[Movie] Scary Stories To Tell In The Dark (2019)

Lesezeit circa: 7 Minuten

Halloweenabend 1968: Vier Jugendliche. Ein unheimliches Haus. Und ein Buch, das nicht du, sondern das dich liest…

Zur Handlung von Scary Stories To Tell In The Dark

Stella und ihre beiden besten Freunde Auggie und Chuck sind ausgesprochene Nerds, weswegen sie in ihrer Heimatstadt Mill Valley unter dem Jung-Macho Tommy Milner zu leiden haben. Am Halloween-Abend des Jahres 1968 wollen sie sich kurz vor dessen Einberufung nach Vietnam für manche erlittene Schmäh rächen und werfen dem unangenehmen Zeitgenossen und seinen Spießgesellen eine brennende, mit Kot gefüllte Tüte ins Auto. Zwar wird dieser dadurch besudelt, nimmt jedoch auf der Stelle die Verfolgung der drei auf. Diese flüchten in das örtliche Autokino und verstecken sich dort im Wagen des etwa gleichaltrigen Wanderarbeiters Ramón, der Tommy und seine Gang nur für den Moment abwehren kann.

Stella, Auggie, Chuck und auch Ramón flüchten sich in ein stadtbekanntes Spukhaus, das einst der reichen Fabrikantenfamilie Bellows gehört hat. Währenddessen reagiert sich Tommy draußen an Ramóns Auto ab. Sarah, die geistig umnachtete Tochter der Familie Bellows, soll Ende des 19. Jahrhunderts mehrere Kinder ermordet und mit deren Blut ein Buch voll mit Spukgeschichten geschrieben haben. Tatsächlich findet Stella Sarahs Buch und nimmt dieses mit nach Hause. Die nun vier Freunde machen eine schreckliche Entdeckung: Wie aus dem Nichts schreibt das Buch mit Blut Geschichten nieder, in denen sie selbst im Mittelpunkt stehen und die allesamt ihre ureigenen Ängste zum Thema haben.

Als Erstes erwischt es Tommy: Da dieser stets eine in den Feldern seiner Eltern stehende, gruselig aussehende Vogelscheuche namens Harold mit Tritten malträtiert, verwandelt er sich selbst in diese Vogelscheuche. Das nächste Opfer ist Auggie: Da seine Mutter mit ihrem neuen Lover über Halloween verreist ist, bereitet Auggie sich einen im Kühlschrank stehenden Topf mit Ragout zu, von dem niemand weiß, wie er dort hingekommen ist oder wer das Essen zubereitet hat. In diesem Ragout befindet sich der abgetrennte Zeh einer monströsen, zombieartigen Kreatur, welche kurz darauf in Auggies Haus auftaucht und den Jungen unter das Bett zieht. Stella und Chuck wollen unbedingt mehr über Sarah Bellows und ihre Geschichte erfahren und schleichen sich aus diesem Grund in die nahegelegene psychiatrische Klinik, in der sie schließlich verstarb. Dort erwischt es auch Chuck, der von einer fetten, entstellten Frau in den Fluren der Klinik absorbiert wird. Obwohl sie fürchterliche Angst hat, geht Stella der Sache weiter auf den Grund und kommt hinter ein schlimmes Geheimnis, das Sarah Bellows einst umgab…

Scary Stories to tell in the Dark

Old Fashioned Horror im modernen Gewand

Scary Stories To Tell In The Dark vom norwegischen Regisseur André Øvredal (bekannt geworden durch den Film Trollhunter von 2010) und geschrieben und produziert vom mexikanischen Ausnahmetalent Guillermo del Toro (Hellboy, Pans Labyrinth, The Shape Of Water) kam im vergangenen Jahr pünktlich zu Halloween heraus. Im Gegensatz zu den vielen Schema-F-Filmen, die das Horror-Genre in den vergangenen Jahren geradezu überschwemmt haben, ist der vorliegende Film eine wohltuende und erfrischende Abwechslung zu Streifen, die aufgrund der augenscheinlichen Ungeduld des zumeist jugendlichen Publikums ihre Pointe häufig schon nach der ersten Hälfte der Handlung preisgeben. Allein die Tatsache, dass die Handlung von Scary Stories To Tell In The Dark (basierend auf Geschichten des Jugendbuchautors [!] Alvin Schwartz) Ende der 60er-Jahre spielt, verleiht der Streifen dem geneigten Zuschauer auf der Stelle einen nostalgischen Touch und weckt Erinnerungen an etwa die Stephen-King-Verfilmung Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers (1986) oder aber die erfolgreiche Netflix-Serie Stranger Things (2016 bis jetzt).

Scary Stories to tell in the Dark

Auch der Erzählstil nebst den liebevoll gezeichneten Charakteren atmen den Geist der 80er-Jahre. Allerdings zeigen sich recht schnell modernere Anklänge: Während in den meist auch für ältere Kinder und Jugendliche zugelassenen Filmklassikern dieser Zeit drastische Szenen meist nur angedeuteten Charakters waren, gibt sich Scary Stories… da schon deutlich zeitgemäßer und hält in den jeweiligen Szenen mit der Kamera voll drauf. Zwar bewegt sich dadurch der Gore-Faktor nicht auf dem Niveau eines George A. Romero, doch fragt man sich beim Anschauen unwillkürlich, für welche Art von Kindern die Geschichten des Alvin Schwartz gedacht sein mögen, wenn etwa das „Zehenmonster“ auf die Suche nach seinem amputierten großen Zeh geht oder Stella und Ramón vor dem sich aus auseinandergerissenen Gliedmaßen wieder zusammensetzenden „Me Tie Dough-Ty Walker“ flüchten müssen, die beide in ihrer optischen Skurrilität ganz eindeutig dem Geist des auf dergleichen geradezu spezialisierten Guillermo del Toro entsprungen sind.

Für Kinder oder junge Jugendliche ist der Film jedenfalls trotz der Tatsache, dass die Hauptdarsteller selbige sind, definitiv nicht gedacht und hat seine FSK: 16-Freigabe in Deutschland ganz gewiss aus guten Gründen. Trotzdem jedoch sind die Splatter-Szenen in keiner Weise der treibende Faktor in der Geschichte: Wenn diese am Ende eine höchst überraschende und pointierte Auflösung erfährt und dadurch eine Kehrtwendung zum Traurigen hin macht, zeigt sich die eigentliche Qualität des durchaus nicht anspruchslosen Films.

Scary Stories to tell in the Dark

Fazit

Wer einen durchaus für das Familienprogramm geeigneten Streifen wie etwa Geisterstunde erwartet, der sollte von Scary Stories To Tell In The Dark auf alle Fälle die Finger weg lassen – „Ab 16“ heißt „Ab 16“ heißt „Ab 16“… Wärmstens empfehlen kann man den Film dagegen (erwachsenen!) Freunden des 80er-Jahre-Horror-Kinos, die in ihm sicherlich nicht die Neuerfindung des Rades miterleben, dafür aber einen spannenden Abend mit gediegenem Grusel genießen können, der an die Zeiten vor Insidious Teil Elfundsiebzig erinnert. Übrigens ist eine Fortsetzung von Scary Stories To Tell In The Dark bereits beschlossene Sache, da der vorliegende erste Film ein ansehnlicher Erfolg an den Kinokassen gewesen ist. Ob man wieder die bekannten Hauptfiguren zu sehen bekommen wird oder ob man andere Geschichten des Autors Alvin Schwartz zu adaptieren gedenkt, ist indes noch unbekannt.

They locked her away because she was different.
-Stella Nicholls

Darsteller

Zoe Colletti: Stella Nicholls
Michael Garza: Ramón Morales
Austin Abrams: Tommy Milner
Gabriel Rush: Auggie Hilderbrandt
Austin Zajur: Chuck Steinberg
Natalie Ganzhorn: Ruth
Dean Norris: Roy Nicholls
Javier Botet: Toe Monster
Kathleen Pollard: Sarah Bellows

Regie: André Øvredal
Drehbuch: Guillermo del Toro, Kevin Hageman, Dan Hageman, John August
Produktion: Guillermo del Toro, Jason F. Brown, J. Miles Dale, Sean Daniel, Elizabeth Grave


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