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Während der Schlacht um Arrakis spielen neben den Atreides und Harkonnen auch noch andere Menschen eine Rolle.

Geschichten aus ArrakeenHandlungen

Das Blut der Sardaukar erzählt die dramatische Lebensgeschichte von Oberst-Baschar Jopati Kolona, einem Sardaukar, der im Auftrag des Imperators für die Harkonnen kämpft und ihnen hilft, Arrakis von den Atreides zurückzuerobern. Doch er war nicht immer ein Sardaukar. Geboren wurde er als mittlerer von fünf Söhnen der Grafenfamilie Kolona auf Borhees. Sein Vater war einflussreiches Mitglied im Landsraad, bis er in Ungnade fiel.

Im Alter von 13 Jahren musste Jopati miterleben, wie die Truppen von Herzog Paulus Atreides seine Heimat überfielen, wobei seine Mutter und sein ältester Bruder starben. Mit den überlebenden Familienmitgliedern ging er in den Untergrund und organisierte den Widerstand gegen die Besatzer, für den sein Vater starb. Ein Sardaukar brachte die drei übrigen Waisen anschließend nach Salusa Secundus.

Zwei Monate lang mussten die Kolona-Brüder dort in einem imperialen Gefängnis ums Überleben kämpfen, was nur zwei von ihnen gelang. Jopatis letzter Bruder kam schlussendlich bei einer weiteren Prüfung in der radioaktiv verstrahlten Wüste des Trainingsplaneten durch den Biss eines giftigen Reptils um. Für den Tod seiner gesamten Familie machte Jopati Herzog Atreides verantwortlich, den er samt seines Hauses abgrundtief dafür hasste.

Nach seiner Versetzung auf die imperiale Zentralwelt Kaitain wurde der Krieger jedoch Zeuge, wie Paulus‘ Thronfolger Leto Atreides die Unterwerfung von Borhees zum Unrecht erklärte und den Planeten an die Überlebenden des Hauses Kolona freigab. Dies sollte ihn nachhaltig beeindrucken. Nicht ausreichend, um die Befehle des Imperators, Arrakis für die Harkonnen zu unterwerfen, zu verweigern, doch immerhin  genügend, um Duncan Idaho die Flucht zu ermöglichen.

In der zweiten Geschichte Das Flüstern der Meere Caladans geht es um eine Handvoll Kämpfer des Hauses Atreides, die sich in den Höhlen des Schildwalls um Arrakeen verschanzt haben. Durch das feindliche Bombardement sind sie von der Außenwelt abgeschnitten und damit auch von jeglicher Versorgung mit Wasser, Nahrung, Medizin und Atemluft. Sie können nichts tun, außer auf Hilfe zu warten, die niemals kommt.

Unter den Eingeschlossenen befindet sich Sergeant Hoh Vitt, dessen Neffe schwer verletzt ist und sterben wird, wenn er nicht medizinisch behandelt wird. Der sterbende Junge bittet seinen Onkel, ihm Geschichten von ihrer Heimat Caladan zu erzählen, damit er friedlich einschlafen kann. Als Jongleur besitzt Vitt die Fähigkeit, Geschichten so zu erzählen, dass seine Zuhörer darin versinken und die Welt um sich herum vergessen. Angesichts der schwindenden Hoffnung nutzt er diese Fähigkeit, um seinen Gefährten den Übergang zu erleichtern. Als einige Fremen die Höhle später freilegen, entdecken sie nur noch eine Handvoll Leichen.

Rezension von Das Blut der Sardaukar

Der Band Geschichten aus Arrakeen ergänzt das, was im ersten Hauptband gefehlt hat: Die Schlacht um Arrakis. Allerdings ist da noch weitaus mehr. Die erste Story erzählt nämlich zugleich rückblickend die gesamte Lebensgeschichte des letzten direkten Nachfahren des Hauses Kolona und erlaubt Einblicke in den Ehrenkodex der Sardaukar.

Es ist direkt schon ironisch, dass Paulus Atreides einst eine andere Welt besetzte und dabei ähnlich verdeckte Unterstützung vom Imperator erhielt wie später die Harkonnen bei der Rückeroberung von Arrakis. In beiden Fällen kämpfen Sardaukar unter falscher Flagge für die Besatzer. Ähnliches kennt man von Söldnern, die von Imperien wie den USA oder Russland angeheuert werden, um deren Interessen in Konfliktgebieten durchzusetzen. Paulus Atreides entpuppt sich in diesem Fall als ebenso despotisch und brutal wie die Harkonnen, wobei die eigentliche Intention seiner Invasion von Imperator Elrood IX. ausgeht. Überhaupt scheinen die Imperatoren ein Interesse daran zu haben, dass sich die Adelshäuser gegenseitig bekämpfen. Teile und herrsche!

Zumindest Leto Atreides schlägt dabei aus der Art und sucht nach Wegen der Versöhnung. Er lässt gar ein Gesetz ändern, um Borhees zurückzugeben, womit er seinen eigenen Einfluss beschneidet. Leider rettet ihn das nicht vor der nächsten großen Intrige, welche die Harkonnen und Imperator Shaddam IV. gegen ihn spinnen. Jopati Kolona ist dabei nur ein Werkzeug, das treu seine Befehle befolgt und als einziges Zugeständnis Duncan Idahos Fluchtvehikel absichtlich verfehlt.

Warum Jopati trotz all seiner Erfahrungen und dem Wissen um die Wahrheit über die Zerstörung seines Hauses überhaupt noch irgendwelche Befehle befolgt, ist schleierhaft. Die Ausbildung der Sardaukar ist brutal und zwei seiner Brüder fallen ihr zum Opfer. Das ist keine gute Basis für bedingungslose Loyalität. Obendrein ist das Leben auf Salusa Secunda dermaßen unattraktiv, dass man nicht wirklich dort bleiben möchte. Jopatis Verhalten lässt sich nur damit erklären, dass ihn die brutale Konditionierung gebrochen und sein Hass auf das Haus Atreides in seiner Ausbildungszeit am Leben erhalten hat. Bei genauerer Betrachtung eine ziemlich traurige Geschichte.

Grafisch entspricht die erste Story dem dystopischen Charakter. Leider bedeutet dies, dass es sich um keinen visuellen Hochgenuss handelt. Der Zeichenstil ist skizzenhaft und wirkt irgendwie unfertig. Die Linien wurden anscheinend mit zittriger Hand ausgeführt und zuweilen nicht mal zu Ende gezogen, was vor allem bei der Architektur unangenehm auffällt. Die Charaktere sind sehr kantig geraten und ihre Kleidung wirft nur selten Falten. Alles in allem ist der Comic recht grob geraten, was aber zumindest zur Handlung passt.

Die Koloration ist zwar ebenfalls passend zur Atmosphäre gewählt, allerdings ist die Farbpalette stark eingegrenzt. Es gibt kaum weiche Verläufe, dafür aber grob gesprenkelte Hintergründe. Auf Glanzeffekte wurde ebenso verzichtet und Städte wie Kaitain liegen weitgehend im Dunkeln. Mehr als Durchschnitt ist hier leider nicht drin.

Rezension von Das Flüstern der Meere Caladans

Die zweite Story ist fast noch düsterer als die Erste. Während die meisten Kämpfer des Hauses Atreides in der Schlacht gegen die Harkonnen sterben, sieht die Handvoll Eingeschlossener in der Höhle einem weit grausameren Schicksal entgegen. Sie siechen langsam dahin, in dem Wissen, dass sie keinen Einfluss mehr auf die Schlacht haben.

Die Geschichte wird dabei auf zwei Zeitebenen erzählt. Die Handlung wechselt ständig von der Gegenwart in der Höhle und den Ereignissen kurz zuvor, welche die Eingeschlossenen in ihre Lage gebracht haben. Sie haben sich an den Stadtrand durchgekämpft, um dort die feindlichen Artillerie-Geschütze auszuschalten, und sich dann in die Höhlen zurückgezogen, weil sie dachten, diese seien gut zu verteidigen. Ein folgenschwerer Irrtum.

Zumindest kann Hoh Vitt den anderen das Sterben erleichtern, indem er sie geistig zurück nach Caladan versetzt. Dies lässt noch einmal ihre schönsten Erinnerungen aufleben. Zu verdanken hat der Sergeant diese Fähigkeit seiner Herkunft aus dem Hause Jongleur. Ein ziemlich irreführender Name, denn Vitt jongliert bestenfalls mit Worten. Das Haus wurde jedenfalls zerschlagen, da die Jongleure ihre Fähigkeiten auch einsetzen konnten, um bei ihren Feinden Albträume auszulösen. Albträume, die so schrecklich waren, dass sie sogar töten konnten.

Diese erzählerische Suggestion ähnelt der suggestiven Stimme der Bene Gesserit. Wissenschaftlich gesehen wäre das am ehesten mit einer Art der Hypnose zu erklären und passenderweise ist das Zeichen der Jongleure eine zur Spirale gerollte Schlange, die irgendwie an Kaa aus dem Dschungelbuch erinnert. Geholfen haben ihnen ihre Fähigkeiten jedenfalls nicht, das Haus ist unlängst untergegangen und die wenigen Überlebenden haben sich über die Galaxis verteilt. So ist Vitt zum treuen Diener des Hauses Atreides geworden, der in Caladan seine neue Heimat gefunden hat. Seine Fähigkeiten setzt er nur im positiven Sinne ein, um seinem Neffen und später auch den anderen Trost zu spenden.

Nun wäre bei einer solchen Geschichte eigentlich ein fesselnder Zeichenstil zu erwarten gewesen, der einen ähnlich in den Bann zieht wie die Erzählungen eines Jongleurs. Leider schaffen es die groben Bilder nicht einmal ansatzweise, die Faszination zu erzeugen, welche die Charaktere empfinden. Selbige sehen wie surreale Cartoonfiguren aus, die vielleicht in einen Kindercomic gepasst hätten, aber nicht in ein solch episches Werk wie Dune.

Noch surrealer wirken die Umgebungen. Landschaften sind nur ganz grob umrissen und die abgebildeten Städte besitzen keinerlei Detailtiefe. Als moderne Kunst geht das vielleicht noch durch, aber nicht als naturalistische Graphic Novel. Und die schlichte Farbgebung macht es auch nicht besser. Zwar passen die Lichtverhältnisse einigermaßen, aber Leucht- oder gar Glanzeffekte sucht man vergebens.

Fazit

Die Geschichten aus Arrakeen passen gut zwischen den ersten und zweiten Band der Hauptreihe, vermitteln sie doch einen Eindruck von der Schlacht um Arrakeen. Obendrein vertiefen sie das Dune-Universum um die Häuser Kolona und Jongleur. Storytechnisch ist hier alles im grünen Bereich. Leider lässt sich das nicht ebenso über die Zeichenstile sagen, die deutlich von den Bänden zu Frank Herberts Hauptwerk abweichen. Wie viel mehr möglich gewesen wäre, zeigen einige der Cover aus der umfangreichen Galerie, wobei jene von Adam Gorham und Elizabeth Torque mit Abstand die eindrucksvollsten sind. So hätte man sich auch den Inhalt gewünscht.

Neben den zehn Covern gibt es noch acht Seiten Bonusmaterial, welche die Entwicklung vom Skript zum Comic zeigen. Was Splitter hier bietet, ist wie immer ordentlich und von hoher Qualität. Als Ergänzung zu den großen Dune-Serien lohnt sich dieser Einzelband auf jeden Fall.

Info

Autoren: Brian  Herbert & Kevin J. Anderson
Zeichner: Adam Gorham / Jakub Rebelka
Farben: Patricio Delpeche / Jakub Rebelka
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite

 

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Warpskala

Warpskala
6 10 0 1
  • Story 1
    10/10
  • Zeichenstil 1
    5/10
  • Koloration 1
    4/10
  • Story 2
    8/10
  • Zeichenstil 2
    3/10
  • Koloration 2
    4/10
6/10
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