Spotlight: Carrie Fisher

Lesezeit circa: 7 Minuten

Carrie Fisher spielte mit Prinzessin Leia eine der ersten starken Frauen in der Science-Fiction. Doch wie viele ihrer Kollegen aus Star Wars schaffte sie danach nicht den Durchbruch.

Großer Erfolg beinhaltet bei Weitem nicht immer auch großes persönliches Lebensglück. Das Musterbeispiel hierfür war die Schauspielerin Carrie Fisher, unsterblich geworden als Prinzessin, später General(in) Leia Organa-Solo in den Episoden IV bis IX der „Star Wars“-Saga. Am heutigen 21. Oktober würde die Schauspielerin ihren 63. Geburtstag feiern, doch sie schloss am 27. Dezember 2016 nach kurzer schwerer Krankheit gut zwei Monate nach ihrem 60. Geburtstag für immer ihre Augen. Daher möchten wir dieses Spotlight an ihrem Geburtstag ihrem Andenken widmen.

Kind berühmter Eltern

Dabei sollte man meinen, die kleine Carrie Frances Fisher sei am 21.10.1956 bereits mit dem berühmten sprichwörtlichen goldenen Löffel im Mund auf die Welt gekommen – schließlich war sie das Kind zweier Weltstars. Ihre Mutter Debbie Reynolds war einer der größten Filmstars der 50er-Jahre und vorwiegend aus Musicals und Filmkomödien wie „Du sollst mein Glücksstern sein“ („Singin‘ In The Rain“) (1952) und „Eine Nacht mit Susanne“ („Susan Slept Here“) (1954) bekannt. Ihr Vater Eddie Fisher hingegen war ein berühmter „Crooner“, was letztlich eine etwas gehobenere Bezeichnung für einen Schnulzensänger ist.

Nichtsdestotrotz wurden viele seiner Lieder wie „Oh! My Pa-Pa“ oder „Cindy, Oh Cindy“ zu Welthits, von denen es etliche internationale Versionen gab. Doch trotz oder gerade wegen ihrer prominenten Eltern erlebte Carrie eine alles andere als glückliche Kindheit. Kurz gesagt litt das Familienleben bei den Reynolds-Fishers unter der Berühmtheit der Eltern, die einen Großteil ihrer Zeit in Studios und auf Showbühnen verbrachten und nur wenig Zeit für ihr Kind fanden. Als Carrie gerade einmal zwei Jahre alt war, verließ ihr Vater die Familie, um die damals ebenfalls weltbekannte Elisabeth Taylor zu heiraten.

Carrie musste sich mit dem neuen Beziehungspartner ihrer Mutter arrangieren, dem spielsüchtigen Geschäftsmann Harry Karl. Bedingt durch das High-Society-Leben ihrer Mutter kam Carrie bereits sehr früh in Kontakt mit Alkohol und anderweitigen Suchtmitteln, wozu sie eine verhängnisvolle Affinität entwickelte. Diese ließ sie ihr gesamtes Leben lang niemals völlig los.

Carrie Fisher in Episode IV
Episode IV – Eine neue Hoffnung

Vielbeachtetes Debüt

Ihr Filmdebüt erlebte Carrie nach einer Schauspiel- und Theaterausbildung unter anderem in London als Achtzehnjährige in der Filmkomödie „Shampoo“ neben dem damaligen Superstar Warren Beatty. In dem Film war sie als die frühreife Lorna zu sehen. Bereits ihre zweite Rolle brachte ihr zumindest vorerst den Durchbruch als Jungschauspielerin: Der noch weitgehend unbekannte Filmemacher George Lucas engagierte sie für die Rolle der Prinzessin Leia in seinem innovativen Science-Fiction/Fantasy-Streifen „Star Wars“, nachdem Mitbewerberinnen um die Rolle, wie die junge Jodie Foster, letztlich abgesprungen waren.

Bereits zu dieser Zeit machte sich Carrie Fishers Suchtpotential bemerkbar: Vor Beginn der Dreharbeiten musste sie sich einer strengen Diät auf einer Schönheitsfarm unterziehen, da sie aufgrund ihrer Schokoladen- und Zuckersucht zu viel an Gewicht zugelegt hatte.

Eine der ersten starken Frauenrollen

Das Science-Fiction-Genre war ursprünglich eine ausgesprochen männliche Domäne gewesen, und die meisten Frauen, die in entsprechenden Filmen mitwirkten, waren hilflose Weibchen, die ohrenbetäubend schreiend dastanden und auf Rettung vor allerlei übernatürlichen Gefahren durch einen starken männlichen Helden warteten. Eine der ersten Ausnahmen war die Schauspielerin Nichelle Nichols in der Serie „Star Trek“ gewesen, deren Lt. Uhura ebenfalls einen starken Frauentypus verkörperte, doch Gang und Gebe war dergleichen bis weit in die 70er-Jahre hinein keineswegs. Prinzessin Leia hingegen griff durchaus beherzt nach einer Laserwaffe, mit der sie exzellent umgehen konnte, und bot ferner dem großmäuligen Zweit-Protagonisten des Films, Han Solo, verbal durchaus die Stirn.

Schwer zu verkraftender Ruhm

Mit der Berühmtheit durch die Rolle, die sie auch in den beiden Fortsetzungen des klassischen ersten „Star Wars“-Films 1980 und 1983 spielte, vergrößerte sich auch der Druck auf die suchtgefährdete junge Frau. Während sie neben den „Star Wars“-Filmen ein viel beachtetes Cameo in der Kultkomödie „Blues Brothers“ (1980) als John Belushis Film-Ex-Frau und Attentäterin hatte, hatte sie mit Drogen- und Medikamentenabhängigkeiten unterschiedlichster Art zu kämpfen. Auch das private Glück fand sie nicht: Ihre Ehe mit dem Musiker Paul Simon („Simon & Garfunkel“) hielt lediglich ein knappes Jahr, und ihre Liaison mit Filmkomiker Dan Aykroyd („Blues Brothers“, „Ghostbusters“) stellte lediglich einen kurzen Lebensabschnitt dar.

Absturz

Als nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ 16 Jahre lang keine weiteren „Star Wars“-Filme mehr gedreht wurden, begann die Talfahrt der damals gerade einmal 27 Jahre alten Carrie Fisher. Zwar war sie in Filmen wie „Der Verrückte mit dem Geigenkasten“ (1985) mit Tom Hanks oder „Hannah und ihre Schwestern“ (1986) von Woody Allen zu sehen, doch handelte es sich dabei um Nebenrollen. Am Tiefpunkt ihrer Karriere angelangt drehte sie Filme wie den Sci-Fi-Billigheimer „Wächter der Zukunft“, der sich ausgezeichnet in Oliver Kalkofes „SchleFaZ“-Reihe machen würde.

Carrie Fisher
Wächter der Zukunft

Neue Karriere

Obwohl Carrie Fisher weiterhin in verschiedensten Filmen in zumeist eher kleineren Rollen mitwirkte, startete sie ab Ende der 80er-Jahre eine neue Karriere – und zwar als Schriftstellerin. Ihr erster Roman „Grüße aus Hollywood“ verarbeitete ihre schwierige Kindheit und ihre Drogenprobleme und wurde 1989 mit Meryl Streep und Shirley MacLaine in den Hauptrollen verfilmt.

Die Schauspielerei wurde ab da zu einem ausgesprochenen Zubrot für die einstige „Star Wars“-Prinzessin, die während der restlichen 80er- und 90er-Jahre in Filmen wie „Meine teuflischen Nachbarn“ (1989) erneut neben Tom Hanks oder „Austin Powers“ neben Komiker Mike Myers auftrat.

Ansonsten widmete sie sich in weiten Teilen der Schreiberei. 1992 kam während ihrer dreijährigen Ehe mit dem Künstleragenten Bryan Lourd Carries einziges Kind zur Welt, Billie Lourd (…die ebenfalls Schauspielerin wurde und in den „Star Wars“-Episoden 7 bis 9 sowie der Anthologienserie „American Horror Story“ zu sehen ist).

Comeback als Leia

Im Jahr 2015 dann kehrte Carrie Fisher, mittlerweile 59 Jahre alt, als Leia auf die Leinwände zurück. Aus der einstigen Prinzessin war in JJ Abrams‘ „Star Wars“-Wiederbelebung „Das Erwachen der Macht“ eine energische Generalin geworden. Carrie Fishers Leben war bis dahin ein einziges Auf und Ab aus Drogensucht und Freiheit von selbiger gewesen, und aus ihrem wechselhaften Leben hatte sie eine erfolgreiche One-Woman-Bühnenshow mit dem Titel „Wishful Drinking“ gemacht.

Ein Vermächtnis der besonderen Art hinterließ sie mit ihrem Buch „Das Tagebuch der Prinzessin Leia“, das in der Originalfassung kurz vor ihrem Tod erschien: Hier erklärte sie Schauspielkollege Harrison Ford, mit dem sie während der Dreharbeiten zu „Star Wars“ eine kurze, aber heftige Affäre gehabt hatte, ihre ewige Liebe. Ford, der mittlerweile glücklich mit der einstigen „Ally McBeal“-Darstellerin Calista Flockhart verheiratet ist, war hiervon wenig begeistert und drohte gar mit einer Unterlassungsklage.

Tod mit 60

Am 27. Dezember 2016 verstarb Carrie Fisher an den Folgen eines Herzstillstands, den sie am 23.12. während des Rückfluges aus London erlitten hatte, wo sie ihr neues Buch vorstellte. Es erwies sich, dass sie zuvor erneut Drogen konsumiert hatte. Ihre lebenslange Sucht hatte auf diese Weise einen schlimmen Tribut gefordert.

Über den Tod hinaus bekannt

Da man ausreichend Material mit Carrie Fisher gedreht hatte, konnte Generalin Leia auch in den beiden „Star Wars“-Episoden nach 7 weiter mit dabei sein (demnächst in „Der Aufstieg Skywalkers“) – und auf diese Weise ihre ganz eigene Art von Unsterblichkeit bei den Fans der Saga erlangen.

Sei eins mit der Macht, Carrie Fisher – und die Macht sei stets mit Dir.

Carrie Fisher in der IMDb.

Thorsten Walch

Thorsten ist Jahrgang 67 und Sci-Fi- und Horror-Experte. Er ist der Star Trek-Spartenredakteur des Corona Magazine und ferner der Autor des Buches Es lebe Star Wars, das im kommenden November im Mülheimer iFuB-Verlag erscheinen wird. Bei www.warp-core.de fungiert er als Star Wars-Fachmann.
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Thorsten ist Jahrgang 67 und Sci-Fi- und Horror-Experte. Er ist der Star Trek-Spartenredakteur des Corona Magazine und ferner der Autor des Buches Es lebe Star Wars, das im kommenden November im Mülheimer iFuB-Verlag erscheinen wird. Bei www.warp-core.de fungiert er als Star Wars-Fachmann.

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