[TOS 053] Computer M5

Lesezeit circa: 6 Minuten

Kann ein Computer einen Kommandanten ersetzen? Das Multitroniksystem M5 soll diese Frage klären.

Staffel 2, Folge 24 – Sternzeit 4729,4 – 4731,3
„Computer M5“ – „The Ultimate Computer“

Handlung von „Computer M5“

Eine neue Art von Computer soll an Bord der Enterprise getestet werden. Das sogenannte Multitroniksystem wurde von dem Wissenschaftler Dr. Richard Daystrom (William Marshall) entwickelt. M5 soll in der Lage sein, ein Raumschiff effizienter zu führen als ein Captain aus Fleisch und Blut.

Auf der USS Lexington wurde M5 bereits erfolgreich getestet. Einer der geplanten Tests wird eine simulierte Kampfhandlung sein. Kirk ist alles andere als begeistert, muss jedoch dem Befehl Folge leisten.

Plötzlich entzieht sich M5 der Kontrolle und entwickelt eine Art Eigenleben. Ein automatisierter Frachter wird von M5 zerstört. Bei dem Versuch, den eigenmächtig handelnden Computer zu stoppen, kommt Fähnrich Harper (Sean Morgan) ums Leben. Kirk muss machtlos zusehen, wie die Schiffe Lexington, Excalibur, Hood und Potemkin die vorbereitete Kampfübung einleiten. Da M5 alles kontrolliert, kann Kirk die anderen Captains nicht warnen. Statt die Schiffe einfach kampfunfähig zu machen, zerstört M5 die Excalibur, wobei deren gesamte Besatzung ums Leben kommt.

Daystrom gibt zu, M5 seine eigenen Charaktereigenschaften und Denkweisen einprogrammiert zu haben. Die Zeit drängt, da M5 auch die verbliebenen Schiffe zerstören will. Kirk appelliert an das Gewissen des Computers und überzeugt ihn, moralisch verwerflich gehandelt zu haben. Reumütig geworden zerstört M5 sich schließlich selbst.

Rezension von „Computer M5“

Ein Computer als Kommandant. Kann das überhaupt gut gehen? Sollte ausgerechnet eine übergeordnete Entscheidungsebene von einem Programm übernommen werden, statt von einer selbst denkenden und fühlenden Person?

Das Multitroniksystem M5

M5 ist ein Computer mit einem speziellen Programm. Erfunden und konstruiert von dem Wissenschaftler Dr. Richard Daystrom soll es einige Testläufe bestehen, bevor es tatsächlich zum Einsatz kommt.

Es stellt sich die Frage: Ist ein Computersystem als Führungskraft eine gute oder eine schlechte Idee?

Prinzipiell sind Computersysteme recht effizient. Zigfach schneller als lebende Gehirne können sie Rechenleistungen bringen, vergleichen, Informationen heraussuchen und Weiteres. Dazu kommt, je nach Größe, die Möglichkeit, eine immense Fülle von Informationen zu sammeln, zu ordnen und zu speichern.

Weiterhin handeln Computersysteme absolut logisch. Theoretisch sind dadurch keine Fehlentscheidungen möglich, da die Rechnerleistung nicht durch emotionale Komponenten beeinflusst werden kann.

Ist also ein solches System als Captain geeignet? Ausgerechnet Spock, der für seinen Hang zur absoluten Logik bekannt ist, spricht sich dagegen aus. Eine Mannschaft reagiert natürlich emotional und braucht nicht nur Befehle, sondern auch eine Bezugsperson. Sie braucht eine Führungsperson, der sie vertrauen kann, deren Urteil nicht aufgrund einer reinen „Wenn-Dann-Funktion“ gefällt wurde. Gleichzeitig muss ein Captain auch die Meinung seiner Mannschaft berücksichtigen oder wenigstens zur Kenntnis nehmen.

Ein Computer kann all dies nicht leisten.

Ich bin da ebenfalls Spocks Meinung. Effizienz ist nicht per se schlecht. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Besatzung aus fühlenden Lebewesen besteht. Ich persönlich möchte nicht von einem Computersystem beherrscht werden. Ebenso wie die Mannschaft der Enterprise ziehe ich es vor, mit meiner Führungskraft auf menschlicher Ebene zu diskutieren, Meinungen auszutauschen und dabei Lösungen zu erarbeiten.

Natürlich könnte ich meine beruflichen Fragestellungen auch einem passend programmierten Computer eingeben und dann auf dessen Entscheidung warten. Wäre sicherlich effizienter als bei einer Tasse Tee zusammen zu sitzen, keine Frage. Allerdings bin ich ein emotionales Wesen. Emotionale Wesen brauchen den sozialen Kontakt. Würde ein Computer beispielsweise loben? Sicher ließe sich das einprogrammieren. Aber es wäre nicht echt. Ein freundlicher Smiley und ein „Gut gemacht“ auf einem Bildschirm, erzeugt von einem Computerprogramm, ersetzt einfach nicht die ehrliche Rückmeldung einer Führungskraft aus Fleisch und Blut. Es wäre emotional gesehen eine ziemlich trostlose Welt.

Reaktionen

Kirk lehnt M5 ab. Ebenso Scotty, der als Ingenieur eigentlich zumindest auf technischer Ebene Interesse gehabt haben könnte. Er sieht M5 jedoch als störend an und bezeichnet ihn als Fremdkörper. Eine Aversion, die viele teilen. Unter anderem auch Kirk. Dieser ist dem Multitroniksystem gegenüber sehr misstrauisch. Gleichzeitig beginnt er sich nutzlos zu fühlen. Schließlich ist er Kommandant eines Raumschiffes. Wenn diese Aufgabe von einem Computersystem übernommen werden würde, was sollte dann aus den Captains werden? Sie würden nicht mehr gebraucht und bekämen andere Aufgaben.

Der Umstand wurmt Kirk sehr, was völlig nachvollziehbar ist. Auch wir kennen die Auswirkungen der Technisierung. Arbeitsplätze gehen verloren. Dinge, die zuvor von menschlichen Arbeitnehmern ausgeführt wurden, werden maschinell oder digital erledigt. Der Mensch wird dazu nicht mehr gebraucht. Im besten Fall bekommt er eine andere Aufgabe, im ungünstigsten Fall verliert er seine Anstellung und wird arbeitslos.

Solcherlei Befürchtungen treiben auch Kirk umher. Als Kommandant würde er dank M5 nicht mehr benötigt werden. Ich halte der humanistisch ausgelegten Gesellschaftsform dieser Zukunft zugute, dass er eine neue Aufgabe bekommen würde. Da er jedoch mit Leib und Seele Raumschiffcaptain ist, würde ihn das nicht zufriedenstellen.

Mensch oder Maschine?

Die alte Frage wird zwar nicht wortwörtlich gestellt, schwingt in der Thematik dieser Episode jedoch mit. Wie bereits erwähnt stellen Computer ein effizientes, brauchbares, bequemes Hilfsmittel dar. Hier kommt allerdings noch die Besonderheit hinzu, dass M5 ein Eigenleben entwickelt und sich schützt. Aus der prinzipiell guten Idee wird eine Gefahr. Der Computer lässt sich nicht mehr kontrollieren und wehrt sich sogar gegen die Versuche, ihn zu deaktivieren.

Bei diesem Hintergrund ist ein Mensch bzw. lebendes, selbstdenkendes, emotionales Geschöpf vorzuziehen. Natürlich steht auch hier die Möglichkeit im Raum, dass jemand die Kontrolle an sich reißt. Da jedoch Emotionen in den allermeisten Fällen eine nicht unbeträchtliche Rolle spielen, kann eine Person aus Fleisch und Blut eher überwältigt werden als ein gefühllos reagierender Computer.

Die Lösung

Kirk sabbelt mal wieder eine Maschine zu Tode. Das ist nicht neu. Die Idee hatte er bereits in den Episoden „Landru und die Ewigkeit“ und „Ich heiße Nomad“. Um ehrlich zu sein, stellt mich diese Lösung auch nicht zufrieden. Zwar geht es hier im Unterschied zu Nomad um eine moralische Fragestellung statt eines Irrtums, aber das Prinzip ist das gleiche.

Fazit

„Computer M5“ behandelt eine ernstzunehmende Thematik zur Frage „Mensch oder Maschine“ und setzt diese dabei sehr gut um.

Fun Facts

  • Autor Lawrence Wolfe legte das Script vor. Roddenberry und Fontana sahen an dessen Entwurf zunächst einige Schwächen und baten um Änderungen, welche Wolfe jedoch allesamt ablehnte. Schließlich bat Roddenberry Fontana, das Drehbuch nach seinen Vorstellungen umzuschreiben.
  • Für den unbemannten Frachter wurde das Modell der „Botany Bay“ aus der Episode „Der Schlafende Tiger“ wiederverwendet.
  • Der Computer M5 wurde von James Doohan gesprochen.

Der deutsche Titel

Da gibt es nicht viel zu interpretieren. „Computer M5“ bedeutet eben… „Computer M5“. Hier wurde mit wenig, eigentlich komplett ohne Fantasie ein passender deutscher Titel gewählt.

warpSHOP

Lust, unser Team zu unterstützen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.

Kirsten Pevestorf
Letzte Artikel von Kirsten Pevestorf (Alle anzeigen)

Kirsten Pevestorf

Kirsten ist Jahrgang 80 und ein totaler TOS-Fan, kein Wunder, dass sie sich bei und auch hauptsächlich darum kümmert. Wenn das nicht reicht, vertritt sie Marco in der Chefredaktion.

Kommentar verfassen