Vier Jungs begeben sich auf eine Forschungsreise in die Urzeit.
Handlung
Am Eingang einer Höhle entdeckt der kleine Jirka (Vladimír Bejval) das Fossil eines Trilobiten. Seine älteren Freunde Petr (Josef Lukáš), Tonik (Petr Herrmann) und Jenda (Zdenĕk Husták) nehmen ihn mit ins Naturkundemuseum, wo er noch mehr Fossilien zu sehen bekommt. Doch er möchte lebendige Tiere erleben und so unternehmen die vier Pioniere eine Bootsreise in die Vergangenheit, ausgehend von der Höhle, bei der Jirka den Trilobiten gefunden hat.
Ihre erste Station ist die Eiszeit, in der sie ein Mammut und ein Wollhaarnashorn zu Gesicht bekommen. Im anschließenden Tertiär entfaltet sich eine ganze Fauna früher Säugetiere. Im Zeitalter der Dinosaurier wird es dann richtig interessant. Neben einem friedlich grasenden Brontosaurus und einem Styracosaurus erleben sie einen Kampf zwischen einem Stegosaurus und einem Ceratosaurus. Der tote Stegosaurus bietet sich am folgenden Tag für eine wissenschaftliche Vermessung an. Zwischenzeitlich wird das Boot der Pioniere zerstört, sodass sie sich ein Floß bauen müssen.
In den Sümpfen des Karbonzeitalters geht das Tagebuch der Jungs verloren und dann verschwindet auch noch Jirka, der einer Riesenlibelle hinter jagt. Dabei findet er jedoch das Tagebuch wieder und verteidigt es gegen eine Urzeitamphibie. Das stimmt den Rest der Gruppe milde. Im Silur entdecken die vier Zeitreisenden schlussendlich einen lebendigen Trilobiten, den sie mit dem Fossil vergleichen können.
Wissenschaftlicher Pioniergeist
Im Fokus steht die wissenschaftliche Neugier von Kindern, die von Jirkas Entdeckung eines versteinerten Trilobiten entfacht wird. Der Film verbindet dabei Abenteuerlust mit Pioniergeist. Die Darstellung der Ursäugetiere und Dinosaurier entspricht dabei natürlich dem wissenschaftlichen Kenntnisstand der 1950er. Dinosaurier mit Federn gibt es also nicht zu sehen und der Apatosaurus wird noch als Brontosaurus bezeichnet. Das ist alles verzeihlich, wenn man bedenkt, in welchem Jahr der Film gedreht worden ist.
Die Zeitreise auf einem Fluss ist natürlich Fantasy, wobei auf Jules Vernes (1828-1905) Reise zum Mittelpunkt der Erde angespielt wird. Immerhin startet die Reise in einer Höhle, kehrt jedoch schnell an die Erdoberfläche zurück. Moderne Filme wie Die fast vergessene Welt (2009) scheinen ihrerseits durch Reise in die Urzeit inspiriert worden zu sein, obgleich die Höhle dort eine künstliche Fahrattraktion ist.
Wie die Zeitreise möglich ist, darüber hat man sich 1955 noch keine Gedanken gemacht. In The End of Oak Street (2026) sind es Wurmlöcher und die Dinosaurier werden in diesem neusten Werk auch korrekt mit Federn dargestellt. Doch trotz der realistischen Darstellung fehlt diesem schnell geschnittenen Survival-Film der wissenschaftliche Entdeckergeist von Reise in die Urzeit. Für Kinder ist dieser daher immer noch ein inspirierendes Erlebnis.
Allerdings dürften Jungs sich eher mit den Charakteren identifizieren als Mädchen, die im Film völlig fehlen. Ein weiterer Punkt, der dem Zeitgeist der 1950er geschuldet ist. Heute wäre wahrscheinlich mindestens ein Mädchen mit an Bord. Zumindest funktioniert die Dynamik des männlichen Casts, der aus wissenschaftlich interessierten Jungs mit Vorbildfunktion besteht, statt aus Raufbolden, die sich am Kampf der Urzeitechsen ergötzen. Das ist immerhin schon mal ein Fortschritt.
Die Kunst, aus wenig viel zu machen
Aus heutiger Sicht wirken die Spezialeffekte von Reise in die Urzeit natürlich antiquiert und können nicht mit den modernen CGI-Effekten der Jurassic Park-Filme mithalten. Legt man jedoch die damaligen technischen Möglichkeiten zugrunde, steht der tschechische Film vergleichbaren Produktionen aus Hollywood in nichts nach. Der Regisseur Karel Zeman (1910-1989) wurde seinerzeit gar mit Ray Harrihausen verglichen.
Gearbeitet wurde mit Stop Motion, Handpuppen und Mattepaintings. Zusammengesetzt wurde dies jedoch nicht mit Blue-Screen-Technik, sondern direkt vor Ort. Das heißt, dass Mattepaintings am Drehort im Hintergrund oder Vordergrund platziert worden sind. Mit dieser Methode konnte zwar nur aus exakt einer Perspektive gefilmt werden, was Kamerafahrten in den betreffenden Szenen verunmöglichte, die Ergebnisse sehen jedoch hervorragend aus. So kann man kaum glauben, dass der tote Stegosaurus, auf dem die vier Jungs herum klettern, nur ein Gemälde im Vordergrund ist und lediglich die Rückenplatten im Hintergrund real gebaut und auf ein Holzgestellt montiert worden sind.
Die meisten Aufnahmen wurden tatsächlich in der freien Natur gedreht, darunter die finale Silur-Szene auf Rügen in der damaligen DDR. Das Zeitalter des Karbons entstand derweil im Studio mit künstlichen Schachtelhalmen und Mattepaintings im Hintergrund. Das alles aber auf einem solch hohen Niveau, dass man sich tatsächlich in diese Zeit zurückversetzt fühlt.
Bei Stop-Motion-Aufnahmen wie dem Mammut sieht man derweil zwar, dass es sich um Modelle handelt, dennoch trotzt einem die Liebe zum Detail Respekt ab. Der Film sieht immer noch verdammt gut aus und vor allem das Zielpublikum kann sich durchaus noch in die dargebotene Welt hineinträumen, sofern die Kinder noch nicht völlig mit CGI-Feuerwerken verdorben worden sind.
Karel Zeman lieferte noch weitere fantastische Werke ab, wie die Verfilmung von Jules Vernes Die Erfindung des Verderbens (1958). Zuweilen sieht man diesem Werk deutlich an, dass die Umgebungen gezeichnet sind, doch alles ist so perfekt zusammengefügt worden, dass der Zuschauer dennoch ins Staunen gerät. Zudem hat zuvor schon Disney Real- und Zeichentrickfilm vermischt, das ist also ein eigenes Genre und damit Kunst.
Tatsächlich fand Karel Zeman auch westlich des Eisernen Vorhangs Anerkennung, sodass es neben der DDR-Übersetzung auch eine westdeutsche Übersetzung und sogar eine 3 Minuten kürzere US-Fassung in die Kinos des Kapitalismus schafften. Dieser internationale Erfolg wurde Karel Zeman jedoch ab 1968 zum Verhängnis. Nachdem die Sowjetunion in Prag einmarschiert war, kam eine neue Staatsführung an die Macht, die die Kulturlandschaft auf Linie brachte und einen Großteil von Zemans Mitarbeitern entließ. Er drehte danach nur noch eine Handvoll Filme, darunter eine Adaption von Otfried Preußlers (1923-2013) Kinderbuch Krabat (1977). Der Welt ist mit dieser Zensur ein großes Talent verloren gegangen.
Fazit zu Reise in die Urzeit: Zeitloser Klassiker
Trotz seines hohen Alters bringt Reise in die Urzeit die Zuschauer immer noch zum Staunen. Zumal man bedenken muss, dass die kleine Tschechoslowakei im damaligen Ostblock nicht dieselben Ressourcen wie Hollywood hatte. Umso respekteinflößender ist die Leistung von Karel Zeman. Wer mit diesem Film aufgewachsen ist, erinnert sich gerne daran zurück.
Für die Blu-Ray-Veröffentlichung ist sein Werk digital überarbeitet worden. Staub und Kratzer sind entfernt und die Farbqualität deutlich erhöht worden, sodass der Film in neuem Glanz erstrahlt. Die Blu-Ray enthält neben der deutschen Version auch die US-Fassung aus den 1960ern sowie jede Menge Bonusmaterial, welches Einblicke hinter die Kulissen gewährt. Dabei wird nicht nur die Entstehung der Spezialeffekte von Reise in die Urzeit, sondern auch anderer Werke des Regisseurs aufgezeigt. Mit dabei ist eine rund 15-minütige deutsche Kurzdoku.
Info
Originaltitel: Cesta do pravěku
Drehbuch: J. A. Novotný
Regie: Karel Zeman
Musik: Emil František Burian
Kamera: Antonín Horák & Václav Pazderník
Schnitt: Zdenĕk Stehlik
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