Review: H.G. Wells Band 5/6 – Der Unsichtbare, Teil 1

Lesezeit circa: 5 Minuten

Ein mysteriöser Fremder kommt ins Dorf Iping, wo er sich schnell unbeliebt macht.

Der UnsichtbareDie Handlung

Anfangs freuen sich die Besitzer der Lions Head-Taverne, als sie nach langer Zeit mal wieder einen Gast aufnehmen können. Das Verhalten des komplett Vermummten wird ihnen jedoch schon bald suspekt. Er baut allerhand wissenschaftliches Gerät in seinem Zimmer auf und wenn er nicht gerade in ein Buch vertieft ist, braut er irgendwelche mysteriösen Elixiere. Außerdem zahlt er seine Miete nicht, während gleichzeitig die Einbrüche in der Nachbarschaft zunehmen.

Der Täter entkommt nicht ohne Grund jedes Mal ungesehen, denn er ist unsichtbar. Als der Tavernenbetreiber zusammen mit dem Dorfpfarrer und einem weiteren Freund das scheinbar leerstehende Labor des Fremden untersucht, gibt dieser sich als Unsichtbarer zu erkennen und läuft Amok. Offenbar war er schon einmal an diesem Punkt, denn er ergreift nicht zum ersten Mal die Flucht.

Da er als Tarnung für seine Experimente Kleidung braucht und er zudem nicht seine wertvollen Bücher zurücklassen will, wendet er sich an einen sturzbetrunkenen Landstreicher namens Marvel. Unfreiwillig wird dieser zu seinem Komplizen, den er ständig mit dem Tod bedroht. Kaum hat der Unsichtbare seine Habseligkeiten zurück, brennt er die Taverne nieder und zieht seinen Helfer mit in die Sache hinein. Schlussendlich sucht Marvel in einer Hafenkneipe nach Schutz, was in einer weiteren Schlägerei ausartet. Bei dieser wird der Unsichtbare angeschossen und kehrt daraufhin erneut nach Iping zurück. Diesmal, um den Dorfarzt aufzusuchen.

Rezension von Der Unsichtbare, Teil 1

Der Unsichtbare erzählt erneut die Geschichte eines verrückten Wissenschaftlers. Dieser ist sogar noch durchgeknallter als Dr. Moreau. Er verhält sich ziemlich antisozial und trägt deutlich die Züge eines Psychopathen, der weder vor Diebstählen noch vor Gewalt zurückschreckt. Einzig seine Unsichtbarkeit schützt ihn davor, sofort verhaftet zu werden. Die Paranoia, die sich gegenüber ihm ausbreitet, ist wohl begründet.

Sein Fehlverhalten ist zudem wieder einmal ein Grund, warum diese Graphic Novel nicht für Kinder geeignet ist. Gleich zu Beginn starrt er der jungen Bediensteten in den Ausschnitt und kaum hat diese sich schlafen gelegt, schleicht er in ihr Zimmer und ergötzt sich an ihren blanken Brüsten. Eine Andeutung, dass er seine Unsichtbarkeit zum Stalken nutzt, hätte hier genügt.

Der Zeichner hat wieder einmal gewechselt, was einen erneuten Stilbruch gegenüber dem vorigen Band bedeutet. Immerhin die kleinen Easter Eggs lässt sich Regnault auch nicht nehmen, wie eine Uhr der Marke Wells bezeugt. Ansonsten hat man es bei ihm mit einem klassischen Zeichenstil zu tun, wie er auch aus einem deutlich älteren Werk stammen könnte.

Die Gesichter sind, abgesehen vom Unsichtbaren, allesamt gut getroffen und deutlich voneinander unterscheidbar. Bei der Masse an Charakteren ist das sehr wichtig. Insgesamt fallen die Zeichnungen jedoch deutlich grober aus als im letzten Band. Außerdem schwankt die Ausprägung von Bild zu Bild. Mal sind die Räume im Hintergrund sehr detailliert und akkurat gezeichnet, mal sind die Linien krumm und schief und alles wirkt eher vage. Manchmal sind Verzierungen an Kleidung und Einrichtung sehr detailverliebt, auf dem nächsten Bild wirken sie dagegen wie wildes Gekritzel.

Die Koloration ist in stimmungsvollen Farben gehalten. Licht und Schatten sind ebenfalls okay, aber auf Glanzeffekte haben bisher alle an dieser Comicreihe Beteiligten verzichtet. Die Optik ist daher zwar ansprechend, bleibt aber hinter den heutigen Möglichkeiten realistischer Farbgebung zurück. Wie das zu bewerten ist, hängt dabei vom persönlichen Geschmack ab.

Fazit

Der erste Teil von Der Unsichtbare bietet einen spannenden Auftakt mit hohem Gruselfaktor. Gruselig ist dabei weniger die Tatsache, dass der Protagonist unsichtbar ist, sondern dass er eigentlich ein Antagonist ist. Seine Motivation bleibt zunächst unklar, doch sein Verhalten ist das eines gemeingefährlichen Soziopathen. Wie die Sache für ihn und die Bewohner von Iping ausgeht, muss der zweite Band aufklären.

Bewertung: 10/15

Text: Dobbs
Zeichnungen: Chris Regnault
Farben: Andrea Meloni / Arancia Studio
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen:

Produktseite


Wir brauchen euren Support!

 

Viele Magazine im Web werden über Werbung finanziert. Wir haben bewusst darauf verzichtet, damit euer Erlebnis auf unserer Seite möglichst ungestört ist. Wir bieten euch News, Reviews, Artikel, Videos und einen Podcast zu mittlerweile fast allen Bereichen der Phantastik. Wir haben keinen Clickbait, keine Fakenews und auch keine Paywall.

 

Die Kosten steigen, die wenigen Einnahmen sinken, auch dank der derzeitigen Situation. Wir wollen uns keine goldene Nase verdienen, aber es wäre schade, wenn wir die Seite irgendwann deswegen einstellen müssten.

 

Es ist auch ganz einfach. Ihr könnt uns regelmäßig ab 1 € monatlich bei Steady unterstützen, einmalig per PayPal oder ihr werft einfach mal einen Blick in unseren warpShop. (Die Shirts sind erste Sahne, Ehrenwort!)

 

Wenn ihr euch für eine Tätigkeit bei uns interessiert, dann ist die Seite MITMACHEN genau richtig.

 

Für den Fall, dass ihr noch mehr Infos haben wollt, findet ihr diese unter SUPPORT US. Dort findet ihr auch unsere Ref-Links.

 

Wir danken euch.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: