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Review: Ms. Marvel 06 – Nicht normal

Lesezeit circa: 6 Minuten

Es erweist sich einmal mehr, dass das neue Leben von Kamala Khan Nicht Normal ist.

Vorfreude?

Kamran (Rish Shah) hat durch seine Mutter ähnliche Fähigkeiten, wie Kamala (Iman Vellani) erhalten. Nur hat er seine längst nicht so gut unter Kontrolle wie sie. Dass er außerdem von Damage Control gejagt wird, hilft nun nicht unbedingt dabei, diese Selbstkontrolle zu erlangen. Zum Glück hat er Unterstützung durch Bruno (Matt Lintz), der mit ihm gemeinsam flieht.

Kurze Zeit später eilt ihnen auch Kamala zur Hilfe. Dabei wird sie enorm gefordert, weil sie nicht nur dafür sorgen muss, dass Kamran in Sicherheit kommt, sondern ebenso zivile Opfer verhindern muss. Dies ist ihre Reifeprüfung als Superheldin!

Und erneut ist es soweit: Eine MCU-Serie geht zu Ende und die Vorerwartungen waren eher gemischter Natur. Es wird sicherlich das eine oder andere Easter egg geben, doch ansonsten leidet die Vorfreude auf Nicht Normal unter der entsetzlich schwachen letzten Episode Aber und abermals.

Schwache Gegenspieler

Dabei muss man der Ms. Marvel-Reihe zugutehalten, dass sie sich nicht lange damit aufhält, die Auswirkungen der vorherigen Folge zu behandeln. Es wird nur noch mal gezeigt, dass Kamran jetzt über ähnliche Kräfte wie Kamala verfügt, dass er Hilfe von Bruno erhält und dass er von Damage Control gejagt wird. Und das alles innerhalb weniger Minuten, so dass die Serie sich danach auf die eigentliche Handlung fokussieren kann.

Man darf beim Zuschauen von Nicht Normal nicht erwarten, dass der Plot der Episode preisverdächtig ist. Dazu enthält er zu viele Elemente, die man bereits von anderen Serien und ähnlichen Momenten her kennt. Was diese Folge allerdings am Ende davor rettet, zu beliebig oder vorhersagbar zu erscheinen, ist die Inszenierung und die darstellerische Arbeit aller Schauspieler.

Die Entscheidung, Damage Control als finalen Antagonisten der Abschlussfolge zu machen, ist keine gute. Dafür wird die Organisation, hier vertreten durch Agent Deever, viel zu platt und arrogant dargestellt. Und diese Elemente wiederholen sich hier erneut. Mal wieder werden die Rechte der Muslime beiseitegewischt, wie auch allgemein Anweisungen von weiter oben in der Befehlshierarchie bewusst ignoriert werden. Diese allzu klischeehafte Darstellung ist enttäuschend.

Familie ist alles!

Dafür ist das Thema Unterstützung durch Freunde und Familie in Nicht Normal enorm präsent. Natürlich sind auch das Elemente, die bereits in anderen Geschichten verwendet wurden. Doch anders als bei den Antagonisten ist in diesem Fall die Inszenierung besser. Und Szenen wie beispielsweise die, in der Kamala von ihrer Mutter ihr erstes eigenes Superheldenkostüm erhält, sind auch einfach nur grandios. Als Comicfan fühlt man sich hier ein wenig an die Geschichte von Superman erinnert, der ja sein erstes Outfit ebenfalls von seiner (Zieh-)Mutter erhielt.

Der anschließende Kampf gegen Damage Control ist vor allem ein einziger Feel-Good-Moment. Das beginnt mit der Vorbereitung, geht mit dem Verlauf weiter und endet grandios! Es sind zahllose Einzelmomente, die diese Auseinandersetzung so spitze machen. Sei es das plötzliche Auftauchen von Kamalas Bruder Aamir, der sie im Auftrag der Familie unterstützt, oder wie der Ort des Kampfes geschickt gegen Damage Control eingesetzt wird. Oder der Augenblick, wo die Titelheldin das erste Mal ihre Fähigkeiten so einsetzt, wie man es aus den Comics kennt. All dies versöhnt einen damit, dass die Serie mit dem Herausschreiben der Clandestine in der letzten Episode sehr viel Potential verschenkt hat und die Gegenspieler der jetzigen Folge nicht so überzeugen können.

Auch die Charakterisierung von Kamran ist hervorragend. Sie wirkt ein wenig ambivalent, da er Szenen erhält, in denen sein Verhalten eher antagonistisch wirkt. Aber angesichts der Umstände und dem, was ihm widerfährt, kann man sein merkwürdiges Benehmen durchaus nachvollziehen. Auch wenn ein bestimmter Moment, in dem er und Kamala sich beinahe küssen, dann doch zu unpassend und forciert wirkt.

Wurde da eben …?

Es gibt in den letzten Minuten von Nicht Normal zwei Sachen, die diese Folge und diese Serie etwas mehr hervorheben. Da jetzt auf diese näher eingegangen wird, möchte ich an dieser Stelle eine Spoilerwarnung aussprechen und diejenigen, die die Episode noch nicht gesehen haben, bitten, dann erst weiter unten weiterzulesen.

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Der erste Moment ist, als Kamala gemeinsam mit Bruno und Nakia den Abend verbringt. Dabei erzählt Bruno ihr, dass er sich geirrt hat und sie ihre Fähigkeiten nicht nur dem Armband verdankt, sondern ebenfalls einer Mutation. Das ist dann auch der Augenblick, in dem man ein klein wenig das Theme der 1990er X-Men-Animated-Series hört, womit klar ist, dass Kamala Khan die erste offizielle Mutantin des MCU-Universums ist. Doch die Ehre des ersten Mutanten, der in einem MCU-Film oder Serie auftrat, gebührt jemand anderem, und zwar niemand Geringerem als Patrick Stewart, der seine Rolle als Charles Xavier, die er vor allem in den X-Men-Filmen aus den 2000er Jahren innehatte, in Doctor Strange in the Multiverse of Madness wieder wahrnahm. Aber trotzdem ist diese Enthüllung von Kamalas Fähigkeitenursprung eine mit viel Potential, bei der man noch nicht mal ansatzweise die Konsequenzen abschätzen kann.

Dies ist natürlich ein Widerspruch zu den Comicwurzeln, in denen sie ja eine Inhuman ist, deren Kräfte durch Kontakt mit dem Terrigen-Nebel entstehen. Doch angesichts der Tatsache, dass sie dies nur deshalb wurde, weil eben die Mutanten zur damaligen Zeit im Marvel Comicverlag weniger Priorität erhielten, wirkt diese Differenz für einen Comicfan eher als so etwas wie eine ausgleichende Gerechtigkeit.

Die Comics lassen grüßen

Der zweite Moment ist die Mid-Credit-Szene von Nicht Normal, in der der Armreif von Kamala auf einmal verrückt spielt und ihr Platz plötzlich durch Captain Marvel eingenommen wird. Wo sich Letztere aufhielt, weiß man nicht. Aber es ist ein gelungener Cliffhanger, der einem die Wartezeit bis Juli nächsten Jahres, wenn The Marvels in den Kinos anlaufen wird, nicht gerade leicht macht.

Und auch dabei würde es nicht wundern, wenn man sich der Comics bedient hätte, wobei in diesem Fall die Abenteuer des ersten Captain Marvel als Vorlage dienen dürften, der eine Zeitlang durch die sogenannten Negabänder, speziellen Armreifen, an den bekannten Marvel-Sidekick Rick Jones gefesselt war. Und sobald einer der beiden die Armbänder aneinanderschlug, nahm er den Platz des anderen ein und umgekehrt. Was zu interessanten Entwicklungen führte. Ob dies auch im MCU so umgesetzt wird, wird sich dann zeigen.

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Nicht Normal ist keine super Abschlussfolge. Aber sie sorgt dafür, dass man sich mit der Serie wieder etwas versöhnt.

Warpskala

Warpskala
8 10 0 1
8/10
Total Score

Positiv

  • Gute Folge
  • Familie ist alles
  • Enthüllungen und Entwicklungen am Ende

Negativ

  • Damage Control sind schwache Gegner
Götz Piesbergen
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