[Dr Who Monster Edition 02] Der Fremde Feind

Lesezeit circa: 7 Minuten

Der Fremde Feind wartet im London der 1940er Jahre.

Worum geht es in Der Fremde Feind?

Mitten im nächtlichen Bombenhagel findet der amerikanische Privatdetektiv Cody McBride ein seltsames Objekt, welches er für eine neuartige Bombe der Deutschen hält. Zur gleichen Zeit zieht ein unheimlicher Mörder seine blutige Spur durch London.
Der Doktor und seine Begleiterin Ace besuchen diese Epoche zunächst aus reinem Interesse. Als der Time Lord jedoch feststellt, dass die Geschichte durch das Auftauchen eines wohlbekannten Feindes umgeschrieben werden könnte, schreitet er zur Tat und greift ein.

Rezension

Im Gegensatz zum ersten Band schlägt Band Nummer 2 eine etwas gemächlichere Gangart an. Das nimmt dem Buch keinesfalls die Spannung. Vielmehr passt es hervorragend. Schließlich ist es 1940 und wir befinden uns auf der Erde, genauer gesagt in London. Es gibt keine Handys, keine PCs, geschweige denn Internet. Die Fülle der heutigen Informationsflut existiert nicht. Wer etwas wissen will, geht in die Bücherei, hört sich die Nachrichten im Radio an, liest die Tageszeitung oder telefoniert.

Ein Kriminalstück

Der Fremde Feind liest sich wie ein Krimi. Zunächst fällt eine merkwürdige Sphäre auf die Erde und verschwindet. In den Gassen treibt sich ein blutrünstiges Geschöpf herum, welches grauenhaft zugerichtete Opfer zurück lässt. Verwickelt werden ein Privatdetektiv und ein Polizeiinspektor. Obendrein spielt eine zweitklassige Spelunke eine Rolle, dessen Besitzer ein schwarzer Amerikaner mit dem Spitznamen Mama ist und obendrein treffen wir auf einen Professor, welcher zunächst anständig erscheint und doch ein undurchsichtiges Spiel treibt. Mittendrin treten noch die Nazis mit ihren größenwahnsinnigen Eroberungsplänen auf den Plan und wollen sich die Geheimnisse der Sphäre bzw. ihrer Passagiere unter den Nagel reißen.

In dieses Durcheinander geraten der Doktor und Ace. Für Ace ist  alles erst einmal ein Trip durch die Geschichte. Es dauert ein wenig bis sie den Ernst der Lage begreift. Das passt zu der jungen Frau, deren Charakter typisch ist für ihre Zeit, wenngleich ihre Sprüche zwischendurch etwas nerven. Der Doktor selbst – hier ist es der Siebte (gespielt von Sylvester McCoy) – erscheint als harter Mann, mit einer Prise Humor, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Weder durch nächtliche Bombenhagel, ungläubige Polizisten, abweisende Privatdetektive, Cybermats oder Cybermen. Die Entdeckung dieser kybernetischen Gestalten entlockt ihm nur die Bemerkung, dass sie hier nicht hingehörten und er selbst erst wieder ginge, wenn diese Epoche frei von ihnen sei. Ein Mann, ein Wort. Und was für eins. Denn gegen die Cybermen stehen ihm nur Ace, McBride und Inspektor Mullen bei. Weitere Personen sind quasi „nur“ helfende Nebendarsteller, auch wenn ich Charaktere wie Mama sehr genial finde.

Das hat was

Der Fremde Feind bietet einiges an gutem Stoff. Dank des Einbandes habe ich natürlich Cybermen erwartet und auch die „seltsame neuartige deutsche Bombe“ habe ich sofort den Cybermen zugeordnet.
Die blutrünstige Kreatur, der sogenannte Schleicher, welche quer durch London mordet, erinnert an Jack the Ripper und bleibt länger im Unklaren bis sich langsam herauskristallisiert, dass es weder ein Mensch noch sonst ein Monstrum ist, sondern ein Cyberleader. Allerdings treten die Cybermen selbst erst etwas später auf. Stattdessen toben sich zunächst die Cybermats aus, kleine gemeine Viecher und tödlich obendrein.

Die Beschreibung der Cybermen selbst hat mir gefallen. Sicherlich, als Dr Who Fan hat man bereits ein festes Bild von ihnen. An dem wollen die Autoren Mike Tucker und Robert Perry auch gar groß nicht rütteln. Vielmehr unterstreichen sie die kalte, glatte Erscheinung der Cyberkreaturen und ihrer Entstehung. Gleichzeitig rücken sie die (grausame) Übernahme neuer potentieller Cybermen ins Bild. Als Trekkie musste ich kurz an die berühmten Borg aus Star Trek denken, welche jegliche Geschöpfe assimilieren und ihrem Kollektiv hinzufügen. Die Cybermen tun quasi das gleiche. Sie konvertieren andere Lebewesen, reissen ihnen ihre Organe heraus, ersetzen sie durch ihre Cybertechnologie. Selbst die Ansage ist inhaltlich übereinstimmend. Im Gegensatz zu den Borg, welche trotz ihrer Kollektivität ein individuelles Aussehen beibehalten, passen die Cybermen ihr Aussehen an. Jeder verliert sein Gesicht – im wahrsten Sinne des Wortes – und erhält eine metallene Maske. Gruselig.

Undurchsichtig bleibt für lange Zeit Goerge Limb, ein älterer Herr, der in einem evakuierten Teil Londons lebt und der gar nicht so harmlos ist wie er erscheint. Eindeutig eine gelungene Figur, deren Ende bezüglich der charakterlichen Eigenschaften und des wahren Gesichtes schlichtweg passend erscheint.
Insgesamt lebt die Story jedoch von dem zusammengerauften Team aus dem Doktor, Ace, McBride und Mullen. Alle weiteren Personen, ob gut oder böse sind lediglich Nebencharaktere. Alle drei Parteien waren sich zu Beginn gar nicht so lieb. Inspektor Mullen hat McBride geradezu verachtet bis eine Zusammenarbeit regelrecht erzwungen wurde. Dass die beiden am Ende dicke Freunde werden, ist allerdings nicht so überraschend.

Neuer Charakter… oh, schon tot

Wenn man mal ehrlich ist, ein wenig werden die Leser schon mit Figuren regelrecht beworfen. Beispielsweise trifft Ace während ihres unfreiwilligen Alleingangs auf die ein oder andere Person. Da wäre unter anderem ein Hausmeister, der ihr zur Flucht vor den Cybermen verhelfen will und durch einen Zwischenfall zu Tode kommt. Nicht einmal der Name des bedauernswerten Kerls wird genannt. Oder der Informant Sharkey. Gut, der lebt etwas länger, fällt jedoch auch den Cybermats zum Opfer. Ebenso der Colonel außer Dienst, der für den Krieg zu alt ist, dafür aber im bombardierten London den Luftschutzhelfer spielen darf – zack – den Cybermen zum Opfer gefallen. An die Szene mit dem armen Baby mag ich gar nicht mehr denken, das ist ein bisschen heftig geraten.

Zum Ende hin füllen immer mehr Charaktere die Story, bleiben ein paar Sätze oder Seiten und gehen drauf. Gut, es herrscht sowieso Krieg und in diesem Krieg ein weiterer. Die Menge der auftretenden Leute erscheint mir dafür ein bisschen dick aufgetragen. Es sind einfach zu viele Nebencharaktere in zu kurzer Zeit.

Finale

Das Ende von Der Fremde Feind, oder die Auflösung, wenn man so will, erscheint etwas konstruiert. Die Zeit wird knapp, viel zu knapp. Wie praktisch, dass ausgerechnet in diesem Augenblick der alte Limb sich der Zeitmaschine der Cybermen bemächtigt, diese auch noch fehlfunktioniert und dabei die Zeit ins Unerträgliche dehnt. Der Doktor, als Time Lord, kann sich durch diese zähe Zeit kämpfen, und alles wieder grade rücken.

Fazit

Abgesehen von einigen Kritikpunkten, kommt Der Fremde Feind solide daher. Insgesamt würde ich zwar keine volle Punktzahl vergeben, aber gut zu lesen ist es allemal. Es punktet mit einem an sich schönen Plot, einigen Wendungen, einer typischen Londoner Stimmung (inklusive Wetter) und einigen sympathischen Charakteren.

Ein passendes Buch für verregnete Tage oder Abende. Ich empfehle dazu englischen Tee und passendes Gebäck. Dazu eine kuschlige Decke. Denn dadurch, dass es in dieser Geschichte ständig regnet, ist mir etwas kühl geworden beim Lesen.

Doctor Who Monster Edition 2 Der fremde FeindDoctor Who: Monster Edition 2
Der Fremde Feind
Autoren: Mike Tucker und Robert Perry
Erscheinungsdatum: 30.07.2020
Einband: Taschenbuch
Seiten: 343
Produktseite

Für diese Rezension wurde ein Exemplar von Cross Cult zur Verfügung gestellt. 


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Kirsten Pevestorf
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