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In der Wiege Vexilons zeigt sich, wer ein kompetenter Führungsoffizier ist und wer nicht.

Solider Durchschnitt

Auf der gigantischen Ringwelt Corazonia, deren ursprüngliche Bewohner sich vor Millionen von Jahren weiterentwickelt haben, sorgt der Supercomputer Vexilon für seine neuen Bewohner für angenehme Verhältnisse. Doch die Jahre machen sich bemerkbar, weshalb Captain Carol Freeman (Dawnn Lewis) es auf sich nimmt, den Rechner persönlich zu reparieren, sehr zur Sorge ihres Commanders Jack Ransom (Jerry O’Connell). Gleichzeitig hat der frischgebackene Lieutenant Junior Grade Brad Boimler (Jack Quaid) seine erste Mission, bei der er mehrere Leute anleitet. Und bei der er beschließt, sich selbst stark zu engagieren, um unnötige Tode zu verhindern.

Auf der Cerritos erhalten derweil Mariner (Tawny Newsome), Tendi (Noël Wells) und Rutherford (Eugene Cordero) von einem vorgesetzten Offizier mit dem Namen Dirk (Phil LaMarr) eine Aufgabe, die allem Anschein nach nur den Zweck hat, sie zu ärgern. Sie sollen einen defekten Computerchip unter vielen anderen unter Bedingungen ausfindig machen, die die Aufgabe so unangenehm wie möglich für sie machen. Hinzu kommt auch noch, dass ein Frettchen frei herumläuft, das sich mit Rutherford so überhaupt nicht verträgt und ihn bei jeder unpassenden Gelegenheit ärgert. Am Ende planen sie ihre Rache, nur um dann festzustellen, dass sie mit ihrem Plan eventuell jemand falschen treffen.

Der Alltag hat einen wieder. In der Wiege Vexilons wirkt wie eine durchschnittliche Lower Decks-Episode, wo einmal mehr die Komik im Vordergrund steht und die Charaktere höchstens kleine Fortschritte machen. Das ist jetzt nichts Aufsehenerregendes und auch kein Manko. Schließlich ist selbst bei solchen 08/15-Folgen die Serie immer noch besser, als viele andere Star Trek-Reihen.

Ein Supercomputer der anderen Art

Dabei überrascht die Episode damit, dass man in ihr einen Supercomputer kennenlernt, der jetzt alles andere als größenwahnsinnig ist. Im Gegenteil: Vexilon ist freundlich und zuvorkommend und entschuldigt sich jedes Mal, wenn ihm ein Fehler unterläuft. Womit er sich deutlich von anderen Zeitgenossen unterscheidet, mit denen die Cerritos schon zu tun hatte (Man erinnere sich beispielsweise an Wo die Lust’Gen Quellen liegen).

Gleichzeitig ist In der Wiege Vexilon die Episode, in der man sieht, wie Brad Boimler seine ersten Kommandoerfahrungen sammelt. Und sich dabei wieder wie der letzte Tollpatsch aufführt. Gemeint ist, dass er nach einem Kommentar der ihn begleitenden T’Lyn, die eine Anmerkung wegen der Todesrate von Unteroffizieren macht, damit beginnt, alles im Alleingang zu machen. So will er verhindern, dass die ihn begleitenden anderen Offiziere in Lebensgefahr geraten.

Hier zeigt sich, dass die Macher von Lower Decks wirklich gelernt haben und in dieser Staffel ihre Charaktere wieder mehr wachsen lassen. Denn einerseits mögen die Aktionen des ehemaligen Ensign übertrieben und komisch wirken, andererseits merkt man aber auch, dass er daraus lernt, dass er Erfahrungen sammelt, die er für künftige Einsätze sicherlich braucht.

Wenn Rache nach hinten losgeht

T’Lyn wird hier ebenfalls wunderbar eingesetzt. Die Vulkanierin gibt in In der Wiege Vexilons den perfekten Konterpart zum aufgedrehten Boiler. Mit ihrer ruhigen und typisch vulkanischen Art legt sie dabei den Finger in die Wunde des Ex-Ensigns, auch wenn ihre Worte zunächst als Auslöser für seine Aktionen wirken. Aber sie hilft ihm, zu erkennen, was mit ihm wirklich los ist, und hilft ihm so, daraus zu lernen und zu wachsen.

Für den Comedypart dient die Handlungsebene um die anderen drei ehemaligen Unterdeckler, die eine undankbare Aufgabe absolvieren müssen und sich dann rächen wollen. Was allerdings nicht so funktioniert, wie gedacht. Interessant an diesem Plot ist, dass die Situation die Figuren dazu bringt, sich gegen ihr normale Persönlichkeit zu verhalten.

D’Vana Tendi gibt hier die Aggressive, die dann am Ende für den mechanischen Part zuständig ist. Beckett Mariner hingegen muss auf einmal die verständnisvolle Zuhörerin geben, etwas, was ihr normalerweise nicht liegt, während Sam Rutherford auf einmal der Tollpatschige ist, der in eine selbstgebaute Falle reintappt.

Jede Menge Eastereggs

Hier gibt es natürlich in In der Wiege Vexilons einige wunderbare Eastereggs. Zum einen die betazoidische Geschenkebox aus Die Frau seiner Träume. Oder das Spiel Chula aus der DSN-Episode Chula – Das Spiel. Hier ist es interessant zu sehen, wie schnell Rutherford jenes Spiel durchspielt. Es scheint inzwischen also durchaus bekannter zu sein als zu seinem Erstauftritt.

In einer Episode, in der es ums Lernen und ums Erfahrungensammeln geht, sticht dabei natürlich der Plot um Captain Freeman hervor. Leider im negativen Sinne, da die Kommandantin der Cerritos einmal mehr beweist, dass sie mitunter dazu neigt, äußerst inkompetent zu wirken. Das hat man ja schon in der Folge Das große Missverständnis erlebt, wo sie überreagiert hat und das dann später bereute.

Es wirkt einfach nicht richtig, dass ein Sternenflottencaptain – selbst auf einem solch unbedeutenden Schiff – alle Warnungen in den Wind schlägt und durch ihre Aktionen alles nur schlimmer macht. Es ist eine Arroganz, die der Figur nicht gut tut, die sie wie ein Plotdevice wirken lässt.

Deshalb ist In der Wiege Vexilons auch „nur“ eine gute Episode, aber kein Überflieger, wie es in den ersten beiden Folgen der Fall war.

 

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Götz Piesbergen
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