Marvel Collection 82 - Avengers - Der Kinderkreuzzug

Review: Marvel Collection 82 – Avengers – Der Kinderkreuzzug

Lesezeit circa: 9 Minuten

Sollten hitzköpfige Jugendliche mit Superkräften in den Krieg gegen Superschurken ziehen? Was dabei im schlimmsten Fall passieren kann, zeigt dieser Comic.

Marvel Collection 82 - Avengers - Der KinderkreuzzugDie Handlung

Die Young Avengers sind eine Gruppe jugendlicher Superhelden, die sich nach der Auflösung der Avengers gegründet hat. Im Zentrum stehen die Zwillingsbrüder Billy Kaplan alias Wiccan und Thomas Shepherd alias Speed, welche die reinkarnierten Seelen von Scarlet Witchs verstorbenen Kindern sind. Ihr Großvater ist kein geringerer als Magneto, der sich inzwischen den X-Men angeschlossen hat und beim Wiederaufbau hilft.

Weitere Mitglieder der Young Avengers sind der formwandelnde Hulkling Teddy Altman, der mit Wiccan liiert ist, Scott Langs Tochter Cassie alias Stature, Eli Bradley alias Patriot, Kate Bishop als Nachfolgerin von Hawkeye, der wiederauferstandene Vision und der zeitreisende Iron Lad, welcher in der Zukunft zu Kang dem Eroberer mutieren wird.

Zusammen mit Magneto suchen die Young Avengers nach der verschollenen Scarlet Witch, welche mit nur drei Worten alle Mutanten ihrer Kräfte beraubt hat. Einige sind davon jedoch verschont geblieben, denn die X-Men und Avengers existieren noch und wollen Rache an Scarlet Witch nehmen. Wolverine und Cyclops wollen sie gar tot sehen. Die Avengers begnügen sich dagegen vorerst damit, ihren Sohn zu inhaftieren.

Wiccan entkommt mit Hilfe seiner Freunde und mittels Magie bringt er sie alle nach Transia, wo Scarlet Witch zuletzt gesehen wurde. Dort treffen sie jedoch nur auf ihren Bruder Quicksilver sowie einen Doombot in Gestalt der Vermissten. Letzterer gibt den entscheidenden Hinweis, dass Wanda alias Scarlet sich in Latveria aufhält. Im Alleingang dringt Wiccan in Dr. Dooms Festung ein, um seine Mutter zu befreien.

Die Young Avengers eilen natürlich zur Rettung, sind allerdings nicht allein. Auch die Avengers und X-Men platzen in die Hochzeit von Scarlet und Doom. Im letzten Moment teleportiert Iron Lad die Young Avengers samt Wanda durch die Zeit. Zunächst landen sie in der Zukunft, wo sie mit ihrer Vergangenheit und Electro konfrontiert werden. Dann sind sie wieder in ihrer Gegenwart, wo Scott Lang plötzlich von den Toten wiederauferstanden ist und ein Wiedersehen mit seiner Tochter feiert. Außerdem taucht ein zombifizierter Jack of Hearts auf, der jedoch keine größere Rolle spielt.

Scarlet Witch will jedenfalls ihre Fehler wiedergutmachen und den Mutanten ihre Kräfte zurückgeben. Den Anfang macht sie bei einem Mitglied der Gruppe X-Factor. Bevor sie mit ihrem Vorhaben fortfahren kann, tauchen jedoch die Avengers und X-Men wieder auf, die Wanda wahlweise anklagen oder besser gleich töten wollen. Mitten in der Schlacht teleportiert sie sich und die Young Avengers zurück nach Latveria, wo sie mit Dr. Doom die kosmische Lebensenergie anzapfen will, um die Fähigkeiten aller Mutanten wiederherzustellen. Patriot vereitelt dies jedoch aus unerfindlichen Gründen, greift Doom an und tötet dabei fast Scarlet Witch.

Von der kosmischen Lebensenergie besessen mutiert Doom zu einem gottgleichen Wesen, dann sind plötzlich wieder alle in Amerika und kloppen sich mit den Avengers und X-Men, bis sie sich schließlich alle gegen Doom verbünden müssen. Dabei sterben einige Hauptcharaktere und Iron Lad wird in einem Akt der Verzweiflung zu Kang. Die Streitigkeiten unter den anderen sind noch nicht überwunden, allerdings einigt man sich darauf, Scarlet Witch Buße tun zu lassen.

Von den Ereignissen überwältigt, beschließen die Young Avengers, sich aufzulösen. Wiccan nutzt die gewonnene Freizeit, um dem Hulkling einen Heiratsantrag zu machen, doch wieder einmal werden sie mitten im Kuss gestört. Es sind inzwischen einige Monate vergangen und die erwachsenen Avengers rufen ihre jungen Konterparts erneut zusammen, da sie deren Hilfe benötigen.

Rezension von Avengers – Der Kinderkreuzzug

Die Young Avengers wirken leider wie Abziehbilder ihrer erwachsenen Vorgänger. Wiccan hat die Kräfte seiner Mutter geerbt und Speed hat dieselbe Fähigkeit wie sein Onkel Quicksilver. Patriot ist ein afroamerikanischer Captain America, Cassie Lang kann ihre Größe verändern wie ihr Vater Ant-Man, Hawkeyes Nachfolgerin hat keine Superkräfte und verschießt nur Pfeile, Iron Lad erinnert nicht nur optisch an Iron Man und Vision ist einfach ein neuer Vision. Der einzige eigenständige Charakter ist der Hulkling, welcher zur einen Hälfte ein Kree und zur anderen ein formwandelnder Skrull ist.

Positiv hervorzuheben ist die homosexuelle Beziehung zwischen Wiccan und dem Hulkling, von welcher der Autor Heinberg zunächst nicht sicher war, ob Marvel dies durchgehen lassen würde. Zum Glück hatte Marvel den Mut dazu, denn die beiden geben ein gutes Paar ab. Außerdem ist es witzig anzusehen, wie sie im ersten Kapitel gegen eine rechtsextreme Terrororganisation kämpfen und die Nazis mit deren Homophobie triggern. Außerdem sind die Motive des Hulklings durch seine Liebe zu Wiccan jederzeit nachvollziehbar, was leider nicht auf alle Charaktere zutrifft.

Cassie Lang und Kate Hawkeye bilden noch einen Ruhepol der Vernunft. Patriot will dagegen immer mit dem Kopf durch die Wand und richtet dabei ein ums andere Mal nur Schaden an. Noch schlimmer ist Iron Lad, der nicht zu Kang werden will, am Ende aber doch genau diesen Weg geht. Seine Motivation, seine Geliebte Cassie Lang wiederbeleben zu wollen, ist dabei noch halbwegs verständlich. Allerdings sieht er nicht ein, dass es dafür bereits zu spät ist, und dann tötet er in einem Anfall von Wut und Eifersucht mal so eben Vision. Dies begründet er anschließend dreist damit, dass dieser sowieso ein Android und kein Lebewesen war. Was er erschaffen habe, könne er auch nach Belieben wieder vernichten.

Einige der Avengers und insbesondere die X-Men verhalten sich gleichermaßen irrational. Insbesondere Wolverines Hass auf Scarlet Witch sowie seine ständigen Morddrohungen gegen sie und ihren Sohn Wiccan sind absolut menschenverachtend. Cyclops ist ebenfalls ein Verfechter von Selbstjustiz und Todesstrafe, er fordert gar von den Avengers die Herausgabe von Wanda, da er ihnen kein gerechtes Urteil zutraut. Von ihrer angeblichen Tat, allen Mutanten die Kräfte geraubt und damit eine Spezies ausgelöscht zu haben, ist dabei kaum etwas zu merken. Die Jungs von X-Factor scheinen als einzige wirklich ihre Kräfte verloren zu haben.

Besonders absurd wirkt das Ganze, da die Hälfte der X-Men und Avengers selbst einen kriminellen Hintergrund haben. Allen voran Magneto und Emma Frost. Allen wurde vergeben, nur Wanda nicht. Selbst nachdem Scarlet Witch sich ihrer Verantwortung gestellt und ihr Sohn die Avengers sowie X-Men mit deren eigener unrühmlicher Vergangenheit konfrontiert hat, haben diese keinerlei Einsehen. Da fragt man sich, wo die Moral der Superhelden geblieben ist. Statt gegen das Böse zu kämpfen, drohen sie sich permanent gegenseitig mit Auslöschung.

Die Verwirrung wird durch die ständigen Ortswechsel auf die Spitze getrieben. Der Ausflug der Young Avengers in eine andere Zeitebene, in der sie zunächst gegen Hologramme von Spider-Man-Gegnern kämpfen und es dann mit Electro aufnehmen müssen, ergibt überhaupt keinen Sinn. Dieser Abstecher trägt nichts zur ohnehin schon verworrenen Handlung bei. Die ganzen Plot-Twists um Dr. Doom sind ebenfalls mehr störend, als dass sie zu einem glaubhaften Finale beitragen.

Schlussendlich gibt es zu viele magische Elemente. Ein Junge, dessen Superkraft Zauberei ist und der sich obendrein noch Wiccan nennt? Das klingt eher nach Harry Potter und ironischerweise bringt der Hulkling in Kapitel 3 auch noch genau diesen Vergleich. Magie wird zudem mit den Genen vererbt, was irgendwie überhaupt keinen Sinn macht und sogar Marvels eigenem Kanon um Dr. Strange widerspricht. Der ist dann wohl ein Muggel.

Zeichnerisch ist der Band in einem soliden Comicstil gehalten. Dieser schwankt jedoch stark von extrem cool zu ziemlich grob und das teilweise auf ein und derselben Seite. Vor allem mit Hintergründen haben die Zeichner zuweilen Probleme. Bei den Charakteren gilt, je näher sie sind, desto besser sehen sie aus. Sämtliche Großansichten sind gelungen, die Gesichter sind sofort wiederzuerkennen. Je mehr die Figuren jedoch in den Hintergrund rücken, desto stärker werden sie verfremdet. Mit abnehmender Größe verschwinden die Nasen aus den Gesichtern und die Augen sind nur noch schwarze Punkte. Teilweise sehen die Figuren nur noch wie Smilies aus.

Die Koloration ist derweil gelungen und spart nicht mit Licht- und Glanzeffekten. Die Farben tragen erheblich zur Aufwertung der Optik bei. Leider wirken einige Schlachtszenen dennoch viel zu überladen. Das Auge weiß manchmal gar nicht, wo es zuerst hinschauen soll. Zum Glück gibt es neben den Actionfeuerwerken auch ein paar ruhige Szenen mit schönen Landschaftsportraits, wobei das fiktive Transia besonders gut gelungen ist. Kleiner Fun Fact am Rande: Beim Anflug auf Dr. Dooms Festung in Kapitel 4 sind unter den anreisenden Raumschiffen ein Venator-Klasse Sternzerstörer sowie ein Y-Wing aus Star Wars zu sehen.

Fazit

Schon allein der Titel Der Kinderkreuzzug weckt bedenkliche Assoziationen, da es einen solchen im Mittelalter tatsächlich gegeben hat. Wer nun eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Kindersoldaten erwartet, wird leider enttäuscht. Stattdessen prügeln sich die jungen Avengers permanent mit den erwachsenen Superhelden und Schurken, dass es nur so kracht. Für schöne Momente sorgt derweil die Beziehung zwischen Wiccan und dem Hulkling, denn einzig in diesen dürfen die beiden Jugendlichen einfach mal Jugendliche sein. Erschienen ist Avengers – Der Kinderkreuzzug u. a. als hochwertige Hardcover-Ausgabe mit der Nr. 67 in der Marvel-Comic-Sammlung.

Info

Autor: Allan Heinberg
Zeichner: Jim Cheung / Alan Davis
Farben: Justin Ponsor & Paul Mounts / Javier Rodriguez
Verlag: Marvel / Panini
Sonstige Informationen: Produktseite


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