The Witcher

Review: The Witcher 02 – Vier Mark

Lesezeit circa: 6 Minuten

Für vier Mark wird das Leben der jungen Yennefer komplett verändert.

Ein Schicksal, einfach so für Geld verkauft

Der Hexer Geralt von Riva (Henry Cavill) lernt den Barden Rittersporn (Joey Batey) kennen, der ihn von nun an begleitet. Bei einem Auftrag, wo er vorgeblich einen Teufel jagen soll, stoßen sie stattdessen auf andere Wesen. Und es zeigt sich, dass das, was die Märchen erzählen, nicht immer der Wahrheit entspricht.

Ciri (Freya Allan) ist weiter auf der Flucht, als sie im Wald auf einen fremden Jungen trifft. Er begleitet sie, bis sie auf ein Flüchtlingscamp stößt. Dort kommt sie unter, bis die Niflgaarder das Camp angreifen und sie erneut fliehen muss.

Die junge, missgestaltete Yennefer (Anya Chalotra) wird für vier Mark von ihrem Vater an die Zauberin Tissaia (MyAnna Buring) verkauft. Diese nimmt sie gegen ihren Willen mit an die Zauberschule von Aretusa, wo sie den Umgang mit der Magie erlernen soll, über die sie offensichtlich verfügt. Doch das Bauernmädchen fühlt sich dort nicht heimisch und schafft auch keine der Prüfungen, die ihr aufgelegt werden. Ihr einziger Trost ist der Magier Istredd (Royce Pierreson), der ihr bester Freund und Geliebter wird. Was sie allerdings nicht weiß, ist, dass er ein Mündel des Magiers Stregobor (Lars Mikkelsen) ist, für den er spioniert.

Reichet einen Song dem Internet

In der Episode Vier Mark wird unter anderem die Geschichte Am Rande der Welt aus dem Buch Der letzte Wunsch adaptiert. Sie dient als Basis für den Geralt-Strang dieser Folge. Die anderen Plots füllen quasi narrative Lücken, die sich in den Romanen aufgetan haben, weil Autor Andrzej Sapkowski sie nur angerissen oder angedeutet hat.

Der Geralt-Strang ist auch das wahre Highlight der Folge, weil man hier zum ersten Mal eine wichtige Figur aus den Romanen kennenlernt. Es ist der Barde Rittersporn, der in vielerlei Hinsicht das exakte Gegenteil zum Hexer ist. Wo Geralt wortkarg und mürrisch ist, ist er wortgewaltig und spricht sehr viel. Wo Geralt eindeutig ein Krieger ist, der den Angriff mit einer Steinschleuder wegsteckt, als wäre es sonst nichts, ist Rittersporn eher schwach.

Und dennoch merkt man am Ende von Vier Mark, dass zwischen den beiden eine Art Freundschaft am Ende entsteht. Eben weil Rittersporn für den Hexer eine Art Ausgleich ist. Er ist jemand, der ihn durch seine Unbeirrtheit dann doch irgendwo beeindruckt. Denn trotz allem, was ihm widerfährt, der Barde will unbedingt das Bild der Hexer verbessern. Und komponiert am Ende einen Song, der Ohrwurm-Charakter hat und sich auch dementsprechend in den Weiten des Internets verbreitete. Die Rede ist natürlich von Toss a Coin to your Witcher, auf Deutsch Reichet Gold eurem Hexer.

Nicht chronologisch erzählt

Es ist wunderbar, wie sehr das Duo bestehend aus Darsteller Henry Cavill und Joey Batey sich gegenseitig zu Höchstleistungen bringt. Ersterer schafft es wirklich nur durch seine Körpersprache mehr zu sagen als andere Schauspieler. Während letzterer als betont überdrehter Rittersporn den passenden Konterpart gibt.

Doch auch das Schicksal von Ciri wird weiterentwickelt. Wobei dieser Plot in Vier Mark gefühlt auf der Stelle tritt, da der einzige Unterschied zwischen Anfang und Ende der Folge die Tatsache ist, dass die ehemalige Prinzessin den Elfen Dara kennenlernt. Ansonsten tut sich hier nicht viel. Die Impressionen aus dem Flüchtlingscamp sind zwar nett, aber tragen eben nicht wirklich zum eigentlichen Handlungsfortschritt bei.

Und dann ist da der Plot um Yennefer. Und hierbei dürfte dem Zuschauer langsam aber sicher aufgehen, dass die einzelnen Handlungsfäden nicht, wie die Folge es ja den Anschein erweckt, zeitlich gesehen parallel stattfinden. Sondern sie müssen zeitversetzt geschehen. Was mir als Leser der Geralt-Saga eigentlich auch schon längst hätte aufgefallen sein müssen.

Vertrauen und Verrat

Denn in den Romanen folgt man ja chronologisch den Erlebnissen des titelgebenden Hexers. Doch es erscheint unmöglich, dass in der Fernsehadaption Yennefer zeitgleich zur Magierin wird und Ciris Heimat fällt. In den Büchern ist es so, dass letzteres erst in einem späteren Teil passiert. Derweil kann der Werdegang von Yennefer zeitlich vor Der letzte Wunsch platziert werden, da sie auf den Hexer am Ende dieses Bandes trifft und dort schon eine voll ausgebildete und bekannte Magierin ist.

Insofern füllt die Serie hier, wie gesagt, eine Lücke. Und man lernt in Vier Mark eine Yennefer kennen, die es in ihrem Leben nicht leicht hat. Deformiert wird sie vor ihrer Entdeckung von allen verachtet. Ihr Vater verkauft sie ohne zu zögern für die titelgebenden vier Mark, derweil ihre Mutter nach anfänglichen Protest stumm einfach nur zusieht. Und an der Akademie hat sie es auch nicht leicht, da sie in praktisch allen Prüfungen versagt, sodass man fast den Verdacht bekommen würde, dass sie doch über keine Magie verfügt. Was aber ein Widerspruch zu dem Grund für ihre Entdeckung wäre.

Auf jeden Fall findet sie an der Akademie keine Liebe, kein Vertrauen, sondern nur Strenge. Ihr einziger Vertrauter ist der Magier Istredd. Doch wie sich am Ende zeigt, arbeitet er insgeheim für Stregobor, den man ja bereits in der letzten Folge kennenlernen durfte. Dass dieser Verrat herauskommen wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Doch was für Konsequenzen dies haben wird, das steht am Ende der Folge noch nicht fest.

Da muss noch was kommen

Allerdings scheint es so, als ob Yennefer gegen Ende von Vier Mark ihren Platz gefunden hat und sich mit der Strenge an der Akademie abgefunden hat. Deshalb wird es umso interessanter werden, wie aus diesem noch missgestalteten Mädchen die hübsche und selbstbewusste Frau wird, die man aus den Romanen und Videospielen kennt. Man weiß, dass das Prozedere, die Magie, die diese Verwandlung verursacht hat, sie unfruchtbar gemacht hat. Doch weitere Infos sind nicht vorhanden.

Am Ende ist Vier Mark eine überwiegend gute Folge, wenn auch keine überragende.


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Götz Piesbergen
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