Es klingt wie ein Treppenwitz. Aber es gibt von Deadpool 2 eine Schnittversion, die deutlich entschärfter ist.
Ein ungewöhnlicher Cut
Deadpool 2 war eine gute Fortsetzung des ersten Teils. Stellenweise mag zwar nicht jeder Gag gezündet haben, doch insgesamt konnte der Film überzeugen. Mit dem Super Duper $@%!#& Cut konnte man eine erweiterte Version auf Disk erwerben, die zwar an den eigentlichen Kritikpunkten nichts änderte. War aber dennoch einen Blick wert.
Und dann gab es noch einen weiteren Cut. Der den Film dieses Mal jedoch radikal abändern sollte. Es wurde noch mal neues Material gedreht, derweil altes massiv verändert wurde. Allerdings sollte dieser eher eine Art Gag sein, wenn auch einer mit einem gewissen Hintergrund.
Denn bei vielen Filmen wurde darauf geachtet, dass sie familienfreundlich waren. Dementsprechend kamen sie stellenweise entschärft in die Kinos und sollten erst im Nachhinein einen Cut erhalten, der das Geschehen deutlich blutiger und brutaler machen sollte. Paradebeispiel hier ist Wolverine – Weg des Kriegers, wo der Extended Cut erheblich brachialer daherkam als der Kinofilm.
Massive Veränderungen
Deadpool 2 sollte den umgekehrten Weg gehen. Nach dem der Super Duper $@%!#& Cut die erweiterte brutale Fassung war, sollte Es war einmal ein Deadpool die familienfreundliche Version sein. Die dazu damals noch mal in die Kinos kam und immerhin über 50 Millionen US Dollar einspielen sollte.
Die Veränderungen, die es im Vergleich zur Kinoversion gab, waren massiv. Es wurde neue Szenen gedreht, in denen Deadpool den ans Bett gefesselten Darsteller Fred Savage (Die Braut des Prinzen) die Geschichte von Deadpool 2 vorlas. Das war dann auch die Rahmenhandlung dieses neuen Cuts. Auf die im Laufe des Films außerdem ebenfalls immer wieder umgeblendet wurde.
Auf die Idee, aus einem Film, der in seiner Kinofassung sich deutlich ans erwachsene Publikum orientierte, am Ende einen erheblich entschärften Cut zu machen, muss man erst mal kommen. Dabei war das Ziel, trotz aller Schnitte und Edits am Ende doch noch auf ungefähr dieselbe Laufzeit wie die Kinoversion zu kommen. Und das ist den Machern auch fast geglückt. Am Ende betrug der Laufzeit-Unterschied knapp unter einer Minute. 47,42 Sekunden lief die Leinwandfassung länger als der neuste Cut.
Ein gewisses Augenzwinkern
Und dabei wurde dem Film ordentlich zugesetzt. Alle übermäßigen Gewaltdarstellungen wurden entfernt oder entschärft. Nahezu alle Flüche wurden rausgeschnitten, ebenso wie diverse sexuelle Anspielungen oder zweideutige Momente. Dass diese Schnittfassung am Ende trotzdem von der Laufzeit her näher an der Kinofassung war, lag vor allem daran, dass sich erheblich am Super Duper $@%!#& Cut bedient wurde. Wobei diese zusätzlichen Momente dann dennoch noch mal entschärft waren.
Und eigentlich hätte dies nicht funktionieren können. Beziehungsweise funktionieren müssen. Schließlich lebt Deadpool von dem rabiaten Humor und der übertriebenen und brutalen Gewalt. Aber gleichzeitig wurde hier viel Wert darauf gelegt, die ganzen Cuts mit einem gewissen Augenzwinkern zu präsentieren. Die wiederholten Umblendungen in die Momente, wo Deadpool Fred Savage die Handlung des Films vorliest und dann die Ereignisse kommentiert, sorgen für angenehme Metamomente. Wo einfach klar wird, dass die Charaktere sich im Klaren sind, wie absurd das ist, was hier geschieht.
Allerdings muss man ebenfalls sagen, dass dies am Ende nicht kaschieren kann, dass diese Fassung am Ende einfach nur im Vergleich zu den anderen Versionen kastriert worden ist. Dass der Film unterm Strich so nicht mehr so viel Spaß macht wie noch früher. Dass der Gag, denn dieser Schnitt darstellt, sich sehr schnell abnutzt.
Weshalb diese Version letzten Endes von allen dreien die Schwächste ist.
Info
Regie: David Leitch
Drehbuch: Rhett Reese, Paul Wernick, Ryan Reynolds
Produktion: Simon Kinberg, Ryan Reynolds, Lauren Shuler Donner
Musik: Tyler Bates
Kamera: Jonathan Sela
Schnitt: Dirk Westervelt, Craig Alpert, Elísabet Ronaldsdóttir
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