[DSN 013] Die Prophezeiung

Lesezeit circa: 6 Minuten

»Die Prophezeiung« ist eine »Star Trek – Deep Space Nine«-Episode, die für eine Nebenfigur alles verändert.

Die ProphezeiungDer Tod einer Autoritätsperson

Benjamin Sisko, Lieutenant Dax und Chief O‘Brien untersuchen alte cardassianische Dateien, als sie erfahren, dass Kai Opaka zu Besuch auf die Station kommt. Das religiöse Oberhaupt der Bajoraner war noch nie auf Deep Space Nine und betrachtet alles mit zurückhaltender Neugier. Anschließend wollen Benjamin Sisko, Julian Bashir und Kira Nerys sie mit auf eine Reise durch das Wurmloch nehmen. Ehe sie aufbricht, macht sie allerdings eine merkwürdige Geste und schenkt Miles O‘Brien ihre Halskette für seine Tochter.

Der Flug in den Gamma Quadranten verläuft problemlos, bis die Besatzung einen mysteriösen Mond entdeckt, der von einem Satellitennetz umkreist wird. Diese Satelliten sind bewaffnet und schießen das Shuttle ab, ehe es reagieren kann. Zwar kann Benjamin Sisko den Antimateriereaktor noch ausstoßen, ehe der Runabout eine ziemlich raue Bruchlandung baut. Doch Kai Opaka stirbt dabei.

Kira Nerys betrauert Opaka, derweil Sisko und Bashir die Gegend untersuchen. Plötzlich tauchen Fremde auf und nehmen die drei mit. Diese humanoiden Bewohner nennen sich Ennis. Sie und ihre Feinde, die Gol-Ennis, sind seit Ewigkeiten auf dem Mond gefangen und bekriegen sich gegenseitig.

Wo der Tod seine Bedeutung verliert

Tatsächlich greift die Gegenseite den Unterschlupf an. Die Föderationsoffiziere können sich noch aus der Schusslinie bringen, müssen allerdings ansonsten ein Gemetzel ansehen, das beide Parteien ausüben. Nach dem das Gefecht vorbei ist, sondieren sie die Lage, als sie plötzlich Kai Opaka wiedersehen, die im Grunde tot sein sollte! Und auch die vorhin getöteten Soldaten wachen wieder auf.

Als Dr. Bashir die Wiederauferstandenen untersucht, findet er heraus, dass in ihrem Körper Mikroben sind, die eben für diesen Effekt sorgen. Der ganze Körper wird von diesen kontrolliert. Allerdings kann er noch nicht abschätzen, was diese Entdeckung genau bedeutet.

Unterdessen brechen Jazdia Dax und Miles O‘Brien (Colm Meaney) auf, um das verschollene Shuttle zu suchen. Schon bald finden sie den Mond, halten sich jedoch von den Satelliten fern. Dem Chief kommt dabei eine Idee, wie er eine Lücke erschaffen könnte, um mit der gestrandeten Crew in Verbindung zu treten.

Kein Ausweg möglich

Auf der Oberfläche erfahren die Gestrandeten, dass die Ennis und die Gol-Ennis sich schon seit Ewigkeiten im Konflikt befinden. Sie haben längst vergessen, was der Anlass dazu war, und kämpfen nur noch um des Kämpfens willen. Allerdings sind einige von ihnen des andauernden Kreislaufs von Tod und Leben müde und wollen, dass es aufhört. Um dies zu erreichen, lassen sich die Anführer beider Parteien zu einem Waffenstillstand und Verhandlungen überreden.

Doch es kommt, wie es kommen muss. Als die Gruppen sich zu den Friedensverhandlungen treffen, stellt sich heraus, dass beide Seiten gelogen haben. Erneut kommt es zu Auseinandersetzungen, in die auch Benjamin Sisko involviert wird. Julian Bashir kann noch verhindern, dass sein Commander getötet wird, als der Kampf vorbei ist.

Bashir hat herausgefunden, dass wer wiederbelebt wurde, von den Mikroben abhängig ist und die Welt nicht mehr verlassen kann. Das heißt, dass Kai Opaka zurückbleibt, was sie allerdings auch will. Sie hat endlich einen weiteren Sinn im Leben gefunden, nämlich für dauerhaften Frieden zwischen beiden Gruppen zu sorgen. Und als die gestrandeten Offiziere von O‘Brien und Dax an Bord ihres Runabouts gebeamt werden, ist die Zukunft der Zurückgebliebenen offen.

Die ProphezeiungEin Ableben, das weh tut

»Die Prophezeiung« ist eine der besseren Episoden der ersten »Deep Space Nine«-Staffel. Das liegt vor allem daran, dass es den Machern und Schauspielern der Episode gelingt, dass einem das Schicksal von Kai Opaka am Herzen liegt. Auch wenn die Figur erst zum zweiten Mal in der Serie auftaucht.

Mit Grund dafür ist die bekannte und wichtige Rolle, die Kai Opaka in der bajoranischen Gesellschaft hat. Man muss sich nur den Beginn von „Die Prophezeiung“ angucken, um zu sehen, wie Kira Nerys (Nana Visitor), die sich vorher noch über einen Bericht der Cardassianer aufregte, von einem Moment zum anderen zur Ruhe kommt. Die Kai ist für sie eine Figur, zu der sie aufsieht, die ihr alles bedeutet. Und die den Major teilweise sogar besser kennt, als sie selbst.

Hinzu kommt auch das nuancierte Spiel von Camille Saviola, die ihre Rolle erst so richtig zum Leben bringt. Man merkt ihr zu Beginn ihre Unsicherheit an, was ihre Zukunft und die Prophezeiung angeht. Nur um anschließend, ab dem Moment, wo sie erneut zum Leben erwacht, zu sehen, wie sie immer selbstbewusster wird, als sie ein neues Ziel gefunden hat.

Wenn der Tod alles sinnlos macht

Das Konzept des ewigen Krieges, in dem der Tod als Strafe keine Bedeutung mehr hat, wird erschreckend gut umgesetzt. Vor allem einige der Aussagen in diesem Kontext überzeugen. Wie zum Beispiel die Replik des Anführers der Ennis auf Kiras Bemerkung, dass keine Wachen aufgestellt wurden. Dass er das schon seit Ewigkeiten nicht mehr mache, weil es keinen Sinn mehr ergäbe. Besser könnte man nicht ausdrücken, was für Konsequenzen dieser ständige Konflikt hat, bei dem beide Seiten nur noch um des Kämpfens willen kämpfen und ihnen ansonsten alles egal geworden ist.

Allerdings gibt es zwei Aspekte, die bei dieser Folge stören. Da ist zum einen die Aussage, dass Energiewaffen auf dem Mond keinen Nutzen besitzen. Doch dann benutzen die Gol-Ennis bei ihrem Angriff genau solche, ohne dass es großartig begründet oder erwähnt wird.

Die zweite Sache ist der Wunsch nach einem Tod, der endgültig ist. Wenn dem so ist, wieso nehmen die Ennis oder Gol-Ennis nicht das Angebot der Föderation an, die Welt zu verlassen, wenn dies zum Tod führt? Begründet wird das nicht.

Trotzdem ist »Die Prophezeiung« eine gute Folge. Der Titel passt übrigens dieses Mal nicht ganz so gut wie der englische „Battle Lines“.

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Götz Piesbergen

Götz ist Jahrgang 78 und unser Mann fürs literarische Star-Trek-Universum.
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