Review: Koloniewelten 2085: Ein kleiner Schritt

Lesezeit circa: 5 Minuten

Ein kleiner Schritt reicht aus, um im Koloniewelten-Zyklus große Dinge in Bewegung zu setzen.

Aus Kleinem wird Großes

Im Jahre 2085 ist der Mars besiedelt und Ausgangspunkt, vieler Kolonieschiffe. Red City ist das Zentrum dieser Kolonie. Dabei wird der Frieden dieser Stadt von den Wächtern gut behütet.

Auch Marek Zintok ist so ein Wächter. Und er ist auf seine Aufgabe genauso stolz wie ebenso auf seinen christlichen Glauben. Bis eines Tages er, sehr zu seinem Leidwesen, eine Partnerin erhält und in einen Fall involviert wird, in dem es um einen ermordeten Wissenschaftler geht. Schon bald nimmt dieser allerdings Dimensionen an, die er sich ursprünglich nicht hätte vorstellen können.

Galax Acheroinians Koloniewelten-Zyklus umfasst mittlerweile mehrere Romanserien, Einzelerzählungen und Kurzgeschichten. Mit Demeter, der die gleichnamige Reihe in einem Buch zusammenfasste, wurde hier auf Warpcore bereits ein Teil dieses Universums besprochen. Damals lernte man eine dystopische Erde kennen, ehe dann die Handlung auf den namengebenden Planeten umblendete.

Der Ursprung alles Übels

Mit Koloniewelten 2085: Ein kleiner Schritt fängt jetzt eine andere Reihe an, die quasi schildert, wie es dazu kommen konnte, dass die Erde zu einer solchen Dystopie wurde, sowie die Auswirkungen der geschilderten Ereignisse. Denn das Buch umfasst zwei Geschichten. Zum einen die titelgebende Erzählung, wie auch die Kurzgeschichte Der Erste wird der Letzte sein – 2099 –. Dabei sind beide Stories von ihrem Inhalt her komplett unterschiedlich, unterhalten allerdings beide beim Lesen überwiegend gut.

In der Hauptstory stellt der Autor seinen Haupthandlungsträger Marek Zintok als einen Unsympathen dar. Er schildert ihn als ein rassistisches und sexistisches Arschloch, dass seine Macht schamlos ausnutzt. So erlebt man zu Beginn, wie er, nur weil ihm das Aussehen zweier Frauen nicht gefällt, diese anschwärzt und kontrollieren lässt.

An ihm erlebt man in Ein kleiner Schritt bereits die Ansätze von dem mit, was dann die Erde später bestimmen sollte. Ein absolut gläubiger Christ, der von dem Hass gegen die „Anderen“ beseelt ist und die Propaganda der NCP, der National Christian Party, bedingungslos glaubt. Wenn etwas geschieht, dann hat entweder eine Frau oder noch schlimmer ein Muslim die Schuld!

Ein krasser Gegensatz

Und ausgerechnet eine Kombination dieser zwei für ihn Hassfaktoren wird sein neuer Partner. Hier greift Galax Acheronian auf das klassische „Gegensätze“-Prinzip zurück, das ja oft in diversen Medien verwendet wird. Denn Ayasha Surona ist in vielerlei Hinsicht das komplette Gegenteil zu Marek Zintok: Sie arbeitet gewissenhaft, ist eine 22222222Kriegsversehrte und ist gleichzeitig Mutter. Doch gerade ihr Kind bereitet ihr am meisten Kummer, da es einer Krankheit leidet, die es jederzeit umbringen kann. Und so ist sie zwischen ihrer Pflicht als Profilerin und als alleinerziehende Mutter hin- und hergerissen.

Der Gegensatz zwischen diesen Figuren funktioniert in Koloniewelten 2085 – Ein kleiner Schritt perfekt. Was vor allem daran liegt, dass der Autor die beiden Charaktere mit Respekt behandelt. Er zeigt deutlich die Stärken und Schwächen seiner zwei Hauptcharaktere auf, so dass man mit ihnen fühlen kann, was vor allem im Fall von Marek Zintok erstaunlich ist. Hier gelingt es ihm das besondere Kunststück, dass die Figur zwar überwiegend immer noch ein Unsympath ist, aber manchmal auch erstaunlich sympathische Momente erhält.

Was unter anderem auch daran liegt, dass der Autor die offensichtlichen Fallstricke einer solchen Figurenkonstellation konsequent vermeidet. Zwar beeinflussen sich beide Charaktere gegenseitig, aber weder entsteht hier eine große Romanze, noch werden sie allerbeste Freunde. Im Gegenteil: Ihr Umgang miteinander ist „nur“ von Professionalität und ebenso etwas Respekt geprägt und nichts anderem.

Was ist geschehen?

Spannend wird dabei auch der Fall des ermordeten Wissenschaftlers erzählt. Welche Bedeutung dieses Ereignis in Koloniewelten 2085 – Ein kleiner Schritt hat, wird einem erst ganz am Ende klar. Und bis dahin entwickeln sich die Ermittlungen in dieser Tat vollkommen unvorhersehbar. Natürlich entpuppt sich der Mord als nur ein Element einer schrecklichen Tat, die vertuscht werden soll. Doch was genau unter den Teppich gekehrt werden soll und wer hinter diesen Ereignissen steckt, das alles nach und nach zu erfahren macht einen weiteren Teil des Charmes dieser Geschichte aus.

Die zweite Story spielt auf einer der Koloniewelten. Genauer gesagt auf Adonis, wo allerdings nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Galax Acheronian beschreibt eine Welt, in der das Überleben ein stetiger Kampf gegen die Umwelt ist und jeder mit anfassen muss. Ein wenig erinnert die Darstellung dieser Welt an den Planeten Grayson aus der Honor Harrington-Reihe von David Weber.

In dieser lebensfeindlichen Welt verschwinden mit Lukas und Damian zwei Jungen, die ehemalige Freunde waren. Und um beide zu retten, beteiligen sich alle Erwachsenen der Kolonie bei der Suche. Derweil gleichzeitig die Frage im Raum steht, wieso die beiden sich zerstritten haben und wieso sie abgehauen gegangen sind.

Sprunghaft

Im Vergleich zu Ein kleiner Schritt ist diese Geschichte eher kurz. Der Autor fokussiert sich in ihr auf die Suche bzw. den Erklärungsversuchen, wieso die Ereignisse geschehen sind. Mit der lebensfeindlichen Welt verleiht er dabei der Story Würze und Dramatik. Gleichzeitig nimmt er nicht nur die Blickwinkel der besorgten Eltern ein, sondern auch die der beiden Jungen. Wodurch sich vor dem Auge des Lesers ein ganz besonderes Drama entfaltet.

Wenn auch eins mit einem etwas schwächelnden Ende. Was diese Kurzgeschichte allerdings ebenfalls mit der Hauptstory gemeinsam hat. Beide Geschichten enden unbefriedigend, weil wichtige Figuren Entscheidungen treffen, die nicht logisch erklärt wirken. Es wirkt hier ein wenig so, als ob der Autor diese Finale mit Hinblick auf kommende Ereignisse seiner Reihe geschrieben hat, was dann eben zu sprunghaften Charakterisierungen führt.

Dennoch ist Koloniewelten 2085 – Ein kleiner Schritt ein guter Roman.

Koloniewelten 2085 – Ein kleiner Schritt
Cover © Galax Acheronian

Bewertung 12/15

Autor: Galax Acheronian
Titel: Ein kleiner Schritt
Teil/Band der Reihe: Koloniewelten
Verlag: Twentysix
Erschienen: 2019
Einband: Ebook
ISBN: 978-3-74070-748-4
Seiten: 240
Sonstige Informationen:
Produktseite

 

 

Götz Piesbergen
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