn dieses Jahrzehnts der – vor allem feuchte – Traum von vielen Pubertären oder ewig Junggebliebenen. Und Hollywood wusste, was man an ihr hatte. Weshalb man ihr auch einen Wunsch erfüllte.
Sie wollte nämlich zusammen mit ihrem Ehemann, dem 23 Jahre älteren Regisseur John Derek, einen Kinofilm drehen. Und zwar wollten sie einen Tarzan-Film machen. Gemeinsam mit Metro-Goldwyn-Mayer, einem legendären Filmstudio, begannen 1980 die Dreharbeiten. Es gab allerdings ein Problem:
Denn eigentlich besaß das Studio nicht die Filmrechte an Edgar Rice Burroughs berühmten Urwaldhelden. Und parallel dazu hatte auch Warner Bros., die ihrerseits die Rechte besaßen, angefangen, einen weiteren Kinofilm zu entwickeln. Als WB von der Produktion von MGM Wind kriegten beschwerten sie sich. Doch Letztere meinten nur, dass ihre Verfilmung einfach nur ein weiteres Remake ihres 1932er Tarzan: Der Affenmensch sei, zu dem sie ja die Rechte besaßen.
Wer ist Tarzan?
Das Burroughs Estate, dass alles, was mit den Werken Edgar Rice Burroughs verwaltete, akzeptierte diese Idee so nicht. Und verklagte deshalb MGM. Nur, um dann diese Klage zu verlieren. Womit der Weg für Tarzan – Herr des Urwalds frei war, der heute vor 45 Jahre in die Kinos kam.
Wobei die Dreharbeiten nicht komplikationsfrei abliefen. Sie fanden 1981 in Sri Lanka statt und ursprünglich sollte in der Rolle des Tarzans Lee Canalito auftreten. Der sich jedoch das Knie verletzte, weshalb er umso mehr auf seinen Stuntman angewiesen war. Der seinerseits sich dann wiederum einer Notfall-Entfernung seines Blinddarms unterziehen musste. Weshalb Canalito gefeuert und durch Miles O’Keeffe ersetzt wurde. Allerdings gab Bo Derek eine alternative Begründung für diesen Vorgang an. Sie meinte, dass Lee Canalito einfach zu fett für die Rolle gewesen sei.
Die Titelrolle ging natürlich an Bo Derek. Sie sollte Jan Porter spielen. Richard Harris (Gladiator) wurde als ihre Vater James Parker gecastet. Er genoss die Zusammenarbeit mit den Dereks, da er mit Bo bereits vier Jahre zuvor im Film „Orca: Der Killerwal“ zusammengearbeitet hatte. John Phillip Law (Barbarella) wurde als rechte Hand James Parkers angeheuert, Harry Holt. Für Miles O’Keefe sollte dies die erste große Filmrolle sein, der er eine Karriere in diversen B-Movies anschloss, die er 2010 beendete. Der ehemalige Profiwrestler Stephen Cepello schloss den Maincast in seiner Rolle als Antagonist Ivory King ab.
Erwartungshaltung vor ab klären
Jane Parker reist nach dem Tod ihrer Mutter nach Afrika. Sie will dort ihren Vater James Parker aufsuchen, den sie lange Zeit nicht gesehen hat. Das Wiedersehen ist nicht ganz wie erhofft, da ihr exzentrischer Herr Papa nicht möchte, dass sie sich seinem Unternehmen anschließt. Doch sie setzt ihren Kopf durch.
Unterwegs erzählt er ihr von dem legendären Hünen Tarzan. Den sie schon bald kennenlernt, als er sie vor einem Löwen rettet. Er scheint Gefallen an ihr gefunden zu haben, da er der Gruppe heimlich folgt. Die nach und nach Mitglieder verliert, weshalb Harry Holt den Urwaldmenschen verdächtigt und ihn zur Strecke bringen will. Doch die Gefahr lauert woanders.
Im Prinzip verrät schon das amerikanische Filmplakat, was für ein Film Tarzan: Herr des Urwalds ist. Dort ist nämlich unter dem Plakatbild zu lesen „The most beautiful woman of our time in the most erotic adventure of alltime“. Womit im Grunde genommen klar ist, was einen hier erwartet.
Der Held des Dschungels als schmückendes Beiwerk
Es ist nämlich nicht so sehr kein Tarzan-Film. Der ist hier bestenfalls schmückendes Beiwerk. Stattdessen ist es ein Bo Derek-Filmabenteuer, die hier nur „zufälligerweise“ den Namen Jane Porter trägt. Und ansonsten von ihrem Ehemann John Derek in diversen Stadien der Nacktheit oder durchsichtiger Kleidung inszeniert wird. Sie scheint eine besondere Affinität zum Wasser zu haben, da sie dort jederzeit eintaucht, um eben den gewünschten Effekt zu erzielen. Und um wirklich einzuhämmern, dass Bo Derek ein Sexsymbol ihrer Ära ist, gibt es ebenfalls Szenen, wo sie in ihrer ganzen Schönheit dargestellt wird, inklusive guten Eindruck auf ihre nackte Oberweite. Womit entsprechend auch der Erotikaspekt des Films abgehakt wäre.
Nur, was bleibt dann noch übrig? Was ist, wenn man an solchen nackten Tatsachen nicht so sehr interessiert ist, sondern vielmehr Wert auf gute Unterhaltung legt? Schafft es der Kinofilm dies dann trotzt allem?
Die Antwort lautet eindeutig Nein. Sieht man nämlich von der Zurschaustellung Bo Dereks ab, bleibt ansonsten nichts über. Die Story ist… existent. Und die anderen Figuren sind bestenfalls bessere Stichwortgeber, soweit sie überhaupt eine gewisse charakterliche Tiefe haben. Die nämlich nicht überall vorhanden ist.
Mit Spaß übertreiben
Richard Harris muss das gewusst haben. Er sticht hervor, wenn auch nicht durch gute schauspielerische Leistung. Stattdessen overactet er sehr stark. Das tut er mit sichtlichen Spaß, so das man merkt, dass er die Dreharbeiten an sich nicht ernst genommen haben muss. Für ihn muss es wie ein besonderer Urlaub gewesen sein, mit vielen wunderbaren Frauen und Brüsten. Dass man dadurch seine Rolle nicht ernst nehmen kann, dürfte dabei natürlich klar sein.
Quasi auf der anderen Seite des Spektrums steht Miles O’Keefe. Der zwar einen durchaus beeindruckenden Körperbau hat. Aber wenn man als Zuschauer bei seinem ersten Auftritt laut losprusten muss, ist das kein gutes Zeichen. Das Problem ist, dass ihm jegliche Aura fehlt, die es für diese Rolle braucht. Oder, um es deutlicher zu formulieren: Er hat das Charisma eines Stück Bretts. Er bemüht sich sichtlich, die Rolle mit Leben zu füllen. Und scheitert auf ganzer Linie damit. Man kann ihn und seine schauspielerischen Leistungen einfach nicht ernst nehmen.
Der Rest des Casts liegt qualitativ zwischen den beiden Darstellern. Bemüht, sichtbar zu wirken. Aber dann doch nicht wirklich sichtbar. Sie sind bestenfalls Mitläufer, die gewisse Funktionen erfüllen. Doch angesichts des schwachen Materials nicht fähig sind, wirklich etwas daraus zu machen.
Dieser Kinofilm ist einfach nicht gut. Er ist langweilig und lädt unfreiwillig zum Lachen ein. Es gab und gibt bessere Tarzan-Filme, als dieses „Meisterwerk“. Nicht, dass es der Karriere der Beteiligten großartig geschadet hat. Nahezu alle konnten problemlos ihren jeweiligen Berufspfad weiter verfolgen. Was ziemlich erstaunlich ist, angesichts dieses Desasters.
Info
Regie: John Derek
Drehbuch: Tom Rowe, Gary Goddard
Produktion: Bo Derek
Musik: Perry Botkin Jr.
Kamera: Jimmy Ling
Schnitt: John Derek, Wolfgang Dickmann
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