Review: Star Trek TNG 28 – Illusion oder Wirklichkeit?

Lesezeit circa: 3 Minuten

Ein mächtiges Wesen zeigt großes Interesse an der Enterprise-Crew.

Illusion oder Wirklichkeit? – Where Silence has Lease
Staffel 2 – Episode 2

Inhalt

Die Enterprise entdeckt eine Art Loch im Weltraum, welches sich als Zugang in eine andere Raumdimension entpuppt, in der die Gesetze der Logik nicht mehr zu gelten scheinen. Unter anderem trifft sie dort auf ihr Schwesterschiff, die Yamato, die sich jedoch ebenso als Simulation herausstellt wie ein sich plötzlich enttarnender romulanischer Warbird, der mit nur einem einzigen Photonentorpedo zerstört werden kann. Schließlich offenbart sich der Crew der Enterprise ein mächtiges Wesen namens Nagilum, welches sich als Urheber dieser Ereignisse zu erkennen gibt und ein grausames Experiment mit ihr plant …

Rezension

Der Plot von Illusion oder Wirklichkeit? wirkt auf den ersten Blick, als stamme er ursprünglich aus der guten alten TOS-Zeit. Die Crew der Enterprise wird mit einem geheimnisvollen Phänomen konfrontiert, von dem zu erst nicht ganz klar ist, ob es wirklich eine Gefahr darstellt. Diese im besten Sinne altmodische Episode bezieht ihre Spannung aus dieser Ungewissheit. Als Zuschauer rätselt man mit der Crew, wohin es sie verschlagen und ob es gelingt, einen Ausweg aus dem von Nagilum erschaffenen Labyrinth gibt. Schlussendlich erfahren wir, dass alles ein perfides Experiment ist, da Nagilum die Menschen nur als Versuchskaninchen betrachtet. Zu diesem Zeitpunkt wird klar, dass die Folge eine klare Kritik an Tierversuchen darstellt. Sie weckt Empathie für die Situation von Tieren, die von uns Menschen für Tests missbraucht werden, deren Sinn sie selbst nicht zu verstehen im Stande sind.

In bester Star Trek-Manier wird das Problem am Schluss nicht mit Waffengewalt, sondern durch einen intelligenten Bluff von Captain Picard gelöst: Er aktiviert die Selbstzerstörungssequenz der Enterprise, was den Tod der gesamten Crew zur Folge hätte und Nagilums weitere Erforschung des menschlichen Wesens unmöglich machen würde.

Allerdings stellt sich bis zum Ende die Frage, ob es sich dabei wirklich um einen Bluff handelt. Die Folge lässt bewusst offen, ob Picard den Tod seiner Mannschaft wirklich herbeiführen wollte oder ob er insgeheim damit rechnete, dass Nagilum sie in letzter Sekunde freilassen würde.

Wie dem auch sei, die Folge hält die Spannung konstant hoch, und das obwohl sie fast zur Gänze auf der Brücke der Enterprise spielt – auch dies erinnert stark an die Originalserie. Regisseur Winrich Kolbe schafft es gekonnt, eine klaustrophobische Atmosphäre zu erzeugen und das Gefühl des Gefangenseins für den Zuschauer erfahrbar zu machen.

Da sich die Story auf keine spezielle Figur konzentriert und die Brückencrew hier stattdessen als echtes Team miteinander arbeitet, kann keiner der Schauspieler hier besondere Akzente setzten, abgesehen vielleicht von Worf, der hin und wieder seine Selbstkontrolle verliert. Und noch eine weitere, für den Kenner amüsante Gemeinsamkeit findet sich mit TOS: Auch hier muss ein Redshirt einen sinnlosen Tot sterben.

Leider wiederholt Illusion oder Wirklichkeit? auch einen Fehler der alten Serie, wird doch später kein Bezug mehr auf die Ereignisse in dieser Episode genommen, denn es wird kein Wiedersehen mit Nagilum mehr geben, obwohl der Dialog zwischen ihm und Captain Picard dies nahlegte. So ist die Folge ein Relikt jener alter Zeiten, als im Serienfernsehen noch in sich abgeschlossene Geschichten erzählt wurden und es keine übergreifenden Storyarcs gab.

Doch für sich genommen bietet Illusion oder Wirklichkeit? spannende Unterhaltung auf höchstem Star Trek-Niveau. Zwar hat die Serie zu Beginn der zweiten Staffel noch nicht zu ihrer Form gefunden, aber man merkte bereits, dass sie sich in die richtige Richtung bewegte.

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