Dies ist kein Film für Leute, die gerne eine intelligente und realistische Story mögen. Stattdessen steht hier die Action im Vordergrund.
Inhalt
Während sie eine Reparaturmission an einem Satelliten durchführt wird die Raumfähre Atlantis ohne Vorwarnung von einem Meteoritenhagel getroffen und vollständig zerstört. Doch dies ist nur der Auftakt für eine globale Katastrophe: Auf der ganzen Nordhalbkugel gehen abertausende Klein-Meteoriten nieder, die schreckliche Zerstörungen anrichten, unter anderen wird New York City in eine brennende Trümmerwüste verwandelt. Bei der NASA entdeckt man schnell die Ursache für dieses Phänomen. Es handelt sich um die Vorboten eines über 600 Kilometer großen Asteroiden, der auf die Erde zurast und diese in nur 18 Tagen treffen wird, was sämtliches Leben auf unseren Planeten auslöschen würde. Um dies zu verhindern entscheidet man sich eine Gruppe verwegener Ölbohrspezialisten unter der Leitung des erfahrenen Harry Stamper (Bruce Willis) zu rekrutieren. Sie sollen mit zwei Shuttles ins All fliegen, auf dem Brocken landen und mittels einer riesigen Nuklearbombe in zwei Hälften sprengen, welche dann an der Erde vorbeiziehen sollen. Stamper und sein Team stellen sich dieser nie dagewesenen Herausforderung, um die Menschheit zu retten…
Rezension
Realismus war ja noch nie die Stärke der Filme von Michael Bay. Dieses Frühwerk des Regisseurs bildet dabei beileibe keine Ausnahme, doch selbst der wohlmeinendste Kritiker kommt nicht umhin zugeben zu müssen, dass Armageddon – Das jüngste Gericht sogar für seine Verhältnisse den Bogen schon recht gewaltig überspannt. Und trotzdem ist das Endergebnis auf eine sehr eigene Art unterhaltsam geworden.
Doch der Reihe nach.
Ende der Neunziger Jahre sah das Blockbusterkino in vielerlei Hinsicht noch ganz anders aus als heute. Noch gab es keine Superhelden, welche die Filmlandschaft dominierten, so wie sie es zum Leidwesen vieler seit den Nullerjahren tun. Stattdessen erlebte der in den Siebzigern bereits sehr populäre Katastrophenfilm eine neue Blüte. Durch Fortschritte in der Tricktechnik war es möglich geworden alle möglichen Naturkatastrophen mit bisher nicht möglich gewesener visueller Wucht auf die Leinwand zu bringen. Ob Vulkanausbrüche (Dantes Peak), Wirbelstürme (Twister), Tunneleinstürze (Daylight) oder eben wie hier Asteroideneinschläge – mittels der damals noch brandneuen CGI Technik konnte man alle möglichen Katastrophenszenarien realistisch darstellen – wobei „realistisch“ in diesen Zusammenhang ein sehr dehnbarer Begriff ist, denn anders als in dem von Steven Spielberg produzierten Konkurrenzstreifen Deep Impact machte man sich bei Armageddon nicht die Mühe das dargestellte Szenario zumindest halbwegs glaubwürdig zu präsentieren. In Michael Bays Film steht einzig und allein das Spektakel im Vordergrund, ihm wird alles untergeordnet – Glaubwürdigkeit, Charakterzeichnung, Atmosphäre und auch Spannung.
Im Grunde ist der Streifen ein außer Rand und Band geratener, übergroßer Comic, bei der es dauernd Knallt und Rummst, so dass einem als Zuschauer hören und sehen vergeht. Man wird mit einem schieren Trommelfeuer aus extrem hart geschnittenen Bildern konfrontiert, keine Einstellung scheint länger als drei Sekunden zu dauern. Stärker als seine beiden Vorgängern Bad Boys und The Rock – Fels der Entscheidung sieht man den Film an, dass Michael Bay aus der Werbe- und Musikvideobranche kommt, den beim Zuschauen hat man wirklich keine ruhige Minute.
Armageddon zeichnet sich von Anfang bis zum Ende durch die typische Ästhetik eines überlangen Videos aus der Hochzeit von MTV aus, was durch den dröhnenden Soundtrack von Trevor Rabin und die gnadenlos auf die Ohren eindreschende Tonspur noch verstärkt wird, die Gebäudeeinstürze und Raumschiffbruchlandungen lautstark untermalt.
Man könnte fast meinen Michael Bay sei sich der Lächerlichkeit der Prämisse seines Films voll bewusst gewesen, und hätte sie durch Bildgewalt zu kaschieren versucht. Unwahrscheinlich ist dies nicht, denn der Regisseur war ja schon immer bekannt für seine energiegeladenen Inszenierungen, die den Zuschauer keine Zeit zum verschnaufen oder nachdenken geben. Freilich ist es auch kaum nötig sein Gehirn zu benutzen, um die Fehler von Armageddon zu bemerken, denn diese sind so groß, dass wirklich niemand sie übersehen könnte. Zum Beispiel fragt man sich wie es möglich sein soll eine solch komplexe Raummission wie sie im Film dargestellt wird binnen nur 18 Tagen vorzubereiten. Auch hat die Raumstation Mir hier nicht die geringste Ähnlichkeit mit ihrem realen Vorbild. Auch die Frage wie eine einzige Bombe genug Sprengkraft haben kann einen Asteroiden dieser gewaltigen Größe in zwei gleich große Hälften zu spalten zumal das Loch, in welchem sie versenkt wird nur 250 Meter tief ist, also wirklich nur an seiner Oberfläche kratzt, bleibt unbeantwortet.
Die vielleicht wichtigste Frage lautet jedoch, warum man bei der NASA auf die Idee kommt es wäre praktikabler Bohrspezialisten zu Astronauten auszubilden, anstatt Astronauten zu Bohrspezialisten. Als Darsteller Ben Affleck, Michael Bay auf diesen Umstand ansprach antwortete dieser nur lapidar er soll den Mund halten.
Armageddon ist ganz offensichtlich kein Produkt für Fans des intelligenten Genrekinos und will das ja auch gar nicht sein. Sein Zielpublikum sind vor allem Jugendliche, denen es in erster Linie um anspruchsloses Entertainment geht, welches sich selbst nicht ernst nimmt. Und man muss Michael Bay lassen, dass er sich darauf versteht höchst unterhaltsames Actionkino wie kein Zweiter zu zelebrieren. Dies ist seine Handschrift, die er bis zum heutigen Tag perfektioniert hat.
Und bei näheren hinsehen kann man Armageddon durchaus eine gewisse gesellschaftskritische Note unterstellen, die aber wahrscheinlich vom Regisseur so nicht beabsichtigt war.
Gleich zu Beginn bombardiert Harry Stamper ein Greenpeace Schiff mit einer vollen Breitseite an Golfbällen. Es liegt natürlich eine deutliche Ironie darin, dass ausgerechnet er, der von der Regierung angeheuert wird die Welt zu retten, seinerseits gegen jene Ökoaktivisten wettert, die ihrerseits die Welt vor den gierigen Ölkonzernen retten wollen. („Weißt du wie viel Schiffsdiesel dein Seelenverkäufer in die Luft pustet?!“). Hier präsentiert sich Willis Charakter von der ersten Sekunde an als hemdsärmeliger Malocher, ebenso auch wie seine Mitarbeiter.
Die Menschheit wird hier eben nicht von hochqualifizierten Spezialisten vor ihrer drohenden Vernichtung bewahrt, sondern von ganz normalen Arbeitern, mit denen man sich als Zuschauer leicht identifizieren kann. Stampers Crew ist ein wirklich schräger Haufen harter Kerle, die sich selbst nicht allzu ernst nehmen, wie man es eben in einen Michael Bay Film gewohnt ist. Die staatlichen Autoritäten werden hingegen tendenziell eher negativ, nämlich als leicht verbohrte Anzugträger dargestellt, die nur ein bedingtes Vertrauen in Harry Stamper und seine Männer haben.
Doch trotzdem spart Michael Bay wieder nicht mit Pathos, man sieht die US-Flagge gleich mehrfach in Zeitlupe im Wind wehen und amerikanische Astronauten langsam auf die Kamera zu marschieren alles untermalt von der bereits erwähnten vor patriotischen Schmalz triefenden Musik. Der einzige Russe im Film erscheint hingegen als absolute Witzfigur, der sämtliche Klischees in sich vereinigt, damit die US-Helden umso cooler wirken.
So ist Armageddon in gewisser Hinsicht eine Verbeugung vor dem einfachen, amerikanischen Arbeiter und dessen Tatkraft. Selbst dem drohenden Weltuntergang tritt dieser ohne großes Zögern mit Mut und Entschlossenheit entgegen. Sollen die Weicheier von Greenpeace weiter mit ihren alten Kähnen gegen die Luftverpester auf ihren Bohrinseln protestieren, wenn es wirklich hart auf hart kommt braucht man Männer vom alten Schlag, die weder Tot noch Teufel fürchten. Armageddon ist ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit, in denen echte Männlichkeit noch ohne jede Zurückhaltung auf der großen Leinwand gefeiert werden dürfte.
Auf den heutigen Betrachter wirkt der Streifen aber gerade deshalb natürlich aus der Zeit gefallen. Die Alibiliebesgeschichte mit Ben Affleck und Liv Tyler kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass er einen überkommenen Männlichkeitsideal frönt. Tyler hat im Film im Grunde überhaupt nichts zu tun, außer gut aus zusehen und mit Affleck herum zu schäckern.
Aber nicht nur das: Auch die Bilder des brennenden New York erinnern uns daran, dass Armageddon aus einer anderen Zeit kommt, denn diese erinnern den Zuschauer unangenehm an die Bilder vom 11. September 2001, in denen das reale World Trade Center in sich zusammensackte und kein Bruce Willis da war, um die Katastrophe abzuwenden. So ist der Streifen auch ein Zeitdokument aus einer Epoche, in der der Actionfilm noch eine politische Unschuld besaß. Wie in so vielen vergleichbaren Großproduktionen auch, sind es hier wieder einmal die Amerikaner, welche allein die Welt retten können. Wie bereits erwähnt konnte Michael Bay einer patriotisch gefärbten Bildsprache frönen, ohne sich dafür entschuldigen oder gar rechtfertigen zu müssen. So bleibt „Armageddon“ als ein sehr kurzweiliger, aber eben auch absolut aus der Zeit gefallener Blockbuster in Erinnerung, dessen oberste Qualität vor allem seine totale Inhaltsleere ist. Denn mal ehrlich: Was mögen wir lieber? Ein Spektakelkino, welches um jeden Preis krampfhaft versucht mehr zu sein als es ist und gerade deshalb absolut uninteressant für den Zuschauer ist?
Oder ein entfesseltes Brachialkino, dessen einziger Daseinszweck darin besteht, sein Publikum zu unterhalten und dabei keine Millisekunde langweilig ist? Eben.
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