Doctor Crusher entwickelt für die falsche Person Verständnis.

Terror auf Rutia-Vier – The High Ground
Staffel 3 – Folge 12

Buch: Melinda Snodgrass
Regie: Gabrielle Beaumont

Inhalt

Als die Enterprise dringend benötigte Medikamente nach Rutia-Vier bringt, wird Dr. Crusher (Gates McFadden) dort bei einem Überfall von der Terrorgruppe Ansata entführt, die auf diese Weise erzwingen wollen, dass sich die Föderation in den schon seit Jahrzehnten dauernden Konflikt zwischen ihnen und der Regierung einschaltet. Nach anfänglicher Abneigung entwickelt der Doktor langsam Sympathien für den charismatischen Anführer der Ansata, Kyril Finn (Richard Cox) …

Rezension

Star Trek hat eine lange Tradition mit Folgen, die aktuelle politische und soziale Probleme unserer realen Welt kommentieren. So ist Terror auf Rutia-Vier eine recht offensichtliche Analogie auf den Nord-Irland Konflikt, welcher zum Zeitpunkt der Erstausstrahlung der Episode ja noch mit aller Brutalität geführt wurde.

Wie auch schon in der Vergangenheit wird hier versucht aufzuzeigen, dass der Unterschied zwischen Gut und Böse nicht so groß ist, wie es auf den ersten Blick so oft erscheint. Man bemüht sich, beim Zuschauer ein gewisses Verständnis für die Situation beider Konfliktparteien – der Terroristen und den rigide vorgehenden Sicherheitskräften von Rutia-Vier – zu wecken. Stellvertretend für die Zuschauer lernt Dr. Crusher den Standpunkt ihrer Kidnapper kennen. Sie beginnt nach und nach sogar, sich ernste Sorgen um die Gesundheit von Finn und seinen Leuten zu machen, als sich herausstellt, dass sie sich durch ihre Dimensionssprünge, mit denen sie sich von Ort zu Ort begeben, selbst in Lebensgefahr bringen.

Leider muss man festhalten, dass die Folge es fast schon etwas damit übertreibt, den Gegensatz zwischen den beiden Parteien zu relativieren. In ihrer für Terroristen üblichen Selbstgerechtigkeit halten sich die Ansata selbst für Freiheitskämpfer, deren mörderische Aktionen zwar brutal, aber letztlich legitim und notwendig sind. Aber angesichts der Morde, die sie begehen, ist es einfach nicht glaubwürdig, dass Dr. Crusher sich solch große Gedanken um deren gesundheitliches Wohlergehen macht. Zwar deckt sich dies bis zu einem gewissen Grad mit ihrer bisherigen Charakterzeichnung als immer um das Wohl anderer besorgten Ärztin, aber die Episode hätte klarer darlegen sollen, dass es für die Taten der Ansata keinerlei Rechtfertigung oder Entschuldigung geben kann. Dr. Crusher hätte zu keinem Zeitpunkt auch nur das kleinste Verständnis für sie aufbringen sollen.

Trotzdem muss man die Folge dafür loben, sich durchaus ernsthaft mit dem Thema Terrorismus auseinanderzusetzen. Leider ist das Endergebnis recht platt ausgefallen, was auch ein wenig an der nicht sehr dynamischen Regie liegt. Terror auf Rutia-Vier ist eine recht dialoglastige Folge geworden, obwohl das Potential für mehr Action dagewesen wäre. Klug eingesetzt hätten einige zusätzliche Actionszenen etwas mehr Tempo und auch mehr Spannung erzeugen können. Einzig der Überfall der Ansata auf die Enterprise sticht hier heraus. Aber auch dies kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir es hier mit einer eher unspektakulären Episode zu tun haben, welche dem alten Thema Terrorismus nicht all zu viel Neues hinzufügt und auch moralisch etwas fragwürdige Prioritäten setzt.

Freilich muss man aber auch noch hinzufügen, dass sie auf einen Zuschauer unserer Zeit anders wirkt als für jemanden der beginnenden Neunziger Jahre. Wir leben heute in einer Welt, die noch immer von den Spätfolgen der Attacken auf das World Trade Center geprägt ist. Aus heutiger Sicht wirkt Terror auf Rutia-Vier fast schon etwas naiv und aus der Zeit gefallen, was wohl auch der Hauptgrund dafür ist, dass die Folge kaum das Zeug zu einem Klassiker hat, der auch nach Jahrzehnten noch immer aktuell sein kann.

 

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Sven Wedekin

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