Honor Harrington muss auf Ehre unter Feinden setzen, um wieder in die Manticorianische Navy aufgenommen zu werden.

Honor Harrington 06 Ehre unter Feinden
Cover © Bastei Lübbe

Höhepunkt und Abschluss

Silesia ist zwar nominell eine eigenständig Weltraumnation, doch im Prinzip gleicht sie mehr einer Nation, die in Zeitlupe kollabiert und wo jeder seinen eigenen Interessen folgt. Trotzdem müssen die Handelsschiffe durch das Gebiet der Sternennation. Und wo sie früher Geleitschutz durch die Royal Manticore Navy erhalten haben, fällt dieser auf Grund des Kriegs zwischen dem Sternenkönigreich und der Volksrepublik Haven inzwischen weg. Weshalb auch die silesianischen Piraten immer aufmüpfiger werden und der Handel immer stärkere Verluste einfährt. Etwas muss getan werden. Nur was?

Am Ende fällt den Entscheidungsträgern in Manticore nur eine Lösung ein: Q-Schiffe, also als Handelsschiffe getarnte Kriegsschiffe, die von einer gewissen Honor Harrington kommandiert werden sollen. Nur, dass diese seit einiger Zeit im Exil auf Grayson lebt und erst zu ihrem neuen Kommando, welches ihre erste und letzte Chance darstellt, wieder die Uniform ihrer Heimat zu tragen, überzeugt werden muss.

Ehre unter Feinden markiert Höhepunkt und Abschluss einer Handlung, die David Weber mit Ein Schneller Sieg anfing. Zwar gibt es noch mehrere Plots, die auch in künftigen Bänden weiterlaufen werden, wie zum Beispiel die Entwicklungen in der Volksrepublik Haven, aber mit diesem Roman beendet der Autor die Geschichte von Honors Glück und wie es konsequent durch äußere Kräfte wiederholt ge- und zerstört wurde.

Blick auf andere Nationen

Zum Glück seiner Protagonistin gehört auch das Tragen einer Uniform – bevorzugt die ihrer Heimat, des Sternenkönigreich Manticore. Zwar liest man zu Beginn des Romans, dass sie auf Grayson ebenfalls heimisch geworden ist und dort inzwischen ordentlich Karriere gemacht hat, doch als ihr das Kommando über ein Q-Schiff angeboten wird, sagt sie nach kurzem Zögern zu. Auch wenn sie weiß, dass es eine Art vergiftetes Angebot ist, da sie in diesem Fall nicht die Unterstützung und das Personal erhält, das sie unter einem normalen Kommando im Grunde hätte.

Was das bedeutet, beschreibt David Weber in Ehre unter Feinden ausführlich. Denn neben Offizieren und Mannschaftsmitgliedern, die seiner Heldin treu ergeben sind oder schon fast den Boden, über den sie läuft, anbeten, baut er auch Abschaum ein. Leute, die es in der Navy von Manticore nicht weit geschafft haben und den sonst so üblichen Maßstäben nicht genügen. Was natürlich für einiges an Spannung an Bord des Q-Schiffes sorgt, das Honor Harrington kommandiert.

Was diesen Roman ebenfalls interessant macht, ist die Tatsache, dass mit dieser Geschichte David Weber das erste Mal auch andere Staaten als Manticore und Haven beschreibt. In diesem Fall sind es Silesia, was quasi eine Art Failed State im Weltraum ist, und das andermannische Imperium. Besonders Letzteres wird sehr abwechslungsreich dargestellt, weil es einerseits ein Kaiserreich ähnlich wie das historische Preußen ist, aber andererseits die Wurzeln dieses Reiches chinesisch sind. Es ist eine interessante Kombination, die der Autor faszinierend beschreibt.

Ein kleiner Lichtblick nach Langem

Allgemein ist Ehre unter Feinden nach Langem wieder ein kleiner Lichtblick in der Honor Harrington-Reihe. Der Autor scheint aus den Fehlern der letzten Bände gelernt zu haben und lässt so zum Beispiel seine Protagonistin nicht mehr wie eine Göttin auftreten. Natürlich gelingt ihr immer noch alles, was sie anfasst. Aber es wird dieses Mal besser und spannender verpackt, wie beispielsweise, als sie ein Sonnensystem von der Knute eines gefürchteten Piraten befreit.

Einziges Manko ist der Abschaum in ihrer Crew. Hier stört einen weniger die Tatsache, dass diese von dem Autoren wieder wie der letzte Dreck charakterisiert werden, als vielmehr die Tatsache, dass es ursprünglich hieß, dass es mehrere dieser Leute gibt, die es in der Royal Manticorian Navy nicht weit geschafft haben oder die ein enormes Vorstrafenregister besitzen. Doch realistisch merkt man nur anhand der vom Autoren hervorgehobenen Figuren etwas davon. Was insgesamt enttäuschend wirkt.

Ehre unter Feinden ist nach langer Zeit wieder ein unterhaltsamer Honor Harrington-Roman.

 

Autor: David Weber
Titel: Honor Harrington 06: Ehre unter Feinden
Originaltitel: Honor among Enemies
Übersetzer:  Dietmar Schmidt
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 04/2000
Einband: Taschenbuch
Seiten: 670
ISBN: 3-404-23222-2
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