Der Seasonabschluss ist nicht perfekt. Bietet aber am Ende immer noch allerbeste Unterhaltung.
Fokus auf die Figuren
Um sich und ihr Kadetten zu schützen, stellt sich Kanzler Ake (Holly Hunter) Nos Braka (Paul Giamatti). Der daraufhin einen Schauprozess veranstaltet. Er will dem Rest der Galaxie klar machen, dass die Föderation nicht das ist, was sie vorgibt zu sein. Und als Vertreterin der Anklage wählt er niemand Geringeres als Anisha (Tatiana Maslany) aus, Calebs Mutter. Die auf Ake immer noch sauer ist, weil sie sie und ihren Sohn voneinander getrennt hat.
Die Überreste der Athena haben sich gut getarnt. Doch von den Senioroffizieren sind nur der Doktor (Robert Picardo) und Jett Reno (Tig Notaro) da. Weshalb Letztere das Kommando übernimmt und versucht, das Schiff zu reparieren. Allerdings schafft sie dies nicht alleine, sondern braucht die Unterstützung der Kadetten.
Mit Rubincon endet jetzt also die erste Staffel von Star Trek – Starfleet Academy. Und dieses Mal wird der Fokus mehr auf die Charaktere gelegt, denn auf die Action. Was keine schlechte Entscheidung ist.
Kein normales Verfahren
Man verfolgt überwiegend zwei Handlungssträngen. Der eine ist das „Verfahren“, das Nus Braka gegen die Föderation organisiert hat. Und das andere ist, das man miterlebt, wie die Kadetten und übrig gebliebenen Senioroffiziere versuchen, die Athena wieder flott zu machen. Derweil sie gleichzeitig nach einer Möglichkeit suchen, einerseits die Föderation zu kontaktieren, aber andererseits auch die Wand an Omega-Minen unschädlich zu machen.
Es ist vor allem der Prozess, der mir persönlich am besten gefallen hat. Einfach weil hier die letzten Figuren noch mehr Tiefe erhalten haben. Vor allem Nus Braka profitiert enorm davon.
Man hat sich ja die ganze Zeit gefragt, woher sein Hass auf die Föderation und Direktorin Ake kommt. Jetzt zeigt sich, dass daran liegt, dass er die Föderation einerseits beschuldigt, seine Heimatwelt ignoriert zu haben. Und dann am Ende auch noch für deren Untergang und dem Tod seines Vaters verantwortlich zu sein.
Wirklich in der Defensive?
Es ist ein starker Grund, wodurch man nachvollziehen kann, wieso er die Organisation so sehr hasst. So sehr, dass er sie unbedingt untergehen sehen möchte. So sehr, dass er diesen Schauprozess arrangiert hat. Und wo er als Vertreter der Anklage wirklich niemand Besseren, als Anisha hätte auswählen können.
Über weite Teile wirkt Ake so, als ob sie in der Defensive wäre. Ab und zu kann sie Wirkungstreffer in dem Austausch von Argumenten landen. Doch überwiegend scheint sie dem Hass der Gegenseite wenig entgegensetzen zu können, außer eben ihr Mitgefühl und ihre Empathie. Dabei wirkt sie allerdings nicht so, als ob die Lage für sie hoffnungslos wäre. Sondern sie wirkt fokussiert, scheint sich alles anzuhören, nur für was, das wird erst am Ende enthüllt.
Das Schauspiel von Holly Hunter, Paul Giamatti und Tatiana Maslany ist in diesen Szenen wirklich exzellent. Man mochte Nus Braka bereits vorher nicht, aber zu sehen, wie Paul Giamatti es so wirken lässt, als ob dieser das Urteil kaum abwarten kann und vor klammheimlicher Freude schier platzt, ist schon großartig. Derweil Tatiana Maslany im Laufe des Prozess immer mehr und mehr die emotionalen Wunden, die ihre Figur im Laufe der Zeit hat davontragen müssen, nach oben spült. Die Intensität, die sie dabei ausstrahlt, ist unglaublich.
Endlich mal wieder zur Geltung kommen
Auf der Athena kann derweil Jett Reno allen die Show stehlen. Seit langem sieht man mal wieder, wieso die Figur damals auf der Discovery überhaupt erst so großartig war. Ihr staubtrockener Humor, ihre nicht vorhandene Geduld mit Bullshit und ihre Expertise als Ingenieurin retten einen Teil des Tages. Außerdem zeigt sich, dass sie als Kommandantin ebenfalls enorme Leistung vollbringt, weil sie weiß, wie sie die Kadetten ermutigen kann, sich ihren Ängsten zu stellen. So bestimmt sie kurzerhand Genesis als temporären Kommandanten, während sie im Maschinenraum ist. Woraufhin diese zunächst vor lauter Nervosität auf Klo muss. Letzteres ist nur etwas Kleines, aber es lässt die Kadettin nachvollziehbar wirken.
Doch der Doktor kann ebenfalls glänzen. Er wächst quasi über sich hinaus und liefert am Ende sogar wichtige Hinweise, auch wenn er selber nicht mehr klar kommunizieren kann. Hier spielt übrigens der Episodentitel mit rein. „Rubincon“ ist nicht falsch geschrieben, sondern wird im Laufe der Folge eindeutig erklärt.
Dass am Ende die Kadetten dann den Tag retten, das war zu erwarten. Zwar wird vieles dafür getan, dass sie nicht wie eine Ansammlung von Wesley Crushers wirken. Aber ohne sie hätte das Finale nicht funktioniert.
Klischee lässt grüßen
Das Finale hätte besser funktioniert, wenn einige der Dialoge die dann Caleb von sich gibt, nicht so arg klischeehaft wären. Das kann die Serie besser.
Grandios ist übrigens der Abspann. Wo Kinder- und Jugendfotos der Schauspieler eingeblendet werden. Einfach nur schön.
Aber so ist es ein guter Abschluss, wenn auch kein runder. Dennoch ist die Vorfreude für die nächste Season groß. Und hoffentlich wird es noch zu mehr kommen. Auf vier Staffeln ist die Serie laut den Showrunnern angelegt. Und man kann es ihr nur wünschen, dass sie diesen Plan auch vollmacht.
Informationen
Regie: Olatunde Osunsanmi
Story: Noga Landau & Gaia Violo
Drehbuch: Alex Kurtzman & Kirsten Beyer
Showrunner: Alex Kurtzman, Noga Landau
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