Geordi LaForge darf feststellen, dass die Realität nicht dem Holodeck entspricht.

Die Begegnung im Weltraum – Galaxy’s Child
Staffel 4 – Episode 16

Buch: Maurice Hurley
Regie: Winrich Kolbe

Inhalt

Die Enterprise bekommt Besuch von der Ingenieurin Leah Brahms (Susan Gibney), von der Geordi (LeVar Burton) einst ein Hologramm erzeugt hat, um das Schiff aus einer ernsten Gefahr zu retten. Leider muss er feststellen, dass die echte Doktor Brahms alles andere als umgänglich ist. Trotzdem müssen die beiden zusammenarbeiten, als die Enterprise von einer im Weltraum lebenden Kreatur bedroht wird …

Rezension

Geordi und die Frauen. Diese unendliche Geschichte wird in dieser Episode erneut aufgegriffen, und zwar auf eine recht originelle Weise. Zu Beginn glaubt er wirklich, die reale Leah Brahms wäre praktisch identisch mit ihrem von ihm selbst erschaffenen Pendant auf dem Holodeck. Geordi ist also mit dem Problem konfrontiert, dass das Bild, welches er sich von der Frau machte, in die er sich verliebt hat, nicht mit der Realität übereinstimmt. Man könnte einwenden, dass es vielleicht etwas naiv von ihm war, anzunehmen Dr. Brahms wäre tatsächlich so, wie er sie sich vorgestellt hat, aber wir sollten nicht zu streng mit ihm sein: Ist es nicht schon so vielen von uns auch im wahren Leben passiert, dass wir erleben mussten, dass ein Mensch, zu dem wir uns hingezogen fühlten, sich bei näherer Betrachtung als komplett anders herausstellte, als wir zuerst dachten?

In seiner Unbeholfenheit im Umgang mit Dr. Brahms zeigt sich mal wieder Geordis Problem mit dem anderen Geschlecht. Er erfüllt hier das Klischee des Ingenieurs, der mit Maschinen besser umgehen kann als mit lebendigen Menschen, eben vor allem wenn diese weiblich sind. Dank LeVar Burtons gewohnt sympathischen Spiels wird daraus jedoch nie eine Lachnummer, im Gegenteil. Dank der speziellen Chemie zwischen den beiden auf den ersten Blick so gegensätzlichen Charakteren ist die Episode erstaunlich lebensnah, was sie absolut unterhaltsam macht. Doch leider bietet sie für Geordi kein Happy End, muss er doch am Ende erfahren, dass seine neue Flamme bereits verheiratet ist.

Bis dahin hat die Folge jedoch einiges an Spannung zu bieten. Der Handlungsstrang mit der im All lebenden Kreatur ist originell und interessant. Nachdem die Enterprise zu Beginn versehentlich das Wesen tötet und dessen Nachwuchs das Schiff für seine Mutter hält, müssen Dr. Brahms und Geordi gemeinsam ihren ganzen Einfallsreichtum in die Waagschale werfen, um die Krise zu meistern und die Enterprise zu retten.

Nebenbei trifft es Captain Picard sichtlich hart, eine gerade neu entdeckte Lebensform töten zu müssen, denn dies widerspricht seinen Idealen als Sternenflottencaptain auf ganzer Linie. Gerade deshalb ist seine Entschlossenheit, das Neugeborene zu retten, umso größer, was von Patrick Stewart gewohnt überzeugend darstellt wird.

Besonders hervorzuheben sind hier auch die visuellen Effekte, denn die fremden Wesen wurden, erstmals in der Geschichte von TNG, mittels CGI realisiert. Verantwortlich hierfür war die Firma Rhythm & Hues, welche führend auf diesem Gebiet war und später auch einen Oscar für die Arbeit an dem Film Life of Pi erhielt.

Insgesamt kann man sagen, dass Die Begegnung im Weltraum sich auf klassischen Star Trek-Terrain bewegt. Vor dem Hintergrund einer unerwarteten und später potentiell gefährlichen Entdeckung wird eine zwischenmenschliche Geschichte erzählt, die für den Zuschauer leicht zugänglich ist und eine klare Moral vermittelt. In diesem Fall lautet die Botschaft, dass man sich nie sicher sein kann, ob die Vorstellung, die man von einem Menschen hatte, auch wirklich der Realität entspricht. Diese Lektion muss der arme Geordi hier auf die harte Tour lernen. Und so ist er am Schluss wieder um eine Erfahrung reicher, aber seinen Traum, die Frau fürs Leben zu finden, keinen Schritt näher gekommen.

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Sven Wedekin

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