[TOS 002] Pokerspiele

Lesezeit circa: 5 Minuten

Nach der Zerstörung einer würfelförmigen Boje gerät die Enterprise in die Hände des mächtigen Balok, der die Crew mit ihrer völligen Auslöschung bedroht.

Staffel 1. Folge 10 – Sternzeit 1512,2 – 1514,1
„Pokerspiele“ – „The Corbomite Maneuver“

Die Handlung von “Pokerspiele”

Die Enterprise kartographiert einen unbekannten Sektor. Dabei wird das Schiff durch ein würfelförmiges Objekt aufgehalten. Da sämtliche Versuche, sich davon zu befreien, misslingen, lässt Kirk den Würfel zerstören.

Als die Enterprise tiefer in den unbekannten Raumabschnitt vordringt, trifft sie auf eine riesenhafte Kugel. Ausweichmanöver sind unmöglich und die Waffensysteme sind ausgefallen. Bei einer Kontaktaufnahme meldet sich ein gewisser Balok. Er sei der Kommandant der Fresenius, welches das Flaggschiff der Ersten Förderation sein. Balok wertet das Vordringen der Enterprise, sowie die Zerstörung des Würfels, übrigens eine Warnboje, als feindlichen Akt. Er beschließt das Schiff mitsamt der Besatzung zu zerstören. Dabei hackt er sich zur Kontrolle in die Computersysteme der Enterprise ein.

Die Besatzung bekommt zehn Minuten Zeit, um sich auf ihr Ende vorzubereiten. Kirk versucht Balok von der friedlichen Mission der Enterprise zu überzeugen, doch Balok lässt sich nicht darauf ein und langsam wird die Zeit knapp. Schließlich versucht Kirk es mit einem Bluff. Er behauptet zum Erstaunen seiner Brückenoffiziere, dass jedes Starfleet-Schiff sogenanntes Corbomite an Bord habe. Sobald es angegriffen würde, spiegelte die Substanz die Energie und zerstöre den Angreifer restlos.

Der Bluff scheint zu gelingen. Balok sieht von der Zerstörung ab. Stattdessen will er die Enterprise zu einem nahegelegenen Planeten schleppen. Mit einem kleinen Shuttle nimmt er die Enterprise in Schlepptau. Mit einem Trick kann die Crew der Enterprise ihr Schiff lösen. Dabei wird Baloks Shuttle jedoch beschädigt. Da das Mutterschiff auf seine Notsignale nicht antwortet, bietet Kirk seine Hilfe an und beamt mit McCoy und Navigator Bailey hinüber.

Sie entdecken, dass Balok in Wirklichkeit ein freundlicher, harmloser Reisender ist, der sich nach Gesellschaft sehnt. Er hat mit seinen Handlungen, die Mannschaft der Enterprise auf die Probe gestellt, um die wahren Absichten erkennen zu können. Bailey erklärt sich bereit, Balok auf seinen weiteren Reisen zu begleiten.

Pokerspiele
Balok ©CBS
Kritik

„Kein Schach, Mr Spock, Poker!“ Eigentlich glaubt der kühle, logisch denkende Halbvulkanier, sie seien von Balok schachmatt gesetzt. Doch Kirk belehrt ihn eines besseren, indem er gekonnt einen alten Kniff aus dem Pokerspiel anwendet: Er setzt alles auf eine Karte und blufft.
Was bleibt ihm auch anderes übrig? Schiff und Mannschaft stehen auf dem Spiel. Logik brächte die Crew an dieser Stelle nicht unbedingt weiter. An dieser Stelle sieht es so aus, als sei Kirk seinem Ersten Offizier weit überlegen. Und in der Tat. Ein Vulkanier könnte einen Bluff nicht so ohne weiteres glaubhaft durchführen. Vulkanier können nicht lügen und Spock hätte wahrscheinlich arge Probleme damit, sich eine solch haarsträubende Geschichte über eine energiespiegelnde Flüssigkeit auszudenken.

Der Bluff gelingt. Natürlich, denn in den Weiten des Raumes muss man mit dem Unmöglichen rechnen. Daher ist die Existenz einer solchen Substanz gar nicht so verrückt, wie es zunächst klingt.

Die Crew durch einen Bluff zu retten passt wie die Faust aufs Auge zu James T. Kirk. Statt nach eleganten Lösungen zu suchen, bricht eine leise Westernmentalität hervor. Wenn Diplomatie nicht funktioniert, müssen andere Mittel her, wenngleich sie nicht immer konform mit den Vorschriften sind.

Leider ist diese Vorgehensweise auch wiederholt zu brachial. Kirk lässt sich zu oft hinreißen und setzt die Waffen ein. Auch hier schießt er den fremden Würfel einfach über den Haufen und fliegt seelenruhig weiter. Wen wundert es, dass die Enterprise häufig in Schwierigkeiten gerät? Auch die riesenhafte Kugel hätte er mittels Phaser oder Torpedos angegriffen, wären die Waffensysteme nicht ausgefallen. Für mich ist diese latent aggressive Art ein Wermutstropfen. Roddenberry hat sich eine bessere, friedlichere Welt als Zukunft erdacht. Dennoch wird gekämpft, geschossen und getötet. Zwar geht diese Geschichte gut aus, aber es stimmt mich nachdenklich, dass auch in dieser Vision sehr oft von Waffen Gebrauch gemacht wird. Scheinbar geht es nicht ohne.

Nichtsdestotrotz besitzt die Episode „Pokerspiele“ eine interessante Wendung. Der fremde Balok, der zunächst als mächtiges Alien erscheint, entpuppt sich als fröhlicher, kleiner Kerl, der* eigentlich niemandem etwas zuleide tun mag. Sein Vorgehen dient als Schutz, denn er ist allein unterwegs. Bevor er sich auf eine Begegnung einlässt, versichert er sich über die wahren Absichten des Gegenübers. Die Art und Weise wie er das tut ist ebenso merkwürdig, wie nachvollziehbar. Wer schon zu Beginn die Waffen sprechen lässt, der ist möglicherweise auch zu mehr fähig.

Der Schlüssel der Episode liegt in der Begegnung. Beide Seiten müssen aufeinander zugehen, beide müssen ein Stück weit Vertrauensvorschuss geben. Das ist nicht einfach, aber kann sich lohnen.

Funfacts:
  • Uhura trägt gelb statt rot und dazu ein Wissenschaftsabzeichen.
  • Im Gegensatz zu den anderen Episoden der ersten Staffel werden hier tatsächlich Phaser abgefeuert. In den restlichen Folgen der Staffel, werden grundsätzlich Photonentorpedos verschossen.
  • Clint Howard (Balok) übernahm die Rolle als Kind. Er erhielt eine künstliche Glatze und sein Part wurde mit der Stimme eines erwachsenen Mannes nachsynchronisiert.
  • „Pokerspiele“ war ursprünglich als erste reguläre Folge angedacht, wurde dann aber erst als Folge 10 gesendet.
  • Die Sternzeit in der deutschen Version wurde auf 2512,2 geändert.
Der deutsche Titel

„Pokerspiele“ bezieht sich auf Kirks Vorgehen, was er auch selbst sagt. Er löst das Dilemma mit einem gewagten Bluff. Der originale Titel „The Corbomite Maneuver“ bezieht sich ebenso auf Kirks Lösung und gleichzeitig ist der angeblich mitgeführten Substanz die Bezeichnung für Kirks riskantes Spiel. Mir gefällt der englische Titel besser. Er klingt nach der Legende, die das Manöver zu sein verdient.

 

Kirsten Pevestorf

Kirsten ist Jahrgang 80 und ein totaler TOS-Fan, kein Wunder, dass sie sich bei und auch hauptsächlich darum kümmert. Wenn das nicht reicht, vertritt sie Marco in der Chefredaktion.
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