Review: Deep Impact (1998)

Lesezeit circa: 8 Minuten

Ein Junge entdeckt einen Kometen, eine Journalistin stellt Fragen und ein Astronaut soll die Menschheit retten.

Deep Impact
USA 1998
121 Minuten

Handlung

Ein Komet rast auf die Erde zu. Rund zwei Jahre wird es noch dauern, bis er die Erde trifft. Entdeckt wurde er vom 15-jährigen Leo Biederman (Elijah Wood). Er hatte die Daten über den Himmelskörper einem Astronomen geschickt und die Sache fast schon vergessen. Aber ein Jahr später geht sein Name durch die Medien, denn der Komet wurde nach ihm und dem Astronomen benannt. Als Entdecker des Kometen gehören er und seine Familie zu einer kleinen Gruppe Auserwählter, die in einem Schutzraum den Weltuntergang überleben sollen. Auch die Journalistin Jenny Lerner (Téa Leoni) gehört zu den Auserwählten. Sie berichtet von den Versuchen, den Weltuntergang zu verhindern. Ein Raumschiff soll den Kometen anfliegen und ihn mit Atomraketen zerstören.

Dies misslingt, der Komet wird in zwei Teile gespalten, die immer noch auf der Erde einschlagen werden. Jetzt beginnt eine beispielslose Evakuierungsaktion, denn nur wenige Menschen können in einem Bunker überleben.

Deep Impact

Ein Komet und ein Remake

Juli 1994 – in unserem Sonnensystem ereignete sich die größte Naturkatastrophe, die je beobachtet wurde. Der Komet Shoemaker-Levi 9 raste auf den größten Planeten des Sonnensystems zu. Er hatte sich in 21 Teile aufgespalten, die alle nacheinander auf den Jupiter mit einer Geschwindigkeit von 60 km/s einschlugen. Dabei wurde eine Energie freigesetzt, die 50 Millionen Hiroshimabomben entsprach.

Diese Katastrophe wurde auf der Erde nicht nur von den Wissenschaftlern beobachtet. sie wurde live im Fersehen übertragen und wurde eines der denkwürdigsten Naturschauspiele unserer Zeit. Viele Menschen stellten sich die Frage, was geschehen würde, wenn so ein Objekt die Erde treffen würde. Diese Frage sollte Deep Impact beantworten.

Steven Spielbergs junge Firma Dreamworks plante ein Remake des Weltuntergangsfilms Der jüngste Tag. In dem Film von 1951 rast ein Planet auf die Erde zu. Als er von Astronomen entdeckt wird, sind es noch einige Monate bis zum Weltuntergang. Ein Raumschiff wird gebaut, mit dem einige wenige Auserwählte die Erde verlassen können, um auf dem fremden Planeten zu überleben. Der Weltuntergang kündigt sich durch Katastrophen unglaublichen Ausmaßes an. Schließlich wird die Erde zerstört.

Für das Remake sollte der Plot modernisiert werden. Es sollte kein Planet sein, sondern ein Komet. Um nun auch wissenschaftlich so korrekt wie möglich zu sein, wurden die Astronomen Eugene und Carolyn Shoemaker, die Mitentdecker von Shoemaker-Levi 9 eingeladen, die wissenschaftliche Beratung zu übernehmen.

Noch vor Fertigstellung des Films am 18. Juli 1997, starb Eugene Shoemaker bei einem Autounfall. Sein Tod wird im Film durch den Autounfall des Astronomen Wolfe widergespiegelt. Wolfe, der Mit-Entdecker des Kometen, stirbt gleich zu Beginn des Films, als er in seinem Auto von einem LKW erfasst wird.

Deep Impact

Kein Armageddon

Deep Impact kam im Jahr 1998 fast 2 Monate vor Armageddon in die Kinos. In dem Jerry-Bruckheimer-Film ist es ein Asteroid, der das Leben auf der Erde bedroht. Auch hier müssen Astronauten den Himmelskörper anfliegen, um ihn zu zerstören. Von daher standen die beiden Filme in direkter Konkurrenz zueinander.

An der Stelle, wo in Deep Impact der Präsident seine Pressekonferenz hält, sagt er: „Das Leben wird weitergehen, wir werden überleben.“ Ursprünglich sagte er danach „Dies wird kein Armageddon werden“. Dieser Satz wurde gestrichen, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, man würde im Film über Armageddon herziehen.

Tatsächlich zeichnet sich Deep Impact durch wesentlich mehr Realismus aus, als das action-betonte Armageddon. Man merkt deutlich, dass Wissenschaftler:innen beraten und mitgewirkt haben. Bei Deep Impact steht vor allem die Reaktion der Menschen auf den Weltuntergang im Vordergrund.

Es werden die Geschichten von drei Personen und ihres Umfeldes erzählt, die sich im ganzen Film nie kreuzen.
Da ist Leo Biedermann (Elijah Wood), der Jugendliche, der den Kometen entdeckt hat. In seiner Geschichte geht es darum, wie seine Familie und die seiner Freundin mit dem nahen Weltuntergang umgehen. Als Entdecker des Kometen, ist er in seiner Kleinstadt sehr bekannt und populär geworden.

Die zweite Geschichte dreht sich um die Journalistin Jenny Lerner (Téa Leoni). Sie stolperte anfangs über einen vermeintlichen Skandal, eine Ellie, mit der der Verteidigungsminister wohl eine Affäre hat. Dann findet sie aber heraus, dass E.L.E. keine Frau ist, sondern für „Extinction Level Event“ steht, ein Wort, mit dem man ein Massensterben auf der Erde beschreibt. Sie berichtet für die letzten verbleibenden Monate über die Vorbereitungen zur Rettung der Menschheit.

Im Mittelpunkt der dritten Geschichte steht Spurgeon Tanner (Robert Duvall), ein ehemaliger Astronaut, der als letzter Mensch den Mond betreten hat und von dessen Erfahrung beim Landen auf dem Kometen die Besatzung des Raumschiffs Messiah profitieren soll. Er wird von seinen jüngeren Kolleginnen und Kollegen zunächst belächelt, aber er wird tatsächlich für die Mission unverzichtbar.

Ursprünglich sollte der US-Präsident (Morgan Freeman) diese drei Geschichten umklammern, indem er mit jeder der Figuren einen Dialog hat. Mit Jenny Lerner und Spurgeon Tanner gab es auch Dialogszenen. Eine mit Leo Biederman wurde aber gestrichen, ursprünglich sollte Leo die Landung der Messiah auf dem Kometen im Oval Office mit dem Präsidenten verfolgen.

Die Aufspaltung des Kometen war für die Handlung des Films nötig, um zum einen beeindruckende Katastrophen zeigen zu können, zum anderen aber immer noch etwas zu haben, durch dessen Zestörung man die Welt retten konnte. So sieht man dann eine Tsunamiwelle, die auf die Westküste der USA zurast und erst durch die Appalachen aufgehalten wird.

Deep Impact

Die letzte Frage für das eigene Ende

Am Ende sterben noch zwei der drei Hauptpersonen, was bei einer Spielberg-Produktion schon etwas ungewöhnlich ist.
Aber der Tod, und mit wem man das Ende verbringen möchte, war ein wichtiges Thema des Films. Regisseurin Mimi Leder erzählte, dass während der Dreharbeiten viel über diese Frage diskutiert wurde. Kameramann Dietrich Lohmann war an Leukämie erkrankt, was er aber geheim hielt. Seine Beschwerden wurden dann aber so stark, dass er ersetzt werden musste und schließlich nach Ende der Dreharbeiten verstarb. Er hatte für sich diese Frage beantwortet: Er wollte bis zum Ende seines Lebens hinter der Kamera arbeiten. Vielleicht auch wegen ihm wurde die Frage nach dem Lebensende im Film für Mimi Leder persönlich sehr wichtig.

Leo Biedermann will mit seiner Freundin sterben oder überleben. Sie heiraten, damit die Freundin ebenfalls mit Leos Familie in den rettenden Bunker darf. Dann aber weigert sie sich, in den Bus einzusteigen und will bei ihren Eltern bleiben. Als Leo mit seiner Familie den Bunker erreicht hat, verabschiedet er sich aber von seinen Eltern, um seine Freundin doch noch zu suchen.

Jenny Lerner hatte auch ein Ticket für den Bunker, aber sie gibt dieses an eine Arbeitskollegin ab, um mit ihrem Vater am Strand das Ende zu erwarten.
Und Spurgeon Tanner entscheidet mit den anderen Astronauten, ihr Leben für die Menschheit zu opfern, um einen der beiden Kometenteile mit ihrem Raumschiff zu zerstören.

Der Regisseurin Mimi Leder ist es zu verdanken, dass dieser Katastrophenfilm einen „humanistischen Touch“ hat. Es stehen eben keine Testosteron-gesteuerten Männer wie bei Armageddon im Mittelpunkt, sondern Menschen mit persönlichen und beruflichen Problemen. Sie hatte vor Deep Impact bei dem Actionfilm Project Peacemaker ihr Regiedebüt gegeben und dies war nun ihr zweiter Kinofilm. Sie wollte danach erst einmal keine weiteren Filme machen, die einen so großen Aufwand bei den Visual Effects erfordern.
Sie drehte weitere Kinofilme, aber ihr Schwerpunkt liegt heute bei der Regie oder Produktion von Fernsehserien.

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Dirk Wilkens-Hagenkötter
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