Ein großer Schritt
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Review: Koloniewelten 2119: Ein großer Schritt

Lesezeit circa: 4 Minuten

In Ein großer Schritt kommt es zu ungeheuerlichen Ereignissen.

Unschöne Nachrichten

Im Jahr 2119 ist der Mars nur noch ein Schatten seiner selbst. Erschüttert von den Ereignissen vor 34 Jahren ist die Welt unter die Kontrolle der NCP und des Energiekonzerns Pandion gekommen. Und die arbeiten kräftig daran, dass der Planet sich nie wieder erholen wird.

Bis eines Tages ein Funkspruch eintrudelt, der alles auf den Kopf stellt. Die NCP sieht ihre Plänen gefährdet und auch Pandion ist alles andere als glücklich über die Geschehnisse. Nur einer meint, von allem zu profitieren, und er setzt alles daran, dass er erfolgreich sein wird.

Mit Ein kleiner Schritt hatte Autor Galax Acheronian den Leser in eine außergewöhnliche SciFi-Welt entführt. Eine mit deutlich dystopischen Zügen und dem Eindruck, dass die Dinge nicht besser, sondern eher schlechter werden. Mit Ein großer Schritt hat er jetzt die Fortsetzung und damit auch den zweiten Teil seiner Koloniewelten-Reihe verfasst.

Alles runtergekommen

Und im Prinzip verfestigt sich der Eindruck, den man aus dem ersten Roman hat. Die Dinge sind nicht besser geworden, sondern schlechter. Was man am Mars besonders gut erkennen kann: Die rote Welt, die bereits im ersten Band nicht gerade glänzte, ist noch mehr den Bach runtergegangen. Die Städte, in denen die Einheimischen leben, sind mittlerweile nahezu ausgestorben, weil seit Jahren keine Kolonieschiffe abgeflogen sind, seitdem vor Jahrzehnten ein Riesenskandal um den Verbleib einer solchen Flotte von Schiffen entstand. Seit damals haben viele Menschen den Weg zurück zur Erde genommen, sodass nur noch wenige Leute auf dem Planeten leben.

Zu den Leuten gehört auch Marek Zintok, bzw. Marek LeSolda, wie er jetzt heißt. War er schon im ersten Band teilweise nahezu unerträglich, ist dies im zweiten Roman nicht besser geworden. Im Gegenteil: Sein Fanatismus, sein unbedingter Gottesglaube sind noch extremer vorhanden. Er glaubt an alles, was die Partei ihm vorkaut, und ist damit im Grunde genommen das perfekte Opfer für diese in Ein großer Schritt.

Doch dann ändern sich die Dinge. Ein Funkspruch von einem rückkehrenden Kolonieschiff ist der Auslöser. Was der Augenblick ist, wo der Roman richtig interessant wird.

Ein grausamer Alltag, in dem nicht viel geschieht

Galax Acheronian gelingt in Ein großer Schritt etwas Ungewöhnliches. Im Grunde genommen ist nämlich keine seiner Figuren in diesem Buch ein wahrhaft positiver Charakter, dem man abkaufen könnte, dass er ein richtiger Held ist. Und doch schafft er es, einen eindeutigen Unsympathen zu einem halbwegs positiven Handlungsträger zu machen. Klar, er hat immer noch Dreck am Stecken, er hat nicht die große Erkenntnis gehabt, dass das, was er denkt oder macht, nicht in Ordnung ist. Aber in einer Geschichte, wo im Prinzip jede Figur für ein dystopisches Ziel agiert, reicht es schon aus, wenn ein Protagonist dann aus den falschen Gründen das Richtige macht.

Und nur, weil etwas Gute geschieht, heißt das noch lange nicht, dass am Ende allgemein alles gut wird. Im Gegenteil: Mit inbegriffen in diesem Roman ist ein Epilog, der einen schwer schlucken lässt, da er deutlich macht, wozu die Machthaber bereit sind, um ihre Macht weiter auszubauen. Und es gibt mit Für die Zukunft eine Kurzgeschichte, die auf der Erde des Jahres 2138 spielt.

Im Prinzip handelt es sich hierbei um eine Story, in der nicht viel geschieht. Es ist die Schilderung des Alltags eines normalen Bürgers auf der Erde der Zukunft. Doch was man hier liest, ist grauenhaft.

Hoffnungsschimmer?

Gnadenlos schildert Galax Acheronian in Ein großer Schritt eine absolute Überwachungsgesellschaft, in der alles kontrolliert wird. Sogar die Gedanken. Der normale Bürger ist nichts und wenn die Polizei ihn aus Spaß misshandelt, dann ist es halt so, es ist sogar erlaubt. Hier kommen einem schreckliche Parallelen zu gewissen Entwicklungen in der aktuellen Zeit auf.

Das Schlimme ist, dass es hier keinen Hoffnungsschimmer gibt. Stattdessen wird detailliert erzählt, wie sehr das normale Leben durch die Partei und den extremen Gottesglauben kontrolliert wird. Alles, was der Protagonist hört und sieht, ist in der einen oder anderen Art und Weise vorgegeben oder manipuliert worden. Und da er selbst von Beginn an indoktriniert worden ist, kommt er gar nicht auf den Gedanken, wie falsch das alles ist, was er mitkriegt.

Als Leser stellt sich nach dem Durchlesen von Ein großer Schritt die Frage, wie es jetzt weitergehen soll. Klar ist, dass durch die Einführung von Aliens sowie von gewissen anderen Elementen in Zukunft immer mehr das Außerhalb eine Rolle spielen wird. Man darf gespannt sein.

Koloniewelten 2119 Ein großer Schritt
Cover © Galax Acheronian

Autor: Galax Acheronian
Titel: Ein großer Schritt
Teil/Band der Reihe: Koloniewelten
Verlag: Twentysix
Erschienen: 2019
Einband: Ebook
ISBN: 978-3-74073-379-7
Seiten: 240
Sonstige Informationen:
Produktseite

 

 

 

Warpskala

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10 10 0 1
10/10
Total Score

Positiv

  • Ein großartiger Roman ohne richtige Helden
  • Gnadenlose Kurzgeschichte
  • Ein Epilog, der einen schwer schlucken lässt
Götz Piesbergen

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