Es ist spannend, wie die Serie ein historisches Detail nimmt und dann im Kontext der anderen Serienhistorie neu darstellt.
Ein kultureller Schock
Nachdem die Russen es geschafft haben, eine Frau ins Weltall zu schicken, ist der öffentliche Druck auf die Politik enorm groß. Weshalb auf Geheiß von Präsident Nixon die NASA ein Programm ruft, um ebenfalls Frauen zu Astronauten auszubilden. Geleitet wird dies von Deke Slayton (Chris Bauer), dem Leiter des Astronautenbüros. Und der ist nicht bereit, auch nur irgendwie von den hohen Herausforderungen, die er an potenzielle Astronauten setzt, abzurücken.
Am Ende wurden 20 Frauen vorab ausgewählt. Darunter auch zwei Veteranin des Mercury 13-Programms und Tracy Stevens (Sarah Jones), Ehefrau des Apollo 15-Pilots Gordo Stevens (Michael Dorman). Von Anfang wird Druck ausgeübt, damit Letztere, die eben besonders hübsch und eine besondere Verbindung zum Weltraumprogramm hat, weiterkommt. Doch Deke Slayton gibt nicht nach, sondern setzt weiterhin darauf, dass auch sie die ganzen Eignungtests erfüllt.
Man konnte ja in den letzten beiden Episoden sehen, welchen Stellenwert Frauen in der damaligen Gesellschaft hatten. Unvergessen das Gespräch, dass Karen Baldwin mit Tracy Stevens führte und wo durchschimmerte, wie unselbstständig Frauen in jener Zeit größtenteils waren. Weshalb dieser massive Fortschritt, den sie in Nixons Frauen machen, wie ein kultureller Schock wirken mag.
Konflikte werden aufgebaut
Interessanterweise orientiert sich dabei die Episode zumindest teilweise an historischen Ereignissen. Denn das Mercury 13-Programm, dass hier in der Folge genannt wird, gab es damals wirklich. Und es wurde, genau wie hier, eingestellt, ehe eine der Teilnehmerinnen überhaupt eine Chance hatte, ins All zu kommen. Weshalb auch ein Gerichtsprozess geführt wurde und einige der Kandidatinnen erst mit dem Space Shuttle endlich in den Weltraum fliegen konnten.
In For all Mankind ist es natürlich anders. Hier bewirkt der Schock, dass die Sowjets als Erstes eine Frau ins All brachten, dass auch die Amerikaner sich wieder daran machen, so etwas zu machen. Derweil die NASA gleichzeitig ihre Pläne weiter verfolgen, eine permanente Mondbasis zu errichten.
Dabei wird zu Beginn ein gewisser Konflikt aufgebaut. Denn die Politiker wollen am Ende nur eine hübsche, bevorzugt blonde, Frau nach außerhalb der Erdatmosphäre bringen. Dass sie noch dazu irgendwelche, anderen Kenntnisse, wie es ihre männlichen Gegenstücke haben, besitzen sollte, ist für sie zweitrangig.
Dem Druck widerstehen
Und hier glänzt Deke Slayton. Von Anfang widersetzt er sich den Politikern und legt an die Frauen dieselben Maßstäbe, wie er es auch bei den Männern tut. Und deshalb wird im Laufe der Folge gnadenlos ausgesiebt, bis am Ende nur noch fünf Frauen übrig sind.
Unter denen sich auch Tracy Stevens befindet. Interessant ist, dass ihr Mann sie dabei bedingungslos unterstützt. Es kommt zu keinen Eifersuchtsszenen oder Momenten, wo er ihr ihre Zukunft sabotiert. Stattdessen gibt er immer moralische Unterstützung, was sie dann aber in einer entscheidenden Szene missversteht und es zum Streit kommt.
Was etwas zu kurz kommt, sind die Auswirkungen auf die Öffentlichkeit. Es gibt eine Szene, in der die Frau eines Astronauten über das Programm empört ist, da sie meint, dass damit die Leistung der Männer herabgewürdigt wird. Doch daraus entsteht nichts, weil sich ansonsten die Folge voll und ganz auf die Kandidatinnen und das Auswahlverfahren konzentriert.
Was wird diese Tragödie bewirken?
Das dabei einige schöne Momente bietet. So stacheln sich die beiden ehemaligen Mercury 13-Kandidatinnen Molly Cobb und Patty Doyle gegenseitig wiederholt zu neuen Bestleistungen an. Dabei wird auch ihre Genugtuung gezeigt, dass sie jetzt wieder kurz davor stehen, ins All zu kommen. Übrigens sei angemerkt, dass die Serie in diesem Fall keine exakten historischen Gegenbilder zeigt, sondern sich nur an diesen orientiert. Was man auch an den Namen merkt. Das Vorbild für Molly Cobb hieß in Wahrheit Jerrie Cobb.
Enden tut diese Folge mit einer Tragödie, die klar macht, wie lebensgefährlich das Programm stellenweise sein kann. Wobei es offen lässt, ob und welche Auswirkungen dieses Ereignis auf die Frauen hat. Da Tracy Stevens das Angebot von Deke Slayton, freiwillig aus dem Programm auszuscheiden, kurz zuvor abgelehnt hat, kann man sich gut vorstellen, dass sie trotzdem weitermachen wird.
Alles in allem eine gute Folge, die Spaß macht.
Info
Regie: Allen Coulter
Drehbuch: Nichole Beattie
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