Zusammenbrüche
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Review: Star Trek – Corps of Engineers 28: Zusammenbrüche

Lesezeit circa: 4 Minuten

Mit Zusammenbrüche verabschiedet sich die Corps of Engineers-Reihe aus Deutschland.

Das Ende

Captain David Gold kommt nach den Geschehnissen der Feuersturm-Duologie zu Hause an. Sofort wird er von seiner ganzen Familie empfangen und moralisch wieder aufgerichtet, auch wenn natürlich bei seinen Kindern und Kindeskindern nicht alles gut ist. Dennoch beschließt der Captain der daVinci, mit den Hinterbliebenen der Offiziere zu sprechen, die ums Leben gekommen sind.

Auch Sonya Gomez ist bei ihrer Familie. Doch bei ihr liegen die seelischen Schmerzen tiefer. Sie leidet darunter, dass Kieran Duffy gestorben ist, ehe sie ihm eine endgültige Antwort auf seinen Heiratsantrag geben konnte. Und sie gibt für dessen Tod ausgerechnet Captain David Gold die Schuld.

Es ist so weit: Mit Zusammenbrüche endet die Corps of Engineers-Reihe hier in Deutschland. Das liegt jedoch nicht daran, dass der Serie das Material ausgegangen ist. Im Gegenteil: In den USA lief sie noch bis zur Ausgabe #66. Aber die Verkaufszahlen hierzulande waren leider nie so gut, dass sie eine weitere Fortsetzung gerechtfertigt hätten. Es gab zwar Versuche, das Publikumsinteresse in Form von Sammelbänden anzukurbeln, aber das hat wohl auch nicht geklappt.

Die Familie als Heilung und Quelle der Kraft

Das ist insofern schade, als dass der vorliegende Roman wieder die starken Seiten der Reihe betont. Geschrieben von Keith R. A. DeCandido, der die Romanreihe mit erdacht und als Autor wiederholt Stories beigesteuert hat, hat man es hier mit einer Erzählung zu tun, in der die Charaktere im Vordergrund stehen. Und die den Abschluss einer Serie von Romanen bildet, die sich mit den traumatischen Auswirkungen der Feuersturm-Story beschäftigt.

Dabei stehen dieses Mal zwei Figuren im Vordergrund, die schon zuvor oft im Zentrum der Handlung standen. Zum einen Captain David Gold und zum anderen Commander Sonya Gomez. Und vor allem bei Letzterer gibt es im Prinzip am meisten drüber zu schreiben, da sie von allen Überlebenden am persönlichsten betroffen ist. Schließlich hatte der verstorbene Kieran Duffy um ihre Hand angehalten und sie kam nie dazu, ihm „Ja“ oder „Nein“ zu sagen, weil er kurz darauf sein Leben opferte, um die daVinci zu retten.

Doch stattdessen konzentriert sich Keith R. A. DeCandido in Zusammenbrüche hauptsächlich auf Captain David Gold. Ausführlich stellt er dar, wie er nach den traumatischen Ereignissen von seiner Familie aufgefangen wird, wie wirklich alle zusammenkommen und er im Prinzip nochmal neu lernt, mit den Widersprüchen und Brüchen des Lebens klarzukommen. Es ist vieles, aber nicht alles harmonisch. Und doch merkt und spürt man, wie der oberste Kommandant des Raumschiffes daraus seine Kraft zieht, sich zu erholen, um sich dann später daran zu machen, den Hinterbliebenen der verstorbenen Offiziere sein Beileid auszusprechen.

Nicht mehr wieder zu erkennen

Der komplette Gegensatz ist bei Sonya Gomez zu finden. Man hat sie in der Corps of Engineers-Reihe als eine starke, selbstbewusste Frau kennengelernt. Und jetzt erlebt man mit, wie sie ziellos agiert, leidet und trauert. Dabei ist bei ihr ihre Familie keine großartige Unterstützung, da zwischen einigen Familienmitgliedern Konflikte ausbrechen, die alles andere als hilfreich sind.

Ihr Anteil an der Handlung von Zusammenbrüche mag zwar vergleichsweise übersichtlich sein, doch ist er nicht zu vernachlässigen, da Autor Keith R. A DeCandido es trotzdem schafft, die inneren mentalen Wunden des Ersten Offiziers der daVinci offenzulegen, um so auch gleichzeitig den Weg für eine wichtige Konfrontation freizumachen.

Denn natürlich begegnen sich der Erste Offizier und ihr Captain wieder. Bis es allerdings so weit ist, schreibt der Schriftsteller diverse Passagen, in denen er beschreibt, wie die Hinterbliebenen mit dem Treffen mit David Gold umgehen. Es ist ein breites Spektrum an Emotionen, das man hier liest, von Akzeptanz bis hin zu bloßer Wut.

Kein Klischee

Und das ist das Schöne an Zusammenbrüche. Das nämlich Keith R. A. DeCandido sensibel schreibt, ohne dass er ins Klischeehafte abdriftet. Dabei greift er auch ein wenig auf die Historie der Reihe zurück, um beispielsweise das Familienleben von Captain David Gold korrekt darzustellen. So lernt man endlich den klingonischen Freund einer seiner Töchter kennen, der ja in einer der früheren Ausgaben erwähnt wurde.

Es ist ein bittersüßer Abschied. Denn einmal mehr zeigt sich mit dem vorliegenden Roman die erstklassige Güte der Corps of Engineers-Serie. Leider zum letzten Mal.

Star Trek Corps of Engineers 28 Zusammenbrüche
Cover © Cross Cult

Autor: Keith R. A. DeCandido
Titel: Star Trek – Corps of Engineers 28: Zusammenbrüche
Originaltitel: Star Trek – Corps of Engineers: Breakdowns
Übersetzer: Susanne Picard
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 01/2017
Einband: eBook
Seiten: 113
ISBN: 978-3-86425-904-3
Sonstige Informationen:
Produktseite

 

 

 

Wertung

Wertung
10 10 0 1
10/10
Total Score

Positiv

  • Fokus auf David Gold und Sonya Gomez
  • Klischees werden vermieden
Götz Piesbergen

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