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Zerstörer der Welt markiert das Ende der Godzilla-Animetrilogie.

Rebellion!

Es verging gerade mal ein halbes Jahr zwischen dem zweiten Teil der Godzilla-Animetrilogie Eine Stadt am Ende der Schlacht und dem dritten und abschließenden Zerstörer der Welt. Dementsprechend nichts änderte sich auch bei den Beteiligten. Sowohl der Cast als auch Regisseure und Produzenten kehrten wieder zurück.

Nach dem der Versuch, Godzilla mit Mechagodzilla-City zu besiegen, gescheitert ist, herrscht offene Rebellion an Bord der Aratrum. Die überlebenden Bilusaludo fordern Gerechtigkeit, weil sie meinen, dass es Haruo war, der ihren Plan zum Scheitern brachte. Doch die Menschen weigern sich, wodurch die Bilusaludo sich im Maschinenraum einschließen und dem Schiff die Energie abschalten, womit es nur für zwei weitere Tage Batteriestrom hat. Was am Ende den Exif, der zweiten Alienspezies, die eigentlich mit den Menschen alliiert waren, in die Hände spielt. Denn sie wollen ihren Gott Gidorah heraufbeschwören und brauchen die anderen als unfreiwillig freiwillige Opfer.

Auf der Erde sorgt der Exif Methphies (Takahiro Sakurai) dafür, dass der Plan weiter vorangetrieben wird. Dabei spielt Haruo (Mamoru Miyano) eine wichtige Rolle. Er ist für die Überlebenden Menschen eine Art Held, der sie dazu bringt, den Gott der Exifs herbeizurufen. Haruo selbst zögert, weshalb Methphies anfängt, die von ihm konvertierten Menschen zu opfern, um damit die Hand des von ihm auserkorenen Helden zu forcieren und so den Untergang sowohl von Godzilla als auch der Erde herbeizuführen.

Eine beeindruckende Zusammenführung

Eines der großen Probleme der Godzilla-Animated-Trilogie war, dass einem die Charaktere herzlichst egal waren, dass sie alle austauschbar wirkten, weil Charakterisierungen zu spät kamen oder die Charaktere sich eh nicht großartig voneinander unterschieden. Weshalb man auf „Zerstörer der Welt“ gespannt war, um zu sehen, wie sich dieser schlägt.

Um es vorwegzunehmen, bei den Figurenzeichnungen macht es der Film nur bedingt besser als die Vorgängerfilme. Klar ist natürlich, dass die Exif, vor allem Methphies und Haruo, bereits in den letzten beiden Teilen relativ ausführlich dargestellt worden sind. Man weiß, dass die Aliens sehr religiös sind und Methphies für Haruo ein enger Vertrauter ist, während der Erdling zu einer Art Lichtgestalt für sie wird.

Zu sehen, wie all diese Aspekte in Zerstörer der Welt zusammengeführt werden, ist schon beeindruckend. Hier macht die Serie ausnahmsweise alles richtig. Das gilt ebenso für die Enthüllung der Motive der Exif und was für eine Rolle Methphies darin spielt. Hier zeigt sich der Vertraute von Haruo von seiner fiesen Seite, als er Miana, die sein Gespräch mit seinem Exif-Vorgesetzten mitbekommen hat, überwältigt und gefangen nimmt. Dabei nutzt er sie, um Haruo unter Druck zu setzen, woraufhin es natürlich zur Konfrontation kommt. Doch dazu später mehr.

Wenn einem die Charaktere egal sind

Auch das Auftauchen von King Gidorah und seinem Angriff auf Godzilla ist klasse in Szene gesetzt. Man hat dabei wirklich das Gefühl, dass er ein ernstzunehmender Feind ist, der dem alten Titanen gefährlich werden kann. Designtechnisch ist diese Version des klassischen Antagonisten der Riesenechse exzellent geworden. Es verstärkt die Andersartigkeit, die diese Kreatur in diesem Film auszeichnet.

Doch all diese Aspekte verhindern am Ende nicht, dass Zerstörer der Welt wieder nur ein äußerst mittelmäßiges Filmerlebnis ist. So rächt es sich unter anderem, dass in den vorherigen Filmen der Fokus mehr auf Haruo lag und alle anderen Charaktere kaum oder gar nicht ausgebaut worden waren. So wird beim Erstauftauchen von King Gidorah die Aratrum vernichtet. Eigentlich ein Verlust, der einem nahegehen sollte. Doch uneigentlich ist die Zerstörung des Schiffes einem herzlich egal, weil es dort niemanden gibt, mit dem man sich identifizieren kann.

Auch der letzte Konflikt mit den Bilusaludo mag nicht überzeugen, da er am Ende nur dazu dient, beide Spezies räumlich voneinander zu trennen, so dass sie miterleben, wie der Reaktor explodiert. Das mag zwar eine logische Konsequenz sein. Wird aber im Film selbst nicht wirklich genutzt.

Perfektes Einschlafpotential

Auch die Begegnung zwischen Haruo und Methphies gerät in Zerstörer der Welt zum Einschlafen. Im Prinzip schwebt der Erdling die meiste Zeit in einer anderen Dimension herum, während der Exif lange und philosophische Reden schwingt, die einen langweilen. Man versteht zwar, dass er möchte, dass Haruo ihn voller Hass angreift. Aber bis er zu diesem Punkt kommt, dauert es gefühlt eine halbe Ewigkeit.

Immerhin wird diese Auseinandersetzung überraschend beigelegt. Denn Haruo zeigt, von der Philosophie der Nachkommen der zurückgebliebenen Menschen inspiriert, das sie Gefühle wie Hass nicht kennen. Das mag zwar etwas zu kitschig sein, funktioniert allerdings in diesem Film durchaus.

Auch überrascht das Ende von Zerstörer der Welt, als eine Art „Zurück zur Natur“-Message gezeigt wird. Eine solch radikale Nachricht hätte man in einem „Godzilla“-Film nicht erwartet. Und erstaunlicherweise funktioniert sie hier sogar fast.

Da war ja noch was

Aber eben nur fast. Es gibt eine letzte Szene, in der Haruo quasi sein Leben opfert, um das Überleben der Menschen zu garantieren. Allerdings tut er das nicht alleine, sondern nimmt die von der Nanomaterie infizierte und immer noch komatöse Yuro mit sich. Das Problem ist, dass diese Szene wie ein Nachklapp wirkt. So als ob den Machern noch im letzten Moment eingefallen ist, dass die Freundin von Haruo ja auch noch vorhanden ist, womit einmal mehr ihr Stellenwert in der Story angemessen dargestellt wird.

Zerstörer der Welt macht einiges richtig, aber auch vieles falsch. Damit passt der Abschluss perfekt zur gesamten Trilogie.

 

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