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Review: The Witcher 11 – Was verloren ging

Lesezeit circa: 5 Minuten

Was verloren ging beschäftigt die Protagonisten der The Witcher-Serie.

Wieder keine Vorlage

Geralt (Henry Cavill) und Vesemir (Kim Bodnia ) führen an dem Toten Eskel die letzten Riten durch und wundern sich, wieso er starb. Gleichzeitig übt sich Ciri (Freya Allan) im Schwertkampf und wird von anderen Witchern zu einer Übungsanlage geführt, wo diese ihre Körperkontrolle trainieren. Die ehemalige Prinzessin will es wissen und stellt sich der Anlage.

Die Elfen werden in Niflgaard mit offenen Armen willkommen geheißen, was allerdings einige von ihnen misstrauisch macht. Gleichzeitig schafft es Yennefer (Anya Chalotra) nach Aretuza, der Heimat der Bruderschaft der Magier. Dort wird sie gleich in diverse Intrigen und Ränke involviert, die auf die eine oder andere Art und Weise über kommende Ereignisse entscheiden werden.

Genau wie Kaer Morhen ist Was verloren ging eine Episode, die auf keinem Roman basiert. Denn wie auch bei der letzten Folge versuchen die Macher hier eine narrative Lücke zu schließen. Und zeigen unter anderem so, wie die ersten Schritte Ciris beim Witcher-Training aussehen.

Eine willensstarke Person

Denn in Das Erbe der Elfen, das ja die Hauptgrundlage für diese Season bildet, wird sie zu Beginn des Romans bereits mitten in der Ausbildung gezeigt. Also sieht man hier, wie es dazu kam. Wobei interessanterweise Geralt in dieser Folge auch die Mutagene anspricht, die ihn und die anderen zu Hexern machten. Er meint, dass diese für Ciri nicht in Frage kommen, dass sie „nur“ in Kampf und Körpergeschick ausgebildet werden soll. In den Romanen wird zumindest angedeutet, dass die anderen Hexer überlegten, der ehemaligen Prinzessin die Mittel zu geben, die sie erst zu Monsterjägern machten.

Der Ciri-Plot von Was verloren ging konzentriert sich daher voll und ganz auf dieses Training. Es zeigt sich dabei, dass sie willensstark ist und sich von Rückschlägen und körperlichen Schmerzen nicht abschrecken lässt. Das zeigt sich besonders bei der Trainingsanlage, wo sie dadurch, dass sie immer und immer wieder ihr Glück probiert, sich den widerwilligen Respekt der anderen Hexer erlangt. Die haben sie ja zu Beginn der Folge abgelehnt, weil sie ihr teilweise die Schuld am Tod von Eskel geben.

Wobei es sowieso merkwürdig ist, dass Geralt und Vesemir meinen, dass er nicht durch die Klinge gestorben ist, sondern durch etwas anderes. Leider schafft es die Folge nicht, diese Argumentation glaubwürdig darzustellen. Es ist eine Merkwürdigkeit, über die man wiederholt stolpert.

Keine Abziehbilder

Es ist übrigens schön, dass die The Witcher-Serie sich bemüht, auch die Kollegen von Geralt zu charakterisieren. Dadurch geraten sie nicht zu Abziehbildern an Figuren, sondern erhalten eine gewisse Tiefe. Was für die weitere Entwicklung der Reihe nicht verkehrt ist, da sie einem so in Erinnerung bleiben.

Doch der Großteil von Was verloren ging fokussiert sich auf Yennefer. Hier ist es vor allem interessant zu erfahren, wie sich die Ereignisse von Kaer Morhen auf sie auswirken. Sie leidet noch immer unter dem Verlust ihrer Magie, das allerdings längst nicht mehr so extrem, wie man meinen könnte. Noch immer gibt sie sich stolz und selbstbewusst, was innerhalb der Schlangengrube, die Aretuza darstellt, sicherlich nicht verkehrt ist.

Deutlich interessanter ist allerdings, wie sie die Ereignisse in der Hütte in Erinnerung hat. Wie es scheint wurde das, was damals geschehen ist, aus ihrem Gedächtnis gelöscht, so dass sie sich nur an Bruchteile erinnern kann. Und diese scheinen hauptsächlich dazu zu dienen, sie zu manipulieren, sie zu einer folgenschweren Entscheidung zu treiben, die sie dann am Ende der Folge trifft.

Kein freudiges Wiedersehen

Dabei ist Was verloren ging ein Wiedersehen mit vielen bekannten Zauberern. Man trifft Vilgefortz wieder, der zwischenzeitlich versucht, sich mit Yennefer wieder zu verstehen. Oder aber auch Stregobor, der, durch die letzten Ereignisse bedingt, offen seine Fremdenfeindlichkeit gegenüber den Elfen Ausdruck verleihen kann. Die einzige potenzielle Alliierte scheint Tissaia zu sein.

Dass Yennefer sich allerdings im Umgang mit diesen Leuten eher zurückhält ist, wenn man sich ihre Vergangenheit in Erinnerung ruft, verständlich. Denn so freundlich manche von den Magiern sein mögen, im Zweifelsfall sind sie nur allzu bereit andere Leute zu opfern, um sich bei den Herrschern der Welt beliebt zu machen. Und da ist es egal, ob die entsprechende Person schuldig oder unschuldig ist.

Was verloren ging thematisiert auch die Beziehung zwischen Geralt und Ciri. Er kümmert sich um sie und weist sie in den Kampf ein. Und als er am Ende sieht, wie sie sich durch den Trainingsparcours kämpft, unterstützt er sie. Man merkt, dass ihr Wohlergehen ihm wichtig ist, genauso wie er sie fördert, wo es nur geht.

Befremdliche Ereignisse

Jedoch wirken einige Ereignisse der beiden am Ende der Folge befremdlich. Zum einen sagt Geralt Ciri, dass sie wohl die magischen Kräfte ihrer Mutter geerbt hat. Nur um sie dann auf die Jagd nach dem wahren Mörder von Eskel mitzunehmen.

Der ganze Aufbau wirkt merkwürdig. So als ob die Handlungslogik für einen Moment außer Acht gelassen wurde, damit sich Geralt wieder auf Monsterhatz begeben kann. Die übrigens auch enttäuschend ausfällt. Man kriegt zwar mit, welche Kreatur am Ende für die Transformation Eskels verantwortlich sein könnte. Doch im Prinzip dient sie nur als Schwertfutter für Geralt, der gleichzeitig seine neue, körperbetonte Rüstung präsentieren darf.

Es ist ein schwaches Ende einer ansonsten guten Folge.

Götz Piesbergen

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