Ymirs Tochter stellt Conan auf die Probe.

Conan der Cimmerier 04 Ymirs Tochter
Cover © Splitter Verlag

Eine neue Adaption

In den Bergen leben die Frostriesen, die von Ymir geleitet werden. Dieser hat eine Tochter, die eine Vorliebe für Blut und Gewalt hat. Wer dies bietet, der erregt ihre Neugierde und den Tod.

Auch Conan erregt durch seine Blutrünstigkeit und seinen Überlebenswillen ihre Aufmerksamkeit. Der Krieger, müde von einer blutrünstigen Schlacht, versucht zwar nur zu Überleben. Doch sein Tod scheint bereits, ohne dass er es ahnt, festzustehen.

Ymirs Tochter ist unter Fans von Conan eher als Die Tochter des Frostriesen bekannt. Es handelt sich dabei um eine interessante Geschichte, die oft und gerne in den diversen Comicserien des Barbaren adaptiert worden ist. Die neuste Fassung liegt jetzt in Conan der Cimmerier vor.

Erste Gehversuche

Adaptiert wurde die Story dieses Mal von Robin Recht. Der Franzose hat zuvor unter anderen Michael Moorcocks „Elric“-Saga in die Welt der Comics übertragen. Er lebt in Burgund.

Ymirs Tochter ist im Original eine Kurzgeschichte. Nicht nur von der Geschichtsart her, sondern ebenso, weil es eine kurze Geschichte ist. Man merkt ihr an, dass Robert E. Howard, als er sie verfasste, noch im Prozess des Findens war, was seinen Barbaren ausmachen sollte. Einige Elemente, wie dass er ein Krieger und Barbar war, sind bereits vorhanden. Doch ansonsten wirkte die Story, wenn man sie liest, noch nicht ganz auf der Höhe eines Die Königin der Schwarzen Küste, auch wenn sie oft adaptiert wurde.

Doch ein frankobelgisches Album ist eine ganz andere Sache, als ein US-Amerikanischer Comic. Es hat viel mehr Umfang, mehr Seiten und mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Robin Recht versucht jetzt, in seiner Adaption diese zu füllen.

Fokus auf die Tochter

Weshalb er das Hauptaugenmerk seiner Geschichte auf die titelgebende Ymirs Tochter legt. Er schildert, wie sie das blutige Geschehen beobachtet, wie sie Conan später in eine Falle lockt und sich, erregt von seinem Überlebenskampf, selbst befriedigt. Sie wirkt in seiner unmenschlich, obwohl sie menschlich wirkt und ihre Geschlechtsmerkmale offen herzeigt und damit spielt.

Doch übertreibt es der Autor und Illustrator mit allem. In der Vorlage ist sie ein furchterregendes Wesen, eine Hexe, die Conan an den Rand des Todes treibt und sich letzten Endes nur dank ihres Vaters retten kann. Das ist auch in der Comicadaption so. Doch wirkt sie hier nicht wie ein übernatürliches Wesen. Sondern einfach nur wie ein komplett wahnsinniger Mensch, der zufälligerweise übernatürliche Fähigkeiten besitzt.

Manchmal ist weniger eben auch mehr. Und das zeigt sich in Ymirs Tochter deutlich. Dadurch, dass Robin Recht so viel Zeit und Aufmerksamkeit auf seine Titelfigur legt, versucht, ihren ganzen Wahnsinn zu schildern, schießt er übers Ziel hinaus. Sie ist keine Gefahr, sie ist nervig. Was auch daran liegt, dass sie das Geschehen erzählt und ihre Monologe einen schnell langweilen.

Eine dünne Suppe

Auch versucht der Autor und Illustrator, die Vorgeschichte zu den Ereignissen auszubauen. Er schildert, wie eine Gruppe von Kriegern ihr Unwesen treibt, und sie Leute umbringen, ehe sie dann schließlich selber ums Leben kommen, niedergemetzelt in einer blutigen Schlacht, bei der Conan selbst als Sieger hervorgeht. Doch wird dies mehr zu einem Namedropping von austauschbaren Kriegern, die sich gegenseitig abschlachten, nur damit der letzte Überlebende die Begegnung mit Conan nicht überlebt.

Letzten Endes merkt man Ymirs Tochter an, dass die Geschichte im Original sehr kurz ist und die Versuche Robin Rechts aus wenig viel zu machen, nicht funktionieren. Er streckt die Story so gut er kann, baut viele Splashpages und Doppelsplashpages ein, um die Seiten zu füllen. Doch am Ende scheitert er auf ganzer Linie bei dem Versuch, Spannung zu erzeugen und den Leser bei Stange zu halten.

Denn letzter merkt schnell, wie dünn die Geschichte ist. Und wie wenig es dem Autor und Illustrator gelingt, darüber hinwegzutäuschen, dass man hier nur dünne Suppe hat. Und leider sind seine Illustrationen auch nicht dazu geeignet, sich wenigstens wegen diesen den Band zu kaufen. Sie sind nicht schlecht. Doch manchmal übertönen Farbeffekte die Erzählung, die durch seine Zeichnungen entsteht.

Der Versuch, Ymirs Tochter für ein frankobelgisches Album zu adaptieren, kann man als gescheitert betrachten. Selbst das Zusatzmaterial ist dieses Mal im Vergleich eher dünn geworden. Was schade ist.

Autor und Illustrator: Robin Recht
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite

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Götz Piesbergen
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